09.10.2020    Kai Makus

Ökologische Transformation

Wie Unternehmen nachhaltiger werden

Den Trend zum nachhaltigeren Wirtschaften wird auch die Coronakrise nicht stoppen können – wie nötig es ist, zeigen Airline- und Autobranche. Experten geben Tipps, wie jetzt der Umbau von Unternehmen hin zu mehr Umweltbewusstsein und sozialer Verantwortung gelingen kann.

Unternehmen sind soziale Organisationen, die sich nicht im luftleeren Raum bewegen – daher müssen sie sich angesichts steigender Erderwärmung und wachsender gesellschaftlicher Probleme weltweit nachhaltiger aufstellen. Dafür sprechen nicht nur handfeste unternehmerische Gründe wie Kostenersparnisse bei Material oder Strom, Reputationsmanagement oder die Attraktivität als Arbeitgeber, sagt Stefan Schaltegger, Professor an der Leuphana Universität Lüneburg beim DUB Digital Business Talk. Bei vielen Führungskräften und Mitarbeitern gibt es auch eine innere Motivation, „etwas Sinnstiftendes zu tun“, so der Gründer des weltweit ersten Studiengangs für nachhaltiges Management: „Ein wichtiger Treiber.“

Am DUB Digital Business Talk nahmen teil:

Moderation: Andreas Busch, Redakteur DUB UNTERNEHMER-Magazin

Colin Bien, Co-Gründer der Nachhaltigkeitsberatung .nRole, sieht die Notwendigkeit, den Mindshift in der Bevölkerung in Umweltfragen zu einem „Corporate Mindshift“ zu nutzen: „Die Umweltschäden nehmen zu, das Zeitfenster wird kleiner“, warnt er. Die Corona-Krise hat für Catharina Enderlein, Gründerin der Nachhaltigkeits- und Strategieagentur meet MOMENTUM, deutlich gemacht, dass man als Unternehmer Verantwortung in der Gesellschaft zeigen muss. Das erzeugt Glaubwürdigkeit und Vertrauen – und „den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg, der damit einhergeht“.

Nachhaltigkeit verändert Firmenkultur

Bien, der Schulungsprogramme für mehr Nachhaltigkeit in Organisationen entwickelt, hofft, dass Nachhaltigkeit durch Covid-19 „weder an Bedeutung noch an Budget verliert“. Eine abschließende Bewertung wagt er mangels Daten nicht, schließlich hält die Corona-Krise an. Für Hochschullehrer Schaltegger steht aber fest: „Es ist nie so deutlich wie im Moment, dass Manager, die Nachhaltigkeit nicht berücksichtigen, riskantes Personal sind.“ Sein Beleg: Die Turbulenzen in der Luftfahrt, aber auch in der Autobranche. „Wer hier nachhaltige Mobilitätslösungen entwickeln kann, wird der Gewinner sein.“

Für eine Transformation von Unternehmen ist ein Nachhaltigkeitsbeauftragter empfehlenswert – reicht aber allein nicht aus. Es braucht einen Hauptverantwortlichen mit vertieften Kenntnissen, der Mitarbeiter aus allen Abteilungen vom Einkauf über die Produktion bis hin zum Rechnungswesen anleiten und vernetzen kann, rät Schaltegger. Bien beschreibt das so: „Kapitänen im Team die Ideentools an die Hand geben, wie sie das Wissen in alle Unternehmensbereiche tragen können.“ Entscheidend ist dabei eine offene Firmenkultur. Diese kann für Gründerin Enderlein auch durch Impulse von außen entstehen, die einen internen Diskurs anschieben.

Nachhaltiges Marketing statt Greenwashing

Ein Teil solcher Offenheit kann ein Nachhaltigkeitsbericht sein, wie ihn größere Unternehmen schon seit geraumer Zeit vorlegen müssen. Diesen nennt Enderlein „wichtig, um eine Messbarkeit herzustellen und zu sehen, wo das Unternehmen steht“. Bien pflichtet ihr bei: Das für den Bericht nötige Reporting „erschafft Daten, die Unternehmen als Grundlage nutzen können“ – um damit die nötigen Prozesse und Strukturen für den Wandel implementieren zu können.

Einen exzessiven Einsatz des Nachhaltigkeitsberichts als Marketinginstrument hält Forscher Schaltegger jedoch für gefährlich, Stichwort: Greenwashing. „Mehr leisten und weniger sprechen, bescheiden sein, das kommt deutlich besser an.“ Nachhaltigkeit ist eben kein Reputational, sondern ein Responsible Business Case.

DUB Business Talks

09.10.2020    Kai Makus
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