07.12.2020    Kai Makus
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Geldanlage

Immobilien-Investments: Corona-Krise setzt Trends

Wie wirkt sich die Pandemie auf die Anlage in Immobilien aus? Und was bedeutet die Entwicklung hin zu mehr Digitalisierung und Nachhaltigkeit für einzelne Objekttypen? Mehr Chancen und Risiken, gepaart mit einer größeren Vielfalt an Investitionsmöglichkeiten. Drei Experten klären auf.

Doppelter Anschub: Für Sachwerte wie Immobilien wirkt die Corona-Pandemie wie ein zweiter Beschleuniger nach dem Boom der Anlageklasse im Zuge der Erholung nach der Finanzkrise. Für Julian Schnurrer von Wealthcap war schon 2007 „absehbar, dass eine höhere Geldmenge und niedrigere Zinsen nach der Finanzkrise gebraucht werden“ – und Sachinvestitionen wie die Anlage in Immobilien dadurch attraktiver werden. Seine Prognose: „Der Immobilienmarkt bleibt auch in der Corona-Krise stark, denn es gibt immer weniger Alternativen für Investoren.“

Und doch wirken dauerhafte Trends wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit, aber auch Pandemie-bedingte Effekte wie Homeoffice, der temporäre Stillstand im Hotelsektor oder auch die steigende Nachfrage nach Logistikzentren stark auf die Anlageklasse. Auch sind die Beteiligungsmöglichkeiten für Anleger vielfältiger geworden. Worauf zu achten ist, stellen Schnurrer, der in seinem Haus Produktmanagement, Strukturierung und Geschäftsstrategie leitet, sowie Volker Wohlfarth, Geschäftsführer von Zinsbaustein.de, und Dr. Guido Sandler, Vorstand bei Bergfürst, im DUB Digital Business Talk fest.

Am DUB Digital Business Talk nahmen teil:

Moderation: Thomas Eilrich, Chefredakteur DUB UNTERNEHMER-Magazin

Schnurrer hatte nach der Finanzkrise „ganz bewusst“ im Immobilienbereich bei einem etablierten Anbieter alternativer Investmentfonds angeheuert. Wohlfarth und Sandler kommen aus jüngeren Häusern, die sich der Digitalisierung der Immobilienanlage verschrieben haben. Sie vermitteln beispielsweise digitale Beteiligungen via Crowdfunding. Dabei kann in Projektentwicklungen und Bestandsimmobilien mehrerer Immobilientypen investiert werden. „Es kommt eher auf das einzelne Investment als auf eine bestimmte Immobilienkategorie an“, sagt Wohlfarth. Das Vermittlungsangebot auf Zinsbaustein.de wurde jüngst um Crowdinvesting und Club-Deals – kleinere Investorenkreise mit größeren Anlagesummen – auch bis in den Bereich der alternativen Investmentfonds erweitert. Und zwar „soft, ohne viel Kommunikation rundherum“, so Wohlfahrt, und dennoch „von Beginn an gut angenommen“.

Schnurres Analyse zur Attraktivität von Sachwerten teilen er und Sandler, machen aber auch deutlich, dass sich der Immobilienmarkt immer stärker ausdifferenziert. Auch in dieser Anlageklasse finden breitere Investorengruppen inzwischen für fast jedes Risiko-Rendite-Profil ein passendes Angebot. Bergfürst-Gründer Sandler, zuvor langjähriger Investmentbanker, setzt dabei auf den mündigen Privatinvestor, der eigenverantwortlich über die Art und Weise seiner Immobilienanlage entscheiden will. Wenn Anleger Megatrends und Mikrolage abwägen, „gibt es Appetit für alles“, fasst Sandler zusammen.

Was der Trend zum Homeoffice bewirkt

Wohlfarths These ist, dass sich Anleger während der Pandemie mehr Zeit für eine Entscheidung ließen, um sich intensiver mit Investments und Objekten zu befassen: Bei den Informationen auf Zinsbaustein.de registriert er „deutlich höhere Öffnungsraten. Die Kunden bleiben länger auf der Website und laden mehr Informationen herunter.“ Die Pandemie hat auf dem Immobilienmarkt aber auch weitere Trends angeschoben. So boomen Logistikimmobilien dank des rasanten Wachstums im Onlinehandel. Bei den anhaltend begehrten Wohnimmobilien sorgt Covid-19 für Verschiebungen: „Speckgürtel-Wohnen ist ein spannendes Feld, ebenso wie Flächen für Nahversorger es sind“, sagt Wealthcap-Manager Schnurrer unter Verweis auf den Trend zum Homeoffice.

Droht aber im Gegenzug ein Negativeffekt für klassische Büroimmobilien? Diesen erwartet keiner der drei Experten. Dem entgegen steht Modernität – sprich die Berücksichtigung von schon vor der Pandemie wirkenden Megatrends wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Davon ist auch Schnurrer überzeugt. Die Alternativen Investmentfonds seines Hauses wirken Einzelrisiken zudem entgegen, indem sie teils in ein ganzes Portfolio von Objekten investieren. Sandler sieht im Büroimmobiliensektor „deutlich attraktivere Randlagen“ – weil die Grundstückspreise niedriger und die Renditen somit höher sind. Schnurrer erwartet auch in A-Lagen mindestens stabile Preise, denn: „Es gibt keinen Leerstand.“

Mehr Mitarbeiter im Homeoffice hätten daher für den Markt auch etwas Positives: eine Entzerrung. Zudem steht dem Trend zum Arbeiten von daheim ein anderer entgehen: Corona macht mehr Abstand im Büro notwendig – das bedeutet mehr Fläche je Mitarbeiter. Darüber hinaus, so Schnurrer, seien die technischen Anforderungen an Büroräume gestiegen. Lüftungen müssten verbessert und die Internetanbindung gestärkt werden, damit die Kollegen im Homeoffice auch angeschlossen werden können.

Megatrends: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Mit Blick auf den Megatrend Digitalisierung im Immobilienbereich sieht Sandler vor allem positive Effizienz- und Kosteneffekte beim Bau: Digitale Baupläne sorgen für schnellere Genehmigungen, virtuelle Begehungen vermitteln Mietinteressenten bessere Informationen zum Objekt. Aber auch im Bestand kann die Digitalisierung helfen. Sandler denkt an digitale Systemüberwachungen, die zum Beispiel bei einem undichten Dach automatisch Alarm schlagen und eine frühzeitige Reparatur ermöglichen: „Da sparen Sie Kosten, das kommt Mietern wie Eigentümern zu Gute.“

Für Wohlfarth ein Beleg, dass die Digitalisierung auch die Nachhaltigkeit eines Objekts steigern kann. Nachhaltige Kriterien sollten nicht nur beim Bau, sondern auch bei der Bewirtschaftung einer Liegenschaft Anwendung finden – „ein permanenter Prozess“ sei etwa die Senkung des CO2-Ausstoßes oder die Vermeidung von Müll. Der Megatrend hat für Wohlfarth definitiv enormen Einfluss Immobiliensektor. Einen zusätzlichen Schub erwartet der Experte, wenn sich nachhaltige Projekte zunehmend auch als ökonomisch sinnvoll herausstellen. Er beschreibt ein funktionierendes Beispiel: Die energetische Sanierung eines Objekts aus den 60er-Jahren ermöglicht die Weitervermietung zum bisherigen Preis – bei allerdings deutlich gesenkten Nebenkosten.

07.12.2020    Kai Makus
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