04.09.2020    Hilka H. Jeworrek
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Female Leadership

Frauenpower zahlt sich aus

Am DUB Digital Business Talk nahmen teil:

Moderation: Kathleen Goy, DUB UNTERNEHMER-Magazin

Die Unternehmen mit dem höchsten Frauenanteil im Topmanagement erzielen 25 Prozent höhere Gewinne als der Durchschnitt, wie eine neue Studie erbrachte. „Wenn es doch um Profit geht, warum ändern dann die Unternehmen nichts am Frauenanteil?“, fragt deshalb Brigitte Zypries, Bundeswirtschaftsministerin a.D. und Herausgeberin des DUB UNTERNEHMER-Magazins.

Im Marketing und im Personalwesen arbeiten mehr weibliche Führungskräfte als in anderen Bereichen. So nimmt dies  Stefanie Schlick wahr, Vorstandsmitglied der Dialog Versicherung und Vertriebsverantwortliche für die Maklerkanäle bei Generali Deutschland, wie sie im DUB Business Talk berichtet. Speziell den Vertrieb sieht sie weiter sehr männlich dominiert. Dabei bringen Frauen oft aufgrund ihrer Kommunikationsstärke gepaart mit Empathie natürliches Rüstzeug für diese Tätigkeit mit. „Ich denke immer darüber nach, wie ich unseren Vertrieb weiblicher machen kann. Und Frauen sind für die Branche mittlerweile eine wichtige Zielgruppe.“

Schlick hat bei der Generali positive Erfahrungen in Sachen Diversität und Frauenförderung gemacht. „Auch ich bin nicht perfekt. Weder als Führungskraft noch als Mutter. Das ist aber in Ordnung“, sagt sie. Eine gläserne Decke, die Mitarbeiterinnen die Karriere verwehrt, habe sie bei ihren Arbeitgebern in der Versicherungsbranche nicht wahrgenommen. Allerdings habe sie sich auch nie berirren lassen und sich immer viel zugetraut.

Je mehr Frauen, desto erfolgreicher

„Nicht viele Unternehmen zeigen sich so offen, wie die Generali“, sagt Jasmin Arbabian-Vogel, Präsidentin des Verbandes Deutscher Unternehmerinnen (VdU) und geschäftsführende Gesellschafterin des ambulanten Pflegedienstes Interkultureller Sozialdienst. Ihrer Erfahrung nach bestehen deutliche Unterschiede in der Art der Unternehmensführung, je nachdem, ob Frauen oder Männer an der Spitze stehen. So stellten Letztere bevorzugt ebenfalls Männer für Führungspositionen ein. Aber Pluralität dürfe nicht nur auf dem Papier bestehen. Sie muss auch gelebt werden. Frauen sollten jetzt dafür sorgen, dass mehr Frauen eingestellt werden. Denn wie die Studie Diversity wins: How inclusion matters zeigt, steigen die Erfolgsaussichten für Unternehmen, je mehr Frauen in Führunspositionen tätig sind.

Nur bei 4,8 Prozent der familiengeführten Unternehmen haben Frauen die Geschäftsführung inne, merkt Brigitte Zypries an. Vanessa Weber, CEO von Werkzeug Weber, ist eine der Ausnahmen. Sie übernahm mit 22 Jahren als gelernte Außenhandelskauffrau die Firmenleitung  vom Vater. Ehrenamtlich ermutigt sie Frauen mit ihrem Beispiel, sich nicht unterkriegen zu lassen. Weber: „Ich habe kein Studium. Aber ich habe es auch so geschafft, mich in alles hineinzuarbeiten. Frauen sind häufig sehr selbstkritisch. Das behindert uns.“ Deshalb sieht sie in Netzwerk- und Mentoringarbeit die Stellschrauben der Frauenförderung. Netzwerke wie der VdU, die Digital Media Women, Business and Professional Women oder der Club europäischer Unternehmerinnen sind Beispiele dafür.

Moderne Führung erfordert weibliche Kompetenzen

Auch die Digitalisierung bedeutet mehr Karrierechancen für Frauen, meint DUB Moderatorin Kathleen Goy. „Frauen haben sich digital anders aufgestellt als Männer. Das können sie jetzt nutzen“, pflichtet Jasmin Arbabian-Vogel bei. Die Zeiten, in denen Frauen sich mit digitalen Häppchen zufrieden gegeben haben, sind vorbei. Viele haben das Homeoffice der vergangenen Monate genutzt, um sich neue Kompetenzen anzueignen.“ Die Digitalisierung hat jetzt gezeigt, dass Führung mehr ist, als nur Anweisungen zu geben. Führung erfordert viele Kompetenzen, die Frauen mitbringen.

Weber und Schlick befürworten dies. Schlick: „Digitalisierung bedeutet auch Homeoffice. Das wiederum bedeutet größere Selbstbestimmung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Für mich gehört auch das zum Thema Diversität.“ New Normal wird im Idealfall ein Mix aus aus persönlicher und digitaler Führung. Nach den Erfahrungen der vergangenen Monate könne niemand mehr sagen, das ginge nicht.

04.09.2020    Hilka H. Jeworrek
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