Corona News: Update aus der Klinik
rund um den Impfstoff

Täglicher Videocast mit Essener Klinikchef Prof. Jochen Werner

Videocast „19 – die DUB Chefvisite”

Corona-Selbsttests vom Aldi: Inzidenzwerte werden steigen

Bei Corona-Maßnahmen nicht nur Inzidenzwerte berücksichtigen, Toyota plant autonomes Fahren bei Olympia, Künstliche Intelligenz soll „Menschen unterstützen, nicht ersetzen“. Mehr

Podcast

„Die Inzidenzzahl wird steigen“: Wegen der zunehmenden Verbreitung von Corona-Selbsttests rechnet der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, mit mehr erkannten Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Solche Tests waren bereits am zurückliegenden Wochenende bei Discountern wie Aldi erhältlich. Bei „19 – die Chefvisite“ warnt Werner davor, „reflexartig in Panik zu verfallen“: Bei Entscheidungen über strengere oder lockerere Corona-Maßnahmen müssten künftig auch Daten über die Anzahl von Covid-19-Patienten in Krankenhäusern und Sterbefälle berücksichtigt werden, fordert der Mediziner: „Wir müssen lernen, eine höhere Inzidenzzahl zu tolerieren und zielstrebig weiter zu öffnen“ – solange die Krankenhausauslastung stabil bleibe und die Todesrate sinke.

Nach einer Übergangszeit wird sich nach Einschätzung des japanischen Autoherstellers Toyota der Wasserstoffantrieb für Fahrzeuge durchsetzen. Toyota-Sprecher Thomas Schalberger sagt in der Sendung, mit grüner Technologie erzeugter Wasserstoff sei „eine der besten Alternativen“ zu herkömmlichem Sprit. Bei der dafür nötigen Tankstelleninfrastruktur sei Deutschland gut aufgestellt, so Schalberger. Er kündigt an, dass Toyota bei den Olympischen Spielen in Tokio „erste vollautonome Fahrzeugsysteme“ einsetzen werde. In diesen Kleinbussen sollen aber die Fahrer nicht abgeschafft werden: „Unser Ziel ist es, dass die Fahrzeuge jede Art von Verkehrsunfällen verhindern können“, betont Schalberger.

Künstliche Intelligenz, wie sie auch für autonomes Fahren nötig ist, sei dafür gedacht, den Menschen zu unterstützen, sagt Christophe Hocquet, Gründer des KI-Start-ups natif.ai. „Es geht darum, Fehler zu minimieren – und nicht darum, Mitarbeiter zu ersetzen“, so Hocquet. So könnten Programme mit Künstlicher Intelligenz etwa Dokumente auslesen und die darin enthaltenen Informationen aufbereiten sowie verarbeiten. Als Beispiel nennt Hocquet Stauwarnungen auf dem Smartphone oder Filmempfehlungen bei Streamingdiensten,

die mit KI funktionierten. Die Unterstützung des Menschen durch Künstliche Intelligenz habe letztlich auch die rasche Entwicklung von Corona-Impfstoffen ermöglicht.

Bei „19 – die Chefvisite“ werden von Montag bis Freitag die aktuell wichtigsten Entwicklungen der Corona-Krise in ihren medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten diskutiert und eingeordnet – in nur 19 Minuten. Am Dienstag, den 9. März, ist Dr. Janosch Dahmen als Talk-Gast dabei. Der Grünen-Politiker sitzt im Gesundheitsausschuss des Bundestages. Alle Sendungen sind jederzeit abrufbar in der Mediathek auf DUB-magazin.de!

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05.03.2021

Bei Lockdown-Lockerungen keine Angst vor Shopping-Tourismus

Oberbürgermeister von Bielefeld hält Käuferansturm für unwahrscheinlich, Politiker sollen „Vorbild sein“, Corona-Inzidenz von 100 verteidigt. Mehr
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„Shopping-Tourismus bereitet mir keine Sorgen“: Entspannt blickt der Oberbürgermeister von Bielefeld, Pit Clausen, auf die mögliche Öffnung des Einzelhandels kommende Woche in seiner Stadt mit einer aktuellen Inzidenz von 28,1. Bei „19 – die Chefvisite“ argumentiert er, dass den vorgeschriebenen Mindest-Inzidenzwert von 50 in Nordrhein-Westfalen nur zehn Städte unterschreiten würden – „in vielen anderen Städten kann der Händler aber Kunden nach Anmeldung bedienen“. Daher erwarte er nicht, „dass jemand zum Schuhkaufen nach Bielefeld kommt“.

Bei den niedrigen Fallzahlen hat laut Clausen eine Rolle gespielt, dass die Stadt nach örtlichen Auffälligkeiten gesucht habe und dann „mit Milieu-spezifischen Ansprachen“ auf bestimmte Einwohner zugegangen sei – „sehr sensibel, zielorientiert“, um Diskriminierung zu vermeiden. Wichtig für den SPD-Politiker: „Vorbild sein – in allen Lebensbereichen. Wir können die Krise nur bewältigen, wenn jeder das zu seiner Sache macht.“

Clausen betont, dass die Politik weiter flexibel auf die Entwicklung der Pandemie reagieren müsse. „Hand an der Notbremse“, nennt er seinen Kurs. Krisenmanagement bedeute, „bei veränderter Faktenlage nachzusteuern“. Er warb um Verständnis bei Einzelhändlern und Gastronomen, dass sich diese immer wieder auf neue Regeln einstellen müssten. Aber: „In einer Krise gibt es nur eine begrenzte Planbarkeit“, so Clausen. Nach den jüngsten Beschlüssen der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin treten bei einem Inzidenzwert von 100 in einer Region die scharfen Lockdown-Maßnahmen wieder in Kraft.

Bei „19 – die Chefvisite“ werden von Montag bis Freitag die aktuell wichtigsten Entwicklungen der Corona-Krise in ihren medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten diskutiert und eingeordnet – in nur 19 Minuten. Talk-Gäste am Montag, den 8. März: Toyota-Sprecher Thomas Schalberger und Christophe Hocquet, Gründer des KI-Spezialisten natif.ai. Alle Sendungen sind jederzeit abrufbar in der Mediathek auf DUB-magazin.de!

04.03.2021

Neue Corona-Beschlüsse zeigen Chaos in der Politik

Kurswechsel legt Regierungsversagen offen, fehlende Teststrategie kritisiert, „Notbremse“ erhöht Pleitegefahr in der Wirtschaft. Mehr
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„Die Lockerungen ohne Teststrategie zeigen vor allem die Versäumnisse der letzten Zeit“: Hart ins Gericht geht der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, mit den gestrigen Beschlüssen beim Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten. Bei „19 – die Chefvisite“ sagt Werner, die Politik habe vor dem Infektionsgeschehen und dem Druck der Öffentlichkeit kapituliert und so ihr eigenes Versagen offenbart. Denn „nach der bisherigen Logik und der kürzlichen Durchsetzung der neuen Inzidenzzahl 35 gab es keinen Grund zur Lockerung“, so der Mediziner. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche sei zwar stabil, „sie sinkt aber nicht“. Die jetzt neu gesetzten Grenzwerte von 35 und 50 sowie die „Notbremse“ bei 100 „führen nur zu weiterer Verwirrung bei den Menschen“, rügt Werner.

Das Risiko abrupter Schließungen bei einer Inzidenz von 100 bedeutet auch, dass Unternehmen noch immer nicht planen können. Das werde die Pleitegefahr im Einzelhandel, in der Gastronomie und in der Veranstaltungsbranche weiter erhöhen, sagt der Bankenexperte Roland Boekhout in der Sendung. „Viele werden wirtschaftlich nicht überleben“, so der frühere Firmenkundenvorstand der Commerzbank. Boekhout rechnet mit einer „Welle von Insolvenzen“, wenn Unternehmen eine Zahlungsunfähigkeit wieder anzeigen müssen. Für dann absehbare Kreditausfälle hätten die Geldinstitute zwar ihre Kapitalpuffer gestärkt – aber die Corona-Krise sei „anders“: Es gebe keine historischen Daten, auf die die Vorhersagemodelle der Banken zurückgreifen könnten, warnt Boekhout.

Klinikchef Werner kritisiert insbesondere das Fehlen einer „schlüssigen Teststrategie“: „Der Start ist auf Anfang April verschoben.“ Dabei gelte: „Testen, dann können wir auch öffnen.“ Wie schon bei den Impfstoffen benötige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Unterstützung bei der Beschaffung von Tests. Selbsttests sollen ab Samstag bei Discountern erhältlich sein – Werner fordert daher eine „Klarstellung“, an wen sich positiv Getestete telefonisch auch am Wochenende wenden können. Zudem müsse die Zuordnung von Testergebnisse zu einzelnen Personen sichergestellt werden. „Dafür gibt es Software, die müssen wir jetzt nutzen“, so der Mediziner.

Bei „19 – die Chefvisite“ werden von Montag bis Freitag die aktuell wichtigsten Entwicklungen der Corona-Krise in ihren medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten diskutiert und eingeordnet – in nur 19 Minuten. Am Freitag, den 5. März, sind als Talk-Gäste der Arzt und Buchautor, Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, sowie der Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld, Pit Clausen, dabei. Alle Sendungen sind jederzeit abrufbar in der Mediathek auf DUB-magazin.de!

03.03.2021

Digitalisierung „Riesenchance“ im Kampf gegen Krebs

Diagnosen, Therapien und Vorsorge werden besser, im internationalen Vergleich steht Deutschland gut da, Ruf nach bundesweitem Konzept für Corona-Schnelltests. Mehr
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Als „Riesenchance“ im Kampf gegen Krebs wertet der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Bei „19 – die Chefvisite“ berichtet Werner von besseren Diagnosen durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz bei der Auswertung von Röntgenbildern. Maschinen erzielten dabei bessere Ergebnisse, „der Mensch wird irgendwann müde“. Genauere Diagnostik ermögliche bessere Therapien, die durch Digitalisierung an den Patienten angepasst werden könnten. Das gelte auch für die Vorsorge, die digital individueller werde. „Insgesamt ist es absolut klar, dass es digital besser wird“, urteilt der Mediziner.

Der Sprecher des Verbands der Privaten Krankenversicherungen, Stefan Reker, sieht Deutschland im Kampf gegen Krebs gut aufgestellt. In der Sendung berichtet er, dass Krebsmedikamente hierzulande im Schnitt 82 Tage nach der europäischen Zulassung zur Verfügung stünden – der EU-Durchschnitt liege bei 445 Tagen. Ein Grund sei die Digitalisierung. Für diese sei die Corona-Krise ein „Turbolader“, so Reker. Herzstück für die Gesundheit sei in Zukunft die elektronische Patientenakte. Bei deren Einführung sei die aktuell größte Herausforderung die flächendeckende Anbindung aller Arztpraxen an das neue System. Der Zugriff auf die gesammelten Daten sei aber zurzeit nur mit der Gesundheitskarte möglich. „Wir wollen eine digitale App, damit das auch ohne Chipkarte funktioniert“, so Reker.

Für das heutige Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu den weiteren Corona-Maßnahmen hofft Klinikchef Werner auf eine „besonnene Öffnungsstrategie, gerne als Stufenkonzept“. Er fordert zudem ein „klares Konzept zum bundesweiten Vorgehen mit Schnelltests“. Zur Bedeutung von Schnelltests verweist Werner auf die Stadt Flensburg. Diese habe zusammen mit einer benachbarten Kommune in Eigenregie Schnelltests beschafft und biete diese bereits jetzt den Bürgern kostenlos an. „An den ersten beiden Tagen wurde die Infektion bereits bei 40 unauffälligen Personen nachgewiesen“, sagt der Mediziner. So lasse sich das Infektionsrisiko mindern.

Bei „19 – die Chefvisite“ werden von Montag bis Freitag die aktuell wichtigsten Entwicklungen der Corona-Krise in ihren medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten diskutiert und eingeordnet – in nur 19 Minuten. Talk-Gast am Donnerstag, den 4. März: der frühere Firmenkunden-Vorstand der Commerzbank, Roland Boekhout. Alle Sendungen sind jederzeit abrufbar in der Mediathek auf DUB-magazin.de!

02.03.2021

Sylt-Urlaub nur mit PCR-Test möglich

Sylter Bürgermeister will rechtliche Grundlage für Kontrollen bei Insel-Einreise, Selbsttests im Kampf gegen mutierte Coronaviren, „willkürlicher Akte der Zensur“ bei LinkedIn. Mehr
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Wer auf Sylt Ferien machen will, soll künftig einen PRC-Test oder einen Schnelltest vorweisen müssen, der durch qualifiziertes Personal durchgeführt wurde. Das kündigte der Bürgermeister der Inselgemeinde, Nikolas Häckel, bei „19 – die Chefvisite“ an. „Nicht einfach losreisen“, sagte Häckel. „Es wäre fatal, wenn wir einen zweiten Insel-Lockdown bekämen.“ Negative Tests müssten dann spätestens beim Check-In in Hotel oder Ferienwohnung vorgezeigt werden. Danach solle eine App zur Kontaktnachverfolgung auf Sylt genutzt werden.

Bürgermeister Häckel forderte den Kreis Nordfriesland und das Land Schleswig-Holstein auf, die rechtlichen Grundlagen für Einreisekontrollen durch die Bundespolizei zu schaffen. „Willkür wollen wir nicht“, so Häckel. Reisende ohne oder mit einem positiven Test müssten aber schon vor Betreten der Insel identifiziert werden. Vorerst müsse die Gemeinde jedoch auf Appelle und Information setzen: „Wir wissen ja, wer gebucht hat“, so Häckel.

Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, begrüßte in der Sendung die Entscheidung der Bundesregierung, jetzt doch jedem Bürger pro Woche zwei kostenlose Schnelltest durch qualifiziertes Personal in Aussicht zu stellen. „Wir müssen aber auch über Schnelltests im häuslichen Bereich nachdenken“, so Werner. Die Bereitschaft der Menschen dazu schätzte er als hoch ein, denn sie könnten damit „ihre Grundrechte zurückbekommen“. Die schnelle Identifizierung von Infektionen sei nötig, um die rasche Ausbreitung von Corona-Mutationen einzudämmen, sagte der Mediziner.

Verleger Jens de Buhr, Leiter des bundesweiten Medienverbunds Chefvisite, beklagte im Videocast einen „willkürlichen Akt der Zensur“ auf der Plattform LinkedIn. Dort habe er zur gestrigen Sendung einen kritischen Kommentar über die Maskenpflicht an der Hamburger Außenalster gepostet, den LinkedIn gesperrt habe – „es gab keine Begründung“, berichtete de Buhr. Auf Nachfrage sei von einem „Irrtum“ die Rede gewesen und der Artikel wieder online gestellt worden. De Buhr nannte solche Vorgänge „gruselig“: „Demokratie lebt auch von der Diskussion, dem Diskurs“, mahnte der Verleger der DUB UNTERNEHMER-Medien.

Bei „19 – die Chefvisite“ werden von Montag bis Freitag die aktuell wichtigsten Entwicklungen der Corona-Krise in ihren medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten diskutiert und eingeordnet – in nur 19 Minuten. Am Mittwoch, den 3. März, ist der Sprecher des Verbands der Privaten Krankenversicherer, Stefan Reker, als Talk-Gast dabei. Alle Sendungen sind jederzeit abrufbar in der Mediathek auf DUB-magazin.de!

01.03.2021

Chaotische Corona-Kontrollen gerügt

Ruf nach klaren und verständlichen Regeln, mit Schnelltests aus dem Lockdown, genügend Antikörper im Blut auch ein Jahr nach Covid-Erkrankung. Mehr
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Chaotische Regeln zum Maskentragen und deren schwierige Kontrolle rügt der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, bei „19 – die Chefvisite“. So dürften Fußgänger in Düsseldorf nicht stehen bleiben und müssten „quasi permanent gehen“, sagt Werner – „und Polizisten sollen das kontrollieren“. In Hamburg gelte eine Maskenpflicht für Jogger an der Außenalster, dort seien statt Eltern mit Kinderwagen jetzt Polizisten in Peterwagen unterwegs. „Auswüchse“, urteilt der Mediziner. Er fordert „klare, verständliche Regeln“. Sonst würden sich die Menschen nicht mehr daran halten, warnt Werner.

Für dringend nötig hält der Klinikchef die Ausweitung von Schnelltests: „Wir müssen den Menschen die Selbstverantwortung geben, zuhause einen Spucktest durchzuführen.“ So lasse sich eine bessere Übersicht zum Infektionsgeschehen gewinnen – Super-Spreader, die viele Menschen anstecken, könnten schneller identifiziert werden. Zwar böten die Schnelltests keine 100-prozentige Sicherheit. Aber auch die genaueren PCR-Tests seien nicht der „Heilige Gral“. Sie könnten ebenfalls falsche Ergebnisse liefern, wenn etwa der dazu nötige Abstrich nicht korrekt gemacht worden sei. „Wir müssen lernen, mit Fehlern zu leben“, so Werner.

Schnelltests könnten auch die Debatte um die Präsenzpflicht in Schulen vorantreiben, sagt Joachim Huber, Leiter des Medienressorts vom Berliner „Tagesspiegel“, in der Sendung. Das Lehrerkollegium der Grundschule, an der seine Frau unterrichtet, habe solche Tests selbst organisiert. Das habe die „leichte Hysterie aus dem Lehrkörper herausgenommen“ und Diskussionen, ob Kinder wieder in die Schule dürften, „in ganz andere Spuren gebracht“, berichtet der Journalist. Huber, der bereits im März 2020 lebensbedrohlich an Covid-19 erkrankt war, nimmt zurzeit an einer Studie der Charité zu den Folgen der Infektion teil. „Ich habe nach einem Jahr noch ausreichend Antikörper im Blut“, so Huber. Trotzdem wolle er sich gerne impfen lassen, „wenn irgendwo noch ein Tröpfchen Impfstoff übrig ist“: „Ich misstraue dem Virus, ein ganz böses Ding.“

Bei „19 – die Chefvisite“ werden von Montag bis Freitag die aktuell wichtigsten Entwicklungen der Corona-Krise in ihren medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten diskutiert und eingeordnet – in nur 19 Minuten. Talk-Gast am Dienstag, den 2. März: Nikolas Häckel, Bürgermeister der Ferieninsel Sylt. Alle Sendungen sind jederzeit abrufbar in der Mediathek auf DUB-magazin.de!

26.02.2021

Klöckner-Chef: Stellenabbau durch Digitalisierung

Automatisierung bei Klöckner & Co. kostet Arbeitsplätze, stärkstes Quartal seit 15 Jahren für Stahlhändler absehbar, Altenheimbewohner wieder besuchen. Mehr
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Gisbert Rühl, Vorstandsvorsitzender des Stahlhändlers Klöckner & Co, nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Folgen der Digitalisierung seines Unternehmens geht: „Der Wandel zu einem Plattformunternehmen hat zur Folge, dass in den Kernprozessen weniger Mitarbeiter benötigt werden“, sagt Rühl bei „19 – die Chefvisite“. 2020 sei die Zahl der Angestellten um 15 Prozent geschrumpft, die Hälfte davon durch digitale Prozesse.

„Die Anforderungen an die Mitarbeiter haben sich völlig geändert. Wir unterstützen Fortbildung durch unsere Digital Academy, aber wer den Wandel nicht mitmachen kann oder will, muss gehen. Das ist keine Frage des Alters, sondern des Mindsets“, sagt der CEO. Für das laufende Quartal erwartet Klöckner & Co das stärkste Ergebnis seit dem Börsengang vor 15 Jahren. „Wir spüren einen starken Boom, auch durch die Knappheit bei Stahl“, so Rühl in der Sendung. Im vergangenen Jahr sei die Nachfrage durch die Corona-Krise um 18 Prozent eingebrochen, das Unternehmen habe aber „früh gegengelenkt und die Krise als Chance gesehen“.

Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, rief in der Sendung dazu auf, die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen nach den erfolgreichen Impfungen wieder zu besuchen. „Wir dürfen und müssen uns diesen Menschen auch wieder körperlich nähern. Die Zeit einer angstbesetzten Distanz muss vorbei sein“, sagt Werner. Das RKI meldet bundesweit 9997 Neuinfektionen binnen 24 Stunden, das sind 884 mehr als vor einer Woche. Hinzu kommen 394 Covid-assoziierte Todesfälle. Die Sieben-Tages-Inzidenz ist auf 62,6 gestiegen.

Bei „19 – die Chefvisite“ werden von Montag bis Freitag die aktuell wichtigsten Entwicklungen der Corona-Krise in ihren medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten diskutiert und eingeordnet – in nur 19 Minuten. Unsere Talk-Gäste am Montag, den 1. März: Biogena-Managerin Julia Ganglbauer und „Tagesspiegel“-Redakteur Joachim Huber. Die Live-Sendung startet wie gewohnt um 10 Uhr, via Zoom kann jeder dabei sein – einfach auf diesen Link klicken: https://dub-magazin.de/chefvisite-zoom/

25.02.2021

Gregor Gysi: Ministerpräsidenten entscheiden verfassungswidrig

Linken-Politiker: Beschluss durch Ministerpräsidenten und Kanzlerin „steht nicht im Grundgesetz“, unlogische Corona-Politik kritisert, wieder mehr Neuinfektionen. Mehr
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Als verfassungswidrig kritisiert der Linken-Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi die Entscheidungsfindung in der Corona-Politik. Der Beschluss von Freiheitsbeschränkungen durch die Ministerpräsidentenkonferenz und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „steht nicht im Grundgesetz“, sagt Gysi bei „19 – die Chefvisite“. Statt durch diese „komische Konferenz“ müssten Einschränkungen der Grundrechte durch den Bundestag legitimiert werden, fordert der Rechtsanwalt. Er warnte, dass das Parlament sonst auch in anderen Fragen übergangen werden könnte: „Da müssen wir hellwach bleiben.“

Nötig sei bei den Corona-Maßnahmen „ein Konzept, eine langfristige Perspektive“. Die Verwirrung um unterschiedliche Inzidenzwerte müsse enden: „Erst 100, dann 50, jetzt 35 – das nehmen die Leute nicht mehr ernst“, so Gysi. Die Bundesregierung dürfe „nicht nur auf Virologen hören“: „Die einseitige Beratung war falsch“, urteilt der Linken-Politiker. Es müssten auch Stimmen aus der Wirtschaft, den Gewerkschaften, den Kirchen gehört werden. Dann werde der Kampf gegen Covid-19 auch berechenbarer und logischer. Für seine Fraktion gelte: „Wir stellen nicht die Maßnahmen in Frage, uns fehlt die Logik“, sagt Gysi.

Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, hält den aktuellen Zielwert von höchstens 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen „bundesweit gesehen für zurzeit kaum erreichbar“. Aktuell liegt der Inzidenzwert mit 61,7 etwas höher als am Vortag. Das RKI meldet mit 11.869 neuen Fällen 1162 mehr als am Donnerstag der Vorwoche. „Die Seitwärtsbewegung nimmt eine Entwicklung nach oben“, so Werner. Die Zahl der am oder mit dem Sars-CoV-2-Virus Verstorbenen erhöht sich laut RKI um 385 auf insgesamt 69.125.

Bei „19 – die Chefvisite“ werden von Montag bis Freitag die aktuell wichtigsten Entwicklungen der Corona-Krise in ihren medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten diskutiert und eingeordnet – in nur 19 Minuten. Talk-Gast am Freitag, den 26. Februar: Gisbert Rühl, der Chef des Stahlhändlers Klöckner & Co. Alle Sendungen sind jederzeit abrufbar in der Mediathek auf DUB-magazin.de!

24.02.2021

Corona-Mutationen: Ist das Ende der Pandemie nahe?

Binnen eines Monats weltweit nur noch halb so viele Todesopfer, Abkehr vom geldgetriebenen Fußball gefordert, Impfungen: In Israel geht es „zurück ins Leben“. Mehr
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„Die Mutationen könnten das Ende der Pandemie ankündigen“: Weltweit geht die Zahl der Corona-Infektionen aktuell rasant zurück – „auf allen Erdteilen, mit Ausnahme des östlichen Mittelmeerraums“, sagt der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, bei „19 – die Chefvisite“. „Auch die Anzahl der an oder mit Covid-19 Verstorbenen hat sich binnen eines Monats glattweg halbiert“, berichtet Werner unter Verweis auf neue WHO-Daten. Das rasche Abklingen einer Erkrankungswelle nach Mutationen des auslösenden Virus „kennt man schon von früheren Pandemien“, so der Mediziner. Werner hofft, „dass das plötzliche Nachlassen des weltweiten Infektionsgeschehens bei der Diskussion um Lockerungen in einer Woche Berücksichtigung findet“. Dann treffen sich die Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), um über die weiteren Corona-Maßnahmen zu entscheiden.

Von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Profi-Fußballclubs berichtet Markus Rejek in der Sendung. „Wir können unternehmerisch nicht mehr planen“, sagt der Geschäftsführer des Bundesligisten Arminia Bielefeld. Er mahnt: „Wir dürfen uns nicht wieder auf Dauer verschulden.“ Pläne für einen Stadionzugang nur mit Impfausweis lehnt Rejek ab: „Das passt nicht zu uns. Fußball ist für alle da.“ Bei der Rückkehr der Zuschauer gilt für ihn die Devise „alle oder keiner“. Rejek sieht in der Pandemie „eine Chance, Dinge zu hinterfragen – auch das System Fußball“. Statt „Geld schießt Tore“ fordert er einen Erhalt der Fankultur und eine „Rückkehr zu alten Werten“.

„Mit der grünen Plakette kann man wieder ins Leben zurückgehen“: Von der aktuellen Entwicklung im Impf-Vorreiterland Israel erzählt Daniela Oliel in der Sendung. Die Plakette gilt als Impfausweis und „wird gut genutzt“, um wieder Kinos und Restaurants zu besuchen. Der Wunsch, sich impfen zu lassen, sei vielfach höher, berichtet die Israelin, die seit 17 Jahren in Deutschland lebt, weil die soziale Absicherung deutlich schlechter sei als in Deutschland. Impfgegner und Verschwörungstheoretiker seien „eine Randerscheinung“, die Israelis hätten eine andere Mentalität: „Sie sind gewohnt, mit Bedrohungen zu leben, und wissen, dass es einen 100-prozentigen Schutz nicht gibt“, so Oliel.

Bei „19 – die Chefvisite“ werden von Montag bis Freitag die aktuell wichtigsten Entwicklungen der Corona-Krise in ihren medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten diskutiert und eingeordnet – in nur 19 Minuten. Am Donnerstag, den 25. Februar, ist Gregor Gysi, Bundestagsabgeordneter und Polit-Ikone der Linken, mit dabei. Alle Sendungen sind jederzeit abrufbar in der Mediathek auf DUB-magazin.de!

23.02.2021

Bundesregierung droht Desaster bei Corona-Tests

Glaubwürdigkeit der Politik durch Regierungsstreit um Schnelltests gefährdet, Zero-Covid-Strategie abgelehnt, TV-Koch Herrmann sieht Gastronomie für Öffnungen gut aufgestellt. Mehr
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„Das wirft auf alle Beteiligten kein gutes Licht“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, warnt bei „19 – die Chefvisite“ vor dem sich abzeichnenden Desaster der Bundesregierung bei Corona-Tests. Hart kritisiert Werner die Absage von Bundeskanzlerin Angela Merkel an eine vermehrte Bereitstellung von Schnelltests. Dass die Kanzlerin ihren Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) „zurückgepfiffen“ habe und das Thema jetzt erst beim Treffen mit den Ministerpräsidenten am 3. März besprechen wolle, erinnert Werner an den „indiskutablen Start zum Tragen einer Schutzmaske vor einem Jahr“.

Auch damals habe Merkel die Einführung der allgemeinen Maskenpflicht verzögert und damit eine „Chance zum Infektionsschutz verpasst“, so der Mediziner. Er stellt klar, dass es „in dieser Phase mit Schnelltests in der Breite noch nicht um die Zulassung zum Kinobesuch“ gehe, sondern um das „frühzeitige Erkennen von Infizierten“. „Jeder Nachweis einer Infektion zählt!“, so Werner. „Die deutsche Politik des Zögerns und Zauderns, die uns bei Masken oder beim Einkauf von Impfstoffen schon viele Menschenleben gekostet hat, wird hier fortgesetzt“, rügt der Klinikchef. Er fürchtet, dass das Vorgehen „die Corona-Politik und damit die ohnehin schon bröckelnde Akzeptanz der Bevölkerung massiv beschädigt“.

„Die Ziele der Corona-Politik sind nach wie vor richtig“: Wolfgang Bosbach, der frühere Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag, betont in der Sendung, dass eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden müsse. Eine Absage erteilt der CDU-Politiker aber einer Zero-Covid-Strategie, die auf die Vermeidung jeglicher Corona-Infektion abzielt: „Ich weiß nicht, wie das ohne absoluten Lockdown funktionieren soll“, sagt Bosbach. Dieser würde jedoch „schwere Nebenwirkungen für Wirtschaft und Gesellschaft“ mit sich bringen.

TV-Koch Alexander Herrmann sieht die Gastronomie für Öffnungen „sehr gut aufgestellt – wenn man uns lässt“. „Gastro kann Hygiene, wir wachsen damit auf“, so Herrmann, der selbst neben einem Hotel mehrere Restaurants betreibt. Die Räumlichkeiten hat er bereits technisch aufgerüstet, etwa mit Luftfiltern. „Ich kann mein Geschäft in fünf bis sieben Tagen wieder hochfahren, Corona-konform“, sagt Herrmann. Ihm fehlt die Weitsicht in der Politik: „Wir müssen uns auf den Oktober vorbereiten“, fordert er. Dann könnten die Infektionszahlen wegen niedrigerer Temperaturen wieder steigen. Die Zeit bis dahin müsse genutzt werden, um Gesundheitssystem und -ämter personell aufzustocken.

22.02.2021

Corona: Über 250 Impfstoff-Kandidaten weltweit

Biotechnologie lässt auch auf Medikamente gegen Krebs hoffen, „Revolution in der Medizin“ möglich, Stufenplan für Lockdown-Ausstieg gefordert. Mehr
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Weltweit gibt es aktuell mehr als 250 Impfstoff-Kandidaten gegen das Coronavirus. Damit zeichnen sich „neue Produkte“ im Kampf gegen die Pandemie ab, sagt die DWS-Biotech-Fondsmanagerin Noushin Irani bei „19 – die Chefvisite“. Bei der Entwicklung würden „technologische Durchbrüche wie Zell- und Gentherapie oder mRNA helfen“, so Irani. Das lasse langfristig auch auf Erfolge in der Behandlung von Krebs und anderen unheilbaren Krankheiten hoffen. Durch Biotechnologie seien bereits die schon zugelassenen Impfstoffe in „historisch beispiellosem Tempo“ möglich gewesen, urteilt die Fondsmanagerin.

Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, hält durch Biotechnologie eine „Revolution in der Medizin und Therapie“ für möglich. Helfen würde dabei eine „digitale Gesamtvernetzung mit Analysemöglichkeit sämtlicher relevanter Gesundheitsdaten“ – zum Beispiel bei der Corona-Impfung, so der Mediziner in der Sendung. Bereits möglich sind aus Werners Sicht „funktionierende Regionalmodelle wie es beispielsweise in der vergangenen Woche für Böblingen mit der Doctorbox-App vorgestellt wurde“. Diese könnten auf andere Regionen ausgeweitet und so die Corona-Maßnahmen gelockert werden. Werner will dabei „lieber kleine Schritte gehen als große Versprechungen zu machen, die außer Vertrauensverlust nichts bewirken“.

„Die Menschen brauchen dringend einen Stufenplan“ für das Ende des Lockdowns, fordert Bettina Hagedorn, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, mit Blick auf das nächste Treffen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin am 3. März. Ein Stufenplan wäre für Hagedorn ein „Hoffnungsschimmer“ in Pandemiezeiten. Abhängig vom Infektionsgeschehen könnten dann auch Läden in den Innenstädten wieder öffnen. Für die Zeit nach der Pandemie sei finanzielle Unterstützung des Bundes für Länder und Kommunen nötig, um die Fußgängerzonen wiederzubeleben, so die SPD-Politikerin. Die City müsse aber „neu gedacht“ werden. Denn: „Corona wird unsere Gesellschaft nachhaltiger verändern als es manche wahrhaben wollen.“ Fußgängerzonen will sie künftig als Orte für „Kommunikation, Kultur, Kunst“ positionieren.

19.02.2021

Weniger Corona-Tote mit neuem Barmer-Impfsystem

Entlastung für Gesundheitssystem durch digitale Datenanalyse, RKI macht Barmer zum Partner, vor kostenlosen Corona-Selbsttests besteht „großer Informationsbedarf“. Mehr
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Die Zahl von Corona-Toten in Deutschland könnte um bis zu 45 Prozent sinken, wenn die Reihenfolge beim Impfen mit einem neuen Modell der Barmer „optimiert“ wird. Das sagt der Vorstandsvorsitzende der Krankenversicherung, Professor Christoph Straub, bei „19 – die Chefvisite“. Das wissenschaftliche Institut der Barmer habe das Risiko für schwere Corona-Verläufe bei bestimmten Vorerkrankungen auf Basis von Versichertendaten ermittelt. Die Analyse habe zum Beispiel ergeben, dass „psychische Erkrankungen ein hohes Risiko“ darstellten. Diese seien aber bei der Impf-Priorisierung durch die Ständige Impfkommission (Stiko) und den Ethikrat gar nicht berücksichtigt worden, so Straub. Zudem habe sich gezeigt, dass Menschen mit mehreren Vorerkrankungen, die in Kombination das Risiko verstärken, maximal gefährdet seien. Diese müssten möglichst sofort priorisiert und geimpft werden, um die Belastung des Gesundheitssystems zu senken.

Weil zunächst die am stärksten gefährdeten Hochbetagten geimpft werden, sei es „noch nicht zu spät“, die Ergebnisse der Barmer-Analyse zu berücksichtigen, betont Straub. Die neue Identifizierung von Risikopatienten durch Datenanalyse könne jetzt greifen, wenn Vorerkrankte an die Reihe kommen. „Dann kann es einen relevanten Zugewinn an Sicherheit geben“, sagt Straub. Vor allem würden durch eine Verringerung schwerer Krankheitsverläufe Kliniken entlastet, denen wegen der Mutationen des Coronavirus eine neue Welle von Covid-Patienten droht. Das neue Barmer-Impfsystem eröffnet so die Chance, schneller aus dem Lockdown zu kommen. Letztlich werde auch die Fairness bei der Vergabe von Impfterminen gesteigert, sagt Straub: „Das ist für den Zusammenhalt in den nächsten Monaten extrem wichtig.“ Er freut sich, dass die Barmer als Partner des Robert-Koch-Instituts (RKI) agiere.

„Großen Informationsbedarf“ sieht der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, vor den angekündigten kostenfreien Corona-Schnelltest, zum Beispiel in Apotheken. Dort gebe es „eine Reihe von Fragen und damit auch Unsicherheiten“, etwa über mögliche Warteschlangen, Schutzmaßnahmen, Versicherungsfragen oder Kosten. Nach dem Impfstart stehe mit der Testoffensive die nächste „Mammutaufgabe“ für die Beteiligten bevor, sagt Werner in der Sendung. Der Mediziner warnt zugleich vor „zu großen Hoffnungen“. Die Schnelltests sollen laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ab 1. März zur Verfügung stehen.

18.02.2021

Debatte um AstraZeneca-Impfstoff: „Alarmglocken läuten“

Wahlfreiheit beim Impfstoff abgelehnt, Aufklärungskampagne zur Impfung gefordert, Datev-Chef: „Wer vorher digital war, kommt besser durch die Krise.“ Mehr
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Die Debatte um die Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffes lässt beim Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, die „Alarmglocken läuten“. Bei „19 – die Chefvisite“ lehnt Werner eine Wahlfreiheit der Bürger für Impfstoffe ab und warnt vor einer „damit verbundenen, möglichen Verlängerung des ganzen Impfplans in Deutschland“. Dem britisch-schwedischen Hersteller hält der Mediziner „unzureichende Studienplanung“ zur Wirksamkeit des Präparats vor. Diese habe zu Verwirrung geführt. Dagegen fordert Werner eine „intensive, bundesweite Aufklärungskampagne“ unter Einsatz von Impf-Fürsprechern „mit hoher Glaubwürdigkeit entlang der Altersgruppen bis Anfang 60“ – „natürlich parteiübergreifend“, betont er.

Beim Rückgang der Neuinfektionen „flacht die Kurve ab“: Das RKI meldet mit bundesweit 10.207 neuen Fällen binnen 24 Stunden „fast den Wert von vor einer Woche“, so der Klinikchef. Zudem sind 534 weitere Menschen an oder mit dem Sars-CoV-2-Virus verstorben. Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche mit 57,1 „stabil“ bleibt, mahnt Werner, die Entwicklung im Auge zu behalten.

„Wer vorher digital war, kommt besser durch die Krise“: Der Chef des Softwarehauses Datev, Robert Mayr, berichtet in der Sendung von Erfahrungen seiner Kunden – vor allem Steuerberater und Wirtschaftsprüfer – im Lockdown. Einige Kanzleien seien durch die Einschränkung „niemals in ihrer Arbeit beeinträchtigt“ gewesen. Das hätten inzwischen auch viele Mittelständler erkannt. „Das Berufsbild des Steuerberaters wandelt sich hin zum Digitalisierungscoach“, so Mayr. Er hat festgestellt, dass ein Unternehmen mit rund 8000 Mitarbeitern wie die Datev „in klassischen Organisationsformen nicht mehr bestehen kann“. 90 Prozent der Belegschaft seien zeitweise im Homeoffice gewesen, „trotz physischer Distanz sind wir in der Krise aber näher zusammengerückt“. Der Datev-Chef erwartet, dass sich der Wechsel zwischen Büro- und Heimarbeit durchsetzen wird. Er freue sich auf menschlichen Kontakt nach einer Impfung: „Wir müssen wieder raus und uns wieder treffen“, sagt Mayr.

17.02.2021

AstraZeneca-Impfstoff als „Arbeitspferd“ empfohlen

Kritisiertes Serum „sicherer und besser als Grippe-Impfung, für Corona-Selbsttester Hotline einrichten, bundesweiter Inzidenzwert sinkt. Mehr
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Als „Arbeitspferd der Impfung“ wertet der Chef der Uniklinik Essen, Jochen Werner, den zuletzt in die Kritik geratenen Impfstoff von AstraZeneca. Mit ihm könne auch in Arztpraxen geimpft werden, er sei günstiger sowie „sicherer und besser als der normale Grippe-Impfstoff“, sagt Werner bei „19 – die Chefvisite“. Berichte über Reaktionen auf das Serum nach der ersten Impfung nannte der Mediziner normal. Diese seien „sogar gewünscht“. Denn sie zeigten, dass das Immunsystem angeregt werde. Der Einsatz des Impfstoffes vom britisch-schwedischen Hersteller sei daher „richtig“, Zweifel an der Wirksamkeit unangebracht: Das Präparat sei „absolut in der Lage“, Schutz gegen die in Deutschland hauptsächlich verbreiteten Varianten des Sars-CoV-2-Virus zu bieten, so Werner.

Der Klinikchef spricht sich dafür aus, möglichst viele Menschen auf das Coronavirus zu testen: „Jede identifizierte Infizierung ist gut“, so Werner in der Sendung. Das gelte auch für Selbsttests von Laien, die bereits im März zugelassen werden könnten. Diese seien „aussagekräftig – genau für den Moment, nicht für morgen oder übermorgen“ – könnten aber einige Sicherheit bieten. Werner forderte die Einrichtung einer Telefon-Hotline für positiv getestete. So sollten Daten für eventuell überlastete Gesundheitsämter gesammelt werden. Die Betroffenen „dürfen nicht allein gelassen werden“, betonte er.

Laut RKI haben sich in der letzten sieben Tagen bundesweit 57 Menschen je 100.000 Einwohner neu mit dem Coronavirus angesteckt. Diese Sieben-Tages-Inzidenz ist damit gegenüber dem Vortag leicht gesunken und liegt um 22 Infektionen über dem neuen Zielwert von 35. Insgesamt berichtete das RKI von 7556 Neuinfektionen, 516 weniger als am Mittwoch der Vorwoche. Mit 560 weiteren Toten ist nun die Marke von 66.000 an oder mit Covid-19 Verstorbenen überschritten.

16.02.2021

Sigmar Gabriel: Kampf gegen Corona „wie im Mittelalter“

Früherer Vizekanzler: harten Lockdown fortsetzen, Erdgaspipeline Nord Stream 2 wird fertig gebaut, Chef der Essener Uniklinik für kostenfreie „Wohnzimmer-Tests“ nach Vorbild Österreichs Mehr
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Der frühere Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel kritisiert, dass „Wegsperren wie bei der Pest im Mittelalter“ der vermeintlich wichtigste Ansatz zur Pandemiebekämpfung in Deutschland sei. Bei „19 – die Chefvisite“ rügt Gabriel, die Politik gehe „nicht mit Mitteln des 21. Jahrhunderts, mit Künstlicher Intelligenz und Daten-Tracking“ gegen das Coronavirus vor. Die vorhandene Corona-App sei nutzlos, der Datenschutz müsse gelockert werden. Er spricht sich zugleich gegen Lockerungen der Corona-Maßnahmen aus: „Ein Stop-and-go-Lockdown ist das Problematischste für die Wirtschaft.“ Hätten die Ministerpräsidenten im letzten Sommer nicht gelockert „und auf die Kanzlerin gehört, wären wir jetzt nicht in einer so schweren Welle“, so der ehemalige SPD-Vorsitzende.

International erwartet der Vorsitzende der Atlantik-Brücke, dass mit der „Rückkehr der USA“ in die Weltpolitik unter dem neuen Präsidenten Joe Biden eine „neue Dynamik“ in den globalen Kampf gegen Corona einziehen wird. Dieser müsse auch die ärmeren Länder einbeziehen, sonst würden diese „einen ganz hohen Preis zahlen“. Für die in den USA heftig kritisierte Erdgaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland erwartet Gabriel eine Fertigstellung des Baus. „Die USA haben auch alle früheren Sanktionen gegen Pipelines aufgehoben“, so Gabriel. Um den US-Widerstand zu dämpfen, kann er sich mehr gemeinsame energiepolitische Projekte mit den Amerikanern vorstellen.

Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, fordert, nach dem Vorbild Österreichs Corona-Selbsttest für zu Hause auch in Deutschland zuzulassen. „Wir sollten diese ‚Wohnzimmer-Tests‘ auch bei uns einführen – möglichst kostenfrei“, sagt Werner in der Sendung. Denn „ganz besonders die sozial benachteiligten, teilweise in sehr engen Wohnverhältnissen lebenden Menschen könnten von diesen Testungen profitieren“. Die Tests böten zwar keine 100-prozentige Sicherheit, könnten aber „eine Reihe von Infektionen nachweisen und vielleicht auch den einen oder anderen Superspreader identifizieren“, so der Mediziner.

15.02.2021

Lockdown: Ruf nach ersten Öffnungen

Immer mehr Menschen demotiviert, Signal von der Politik gefordert, Corona als Chance für gesellschaftlichen Wandel. Mehr
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„Man muss ein Signal setzen“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, fordert „vorsichtige Öffnungen“ zum Beispiel von Kinos unter Einhaltung strenger Hygieneregeln. „In einigen Kreisen ist das möglich“, sagt Werner bei „19 – die Chefvisite“. „Wo sind denn die Corona-Ausbrüche im Kino gewesen?“, fragt der Mediziner. Die Menschen seien zunehmend demotiviert, etwa durch die Herabsetzung des Zielwerts bei der Sieben-Tages-Inzidenz von 50 auf 35. Die Politik dürfe bei aller Vorsicht das „soziale Wohlbefinden‘“ nicht außer Acht lassen – „denn auch das macht Gesundheit aus“, so Werner.

Laut RKI ist der Inzidenzwert im bundesweiten Durchschnitt auf 58,9 gefallen. Die Behörde meldet mit 4426 Neuinfektionen binnen 24 Stunden 109 Fälle weniger als am Montag der Vorwoche. In diesem Vergleich ist auch die Zahl der an oder mit dem Sars-CoV-2-Virus Verstorbenen um 42 auf 116 zurückgegangen. Damit ist bei der Gesamtzahl die Marke von 65.000 Todesopfern überschritten.

Schauspieler und TV-Star Francis Fulton-Smith plädiert in der Sendung dafür, Corona als Chance für die Gesellschaft zu betrachten, „um einen Quantensprung in die nächste Dimension zu schaffen“. Denn unabhängig von der Pandemie stehe Deutschland angesichts der Digitalisierung vor „massiven Verwerfungen“, beispielweise im Dienstleistungsbereich. Nötig sei, die Schwachen zu schützen, „aber auch die Stärksten zu motivieren, sich dabei einzubringen“, so Fulton-Smith. Der anstehende Wandel müsse „konstruktiv angegangen werden, und nicht über Angst und Panik“.

„Wir können den Menschen ein bisschen Glück schenken“: Filmproduzent Quirin Berg betont in der Sendung die Bedeutung der Kultur als Ventil für die Menschen im Lockdown. Von der Politik erwartet er „konsistente Rezepte“. Denn „ständige Richtungswechsel“ zum Beispiel bei Schulöffnungen würden die Menschen verunsichern. Wenn die Pandemie vorbei ist „werden die Kinos wieder aufmachen“, ist Berg überzeugt – trotz Konkurrenz durch Streamingdienste. Denn das Gemeinschaftserlebnis eines Kinobesuchs ist für ihn „nicht zu ersetzen“. Den Wandel hin zur stärkeren Nutzung von Streamingdiensten hätte es aus seiner Sicht „auch ohne Corona gegeben“. Die Krise habe diese Entwicklung lediglich beschleunigt.

13.02.2021

McFit öffnet Outdoor-Fitness-Studios in Deutschland

Die größte deutsche Fitnessstudio-Kette McFit bietet ihren Mitgliedern ab heute wieder Trainingsmöglichkeiten an. Mehr
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„Nach wie vor sind wir davon überzeugt, dass Fitness für die Gesundheit der Menschen elementar wichtig ist. Nach 15 Wochen im zweiten Lockdown müssen sich die Menschen wieder bewegen und Fitness als Sportart Nummer 1 betreiben – und das in einem sicheren und verantwortungsvollen Umfeld im Umgang mit dem Virus“, begründet Schaller die Entscheidung.

Weil bloßes Jogging auf Dauer eine einseitige Belastung sei und „die Möglichkeiten zuhause für ein ganzheitliches Training in den meisten Fällen nicht ausreichen“, habe man überlegt, wie eine temporäre Lösung aussehen könnte. Schaller: „Wir bieten unseren Mitgliedern deshalb jetzt die Möglichkeit, ihr Training bei uns an ausgewählten Standorten deutschlandweit wieder durchzuführen – allerdings draußen im Freien.“

Mit dem Infektiologen Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow sei ein spezielles Hygienekonzept entwickelt worden. Dieses enthält strenge Regeln für den Ablauf: Um größere Ansammlungen zu verhindern, können sich die Mitglieder ausschließlich vorab und online für einen 45-minütigen Trainings-Slot anmelden. Nach der Einheit werden die Geräte 15 Minuten lang desinfiziert, ehe neue Kunden kommen. Fazit des Gutachtens von Professor Zastrow zu den Outdoor-Gyms ist: „Bei Beachtung und Einhaltung der obengenannten Funktions- und Organisationsabläufe ist eine Weiterverbreitung von Corona-Viren ausgeschlossen.“

Die Outdoorstudios von McFit werden an diesem Samstag in Berlin, Hamburg, Bremen, Rostock, Braunschweig, Mannheim, Wiesbaden, Mainz, Magdeburg und Neunkirchen errichtet und um 13 Uhr in Betrieb genommen. Öffnungszeit sei täglich von 6 bis 22 Uhr, wo keine Sperrstunde herrscht. In Bayern, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Sachsen habe McFit, so Schaller, aufgrund der aktuellen Rechtslage auf Outdoorstudios verzichtet.

Schaller: „Als Marktführer sehen wir es als unsere Aufgabe an, mit dem Öffnen von aktuell zehn Outdoor Gyms eine Bewegung zu starten, um die Aufmerksamkeit auf uns als Branche und die Wichtigkeit von Fitness, Sport und Bewegung ins Bewusstsein der Politik zu rücken. Wir hoffen sehr, dass uns viele weitere Studiobetreiber folgen werden und ebenfalls individuelle Trainingsmöglichkeiten im Freien für ihre Mitglieder errichten.“

12.02.2021

Hoffen auf neues Corona-Medikament

Essener Klinikchef: „Werden noch einige Impfungen bekommen“, Inzidenzwert könnte weiter gesenkt werden, Unternehmensumbau Richtung Nachhaltigkeit oft ein „Schreckgespenst“. Mehr
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„Es könnte ein weiteres Medikament gegen Covid-19 geben“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, berichtet bei „19 – die Chefvisite“ von Hoffnung auf ein Präparat des Schweizer Pharmariesen Hoffmann-La Roche. Dieses könnte anders als bisher eingesetzte Medikamente „auch in der schon fortgeschrittenen Phase einer Covid-19-Erkrankung wirken“. An solchen Mitteln arbeite die Pharmaindustrie mit Hochdruck. „Wir sollten uns über jedes Medikament freuen“, so Werner – denn Corona werde „lange bleiben“. „Wir werden noch eine ganze Reihe von Impfstoffen in den Arm gespritzt bekommen“, so der Mediziner mit Blick auf die wegen der Virus-Mutationen nötige Weiterentwicklung der Impfstoffe.

Aktuell erkennt der Klinikchef einen weiter „guten Trend“ bei den Neuinfektionen: Das RKI meldet bundesweit mit 9860 neuen Fällen binnen 24 Stunden 3048 weniger als am Freitag der Vorwoche. Auch die Zahl der Toten in Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus nimmt ab: Das RKI berichtet von 556 Verstorbenen, in diesem Vergleich ein Rückgang um 299. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Behörde mit 62,2 an – deutlich über dem neuen Zielwert von 35. Diesen „wird die Politik aber wohl weiter senken“, erwartet Werner.

„Transformation ist ein Schreckgespenst, die Leute können es nicht mehr hören“: Der Nordeuropachef des Reifenherstellers Michelin, Anish Taneja, berichtet in der Sendung von seinen Erfahrungen beim Umbau des Unternehmens Richtung Nachhaltigkeit. Sein Rezept: „Offen und ehrlich kommunizieren, dass wir in 10, 15 Jahren nicht mehr nur von Reifen leben können. Dann setzt Transformation Energien frei.“ Die Autoindustrie liege beim Thema Nachhaltigkeit „weit zurück“, so Taneja. Sein Unternehmen sieht er dabei allerdings gut aufgestellt und verweist etwa auf Entwicklungen wie den luftlosen Reifen. Mit diesem stießen Autos weniger CO2 aus, er sei „nahezu unzerstörbar“ und eigne sich damit auch für Zukunftstechnologien wie das autonome Fahren.

11.02.2021

Mehr Gewalt gegen Kinder im Lockdown

Sozialpädagoge: „Keiner schaut hin“, Hilferuf an Behörden gerichtet, sehr langer Lockdown zu erwarten. Mehr
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„Kinder berichten vermehrt von Gewalt in den Familien“: Tobias Lucht, leitender Sozialpädagoge beim Kinderprojekt „Die Arche“ in Hamburg, warnt, dass angesichts der Schulschließungen viele Fälle häuslicher Gewalt unentdeckt bleiben. Einige seien nur aufgefallen, „weil die Kinder zu uns ins Haus kommen“, sagt Lucht bei „19 – die Chefvisite“. Einige Kinder seien zurzeit „schutzlos“: „Die Probleme waren schon vorher da, verschärfen sich jetzt aber.“ Luchts Sorge: „Manche Kinder bleiben auf der Strecke.“

Einen Hilferuf richtet der Sozialpädagoge an die Behörden. „Ich wünsche mir ein größeres Engagement der Stadt Hamburg“, so Lucht. In seinem Projekt sei zurzeit zu wenig Zeit, um aktiv auf die Behörden zuzugehen. Von deren Seite würde er daher „gern ein bisschen mehr hören, da kommt relativ wenig“. „Die Arche“ finanziert sich aus Spenden, die coronabedingt spärlicher fließen, und arbeitet auch mit ehrenamtlichen Helfern. In Hamburg werden zurzeit täglich rund 450 Kinder betreut, bundesweit sind es über 4000.

„Ich stelle mich auf einen sehr langen Lockdown ein“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, glaubt nicht an rasche Öffnungen nach dem Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestern. Der Lockdown ist vorerst bis zum 7. März verlängert worden. Nachdem aber eine Annäherung an den vorgegebenen Inzidenzwert von 50 „in Sicht war“ sei „die Messlatte jetzt 15 Zentimeter höher gehängt worden – oder Kilometer“, kritisiert Werner mit Blick auf die neue Zielvorgabe von höchstens 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche. Er fordert nun eine „angemessene öffentliche Debatte zu den Maßnahmen der Regierung“.

10.02.2021

Mini-EM nur in Deutschland gefordert

Reiner Calmund: Pandemie macht Austragung in zwölf Ländern zu gefährlich, „Stöhnen auf hohem Niveau“ bei Profis, Neuinfektionen sinken weiter. Mehr
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Eine verkleinerte Fußball-EM nur in Deutschland – das fordert der Sportmoderator Reiner Calmund bei „19 – die Chefvisite“. Die aktuellen Planungen für das Turnier 2021 mit Spielorten in zwölf Ländern hält Calmund angesichts der Pandemie für gefährlich. „In einem Land wäre das aber kein Problem“, so der Fußball-Kommentator beim Sender Sky. Aufgrund der guten Stadioninfrastruktur und des weltweit vorbildlichen Hygienekonzepts sei Deutschland „ganz locker in der Lage“, die Spiele auszurichten. Aus „sportpolitischer Sicht“ wäre ein zusätzlicher Spielort in einem Nachbarland wie den Niederlanden möglich, so Calmund.

Den Vereinen der Bundesliga und der 2. Liga fehlen durch die Corona-Krise jährlich Einnahmen von rund einer Milliarde Euro, wie Calmund in der Sendung vorrechnet. „Die müssen jetzt eingespart werden“, so der Experte. Die Kürzung der Spielergehälter um 23 Prozent leiste dazu einen wichtigen Beitrag. Und: „Die Profis können damit sehr, sehr gut Leben“, so der Ex-Manager von Bayer 04 Leverkusen. Kritik daran von Spielern bezeichnet er als „Stöhnen auf hohem Niveau“.

Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, rechnet mit einer Verlängerung des Lockdowns durch die heute mit Bundeskanzlerin Angela Merkel tagende Ministerpräsidentenkonferenz. Dabei hält der abnehmende Trend bei der Zahl der Neuinfektionen an: Das RKI meldet bundesweit 8072 neue Fälle binnen 24 Stunden – 1633 weniger als am Mittwoch der Vorwoche.

09.02.2021

Russland soll EU-Zulassung für Impfstoff beantragen

Sputnik V in EU willkommen, Plan für Ostern von Politik gefordert, TUI Cruises will Kreuzfahrten entzerren. Mehr
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Michael Roth, der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, hat sich für den Einsatz des russischen Impfstoffs Sputnik V ausgesprochen. „Wir sollten die politischen Konflikte für den Schutz der Menschen beiseitelegen. Russland sollte eine Zulassung des Impfstoffs in Europa beantragen“, sagte der SPD-Politiker bei „19 – die Chefvisite“. Sollte die Europäische Arzneimittelagentur EMA den Wirkstoff für unbedenklich erklären, müsse man ihn auch einsetzen. „Wenn wir das nicht täten, wären wir ja mit dem Klammerbeutel gepudert.“

„Die Skepsis gegenüber dem russischen Impfstoff ist nicht angebracht“, bestätige der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, in der Sendung. Vor den Bund-Länder-Beratungen zu Corona am Mittwoch forderte der Klinikchef die Politik auf, den Bundesbürgern eine klare Perspektive für die Osterfeiertage zu geben. „Ich erwarte eine planbare Entscheidung, was mit Reisen zu Ostern ist“, sagte Werner. Bei den aktuellen Infektionszahlen stimme ihn der Trend optimistisch. Das RKI meldet bundesweit 3379 Neuinfektionen binnen 24 Stunden und 481 Covid-assoziierte Todesfälle. Vor genau einer Woche waren es 6114 Neuinfektionen und 861 neue Todesfälle.

Zu Gast in der Sendung war auch Wybcke Meier. Die Chefin der Kreuzfahrtgesellschaft TUI Cruises kündigte an, die Reisepläne der Kreuzfahrtschiffe zu entzerren. „Bewussteres Konsumieren ist für mich eine Lehre aus der Corona-Krise. Wir werden für mehr Entschleunigung sorgen und nicht jeden Tag einen Hafen anlaufen“, sagte Meier. Bis zum Jahr 2030 will TUI Cruises klimaneutrale Kreuzfahrten anbieten. Dafür wird ein Mix aus grünen Technologien wie Landstrom oder Flüssiggas eingesetzt, erklärte die Topmanagerin in der Sendung.

08.02.2021

Kabarettist Dieter Nuhr: Datenschutz bremst Corona-Bekämpfung

Mehr Erfolg bei Kampf gegen Pandemie in Ländern mit Datenschutzeinschränkungen, mRNA Hoffnung gegen Mutanten, Künstler-Hilfen ungerecht verteilt. Mehr
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Der TV-Kabarettist Dieter Nuhr stellt das Klammern der Deutschen an zu hohe Datenschutzstandards in der Corona-Krise in Frage. „Alle Länder, in denen die Pandemie halbwegs erfolgreich bekämpft wurde, haben den Datenschutz teilweise aufgegeben“, sagte Nuhr bei „19 – die Chefvisite“. Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, stimmte dem zu. „Wir müssen viel mehr Daten erheben. Jeder Geimpfte braucht einen QR-Code, damit wir beispielsweise Nebenwirkungen genauer erfassen können. Da können wir vom Vorreiter Israel lernen.“

Im Kampf gegen die neuen Virus-Mutationen hofft der Klinikchef auf die mRNA-Technologie, die von den Impfstoffherstellern Biontech/Pfizer und Moderna genutzt wird. „Diese Impfstoffe lassen sich schneller an Virus-Mutationen anpassen“, sagte Werner. An der Essener Uniklinik werden aktuell 101 Patienten stationär behandelt, 35 liegen auf der Intensivstation. Ein weiterer Patient ist gestern verstorben. Für ganz Deutschland meldet das RKI 4535 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Das sind 1073 weniger als am vergangenen Montag. Innerhalb eines Tages starben 158 Menschen an oder mit dem Virus. Die Zahl der Covid-assoziierten Todesfälle in Deutschland liegt bei 61.675.

Zur Diskussion um Privilegien für Geimpfte erklärte Kabarettist Nuhr: „Freiheitsrechte sind nicht zu diskutieren. Vielmehr müssen die Einschränkungen begründet werden.“ Seiner Meinung nach sollte es Geimpften „natürlich erlaubt sein, an Veranstaltungen teilzunehmen“. Vielmehr müsse man den Nicht-Geimpften erklären, weshalb sie nicht teilnehmen dürfen.

Die Corona-Hilfen für Künstler bezeichnete Nuhr in der Sendung als ungerecht. „Für einzelne gibt es viel Geld ohne Begründung. Andere müssen darben und wissen nicht, wie sie ihre Miete bezahlen sollen.“ Besonders betroffen seien mit den Künstlern verbundene Gewerbe wie Ton- und Bühnentechniker, Gastro- oder Service-Personal. „Viele Menschen sind am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angekommen, sie haben ihren kompletten Lebensunterhalt verloren.“ Er selbst habe keine Hilfen in Anspruch genommen. „Mir geht’s gut. Ich kriege keine Erstattung. Ich brauche auch keine.“

05.02.2021

Essener Klinikchef: Corona-Mutationen bedeuten Lebensgefahr

Impfungen „möglichst schnell“ vorantreiben, in nur zwei Wochen 10.000 Covid-Tote, Online-Schulunterricht: „Es passiert nichts.“ Mehr
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„Ganz viele werden um ihr Leben fürchten müssen“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, warnt vor Lebensgefahr durch neue Mutationen des Coronavirus. Das Sars-CoV-2-Virus könnte „noch ansteckender und vielleicht weniger durch den Impfstoff angreifbar“ werden, sagt Werner bei „19 – die Chefvisite“. Aktuelle Studien über die zuerst in England und Südafrika aufgetauchten Varianten zeigten, dass das Virus einen Weg finden könnte, der menschlichen Immunabwehr auszuweichen, so der Mediziner. Dagegen helfe nur eins: „Möglichst schnell möglichst viel impfen!“ Die Mutationen belegten zudem, dass „alle Annahmen zu einem Ende der Pandemie vollkommen spekulativ sind“, betont Werner.

Bei der Entwicklung der Todesfälle in Deutschland im Zusammenhang mit Corona erkennt der Klinikchef eine „erhebliche Dynamik“: „Allein in den letzten beiden Wochen sind jeweils rund 5000 Tote dazugekommen“, so Werner. Die Marke von insgesamt 60.000 Betroffenen ist nun überschritten. In Essen verstarb seit gestern ein weiterer Covid-Patient. Aktuell werden dort 98 Erkrankte wegen des Sars-CoV-2-Virus behandelt, 37 davon auf der Intensivstation. Das RKI berichtet von bundesweit 855 weiteren Corona-Toten binnen 24 Stunden – 16 mehr als am Freitag der Vorwoche. Die Zahl der Neuinfektionen ist dagegen in diesem Vergleich um 1114 auf 12.908 gesunken.

„Es passiert nichts“: Kritik am Internetunterricht der Schulen übt die Leiterin der einzigen reinen Online-Schule Deutschlands, Sarah Lichtenberger. Sie sei angesprochen worden und habe beraten – bewegt habe sich aber „unheimlich wenig“, so die Chefin der Web-Individualschule aus Bochum. Seit 2020 aktiv, richtet sich ihre Einrichtung vor allem an Kinder, die wegen Krankheiten keine öffentlichen Schulen besuchen können. Diesen rät sie zu einem virtuellen Klassenraum, den Lehrer gemäß Stundenplan betreten. „Jeder Lehrer muss greifbar sein, wenn Probleme da sind. Denn viele Kinder sind verunsichert“, so die Pädagogin. An ihrer Schule haben unter anderem die Zwillinge von der Band Tokio-Hotel, Bill und Tom Kaulitz, ihren Realschulabschluss gemacht. Lichtenbergers Erfolgsrezept: „Wir sind ganz nah dran am Schüler, quasi jeden Tag im Kinderzimmer.“

04.02.2012

Essener Klinikchef: Durchbruch bei Pandemiebekämpfung

Schutz vor Corona-Übertragung durch AstraZeneca-Impfstoff wäre Meilenstein, der zugleich die Debatte um Impfprivilegien anheizen wird. Mehr
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Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, sieht in den neuen Erkenntnissen über den Impfstoff des Herstellers AstraZeneca und der Universität Oxford einen Durchbruch in der Bekämpfung der Corona-Pandemie. „Wenn Folgeuntersuchungen bestätigen, dass der Wirkstoff nicht nur vor einer Erkrankung schützt, sondern auch die Übertragung des Virus deutlich reduziert, wäre das ein Meilenstein“, sagte Werner bei „19 – die Chefvisite“. Eine Impfung würde somit nicht nur die schweren Krankheitsverläufe reduzieren und damit Todesrate und Krankenhausbelastung mindern, sie würde auch die Infektionsausbreitung reduzieren, so der Mediziner.

Zugleich erhält die Debatte um Privilegien für Geimpfte dadurch neue Sprengkraft. „Die Gesellschaft droht mit der Privilegierung, in zwei Gruppen gespalten zu werden: Geimpfte und Nicht-Geimpfte. Und das nicht erst zum Jahresende, sondern im Frühsommer, wenn gerade den Jüngeren noch gar kein Impfangebot gemacht sein wird“, sagte Werner in der Sendung. Auch im Hinblick auf die anstehenden Bundestagswahlen dürfte das Thema an Fahrt aufnehmen.

Gute Nachrichten hat der Mediziner aus seiner Klinik: „Glücklicherweise ist in den letzten 24 Stunden niemand an oder im Zusammenhang mit Covid-19 verstorben.“ Aktuell würden 99 Patienten in der Essener Uniklinik stationär behandelt, 35 auf der Intensivstation. Das RKI meldet bundesweit 14.211 Neuinfektionen binnen 24 Stunden – 3342 weniger als am Donnerstag der Vorwoche. 786 Menschen sind innerhalb eines Tages an oder mit dem Virus verstorben, insgesamt gibt es jetzt 59.762 Covid-assoziierte Todesfälle in Deutschland.

Zu Gast bei „19 – die DUB Chefvisite“ war auch der Digitalisierungsexperte Nils Seebach. „Die Corona-Krise hat dem Online-Handel massiv neue Käuferschichten zugeführt“, sagte der Unternehmensgründer. Shops in den Innenstädten hält Seebach für überflüssig. „Sie bieten keinen Mehrwert.“ Einkäufe werden in Zukunft über eine stufenlose Bestellung abgewickelt. „Wer morgens beim Zähneputzen merkt, dass die Zahnpasta leer ist, gibt die Bestellung einfach über eine Sprachassistenten wie Alexa auf. Und am nächsten Morgen steht die Lieferung im Hausflur.“ Wie weit viele deutsche Mittelständler bei der Digitalisierung hinterherhinken, zeigt die Umfrage Smart Company Check der DUB Akademie. „Die Ergebnisse sind zum Teil haarsträubend – nicht nur im Handel“, bestätigt Verleger Jens de Buhr.

03.02.2021

Essener Klinikchef: Hoffnung durch russischen Impfstoff

Studie: „Sputnik V“ hat „hohe Wirksamkeit“ auch bei Älteren, Uniklinik beklagt insgesamt 260 Corona-Tote, die Lufthansa will auch Ungeimpfte an Bord lassen. Mehr
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„Hier dürfte sich ein weiterer weltweiter Impfstoffanbieter abzeichnen“: Nach Einschätzung des Chefs der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, kann der in Russland entwickelte Impfstoff „Hoffnung geben“. Auch in der Gruppe der Über-60-Jährigen gebe es „eine hohe Wirksamkeit von 90 Prozent“, berichtet Werner bei „19 – die Chefvisite“. Das zeigten Zwischenergebnisse, die gestern im renommierten Fachblatt „The Lancet“ veröffentlicht wurden. Es handelt sich um einen klassischen Vektorimpfstoff wie das Präparat von AstraZeneca. Im Gegensatz zu diesem sei das als „Sputnik V“ bekannte russische Mittel aber an einer ausreichenden Zahl von älteren Probanden getestet worden und könnte auch bei Senioren verimpft werden, so der Mediziner.

Im Universitätsklinikum Essen sind laut Werner nunmehr insgesamt 260 Patienten am oder mit dem Coronavirus verstorben, seit gestern sind es allein zwei. Aktuell werden dort 103 Menschen wegen Covid-19 versorgt, 34 davon auf der Intensivstation. Das RKI meldet bundesweit 9705 Neuinfektionen binnen 24 Stunden, 3493 weniger als am Mittwoch der Vorwoche. Die Zahl der registrierten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus wird mit 975 angegeben. Das sind nur sieben weniger als vor Wochenfrist.

Zugang zu Maschinen der Lufthansa nur für Geimpfte soll es nicht geben: „Wir hätten das Recht dazu, haben das aber nicht vor“, stellt der Kommunikationschef der Fluggesellschaft, Andreas Bartels, in der Sendung klar. Eine solche Entscheidung müsste aus Sicht des Unternehmens „von den Behörden kommen, nicht von einer privaten Airline“. Das Passagieraufkommen wird nach Bartels‘ Einschätzung „erst zur Mitte der Dekade“ wieder Vorkrisenniveau erreichen. Ein Grund sei die stetige Abnahme von Geschäftsreisen, die vielfach durch Videokonferenzen ersetzt werden. Daher verkleinere die Lufthansa ihre Flotte um 150 Flugzeuge – von 800 auf 650 Maschinen: „Wir schrumpfen eine mittelgroße Airline weg“, so Bartels.

02.02.2021

TK-Chef: Warnung vor explodierenden Krankenkassenbeiträgen

Elektronische Patientenakte als Grundlage für digitales Gesundheitswesen, Essener Klinikchef: Impfdaten zentral erfassen, „teilweise dramatische“ Lage auf Intensivstationen. Mehr
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Der Chef der Techniker-Krankenkasse, Jens Baas, erwartet explodierende Beiträge zur Krankenversicherung: „Ein ganzer Prozentpunkt kann es durchaus werden“, sagt Baas bei „19 – die Chefvisite“. Die Corona-Krise sei dafür „nur zum Teil verantwortlich“ – sie habe zwar die Einnahmen verringert, die höheren Ausgaben beruhten jedoch auf vorherigen Entscheidungen der Politik. Eine mögliche Lösung sei, dass die Kassen mehr Geld aus dem Staatshaushalt erhielten. Baas plädiert aber dafür, zunächst Kosten im Gesundheitssystem einzusparen „und erst dann über einen Steuerzuschuss oder eine Beitragserhöhung zu sprechen“. Der Techniker-Chef hofft dabei auch auf die elektronische Patientenakte (ePA). Sie sei die „Grundlage der Digitalisierung des Gesundheitswesens“. Mit einer breiten Einführung rechnet Baas zur Jahresmitte.

Mit mehr Digitalisierung will der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, den Kampf gegen die Pandemie verstärken. „Israel hätte die dortigen Impfungen niemals so reibungslos hinbekommen, wenn es wie wir als Digitalwüste konzipiert wäre“, sagt Werner in der Sendung. Die für den Sommer geplanten Millionen von Impfungen sind für ihn eine „Riesenchance, alle damit einhergehenden Daten zu erfassen“ – die Auswertung könne bei der Pandemiebekämpfung für „Patientensicherheit und Wissenschaft“ genutzt werden. Es fehle aber eine Plattform für die zentrale Datenerfassung. So sei bei den schon bewältigten rund zwei Millionen Impfungen diese Chance bereits vertan, bedauert der Mediziner.

„Die Situation ist teilweise dramatisch“, berichtet Werner aus dem Essener Uniklinikum. Auf den Intensivstationen mussten zweitweise bis zu 13 Covid-Patienten extrem personalintensiv mit einer Ecmo-Lungenersatzmaschine behandelt werden, weil eine herkömmliche Beatmung nicht mehr ausreichte. Aktuell werden in Essen 35 von insgesamt 102 Corona-Erkrankten intensiv versorgt, seit gestern sind zwei weitere Betroffene verstorben. Das RKI meldet mit bundesweit 6114 Neuinfektionen binnen 24 Stunden 294 weniger als am Dienstag der Vorwoche. Die RKI-Angabe von 861 weiteren Corona-Toten belegt für Klinikchef Werner, dass die Zahl am Montag wegen eines Übertragungsfehlers „deutlich zu niedrig“ war.

01.02.2021

Essener Uniklinik: Neue Corona-Medikamente im Einsatz

Antikörper-Versuch läuft seit letzter Woche, Klinikchef: Mehr Forschung nötig, Job-Bewerbung per Chefspaziergang. Mehr
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„Wir dürfen die Forschung zur medikamentösen Behandlung von Covid-19 auf keinen Fall vernachlässigen“: Im Kampf gegen Corona setzt der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, neben der Impfung vor allem auf neue Medikamente. Diese könnten „in der Frühphase der Erkrankung bestimmten Menschen helfen, denen man unbedingt einen schweren Verlauf ersparen muss“, hält Werner bei „19 – die Chefvisite“ Kritikern der Antikörpertherapie entgegen. Anders als in anderen Unikliniken werde diese Möglichkeit in seinem Haus seit vergangener Woche versuchsweise eingesetzt. Eine Zulassung in der EU gibt es noch nicht, die Chancen dafür sind laut dem Mediziner aber gut. Werner begrüßt daher die Bestellung entsprechender Präparate durch die Bundesregierung: „Die absolut richtige Entscheidung.“

Das Infektionsgeschehen in Deutschland scheint sich weiter leicht zu entspannen: Das RKI meldet mit 5608 Neuinfizierten binnen 24 Stunden über 1000 Fälle weniger als am Montag der Vorwoche. Die von der Behörde verzeichnete Zahl von 175 Toten im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus erscheint Klinikchef Werner indes „relativ gering“ – das RKI bestätigt inzwischen, dass in die Werte keine Daten aus Sachsen-Anhalt eingeflossen sind. Das Universitätsklinikum Essen behandelt aktuell 103 Covid-Patienten, 36 davon auf der Intensivstation. Gestern ist dort ein weiterer Betroffener am oder mit dem Coronavirus verstorben.

„Der Zeitgeist hat sich verändert“: Einen Bewusstseinswandel bei jüngeren Managern hin zu mehr Nachhaltigkeit spürt der Unternehmensberater Fabian Kienbaum. Dies stehe „ganz oben auf der Agenda“ vieler Unternehmen, sagt er in der Sendung. Das Streben, ökologisch bewusster zu agieren, führe vielfach zum Wunsch nach beruflicher Veränderung – zumal die Pandemie oft „mehr Zeit zur Selbstreflektion“ lasse. Darauf müssten sich Arbeitgeber einstellen. Kienbaum, der selbst Manager in neue Positionen vermittelt, hat noch keinen Bewerber rein virtuell untergebracht. „Auf der Zielgeraden wird es persönlich“, berichtet der Unternehmensberater. Dann gebe es häufig „Gespräche in Form von Chefinnen- und Chefspaziergängen“.

29.01.2021

Experten beantworten die wichtigsten Fragen zur Impfung

Zero-Covid-Strategie bezweifelt, „Hochdruck“ bei Ausweitung der Impfstoffproduktion, bieten FFP2-Masken Schutz gegen Corona-Mutationen? Mehr
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Der Aufsichtsrat des Impfstoffentwicklers CureVac, Dr. Friedrich von Bohlen, verteidigt den Kurs der Europäischen Union bei der Anschaffung von Impfstoffen: „Die EU hat meines Erachtens alles getan, um genügend Impfstoff zu beschaffen“, sagt von Bohlen beim Impf-Spezial von „19 – die Chefvisite“. „Ich erkenne auch kein Versäumnis Deutschlands, da geschlafen zu haben“, betont er. Von Bohlen fordert „Fairness“ bei der Verteilung des Impfstoffs. „Die perfekte Lösung gibt es nicht. Man muss Augenmaß bewahren und an andere Menschen denken“, so von Bohlen mit Blick auch auf afrikanische Länder. Im Impf-Spezial beantworten weitere Experten Fragen, die für viele wichtig sind:

Was bringt eine Zero-Covid-Strategie?

„Die können wir im Sommer wieder aus der Schublade holen“: Der Chefvirologe der Essener Uniklinik, Professor Ulf Dittmer, hält wenig vom Versuch, die Ausbreitung des Coronavirus im Winter komplett zu stoppen. „Das kriegt noch nicht einmal China hin – mit Methoden, die wir hier nicht haben wollen“, sagt er in der Sendung. Gelingen könne es vielleicht in Australien oder Neuseeland, wo gerade Sommer ist. Auch Friedrich von Bohlen hält die Strategie für unrealistisch: Dazu bräuchte es „weltweit vier Wochen Shutdown, keiner trifft niemanden“. Das Virus sei zudem wahrscheinlich von Fledermäusen ausgegangen – „und denen können sie das Treffen gar nicht verbieten“. Das Coronavirus „wird nicht wieder weggehen“, so von Bohlen – daher „brauchen wir Medikamente und Therapien“.

Schützen FFP2-Maske und Abstand auch vor mutierten Coronavarianten?

NRW-Impfbotschafterin Dr. Carola Holzner sieht die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske kritisch – diese sei „eigentlich für medizinisches Personal konzipiert, zum Schutz vor Aerosolen“. Wer sie im Alltag trägt sollte vor allem darauf achten, dass sie kein Ventil hat, betont die leitende Oberärztin der Zentralen Notaufnahme Nord in Essen – und dass die Maske richtig genutzt wird. Brillenträger könnten die Wirksamkeit der Maske leicht überprüfen: „Wenn die Gläser beschlagen, sitzt sie falsch.“ Virologe Dittmer hält den FFP2-Standard bei Risikopatienten als Eigenschutz für geeignet, eine allgemeine Pflicht aber für „übers Ziel hinausgeschossen“. Der empfohlene Abstand zu anderen sei auch für Mutationen ausreichend: „Bei zwei Metern ist man ziemlich auf der sicheren Seite“, so Dittmer.

Wann kommt die Impfstoffproduktion in Gang?

CureVac-Aufsichtsrat von Bohlen verweist darauf, dass alle Hersteller zugelassener Impfstoffe „mit Hochdruck arbeiten“, um die Produktion hochzufahren. Die verwendete mRNA sei zwar „deutlich einfacher zu produzieren als Antikörper“, die für herkömmliche Impfstoffen genutzt werden. Aber: Bei den nötigen Zusatzstoffen für das mRNA-Serum wie beispielsweise Nano-Partikeln komme es zu Lieferengpässen „wegen der weltweit hohen Nachfrage“. Wichtig sei, dass die gelieferten Impfstoffe „qualitativ hochwertig seien“, betont er.

Wer erforscht, ob Geimpfte das Virus nicht mehr weiterverbreiten?

„Das wird gerade in Israel geklärt“, sagt Dittmer. Der Entwickler Biontech habe entsprechende Verträge abgeschlossen und erhebe Daten bei der in dem Land rasch fortschreitenden Impfkampagne. Die vielen behandelten Menschen ergäben eine große Datenmenge, die analysiert werden müsse, so Dittmer. Bis ein Ergebnis vorliege, „kann es noch ein bisschen dauern“, bedauert der Virologe.

Wann können wir uns endlich wieder treffen und umarmen?

Mit einer konkreten Prognose tun sich die Experten schwer. Impfbotschafterin Holzner setzt vor allem darauf, dass die Impfkampagne „nach dem holprigen Start jetzt Fahrt aufnimmt“. Ihr Wunsch: „Möglichst bald Sonnenschein“, der die Ausbreitung des Coronavirus hemmt – und: „keine Mutationen!“ Stefan Steinmetz, der die Impfkampagne in Essen leitet und dort bereits die Bewohner in 70 von 74 Pflegeheimen mindestens einmal geimpft hat, ist optimistischer. „Ich habe für Mai einen Flug in die USA gebucht“, sagt er. Dort wolle er seinen Enkel besuchen, der drei Jahre alt wird. „Ich hoffe, das klappt“, so Steinmetz.

28.01.2021

Hygiene-Professor Zastrow: Rachen-Desinfektion für Schüler

Schulöffnung bei Mundhöhlenspülung „unter Aufsicht“ möglich, falsche Schwerpunktsetzung beklagt, Belegung von Intensivbetten in Essen „etwas heruntergegangen“. Mehr
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Die Schulen könnten nach Einschätzung des Hygiene-Experten Professor Klaus-Dieter Zastrow wieder geöffnet werden – wenn die Schüler zusätzlich zur Maske regelmäßig den Rachenraum desinfizieren. „Jeden dritten Tag die Mundhöhle mit einem Schleimhautdesinfektionsmittel spülen, unter Aufsicht der Lehrer“, sagt Zastrow bei „19 – die Chefvisite“. Bei Kindern gäbe es kaum schwere Covid-19-Verläufe, so der Mediziner. Sie spielten aber bei der Virusverbreitung eine Rolle. Dem könne eine Desinfektion des Rachenraums entgegenwirken, weil diese Maßnahme direkt an der Verminderung von Viren ansetze. Mittel dafür seien „geprüft und seit 40 Jahren auf dem Markt“: „Viele kennen die Spülung vom Zahnarzt, zum Beispiel nach dem Ziehen der Weisheitszähne“, sagt Zastrow. Dafür geeignet sei Betaisodona-Lösung – diese müsse länger im Mund wirken, einfach nur Gurgeln reiche nicht aus.

Als zusätzliche Schutzmaßnahme sei die Rachendesinfektion für alle geeignet – „die einzige sofort wirksame Methode“, um Viren zu beseitigen. Für Zastrow gehört sie zur Hygiene als Teil der AHA-Regeln. Der Experte kritisiert die Politik als „unzulänglich“, weil sie diesen Punkt vernachlässige. Selbst vielen Gesundheitsämtern fehlten Hygiene-Kenntnisse: „Konkret kann dazu keiner was sagen außer Desinfektion und Händewaschen.“ Dabei komme es entscheidend auf das richtige Desinfektionsmittel an. So sorge ein Mittel für Flächen erst nach 30 Minuten für Sicherheit, eines für Hände bereits nach 30 Sekunden. Hier sei die Politik gefordert. Diese höre stattdessen aber auf die „Pandemie-Modellierer“ und ihre am Computer erstellten Vorhersagen für die Corona-Ausbreitung. Sein Fazit dazu: „Alles Pipifax, das tritt sowieso nicht ein.“

27.01.2021

Essener Klinikchef: „Digitalversagen“ in Deutschland

Gesundheitsämter haben „Faxgeräte noch nicht entsorgt“, Lockerung beim Datenschutz gefordert, Anstieg bei psychischen Erkrankungen droht. Mehr
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„Digitalisierung ist im deutschen Datenschutzkorsett unwirksam“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, ist empört über das „Digitalversagen“ der deutschen Corona-Politik. Bei „19 – die Chefvisite“ rügt Werner, dass nach einem Jahr Corona die „Faxgeräte in den Gesundheitsämtern noch nicht entsorgt“ seien – an Wochenenden würden weiterhin keine Daten gemeldet. „Pandemie ist eben nicht mit Bürokratie zu bekämpfen“, so der Mediziner. Werners Fazit: „Digitalwüste Deutschland!“ Für ihn müssen bestehende Regelungen gelockert werden: „Gesundheit ist wichtiger als Datenschutz.“

Bei den Infektionszahlen erkennt der Klinikchef „weiter den Trend einer Abnahme“. Das RKI registriert mit bundesweit 13.202 Fällen binnen 24 Stunden 2772 Neuinfektionen weniger als am Mittwoch der Vorwoche. Die Zahl der im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus Verstorbenen bleibt mit 982 aber hoch. In der Universitätsklinik Essen werden aktuell 112 Covid-19-Patienten versorgt, davon 35 auf der Intensivstation. Seit gestern sind dort zwei weitere an Corona Erkrankte verstorben.

Indizien für eine Zunahme psychischer Erkrankungen durch Homeoffice hat der Gesundheitsforscher Professor Stephan Böhm von der Schweizer Universität St. Gallen festgestellt. Problematisch sei insbesondere die Kombination mit Schulschließungen, betont Böhm. Gemeinsam mit dem Krankenversicherer Barmer untersucht er in der Langzeitstudie „Social Health@Work“ die Auswirkungen des Arbeitens von zuhause. „Die Kinder nehmen Bandbreite und Aufmerksamkeit weg“ – sich um Arbeit und Betreuung gleichzeitig zu kümmern, sei „kaum umsetzbar“, so der Experte in der Sendung. Zum Stressabbau könnten Fitnessstudios einen Beitrag leisten, sagt Betreiber Sascha Mößinger, der seinen Betrieb coronabedingt schließen muss. In Gesprächen mit Politikern sei ihm aufgefallen, dass diesen oft nicht bewusst sei, „wie viele Existenzen auch an kleinsten Unternehmen hängen“. Für die Schließung seiner Branche hat Mößinger angesichts ausgefeilter Hygienekonzepte kein Verständnis. Wegen mangelnder Fitness drohten auch „die Kosten im Gesundheitswesen langfristig anzusteigen“, warnt er.

26.01.2021

Essener Klinikchef: Warnung vor Covid-Langzeitfolgen

Long-Covid: Angststörungen und Depressionen bei einem Viertel der Betroffenen, Infektionszahlen „gehen klar runter“, Städte und Gemeinden durch Pleitewelle bedroht. Mehr
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„Wir müssen uns schon jetzt mit den Langzeitfolgen der Covid-19-Patienten befassen“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, warnt, dass „Long-Covid ein enormes gesellschaftliches Problem werden kann“. Bei „19 – die Chefvisite“ sagt Werner: Im chinesischen Wuhan, wo das Coronavirus zuerst verstärkt auftrat, litten laut einer Studie „drei von vier Patienten auch noch nach sechs Monaten unter mindestens einem Symptom“. Ein Viertel der Betroffenen habe Angststörungen und Depressionen. „Wir dürfen das Thema Langzeitfolgen nicht liegen lassen, nur weil wir uns aktuell auf die Intensivstationen fokussieren“, mahnt der Mediziner.

Der Chef des Versicherers Signal Iduna, Ulrich Leitermann, sieht bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung „keine Notwendigkeit“, wegen Covid-19 die Gesundheitsprüfung zu ändern – „Stand: heute“, betont Leitermann in der Sendung. Denn: „Wir wissen zu wenig über die Langzeitwirkungen“ der Krankheit. Insgesamt komme die Branche stabil durch die Krise, so der Versicherungschef. Vielen Selbstständigen unter seinen Kunden drohe aber die Insolvenz, aktuell insbesondere Friseuren. Diesen müsse „dringend stärker geholfen werden“ – am besten dadurch, dass sie mit einem strengen Hygienekonzept rasch wieder öffnen dürften, so Leitermann. Dem Mittelstand drohe eine Pleitewelle, die „die Strukturen in den Städten und Gemeinden verändern wird“.

„Mal positive Nachrichten“ hat Klinikchef Werner über die Neuinfektionen: Das RKI meldet bundesweit 6408 neue Fälle binnen 24 Stunden – 4961 weniger als am Dienstag der Vorwoche. Die Zahl der weiteren Toten im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus wird mit 903 angegeben. Aber: „Die Infektionszahlen gehen klar runter“, so der Mediziner, „wir spüren, dass es weniger wird.“ Die Uniklinik in Essen versorgt jedoch aktuell immer noch über 100 Covid-Patienten, 36 davon auf der Intensivstation. Seit gestern sind dort zwei weitere Erkrankte verstorben.

25.01.2021

„Großversuch“ mit neuem Covid-Medikament erfreut Essener Klinikchef

„Nase vorn“ bei Antikörper-Medizin, Kauf von 200.000 Dosen für 400 Millionen Euro, AfD hat sich für „Stern-TV“-Moderator auch bei Corona-Debatte „deutlich disqualifiziert“. Mehr
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„Deutschland hat überraschend die Nase vorn“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, begrüßt die Entscheidung der Bundesregierung, für 400 Millionen Euro neu entwickelte, noch nicht zugelassene Corona-Medikamente auf Antikörper-Basis zu kaufen. Als positiv bewertet Werner bei „19 – die Chefvisite“, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auch ohne Abstimmung innerhalb der EU im Alleingang gehandelt habe. In der Universitätsmedizin müsse der Einsatz dieser Medikamente genauestens dokumentiert werden, so Werner: „Wir nehmen quasi an einem Großversuch teil.“ Die erworbenen 200.000 Dosen der neuen Präparate böten Hoffnung auf einen milderen Krankheitsverlauf vor allem bei Risikopatienten.

Aktuell gibt es nach Einschätzung des Klinikchefs in den Krankenhäusern „eine gewisse Entspannung“. „Das kann in einigen Wochen aber wieder ganz anders aussehen“, warnt Werner. Das RKI meldet mit 6729 Neuinfektionen binnen 24 Stunden 412 Fälle weniger als am Montag der Vorwoche. Mit 217 Toten in Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus sei aber „die nächste Grenze von 52.000 Verstorbenen überschritten“, mahnt der Mediziner. Das Universitätsklinikum Essen behandelt aktuell über 110 Covid-Patienten, 41 davon auf der Intensivstation. Seit gestern sind dort drei weitere Erkrankte an oder mit dem Coronavirus gestorben.

Die AfD hat sich für „Stern-TV“-Moderator Steffen Hallaschka auch in der politischen Debatte um die Corona-Maßnahmen „deutlich disqualifiziert“. Die Einbußen der Partei in Umfragen zeigten: „Die Menschen verstehen, dass es nicht um die lauteste Polemik geht“, so Hallaschka in der Sendung. Bei „Stern-TV“ kämen auch abweichende und kritische Stimmen zu Wort, diese müssten aber „konstruktiv sein und auf wissenschaftlicher Basis stehen“. So wolle die „Stern-TV“-Redaktion sicherstellen, dass Gäste „keine Einzel- und Nischenmeinung mit Betonung auf Meinung“, sondern Fakten vertreten, betont Hallaschka.

22.01.2021

Essener Klinikchef fordert neue Corona-Medikamente

Trotz erster Erfolge mit Antikörpern in den USA kein EU-Zulassungsverfahren, Neuinfektionen: positiver Trend „hält an“, dank Künstlicher Intelligenz sind Restaurants in China wieder voll Mehr
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„Diesen Ansatz sollten wir auch in Europa verfolgen“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, fordert, stärker nach neuen „alternativen Behandlungsmethoden“ mit Antikörpern zu suchen. In den USA gebe es dafür bereits Notfallzulassungen, ein entsprechender Prozess bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA laufe aber noch nicht, berichtet Werner bei „19 – die Chefvisite“. Mit einer Studie an 965 Personen wurde „nachgewiesen, dass das Risiko einer Covid-19-Erkrankung bei Pflegeheimbewohnern durch die Antikörpertherapie erheblich gesenkt werden konnte“, so der Mediziner. Antikörper „können in ausgewählten Fällen offensichtlich dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufs zu senken“.

Der positive Trend beim Infektionsgeschehen in Deutschland „hält an“, zeigt sich der Klinikchef erfreut. Das RKI registriert bundesweit 17.862 Neuinfektionen binnen 24 Stunden – 4506 weniger als am Freitag der Vorwoche. Aber: „Die Anzahl der Verstorbenen ist leider noch deutlich zu hoch“, so Werner. Das RKI meldet 859 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus, insgesamt ist damit die Schwelle von 50.000 überschritten. Seit gestern sind im Essener Uniklinikum zwei weitere Covid-19-Patienten verstorben. Dort werden aktuell 113 mit dem Coronavirus Infizierte behandelt, 42 davon auf der Intensivstation.

„Die aktuellen Kontaktbeschränkungen sind eigentlich kein Problem für uns“: Der Chef des Bankhauses Hauck & Aufhäuser, Michael Bentlage, sagt in der Sendung, dass sein Unternehmen bereits zuvor viel auf Telefonberatung gesetzt habe. Das weiter ausgebaute digitale Angebot werde von den Kunden viel genutzt – „auch Ältere sind da inzwischen sehr versiert“, so Bentlage. Bei der Neukundengewinnung wird sich aus seiner Sicht allerdings ein hybrides Angebot mit persönlichem Erstkontakt und Videoberatung durchsetzen. Die älteste Privatbank Deutschlands gehört inzwischen zum Fosun-Konzern aus China – von seinen Kollegen dort hört Bentlage: „Die Restaurants sind voll, die Ferienanlagen auch.“ Die Chinesen seien technologisch weiter als Deutschland: „Künstliche Intelligenz hilft ihnen, die Krise besser zu bekämpfen“, so der Vorstandschef.

21.01.2021

Hamburgs 2. Bürgermeisterin: „Kein Masterplan“

Katharina Fegebank: Fahrplan aus der Krise nötig, Essener Klinikchef rügt Wucherpreise für FFP2-Masken, bei Infektionszahlen „ein bisschen Entwarnung“. Mehr
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„Einen Masterplan hat keiner in der Tasche“: Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank räumt ein, dass der Kurs der Politik in der Corona-Krise manchen als „Stückwerk“ erscheinen könne. Bei „19 – die Chefvisite“ sagt die Grünen-Politikerin, nötig sei ein „planbarer Fahrplan“ aus der Pandemie, auf den sich die Bürger einstellen könnten. Die Gefahr durch die zuerst in England aufgetretene Coronavirus-Mutation sei jedoch bisher nicht einschätzbar. Die Senatorin für Wissenschaft und Forschung verteidigt daher die „präventiven“ Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz. Als deren „Herzstück“ bezeichnet Fegebank die Einschränkung der beruflichen Mobilität durch Ausweitung von Homeoffice.

Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, kritisiert in der Sendung Wucherpreise für FFP2-Masken. Er habe schon Angebote für 20 Euro gesehen – pro Stück. „Da wird mit der Angst der Leute gespielt“, so Werner. „Froh“ ist er daher, dass die jüngsten Corona-Beschlüsse auch die Verwendung von OP-Masken im öffentlichen Raum zulassen. Bei einer ausschließlichen Verwendung von FFP2-Masken bundesweit wäre es bei diesen „in den Krankenhäusern, auch auf den Covid-Stationen, unweigerlich zu Mangelsituationen gekommen“, so der Mediziner.

„Ein bisschen Entwarnung“ gibt der Klinikchef hinsichtlich des Infektionsgeschehens. Das RKI meldet mit bundesweit 20.398 neuen Fällen binnen 24 Stunden 4766 weniger als am Donnerstag der Vorwoche. Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus steigt um 1013 auf 49.783. „Erfreulich“ nennt es Werner daher, dass im Essener Uniklinikum seit langer Zeit von gestern auf heute kein weiterer Covid-Patient verstorben ist. Dort werden derzeit 120 Corona-Infizierte medizinisch versorgt, 46 davon auf der Intensivstation.

20.01.2021

Impfstopp im Krankenhaus

„Sehr schwierige Situation“ durch Mangel an Impfstoff, Warnung vor Ausbreitung von Coronavirus-Mutationen, „der Zins ist weg“ für Sparer. Mehr
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Nach nur zwei Tagen ist wieder Schluss: „Wir müssen die Impfungen an der Klinik erstmal aussetzen, weil kein Impfstoff verfügbar ist“, berichtet der Chef des Essener Uniklinikums, Professor Jochen Werner, bei „19 – die Chefvisite“. Damit steht sein Haus beispielhaft für die Lage im Land: „Der Engpass betrifft Gesamtdeutschland“, so Werner. Für das Klinik-Personal sei die Pause eine „sehr schwierige Situation“ – denn „unser Impfstart vor zwei Tagen hatte vielen Hoffnung gegeben“. Werner erwartet, die Immunisierungen Anfang Februar wieder aufnehmen zu können.

Erfreut ist der Klinikchef, dass sich bei der Abnahme der Infektionszahlen „der Trend fortsetzt“: Das RKI registriert bundesweit mit 15.974 neuen Fällen binnen 24 Stunden 3626 weniger als am Mittwoch der Vorwoche. Werner warnt jedoch vor einer Ausbreitung der infektiöseren Variante des Coronavirus, die zuerst in England auftrat: Dies sei „nur eine Frage der Zeit“ – zumal Essen nicht weit von den Niederlanden entfernt liege, wo die Mutation bereits stärker verbreitet ist. Hoch bleibt die Zahl der vom RKI im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus gemeldeten Todesfällen, die mit 1148 um 88 über dem Mittwochswert der Vorwoche liegt. In der Universitätsmedizin Essen werden aktuell 120 Patienten wegen Covid-19 behandelt, 50 davon auf der Intensivstation. Seit gestern sind dort zwei weitere Menschen am oder mit dem Coronavirus verstorben.

Nachhaltigkeit ist als Megatrend „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt der globale Vertriebschef der Fondsgesellschaft DWS, Dirk Görgen, in der Sendung. Seine Prognose: „Niemand wird sich entziehen können.“ Görgen fordert, in Deutschland eine „Investmentkultur zu leben“ und in Aktien zu investieren, denn: „Der Zins ist weg.“ Eine weitere Alternative zum Sparbuch ist für ihn „Betongold“. Bei Pflegeimmobilien sei die Nachfrage seitens privater Kapitalanleger derzeit trotz Pandemie „sehr hoch“, berichtet Karl Reinitzhuber, Chef von Carestone, dem Marktführer in diesem Bereich. Das liege auch am zu geringen Angebot an altersgerechten Wohnungen – auf 300.000 schätzt Reinitzhuber den Bedarf an Neubauten in den kommenden zehn Jahren. „Wir produzieren den VW-Golf der Pflegeimmobilie“, so der Carestone-Chef.

19.01.2021

Essener Klinikchef: Inzidenzwert von 50 ist „Feigenblatt“

Corona-Infektionsketten digital leichter nachzuverfolgen, Kritik an möglicher Datenpanne beim RKI, Investition in Bitcoins reine Spekulation. Mehr
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Kritik am starren Inzidenzwert von 50 übt der Chef der Essener Universitätsklinik, Professor Jochen Werner. Die Digitalisierung bringe den Gesundheitsämtern bereits „enorme Erleichterungen“ bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten, sagt Werner bei „19 – die Chefvisite“. Es könne nicht sein, dass diese Verbesserungen „keinerlei Einfluss auf den uns täglich vorgehaltenen Orientierungswert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner über sieben Tage haben“. Dieser werde „wie eine Monstranz“ herumgetragen und diene als „Feigenblatt“: „Es passt einfach nicht mehr“, so der Mediziner mit Blick auf den technischen Fortschritt in den Gesundheitsämtern. Diese erhielten zum Beispiel alle Labordaten seit Jahresbeginn elektronisch und nicht mehr per Fax. Unter anderem deswegen könne der Richtwert für die Nachverfolgung auch höher angesetzt werden.

In diesem Zusammenhang hält es der Klinikchef für „bedenklich“, dass die gestrigen RKI-Zahlen „möglicherweise nicht komplett“ waren. Die Werte hatten einen spürbaren Rückgang der Neuinfektionen gezeigt, es könnte aber eine Datenpanne gegebene haben. Aktuell meldet die Behörde bundesweit 11.369 neue Fälle, 1433 weniger als am Dienstag der Vorwoche. Das RKI berichtete zudem von 989 weiteren Toten im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus binnen 24 Stunden. Die Universitätsmedizin Essen versorgt zurzeit 120 Patienten wegen Covid-19, 51 davon auf der Intensivstation. Seit gestern sind dort drei weitere Menschen am oder mit dem Coronavirus verstorben.

„Es ist viel Geld unterwegs“, sagt der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden, Dr. Ulrich Stephan, in der Sendung. Ursache seien extrem niedrige Notenbank-Zinsen und große Konjunkturpaketen. Damit erklärte Stephan das scheinbare Paradox von darbender Wirtschaft und boomenden Börsen. Der Industrie gehe es „verhältnismäßig gut“, „Stay at Home“-Aktien von Corona-Gewinnern seien zudem „in unglaubliche Höhen geschossen“. Trotz hoher Staatsausgaben und -schulden in der Krise erwartet Stephan derzeit keine Inflationswelle: „Da muss keiner Angst haben.“ Auch ein Währungsschnitt stünde nicht an. Das elektronische Zahlungsmittel Bitcoin bewertet er als reines Spekulationsobjekt. Der Kurs sei „hoch volatil“, Bitcoins daher nur geeignet für Menschen, „die in Risiko investieren wollen“.

18.01.2021

Essener Klinikchef lehnt Ausgangssperre ab

Maßnahmen gegen Corona „greifen jetzt“, mehr Bürgerrechte für Geimpfte erwartet, Experte: chinesische Zahlungen für Pandemieschäden „utopisch“ Mehr
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Gegen eine Ausgangssperre zur Bekämpfung der Pandemie spricht sich der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, aus. „Es ist ein Trend zu erkennen, dass die Infektionszahlen zurückgehen“, sagt Werner bei „19 – die Chefvisite“. „Die Maßnahmen greifen jetzt“, so der Mediziner mit Blick auf aktuelle Daten. Beim Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag sollte die Politik daher von Verschärfungen absehen – falls sich infektiösere Coronavirus-Mutationen etwa aus England nicht auch in Deutschland rasch ausbreiten sollten.

Das RKI meldet mit bundesweit 7141 Neuinfektionen 5356 Fälle weniger als am Montag der Vorwoche, der niedrigste Wert seit dem 20. Oktober – „das lässt hoffen“, betont Werner. Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit dem Coronavirus sinkt laut RKI im Wochenvergleich um 129 auf 214. Im Uniklinikum Essen werden aktuell 118 Covid-Patienten versorgt, 50 davon auf der Intensivstation. Über das Wochenende sind dort fünf weitere Menschen am oder mit dem Sars-CoV-2-Virus verstorben.

Klinikchef Werner erwartet, dass mit Fortschreiten der Covid-Impfungen eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ entstehen wird. „Irgendwann werden 20, 30 oder 40 Millionen Menschen geimpft sein und ihre Rechte einfordern“: Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Restaurantbesuch, Flug in den Urlaub. Daher fordert Werner „schon jetzt eine klare Linie und eine vorab definierte Zielerreichung, ab wann Beschränkungen für wen aufgehoben werden.“ Das Thema sei „zentral für die Glaubwürdigkeit der Politik“.

Dass Peking wegen der späten Informationen über den Virusausbruch in Wuhan Schadenersatz zahlt, hält der China-Kenner Marcel Grzanna für „utopisch“. Auch wenn jetzt ein Team der Weltgesundheitsorganisation WHO den Ursprung des Coronavirus im Land untersuche, werden die Experten „nach einem Jahr nicht mehr viel nachvollziehen können“, sagt der Buchautor in der Sendung. Der chinesischen Führung gehe es dabei eher um „Imagepflege“. Denn 2020 habe es „einen Wendepunkt in der weltweiten Wahrnehmung der Diktatur“ gegeben, so Grzanna.

15.01.2021

Boris Palmer: „kopflose Debatte“ um härteren Lockdown

Tübinger Oberbürgermeister will Kitas und Grundschule öffnen, Kindern droht sonst „Verwahrlosung und Missbrauch, Essener Klinikchef: Covid-Todesrate „alarmierend“. Mehr
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Eine „kopflose Debatte über härtere Maßnahmen“ kritisiert Boris Palmer, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen. „Viele Todesfälle werden auch durch den Lockdown nicht verhindert“, sagt der Grünen-Politiker bei „19 – die Chefvisite“. Palmer findet es „verräterisch, dass nur über schärfere und nicht über wirksamere Maßnahmen“ gesprochen werde. Es gebe zum Beispiel „keine Belege“ für eine erhöhte Infektionsrate in Deutschland durch die zuerst in England aufgetretene Coronavirus-Mutation. Trotzdem gehe es bereits jetzt um eine Verlängerung des Lockdowns bis März – „nur aufgrund einer Vermutung“.

Palmer verurteilt die aktuelle Fokussierung: „Kitas und Grundschulen müssen geöffnet werden“, lautet seine Forderung. Die Gefahr durch Corona sei für Kinder eher gering – ohne Kontakte drohten aber insbesondere sozial Benachteiligten „Verwahrlosung oder sogar Missbrauch“. Für ältere Schüler hält er Unterricht per Video für angemessen. Der Infektionsschutz müsse vor allem „da ansetzen, wo das Risiko sitzt“: in Alten- und Pflegeheimen. Diesen empfiehlt Palmer eine „konsequente Teststrategie“. Sie sollten ohne Test „niemanden reinlassen“.

Für „alarmierend“ hält der Chef der Universitätsmedizin Essen, Professor Jochen Werner, die Covid-Todesrate in Deutschland. Auf eine Million Einwohner gerechnet liege diese über der in den USA und dem EU-Durchschnitt. „Wir müssen mit Leistungen statt mit Worten glänzen“, fordert Werner in der Sendung. Das RKI meldet mit bundesweit 22.368 Neuinfektionen zwar rund 9500 weniger Fälle als am Freitag der Vorwoche. Die Gesamtzahl der Betroffenen hat aber die Marke von zwei Millionen überschritten. Binnen 24 Stunden registrierte das RKI 1113 weitere Tote im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus – insgesamt sind es nunmehr „nahezu 45.000“, so Werner. Im Uniklinikum Essen ist seit gestern kein weiterer Covid-Patient verstorben. Dort werden aktuell 106 Corona-Erkrankte behandelt, 47 davon auf der Intensivstation.

14.01.2021

Essener Klinikchef fordert „massive Kontaktreduktion“

Rasche Impfungen wegen englischer Coronavirus-Mutation nötig, Zahl von Covid-Toten erreicht „traurigen Rekord“, Innenstädte sollen zum Disneyland werden. Mehr
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„Massive Kontaktreduktion – so schwer es auch fällt“: Für den Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, ist neben der Impfung die Vermeidung von Treffen mit anderen die „einzige Waffe“ im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Bei „19 – die Chefvisite“ sorgt sich der Mediziner um die mögliche Ausbreitung der neuen Virus-Variante B.1.1.7, die zuerst in England auftrat und nun auch in Deutschland nachgewiesen ist. „Da muss man schon wirklich positiv denken, um nicht anzunehmen, dass auch wir vor einer weiteren Zunahme der Corona-Infektions- und Erkrankungsrate stehen“, warnt Werner. Daher gelte auch: „Impfen, was geht – aber definitiv ohne Impfpflicht.“

Die vom RKI gemeldeten 1244 Toten bundesweit binnen 24 Stunden in Verbindung mit Sars-CoV-2-Virus nennt der Klinikchef einen „traurigen Rekord“. Die von der Behörde berichtete Zahl von 25.164 Neuinfektionen liegt aber um 1227 Fälle unter dem Wert vom Donnerstag der Vorwoche. Im Uniklinikum Essen sind seit gestern sieben Corona-Patienten verstorben – eine „enorm hohe Anzahl“, so Werner. Insgesamt werden dort aktuell 110 Menschen wegen Covid-19 behandelt, 43 davon liegen auf der Intensivstation.

Um verödende Innenstädte und schließende Ladengeschäfte sorgt sich der hessische Landtagsabgeordnete Dirk Bamberger. „Amazon steht symbolisch für diese Entwicklung“, sagt der CDU-Politiker aus Marburg in der Sendung. Er hat eine E-Mail an Konzernchef Jeff Bezos geschrieben, um Lösungen zu suchen – und gestern auch ein Gesprächsangebot erhalten. Aus Bambergers Sicht können die Fußgängerzonen künftig nur mit „Erreichbarkeit, Komfort, Parkplätzen und Wi-Fi an jeder Ecke“ gegen den Onlinehandel punkten. Nils Seebach, Experte für digitale Geschäftsmodelle, fordert: „Disneyland in der Innenstadt – das ist unsere Aufgabe!“ Fußgängerzonen sollten zur „Inspirationsquelle“ für Käufer werden.

13.01.2021

Essener Klinikchef warnt vor Politiker-Aktionismus

Impflicht: „Unsinnige Diskussion“, Umsetzung der Teststrategie eingefordert, Kleinstunternehmer zu Anträgen auf Staatshilfe aufgerufen. Mehr
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„Beendet die unsinnige Debatte um eine Impflicht!“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, warnt Politiker vor Aktionismus. „Wir dürfen nicht jeden Tag eine neue Sau durch Dorf treiben und so tun, als wäre alles andere erledigt“, kritisiert Werner bei „19 – die Chefvisite“. Die aktuelle Diskussion „bis hin zum Berufsverbot“ erzeuge Unruhe beim Personal von Pflegeeinrichtungen, warnt der Mediziner. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe erneut betont, dass es keinen Impfzwang geben werde: „Ich hoffe, das Thema ist damit endlich durch“, so Werner. Der Mediziner fordert eine konsequente Umsetzung der Corona-Teststrategie. Wichtig sei auch die Einhaltung aller Hygienevorschriften in Senioreneinrichtungen.

Die Krankenhäuser sind aus Sicht des Klinikchefs durch die vielen Covid-Erkrankten weiter „hoch belastet“  – Entwarnung geben kann er nicht: Das RKI meldet mit bundesweit 19.600 Neuinfektionen 1636 Fälle mehr als am Mittwoch der Vorwoche. „Beunruhigend“ nennt Werner die Zahl von 1060 Toten binnen 24 Stunden in Verbindung mit dem Coronavirus. Das Uniklinikum Essen behandelt aktuell 115 Patienten wegen Covid-19, 48 davon auf der Intensivstation. Seit gestern ist dort ein weiterer Mensch im Zusammenhang mit dem Sars-CoC-2-Virus verstorben.

„Für Kleinstunternehmer ist die Lage katastrophal“: Der Steuerberater Stefan Buschmann, der für Klienten viele Anträge auf Staatshilfe ausgearbeitet hat, berichtet in der Sendung von „wirtschaftlichen Depressionen“ bei Solo-Selbstständigen, etwa Künstlern oder Messebauern. Sein Aufruf an Betroffene: „Gehen Sie zum Steuerberater, nutzen Sie alle staatlichen Möglichkeiten!“ Gelder würden fließen, wenn auch mit zwei oder drei Monaten Verzögerung. Zunehmend lethargisch sind nach Einschätzung von Management-Berater Jens Vogt, Partner bei Heidrick Consulting, inzwischen auch viele Beschäftigte, die im Homeoffice arbeiten. Nach einer „Euphorie“ im ersten Lockdown „stellt sich nun Müdigkeit ein“, beobachtet der Experte. Manager müssten daher „mehr Stunden für Führungsarbeit“ und Mitarbeitermotivation aufwenden.

12.01.2021

Essener Impfarzt: Ostern zuhause bleiben!

„Unweigerlicher Anstieg“ der Infektionen nach „Urlauberinvasion“ auf Mallorca, EU-Parlamentsvize Beer fordert: testen und impfen, allein in Essen bereits 218 Covid-Tote. Mehr
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„Bleiben Sie möglichst zuhause“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, appelliert dringend, in den Osterferien nicht zu verreisen. Bei „19 – die Chefvisite“ verweist Werner auf die „Urlauberinvasion“ über Weihnachten auf Mallorca, der nun der „unweigerliche Anstieg der Neuinfektionen“ folge. Konsequenz: Auf der Ferieninsel sowie den gesamten Balearen sind Treffen im privaten Kreis vorerst bis zum 30. Januar sogar zuhause untersagt – Geschäfte und Gastronomie müssen schließen. Werner mahnt, den „internationalen Virenaustausch zu unterlassen“, auch mit Blick auf neue Corona-Mutationen.

„Konsequent testen und durchimpfen, um den Lockdown schnell zu beenden“: Das fordert die stellvertretende Vorsitzende des Europaparlaments, Nicola Beer, in der Sendung. „Wir sehen jetzt schon große und kleine Insolvenzen“, warnt die FDP-Politikerin. Beer rügt „unsinnige Schritte“, zum Beispiel, dass zurzeit Insolvenzen nicht angezeigt werden müssen. Dies könne zu einer Verschärfung der Pleitewelle führen. Der Staat dürfe „Altes nicht künstlich beatmen“ – nötig seien stattdessen die Stärkung der Infrastruktur, mehr Digitalisierung und der Abbau von Bürokratie, damit die Wirtschaft wieder Tritt fasse. Die studierte Rechtsanwältin ist zudem überzeugt, dass die Einschränkung von Bürgerrechten nach einer Impfung juristisch „nicht mehr haltbar“ ist, wenn der Geimpfte niemand anderen mehr anstecken könne und „kein Risiko mehr ist“.

Allein in der Essener Uniklinik sind inzwischen insgesamt 217 Menschen an oder mit Covid-19, verstorben – „im Durchschnittsalter von 74 Jahren“, wie Krankenhauschef Werner berichtet. Seit gestern kamen zwei weitere Tote hinzu. Aktuell werden dort 122 Patienten wegen des Sars-CoV-2-Virus behandelt, 48 davon auf der Intensivstation. Bundesweit registrierte das RKI 12.802 Neuinfektionen binnen 24 Stunden und damit 905 mehr als am Dienstag der Vorwoche. Die Zahl der Todesopfer stieg laut der Behörde seit gestern um 891 auf nunmehr insgesamt 41.577.

11.01.2021

Essener Impfarzt: Impfbereitschaft bei Pflegekräften wächst

Essener Seniorenheime werden diesen Monat durchgeimpft, Corona-Schutz verträglicher als Grippeimpfung, Arbeitgeber sollten bei Impfung keinen Druck auf Mitarbeiter ausüben Mehr
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„Überall sind Nachbestellungen da“: Laut Dr. Stefan Steinmetz, der die Impfung in der Stadt Essen leitet, überzeugt die Corona-Impfung auch anfangs skeptische Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen. Viele wollten nach der ersten nun auch die zweite Impfung, „weil die Nebenwirkungsquote so gering ist“, berichtet Steinmetz bei „19 – die Chefvisite“. Nach Verabreichung von rund 6000 Dosen hält der Mediziner den Schutz gegen das Coronavirus für besser verträglich als eine Grippeimpfung: „Ich habe keine Komplikationen festgestellt.“

In Essen hat Steinmetz mit seinem Team bereits 40 von 76 Senioreneinrichtungen versorgt – die übrigen seien „sicher im Laufe dieses Monats durch“, zeigt er sich zuversichtlich. Am 1. Februar sollte dann die Behandlung der Über-80-Jährigen in den Impfzentren beginnen. Diese „dauert allerdings zwei bis drei Monate“, so Steinmetz: „Wir könnten schneller sein, wenn mehr Impfstoff da wäre.“ Der Mediziner warnt Arbeitgeber davor, mit Kündigungsdrohungen Druck auf ihre Mitarbeiter auszuüben und sie zur Impfung zu drängen: „Keine Impfpflicht“, betont er, „das würde die Impfbereitschaft zerstören.“ Steinmetz setzt vielmehr darauf, durch „Information und Aufklärung“ zu überzeugen.

Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, rügt in der Sendung, dass trotz der „angespannten Pandemiesituation“ nicht alle Gesundheitsämter am Wochenende ihre Zahlen melden. Dadurch seien die deutschen Daten montags immer noch verzerrt, obwohl China bereits vor genau einem Jahr vom ersten Todesopfer in Zusammenhang mit Covid-19 berichtet habe. Bundesweit registrierte das RKI binnen 24 Stunden mit 12.497 Neuinfektionen 2650 Fälle mehr als am Montag der Vorwoche. Mit 343 Verstorbenen gab es in diesem Vergleich einen Zuwachs um 41. Im Universitätsklinikum Essen werden aktuell 115 Covid-19-Patienten versorgt, 48 davon auf der Intensivstation. Dort sind über das Wochenende weitere fünf Menschen am oder mit dem Sars-CoV-2-Virus gestorben.

08.01.2021

Essener Chefvirologe fordert: Kitas und Grundschulen auf!

Vor allem sozial schwache Kinder leiden, Frauen mit Kinderwunsch sollten sich möglichst rasch impfen lassen, „im Freien nicht in Sicherheit wiegen!“ Mehr
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Die schnelle Öffnung von Kitas und Grundschulen fordert der Chefvirologe der Uniklinik Essen, Professor Ulf Dittmer: „Kleine Kinder sind keine effizienten Verbreiter“, sagt Dittmer bei „19 – die Chefvisite“ mit Blick auf aktuelle Studien. Unter den Schließungen „leiden vor allem die Kinder aus sozial schwachen Familien“, betont der Mediziner. Weiterführenden Schulen mit älteren Kindern rät er zu Hygienekonzepten. Das Argument, eine Öffnung führe zu mehr Mobilität und damit zu mehr Infektionen, lässt Dittmer nicht gelten: „Bildung ist ein hohes Gut“, das man gegen diese Möglichkeit abwägen müsse.

Der Virologe empfiehlt Frauen mit Kinderwunsch, sich „unbedingt“ so rasch wie möglich impfen zu lassen. Dittmer betont: „Es gibt keine biologischen Gründe dagegen.“ Gerade für Schwangere sei eine Covid-19-Erkrankung „sehr, sehr gefährlich“, wie mehrere Fälle im Essener Klinikum gezeigt hätten. Schwangere selbst sollten sich allerdings nur in enger Abstimmung mit ihrem Hausarzt impfen lassen. Dittmer warnt zudem davor, sich „im Freien in Sicherheit zu wiegen – gerade im Winter“. So gebe es zum Beispiel kaum UV-Licht, das die Erreger unschädlich machen könne. Sollte sich eine „infektiösere Variante“ wie die zuerst in England aufgetretene Mutation hierzulande stärker verbreiten, steige auch draußen die Gefahr, so Dittmer.

Das RKI meldet mit bundesweit 31.849 Neuinfektionen 8925 Fälle mehr als am Freitag der Vorwoche – nachdem in den beiden letzten Tagen in diesem Vergleich noch rund 7000 weniger erfasst worden waren. Die Daten sind durch die Feiertage verzerrt: „Erst nächste Woche kommt die Zählung wieder in Gang“, sagt der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, in der Sendung. Das gelte auch für die mit dem Sars-CoV-2-Virus in Verbindung stehenden Todesfälle, bei denen das RKI heute einen Rekordwert von 1188 Verstorbenen binnen 24 Stunden registriert hat. Seit gestern sind im Uniklinikum Essen zwei weitere Covid-19-Patienten verstorben. Insgesamt werden dort aktuell 125 Corona-Patienten behandelt, 45 davon auf der Intensivstation.

07.01.2021

Essener Klinikchef: „Schwere dritte Welle“ droht

Ausbreitung der englischen Corona-Mutation beunruhigt, Sonderregeln in einigen Bundesländern kritisiert, „Wahlkampf mithilfe der Pandemie“ gerügt. Mehr
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„Die Lage ist definitiv sehr ernst“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, befürchtet „verheerende Auswirkungen“, sollte sich die zuerst in England aufgetretene Mutation des Coronavirus auch in Deutschland ausbreiten. „Damit stiege die Gefahr einer schweren dritten Welle mit langfristigen Lockdowns und vielen Toten“, warnt Werner bei „19 – die Chefvisite“. Daher nennt er es „sehr bedauerlich“, dass „einzelne Bundesländer keine 24 Stunden nach der Vereinbarung vom Dienstag wieder Sonderwege ankündigten und Lockerungen einläuten“.

Über teils „absurde Regelungen“ in unterschiedlichen Bundesländern klagt Ulrich Becker, Chefredakteur der Südwestpresse aus dem baden-württembergischen Ulm, das direkt an der Grenze zu Bayern liegt. „Der Föderalismus verwirrt teilweise und mindert die Bereitschaft der Menschen, den Regeln zu folgen“, sagt Becker in der Sendung. Vorstöße wie den von Landeskultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), die Kitas und Schulen unabhängig von den örtlichen Infektionszahlen öffnen will, kritisiert er als „Wahlkampf mithilfe der Pandemie“. Dies sei „empörend und enttäuschend“. Baden-Württemberg wählt am 14. März einen neuen Landtag.

Als „vielleicht ein gutes Zeichen“ wertet Klinikchef Werner, dass das RKI bundesweit mit 26.391 Neuinfektionen binnen 24 Stunden über 6000 Fälle weniger registriert hat als am Donnerstag der Vorwoche – wegen der Datenverzerrung durch die Feiertage „müssen wir das aber beobachten“, mahnt Werner. Das RKI meldet zudem 1070 weitere Tote im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus. Im Uniklinikum Essen sind seit gestern drei weitere Patienten am oder mit dem Coronavirus verstorben. Aktuell sind dort 125 Covid-19-Patienten in Behandlung, 45 davon liegen auf der Intensivstation – darunter auch „Allerschwerstkranke“, berichtet der Mediziner.

06.01.2021

Essener Klinikchef: Warnung vor Virusmutation

Ausbreitung der Variante aus England könnte Neuinfektionen hochtreiben, Appell: Medizinstudenten möglichst rasch impfen, bei Särgen droht ein Lieferengpass Mehr
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„Wir wissen nicht, wie hoch die Dunkelziffer ist“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, fordert, die Ausbreitung der von England ausgehenden Mutation des Coronavirus in Deutschland schnell wissenschaftlich zu untersuchen. „Wir können mit den aktuellen Nachweisverfahren gar nicht wissen, ob und wo es sich bei uns schon verbreitet hat“, sagt Werner bei „19 – die Chefvisite“. Eine schnelle Ausbreitung der B 1.1.7 genannten Variante könne aber „ein Grund für die aktuell hohen Infektionszahlen sein“, warnt der Mediziner.

Im Uniklinikum Essen werden zurzeit 130 Patienten wegen Covid-19 behandelt, 46 davon auf der Intensivstation – 9 sind so schwer erkrankt, dass sie laut Werner ein maschinelles Lungenersatzverfahren benötigen. Seit gestern sind in seinem Haus weitere drei Patienten im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus verstorben. Bundesweit registrierte das RKI 1019 Sterbefälle – „die zweithöchste Zahl bis jetzt“, so der Klinikchef. Zudem wurden 21.237 Neuinfektionen registriert. Dieser Wert könne aber wegen der Verzerrung durch die Feiertage „erst nächste Woche besser beurteilt werden“, sagt Werner.

Dennoch spricht er von einer „sehr hohen Zahl“ und fordert wegen der dünnen Personaldecke, auch Medizinstudenten möglichst rasch zu impfen – sonst drohten Nachwuchsprobleme: „Medizin ist kein Fernstudium“, so der Professor, „da muss man mal jemanden anfassen.“ Marvin Droste, der an der Uni Duisburg-Essen Medizin studiert, sorgt sich in der Sendung um den praktischen Teil seiner Ausbildung: Diese sei „eigentlich ganz dicht am Menschen – jetzt sitze ich vor dem Computer“. Von einer „absoluten Ausnahmesituation“ bei Bestattern berichtet Jonas Miebach von der Funeria Trauerhilfe. Seine Befürchtung angesichts der vielen Todesfälle: „Geht das so weiter, kann es Lieferengpässen bei Särgen geben.“

05.01.2021

Oberärztin der Essener Notaufnahme: Morddrohungen

„Hilferuf“ von Medizin-Bloggerin Dr. Carola Holzner, „Doc Caro“: „Wir sind mehr wert als Geklatsche und Streichwurst“, Medizinerin von spätem Impftermin „irritiert“ Mehr
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Morddrohungen von Corona-Leugnern erhält die Oberärztin der Notaufnahme der Uniklinik Essen, Dr. Carola Holzner, auf ihrer Facebook-Seite, wo sie als „Doc Caro“ über ihre Pandemie-Erfahrungen bloggt. „Beschimpfungen und einen Shitstorm in diesem Ausmaß habe ich nicht erwartet“, sagt Holzner bei „19 – die Chefvisite“. Viele ließen sich von der Anonymität des Internets zu Beleidigungen verleiten, berichtet die Medizinerin. Sie spüre aber auch einen „unheimlich hohen Informationsbedarf“ und erfahre viel Zuspruch. Holzner zeigt sich „irritiert“, dass sie als „Covid-Versorgerin an der Front“ zunächst keinen Termin für ihre Impfung erhalten habe. Dabei sei medizinisches Personal in der Impfkampagne genauso hoch priorisiert wie die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen.

Der Offene Brief, den sie deswegen an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) geschrieben hat, will sie als „Appell und Hilferuf“ verstanden wissen. Aus ihrer Sicht mangelt es angesichts der Rolle der Bundesländer bei der Umsetzung der Impfungen an zentraler Koordination: „Einer muss die Großschadenslage managen“, fordert Holzner in der Sendung. Eine schnelle Impfung wäre für sie auch ein Zeichen der Wertschätzung: „Wir sind mehr wert als Geklatsche, Schokolade und Streichwurst“, sagt Holzner mit Blick auf symbolische Geschenke, die medizinisches Personal statt eines finanziellen Bonus zum Teil erhalten habe.

In der Essener Notaufnahme sieht Holzner „trotz Lockdowns keine Entlastung“. Klinikchef Professor Jochen Werner betont, dass die aktuellen RKI-Daten durch die Feiertage verzerrt seien. So habe es „zwei Tage etwas weniger Todesfälle“ gegeben – nun aber meldet das RKI bundesweit weitere 944 Verstorbene im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus sowie 11.897 Neuinfektionen, 995 weniger als am Dienstag der Vorwoche. Im Uniklinikum Essen werden weiterhin über 130 Covid-19-Patienten versorgt, 44 davon liegen auf der Intensivstation. Seit gestern sind dort zwei weitere Menschen am oder mit dem Coronavirus verstorben.

04.01.2021

Essener Klinikchef will harten Lockdown

Appell: keinen Freizeit-Wintersport!, „ernste Lage“ auf Intensivstationen, allein im Uniklinikum Essen 26 Covid-Tote seit Heiligabend. Mehr
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„Alles andere als ein harter Lockdown greift nicht“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, fordert verschärfte Kontaktbegrenzungen bis hin zu Ausgangsbeschränkungen. Bei „19 – die Chefvisite“ zeigt sich der Mediziner entsetzt über Bilder aus Wintersportorten wie Winterberg im Sauerland, die am Wochenende wegen der vielen Tagestouristen teilweise „zugesperrt“ werden mussten: „Da fragt man sich: Was passiert da eigentlich?“ Freizeit-Wintersport und Rodelvergnügen „passen im Moment nicht“, sagt Werner und warnt vor dem hohen Infektionsrisiko.

Die Kapazitäten im Essener Uniklinikum gelangen „langsam an ihre Grenzen“: „Die Lage ist ernst und spitzt sich zu“, fasst der Krankenhauschef zusammen. Aktuell werden in den vier Intensivstationen des Klinikverbundes 47 Patienten wegen Covid-19 versorgt, insgesamt sind im Uniklinikum 121 mit dem Sars-CoV-2-Virus Infizierte in Behandlung. Seit dem 24. Dezember ist allein dort im Zusammenhang mit Corona die „enorm hohe Anzahl“ von 26 Patienten verstorben, berichtet Werner. Bundesweit meldet das RKI 302 weitere Todesfälle, damit nähert sich die Zahl der Covid-Toten der Marke von 35.000. Die Neuinfektionen liegen laut Behörde mit 9847 Fällen um über 1000 unter dem Wert des Montags der Vorwoche, jedoch dürften die Daten wegen der Feiertage verzerrt sein.

Trotzdem blickt der Sportfotograf Alexander Hassenstein optimistisch ins neue Jahr. In seinem Beruf hat er gelernt: „Es gibt eine zweite Halbzeit, eine zweite Chance“, sagt er in der Sendung. Auch ihn bedrückt die „Symbolkraft“, wenn er etwa die leeren Ränge der Münchner Allianz-Arena fotografiert. Hoffnung macht Hassenstein aber die Aussicht auf die Olympischen Spiele in Tokio und die Fußball-Europameisterschaft im Sommer.

24.12.2020

Essener Klinikchef fordert „Reise-Lockdown zu Ostern“

Osterferien 2021 sollten keine Reisezeit sein, Urlauber könnten mutierte Corona-Varianten mit nach Deutschland bringen, Warnung: Impfstoffmangel bringt „Unfrieden“. Mehr
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„Ich hoffe, die Politik hat aus dem Sommer und dem Winter gelernt“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, fordert einen „Reise-Lockdown zu Ostern“. Bei „19 – die Chefvisite“ mahnt Werner, „wirklich Maßnahmen zu ergreifen und zu sagen: Osterferien sind keine Reisezeit.“ Der Mediziner erwartet, dass wegen des wärmeren Wetters zu Frühlingsanfang die Infektionszahlen sinken – fürchtet aber, dass die Menschen dann leichtsinniger mit den Schutzmaßnahmen umgehen. Werner erinnert an die Reiserückkehrer in diesem Sommer – 2021 könnten diese „vielleicht mutierte Formen des Virus mit nach Deutschland bringen“, warnt er.

Positiv wertet Werner den bevorstehenden Start der Impfkampagne. Schwierig wird es aus seiner Sicht allerdings, „wenn die Leute geimpft werden wollen, aber der Impfstoff noch nicht da ist“. Sein Rat: „Geduld zeigen! Wer dran ist, ist dran.“ Dennoch vermutet der Klinikchef, dass „wir einigen Unfrieden erleben werden“: „Wir wollen alle einen guten Sommer haben.“ Dieser müsse aber genutzt werden, „um bei den Infektionszahlen zur Ruhe zu kommen“, so der Klinikchef.

23.12.2020

Schwangere mit Restrisiko bei Corona-Impfung

In der Schwangerschaft gehäuft schwere Covid-19-Verläufe, Impfung und wärmeres Wetter können Infektionszahlen senken, Hersteller arbeiten an kühlschranktauglichem Impfstoff Mehr
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„Ein Restrisiko bleibt“: Laut dem Aufsichtsrat des Impfstoffentwicklers CureVac, Friedrich von Bohlen, liegen keine ausreichenden Daten über die Verträglichkeit einer Corona-Impfung in der Schwangerschaft vor. „Es gibt noch kein Baby, dass die Impfung durchgemacht hat“, stellt er bei „19 – die Chefvisite“ klar. Keine Schwangere habe an den Zulassungsstudien der Impfstoffe teilgenommen. Vom Wirkungsmechanismus der Impfung her sind aus seiner Sicht aber kaum Probleme zu erwarten. Das sieht der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, ähnlich. Er rät Schwangeren daher, sich eng mit dem Hausarzt abzustimmen. Denn: „Schwangere Covid-19-Patientinnen haben gehäuft mit schweren Verläufen zu kämpfen“, so der Mediziner.

„Wenn Opa geimpft ist, dann können wir ihn auch wieder im privaten Raum umarmen“: Der Chefvirologe des Essener Uniklinikums, Professor Ulf Dittmer, macht den Menschen Hoffnung auf mehr Sozialkontakte mit älteren Angehörigen, wenn die Impfkampagne läuft. In der Sondersendung betont Dittmer aber auch: „Nicht im öffentlichen Raum!“ Dort müsse sich jeder an das Abstandsgebot halten, bis die Folgen der Pandemie besser unter Kontrolle sind. Neben der Impfung ist dabei für ihn „das Wetter der andere Verbündete“: „Das Virus mag den Sommer nicht“, so Dittmer. Er hofft daher auf einen möglichst frühen und warmen Frühlingsbeginn.

Eine „völlig neue Dimension“ der Impfkampagne erwartet Stephan Hofmeister, Vize-Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, wenn der Impfstoff weiterentwickelt wird und unter minus 20 Grad transport- sowie lagerfähig ist – denn dann könne in den meisten Arztpraxen geimpft werden. So wie bei der Grippe: „Dagegen haben wir jetzt in sechs Wochen 20 Millionen Patienten geimpft“, so Hofmeister. CureVac-Aufsichtsrat von Bohlen ist optimistisch: „mRNA lässt sich auch gefriertrocknen und dann sogar in heiße Weltregionen transportieren“, sagt er über den neuen Impfstoff. Diesen wollen die unterschiedlichen Hersteller so weiterentwickeln, dass er auch im Kühlschrank haltbar ist. „Da sind alle dran“, betont von Bohlen.

23.12.2020

Essener Klinikchef: Auslandsreisende handeln unsolidarisch

Impfen soll auch gegen neue Coronavirus-Variante helfen, Belegung der Essener Intensivstation „unverändert hoch“, Kommunikationsexperte rät Politik zu einfacher Sprache. Mehr
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„Urlaubszeit bedeutet auch zusätzliche Testzeit“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, hält Auslandsreisen in Pandemiezeiten für unsolidarisch. Bei „19 – die Chefvisite“ kritisiert Werner, dass durch zusätzliche Corona-Test für Rückkehrer aus Risikogebieten, wie sie Bayern jetzt eingeführt hat, diese Kapazitäten „anderen Bürgerinnen und Bürgern vorenthalten werden“. Der Mediziner appelliert an alle, sich impfen zu lassen. Es gebe zwar keinen 100-prozentigen Schutz, aber: „Die Impfung erwischt die allermeisten Viren.“ Spezialisten gingen zudem davon aus, dass sie auch gegen die neue Variante von Sars-CoV-2 aus England helfe.

„Unverändert hoch“ nennt der Klinikchef die Zahl der Intensivpatienten in seinem Haus: Von insgesamt 130 wegen Covid-19 Behandelten liegen 41 auf der Intensivstation. Seit gestern sind dort zwei weitere Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben. Ob der Lockdown schon Wirkung zeigt, ist laut Werner wegen einer Datenpanne in der Vorwoche schwierig zu beurteilen: Meldete das RKI noch gestern bundesweit binnen 24 Stunden rund 5000 mehr Neuinfektionen mehr als am Dienstag vor einer Woche, sind es heute in diesem Vergleich etwa 3000 weniger. Insgesamt berichtet das RKI von 24.740 neuen Fällen sowie 962 an oder mit Covid-19 Verstorbenen, zehn mehr als am Mittwoch der Vorwoche.

„Politik darf die Bürger nicht überfordern“, stellt Kommunikationsexperte Raphael Brinkert, der im Bundestagswahlkampf für SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz arbeitet, in der Sendung fest. Daher sei diese „manchmal gut beraten, die Wahrheit in Dosen zu verabreichen wie bei einer Impfung“. Aber entscheidend ist für ihn eine „einfache und verständliche Sprache“, die „nicht zu komplex“ sein dürfe. So findet Brinkert, die AHA-Regeln würden nicht immer gut kommuniziert: „Zu wenig unterhaltsam und kreativ“, lautet sein Urteil.

22.12.2020

Essener Klinikchef: Corona-Mutation bringt Kinder in Gefahr

„Scharfe Quarantäne-Regelungen“ für Reiserückkehrer gefordert, Anstieg bei Intensivpatienten absehbar, Paketsteuer zugunsten von Innenstädten „keine gute Idee“. Mehr
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„Das wird bei uns zu Diskussionen über Schulen und Kitas führen“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, sieht „Anhaltspunkte dafür, dass die Mutation des Coronavirus aus England eine höhere Neigung hat, Kinder zu infizieren“. Bei „19 – die Chefvisite“ appelliert der Mediziner, die AHA-Regeln einzuhalten und möglichst nicht zu reisen – „in Deutschland und am besten ganz zu Hause bleiben“, lautet seine Empfehlung. Nach den Erfahrungen mit Reiserückkehrern im Spätsommer fordert Werner eine verpflichtende Quarantäne für Auslandsurlauber: „Scharfe Regelungen sind geboten, sonst steigt die Belastung weiter“, warnt er.

Im Uniklinikum Essen erhöht sich bereits der Druck: Aktuell werden dort 45 an Covid-19 Erkrankte auf der Intensivstation behandelt – „diese liegen länger, die Zahl wird weiter ansteigen“, fürchtet Werner. Insgesamt versorgt sein Haus zurzeit 135 Corona-Patienten stationär. Seit gestern sind dort drei weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus verstorben. Bundesweit überschreitet die Zahl der Corona-Toten laut RKI nun die Schwelle von 27.000. Die Behörde meldet mit 731 Verstorbene binnen 24 Stunden 231 mehr als am Dienstag der Vorwoche. In diesem Vergleich steigt die Zahl der Neuinfizierten um 5096 auf 19.528.

Für „keine gute Idee“ hält der Kommunikationsdirektor des Versandhändlers Otto, Thomas Voigt, den Vorstoß für eine Paketsteuer auf Onlinegeschäfte, die den darbenden Innenstädten zugutekommen soll. „Das ist wie Elon Musk zu besteuern, um den Verbrennungsmotor zu retten“, sagt Voigt in der Sendung. Um die Fußgängerzonen wiederzubeleben, braucht es aus seiner Sicht „kreative Ideen statt Geld von Staat“. Bis ein Roboter dort Einkäufe erledigt, wird es nach Einschätzung von Johannes Fuchs vom Robotik-Start-up Robotise noch dauern. Sein Unternehmen konzentriert sich auf Serviceroboter, die Gäste in Hotels beliefern oder Laborproben im Krankenhaus transportieren. „Die Wirtschaftlichkeit steht im Vordergrund, aber ein bisschen Entertainment dabei erhöht die Akzeptanz“, so Fuchs in der Sendung.

21.12.2020

Essener Klinikchef kritisiert Auslandsurlauber

Ferienreisende „feiern mit infizierten Briten“, höchste Zahl an Covid-Intensivpatienten im Uniklinikum Essen, Hörgeräte-Unternehmer Kind fordert Aussetzung des Datenschutzes. Mehr
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„Die Bilder von den deutschen Flughäfen am Wochenende haben mich fassungslos gemacht“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner“, ist entsetzt über Urlaubsreisende, die dem Lockdown entfliehen wollen. Diese „fliegen zu Zehntausenden in alle möglichen Länder, auf die Kanaren, nach Mallorca, wo sie gemeinsam mit infizierten Briten feiern“, kritisiert Werner bei „19 – die Chefvisite“ vor dem Hintergrund der neuen Coronavirus-Variante, die sich von London und Südengland aus verbreitet. „Dafür haben wir alle die Zeche noch zu zahlen“, warnt der Mediziner. „Das Personal im Gesundheitswesen riskiert täglich das eigene Leben, während andere so tun, als sei alles normal – Solidarität sieht anders aus!“

Die Belastung nimmt im Essener Uniklinikum zu: Aktuell werden dort 44 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation behandelt – „die bislang höchste Zahl für dieses Krankheitsbild“, so Werner. Insgesamt versorgt sein Haus 134 mit dem Sars-CoV-2-Virus Infizierte stationär. Über das Wochenende sind dort zwei weitere Menschen in Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben. Entspannung zeichnet sich nicht ab: Das RKI meldet bundesweit 16.643 neue Fälle binnen 24 Stunden, 281 mehr als am Montag der Vorwoche. Die Zahl der Todesopfer steigt um 226 auf nunmehr insgesamt 26.275.

Die „analoge Bearbeitung der Pandemie“ in Deutschland kritisiert der Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind in der Sendung. In Asien werde das Coronavirus digitaler und erfolgreicher bekämpft. „Bei uns scheitert das am Datenschutz. Den müssen wir temporär aussetzen, damit wir handlungsfähig sind“, lautet Kinds Forderung. Denn durch den zweiten deutschen Lockdown steigt das Risiko von Unternehmensinsolvenzen „deutlich“, so der Manager – auch im Profifußball, für den der Geschäftsführer der Lizenzspielerabteilung des Zweitligisten Hannover 96 Pleiten „nicht ausschließen“ will.

18.12.2020

Essener Klinikchef warnt vor Panikmache bei Patientenversorgung

Trotz Covid-19 werden auch andere Erkrankte versorgt, deutschlandweit mehr als 30.000 Neuinfizierte binnen 24 Stunden, bei reiner Homeoffice-Arbeit droht „blaues Wunder“. Mehr
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„Angst ist kein guter Berater in Krisenzeiten“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, warnt vor Panikmache bei der Patientenversorgung. „Die meisten Krankenhäuser sind nicht in einem Panikmodus“, betont der Mediziner bei „19 – die Chefvisite“. Sein Haus halte „eine zwar reduzierte, aber immer noch relevante Funktionalität“ für Menschen mit anderen Erkrankungen vor – obwohl die Essener Klinik „eine der höchsten Zahlen an Covid-19-Patienten in Deutschland“ verzeichne. Kurzfristige Engpässe seien zurzeit „immer auf eine Stadt bezogen“, Patienten würden nötigenfalls in andere Kliniken verlegt, so Werner.

Die heutigen RKI-Zahlen nennt Werner „durch eine Übertragungspanne in Baden-Württemberg verzerrt“. Aber: „Egal, wie man es rechnet, es sind über 30.000 Neuinfektionen an einem Tag und damit ein neuer Höchststand.“ Offiziell meldet die Behörde bundesweit 33.777 neue Fälle binnen 24 Stunden und 813 Tote im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus. Im Essener Uniklinikum sind aktuell 131 Covid-19-Patienten in Behandlung, 37 davon auf der Intensivstation. Seit gestern sind dort drei weitere Menschen am oder mit dem Coronavirus verstorben.

„Unsere Vermögensberater haben so viel zu tun wie nie zuvor“, berichtet Helge Lach, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Vermögensberatung DVAG, in der Sendung. Sie müssten zum Beispiel bei Kunden, die in Kurzarbeit sind, Lebensversicherungsbeiträge anpassen. Andere Kunden hätten Unterstützung gebraucht, etwa weil sie den Börsenabsturz zum Einstieg in Aktien nutzen wollten. Angesichts der großen Nachfrage in der Bevölkerung nach mobiler Beratung freut sich Lach, dass inzwischen viele Kundenberater von Banken und Sparkassen zur DVAG wechseln. Nach der Pandemie erwartet er ein allgemeines Abflauen des aktuellen Homeoffice-Trends: „Menschen brauchen Menschen, Kollegen. Das Büro ist eine tragende Säule des Soziallebens“, ist Lach überzeugt. „Unternehmen, die voll aufs Homeoffice setzen, könnten ihr blaues Wunder erleben“, sagt er.

17.12.2020

Trigema-Chef: „Gute Unternehmer rufen nicht nach dem Staat“

Wolfgang Grupp: „Flexibilität am Standort Deutschland“ nötig, Impfvorbereitungen laufen in Essener Uniklinik auf Hochtouren, beim Thema Impfung „kommt Dynamik rein“. Mehr
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„Gute Unternehmer rufen nicht nach dem Staat“: Für den Chef des Textilherstellers Trigema, Wolfgang Grupp, müssen Unternehmer vor allem Probleme lösen und sich nicht auf finanzielle Unterstützung durch andere verlassen. Bei „19 – die Chefvisite“ nennt der Familienunternehmer als Knackpunkte „schnelle Entscheidungen, Anpassungsfähigkeit und eine kleine Verwaltung“, kurz: „Flexibilität am Standort Deutschland“. So konnte er seine Produktion im Frühjahr rasch auf Masken umstellen, als diese Mangelware waren.

Auf Hochtouren laufen in der Essener Uniklinik die Vorbereitungen für die Impfung des medizinischen Personals. „Wenn wir grünes Licht von der europäischen Zulassungsbehörde EMA haben, geht es los“, sagt Vorstandschef Professor Jochen Werner in der Sendung. Die nötige Freigabe könnte schon am kommenden Montag erfolgen, die Impfung in Senioreneinrichtungen nach Weihnachten starten. Mut macht Werner, dass in Großbritannien binnen einer Woche bereits 150.000 Menschen behandelt wurden – „obwohl die eingerichteten Massenimpfzentren den Betrieb noch gar nicht aufgenommen haben“: „Da kommt Dynamik rein“, so der Mediziner.

Werner betont, dass sich vor allem Ältere schützen sollten: Unter den vielen Covid-19-Toten waren zuletzt „weit überwiegend“ Senioren. Bundesweit sind laut RKI binnen 24 Stunden 698 Menschen am oder mit dem Sars-CoV-2-Virus verstorben, 258 mehr als am Donnerstag der Vorwoche. Mit 26.923 Neuinfektionen liegt die Zahl der Betroffenen in diesem Vergleich um 3244 höher. Die Essener Uniklinik behandelt aktuell 134 Covid-19-Erkrankte, 38 davon auf der Intensivstation. Seit gestern sind dort drei weitere Patienten im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben.

16.12.2020

Altenpflege: „Impfschutz im Doppelpack“

Essener Klinikchef will Seniorenpflegekräfte gleich mitimpfen lassen, er beklagt einen „traurigen Rekord“ in seinem Haus, politischer „Fokus auf Investitionen und Infrastruktur“ gefordert. Mehr
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„Altenpflege braucht Impfschutz im Doppelpack“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, appelliert an Seniorenpflegekräfte, sich „gemeinsam und zeitgleich mit den ihnen anvertrauten alten Menschen impfen zu lassen“. „Das erspart Wege und Zeit“, sagt Werner bei „19 – die Chefvisite“. Der Mediziner sieht eine „gewisse moralische Pflicht“ beim Personal von Senioreneinrichtungen, sich selbst ebenso wie Ältere gegen das Coronavirus zu schützen. Schließlich sei es „großartig, dass es einen Impfstoff gibt“: „Das wird die Pandemie verkürzen“, so Werner.

Das scheint nötig. Denn der Klinikchef muss von einem „traurigen Rekord“ in seinem Haus berichten: „Wir haben die 1000-Patienten-Marke im Zusammenhang mit Covid-19 überschritten.“ Eine „beunruhigende Entwicklung“ sieht Werner bei der Zahl der Verstorbenen. Laut RKI-Daten sind bundesweit 952 Tote binnen 24 Stunden zu beklagen – ein neuer Höchstwert. Die Behörde meldet zudem 27.728 Neuinfektionen, 6913 mehr als am Mittwoch der Vorwoche. Im Essener Uniklinikum sind seit gestern vier weitere Patienten an oder mit dem Sars-CoV-2-Virus gestorben. Aktuell werden dort 136 Covid-19-Fälle behandelt, 38 davon auf der Intensivstation.

„Der Blick in die Zukunft hat gefehlt“: Die Unternehmerin Marie-Christine Ostermann beklagt in der Sendung, dass es in der Politik der letzten Jahre mehr um Verteilungs- als um Zukunftsfragen gegangen sei. „Wir brauchen einen Fokus auf Investitionen und Infrastruktur“, fordert die Chefin des Gastronomiezulieferers Rullko aus Hamm. Zudem fehlt ihr eine Langfriststrategie. Über diese sollte öffentlich in den Parlamenten debattiert und nicht „nur in Hinterzimmerrunden entschieden werden“, sagt Ostermann mit Blick auf die Ministerpräsidententreffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Das darf auf keinen Fall so bleiben.“

15.12.2020

Panik vor Pleiten in der Wirtschaft wächst

Ausfall der Weihnachtsgeschäfts bereitet „schlaflose Nächte“, Essener Klinikchef appelliert an Impfbereitschaft, „immenser wirtschaftlicher Schaden“ bei Borussia Dortmund. Mehr
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„Die Panik nimmt zu“: In der deutschen Wirtschaft wächst die Angst vor Pleiten wegen des ausfallenden Weihnachtsgeschäfts, berichtet der Verleger des DUB UNTERNEHMER-Magazin, Jens de Buhr, bei „19 – die Chefvisite“: „Manche Unternehmer haben schlaflose Nächte und wissen nicht, wie es weitergehen soll.“ Morgen müssen im Zuge des verschärften Lockdowns alle Läden schließen. Ausgenommen ist nur, wer Güter des täglichen Bedarfs anbietet. „Das wird vor allem den Internetriesen nutzen, in den Fußgängerzonen droht ein Desaster“, so de Buhr.

Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, appelliert in der Sendung an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. „Wir brauchen eine hohe Impfbereitschaft“, sagt der Mediziner. Das dazu nötige Vertrauen könne „nur mit erreichbaren Zielen und einer langfristigen Strategie, die wir nicht wöchentlich in Frage stellen“ aufgebaut werden, so der Mediziner. Werner stört sich an der „dauernden Kritisiererei, weil wir Entscheidungen in der Vergangenheit momentan nicht verändern können und das in der Zukunft Liegende schlecht reden“.

Keine Entspannung signalisieren die RKI-Daten: Bundesweit wurden binnen 24 Stunden mit 14.432 Neuinfektionen 378 mehr Fälle gemeldet als am Dienstag der Vorwoche. Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus erhöhte sich in diesem Vergleich um 77 auf 500. Im Essener Klinikum ist seit gestern ein weiterer Covid-19-Patient verstorben. Aktuell werden dort 140 Menschen wegen einer Corona-Infektion behandelt, davon 41 auf der Intensivstation.

Auch der Profi-Fußball hofft auf eine Impfung und die Rückkehr der Fans in die Stadien – der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, Carsten Cramer, will in der Sendung aber „keine Erwartungshaltung“ wecken. Allein die Politik entscheide: „Wir müssen auf den Doppelpass warten, anstatt den ersten Ball zu spielen“, so Cramer. Der wirtschaftliche Schaden leerer Ränge sei beim BVB „immens, jenseits der fünf Millionen Euro pro Heimspiel“. Schadenfreude über die angespannte Finanzlage beim Revier-Rivalen Schalke 04 verbietet sich für Cramer: „Bei aller Frotzelei, das wünscht man niemand“, so der Geschäftsführer. „Man ist besser beraten, auf sich selbst zu schauen, statt über andere zu reden.“

14.12.2020

Essener Klinikchef zu Weihnachts-Lockerungen: „Inakzeptabel“

Festtage könnten Superspreader-Events werden, medizinisches Personal in Essen „extrem belastet“, Corona-App kritisiert: „Viel Geld für wenig Leistung“. Mehr
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„Winterschlaf mit Unterbrechung“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, kritisiert die über die Weihnachtstage geplanten Ausnahmen von den verschärften Anti-Corona-Maßnahmen. Diese nennt Werner bei „19 – die Chefvisite“ aus Sicht eines großen Krankenhauses „schlichtweg inakzeptabel“. Der Mediziner fürchtet, dass die Möglichkeit zu größeren Familientreffen an Weihnachten sogar mehrfach am Tag genutzt werden könnte. So droht das Fest zum Superspreader-Event. Das würde nicht nur mehr neue Covid-19-Fälle bedeuten, sondern auch Klinikkapazitäten binden, die dann nicht für andere Patienten zur Verfügung stünden: „Das sind die Leidtragenden“, warnt Werner.

Ob die verschärften Maßnahmen greifen, wird sich laut dem Mediziner erst Mitte Januar beurteilen lassen. Werner fordert daher mehr Funktionen bei der Corona-App. Ein Umbau der App reicht ihm nicht: „Das geht nur neu.“ Sein Grundsatz dabei: „Gesundheitsschutz geht vor Datenschutz“ – weil die Pandemie „nicht nur die Volksgesundheit, sondern auch die Volkswirtschaft zutiefst schädigt“. Auch Tobias Schlösser, Geschäftsführer beim Sparkassen-Finanzportal und damit verantwortlich für die Digitalisierung der Gruppe, kritisiert in der Sendung die rund 68 Millionen Euro teure App: „Zu viel Geld für zu wenig Leistung“, lautet sein Urteil. Insgesamt begrüßt er aber den Digitalisierungsschub durch Corona, der sich „langfristig bestätigen“ wird. Die Sparkassen-Gruppe sieht er für diese digitale Zukunft gut aufgestellt: „Wir holen auf“, sagt Schlösser.

Am Wochenende gab es bei den Essener Medizinern einen „sehr intensiven Notfallbetrieb“, berichtet Klinikchef Werner: „Das hängt damit zusammen, dass sich manche Krankenhäuser von der Notfall- und Intensivversorgung abgemeldet haben.“ Dies belastet das medizinische Personal „extrem“. Aktuell werden im Uniklinikum 135 Covid-19-Patienten behandelt, 41 liegen auf der Intensivstation. Dort sind zudem vier weitere Verstorbene im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus zu beklagen. Das RKI meldet bundesweit 188 Tote und 16.362 Neuinfizierte – 4030 mehr als am Montag der Vorwoche.

11.12.2020

Essener Chef-Virologe: Nur mit FFP2-Maske Weihnachten feiern

Silvester-Partys sollten ausfallen, Appell: „Deutlich mehr Homeoffice!“, angespannte Lage in Kliniken. Mehr
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„Weihachten nur im kleinen Familienkreis feiern und mit FFP2-Maske“ – das rät der Essener Chef-Virologe, Professor Dr. Ulf Dittmer, bei geplanten Besuchen der Großeltern zum Fest. Mit diesem Corona-Schutz könne Weihnachten stattfinden, so Dittmer bei „19 – die Chefvisite“, wenn auch anders als gewohnt. Dagegen sollte „Silvester ausfallen“, sagt der Experte: „Keine Partys. Ende. Aus.“ Andernfalls droht laut Dittmer, ein weiterer Anstieg der Neuinfektionen, die nach einer stabilen Phase aktuell zunehmen. Um die Pandemie zu überwinden, müssten diese aber exponentiell fallen: „Die Kurve muss runtergehen wie im letzten Frühjahr“, mahnt Dittmer. Erst dann dürfe der Lockdown gelockert werden.

Entscheidend ist für ihn, alle Kontakte zu vermeiden, bei denen nicht ständig ein Mund-Nase-Schutz getragen werden kann. Kunden in Ladengeschäften sind dabei nicht das größte Problem – Dittmer denkt eher an Bahnreisende, die zwischendurch trinken müssen, und vor allem die Pausen auf der Arbeit. Deshalb sein Appell: „Deutlich mehr Homeoffice!“ Er erinnert zugleich an die bekannten Risiken bei privaten Feiern, auf denen ebenfalls nicht alle konsequent die Maske korrekt tragen.

Die Lage im Gesundheitswesen ist deutlich angespannt – und wird sich noch verschärfen. Der Vorstandschef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, blickt mit Sorge auch auf die Belegung der umliegenden Krankenhäuser. Die Kapazitätenfrage „wird uns nächste Woche noch mehr beschäftigen“, warnt Werner in der Sendung. Dabei sind schon die aktuellen Zahlen alarmierend. Das RKI meldet bundesweit 29.875 Neuinfektionen binnen 24 Stunden – 6426 mehr als am Donnerstag und ein neuer Höchstwert. Der wurde mit 598 Verstorbenen auch bei den Totenzahlen im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus erreicht. Zwei Covid-19-Patienten starben seit gestern in der Essener Klinik. Dort sind zurzeit 123 Corona-Infizierte in Behandlung, davon 35 auf der Intensivstation.

10.12.2020

Essener Klinikchef sieht keine Impf-Gefahr

Schnelltest vor Familientreffen an Weihnachten ratsam, wohl mehr Tote durch Corona als durch Grippewelle, Neuinfektionen erreichen Höchststand. Mehr
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„Es gibt keinen Hinweis auf außergewöhnliche Nebenwirkungen“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, hält den Corona-Impfstoff für ungefährlich. Bei „19 – die Chefvisite“ betont der Mediziner, dass allergische Reaktionen, wie es sie in Großbritannien gab, auch bei anderen Impfungen auftreten können. „Der größte Fehler wäre es jetzt, Einzelberichte zu sehr aufzubauschen“, warnt Werner. Er rät zudem zu einem vorherigen Corona-Schnelltest, ehe es an Weihnachten zu Oma und Opa geht. Ein Test gebe „mehr Sicherheit, wenn auch nicht zu 100 Prozent“.

Sorgen bereitet Werner, dass in Deutschland die „Schallmauer von 20.000 Toten“ in Zusammenhang mit Covid-19 durchbrochen ist – die Zahl der Pandemie-Opfer wird „deutlich“ die von rund 27.000 Verstorbenen in der schweren Grippewelle 2017/18 übersteigen, fürchtet er. Das RKI meldet 440 weitere Tote binnen 24 Stunden und mit 23.679 Neuinfektionen zugleich einen neuen Höchstwert sowie 1633 mehr als am Donnerstag der Vorwoche. Im Essener Klinikum ist seit gestern kein Covid-19-Patient verstorben – „etwas ganz Positives“, so Werner. Dort werden aktuell 127 Corona-Infizierte behandelt, davon 37 auf der Intensivstation.

Corona hat das Flirten „nicht einfacher gemacht“ – die Expertin für Partnersuche, Nina Deißler, empfiehlt Internet-Tools zum Kennenlernen in der Pandemie. „Nutzt Videochats, wenn ihr im Online-Dating unterwegs seid“, sagt sie in der Sendung. Damit lässt sich leichter ein erster Eindruck vom Date gewinnen als mit „anderthalb Meter Abstand und halb verdecktem Gesicht“. So könne man prüfen, ob der Traumpartner wirklich passen könnte, „bevor man in die nächste Stadt fährt, um sich auf einen Kaffee zu treffen“.

09.12.2020

Psychologie-Professor: „Kinder leiden“

Experte beklagt Aggressivität im Supermarkt, Essener Klinikchef sieht Maskentragen als „Zeichen gegen Egoismus“, bundesweit mehr Corona-Tote denn je. Mehr
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„Kinder leiden“: In der Corona-Krise „müssen wir die Kinder im Blick haben“, mahnt der Leiter der Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LVR-Klinikum Essen, Professor Dr. Martin Teufel, bei „19 – die Chefvisite“. Er setzt darauf, Familien zu informieren und so ihre Kompetenzen zu stärken. Teufel ist zuversichtlich, dass das gelingt: „Die Krise wird uns reifer machen.“ In der Pandemie beobachtet er zwei Handlungsmuster: Einerseits zeige sich „mehr Solidarität“, etwa beim Einkaufen für Ältere. Andererseits wachse der Egoismus, der sich zum Beispiel im Hamstern von Klopapier oder Mehl äußere – dann sei im Supermarkt „Aggressivität da“, so Teufel.

Ein „klares Zeichen der Solidarität und gegen Egoismus“ ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für den Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner. Angesichts der vielen Menschen, die noch immer ohne Maske unterwegs sind, warnt er: „Wir dürfen vor lauter Fokussierung auf die erwarteten Impfungen auf keinen Fall eine Lockerung des Alltagsmaskengebotes zulassen.“ AHA-Regeln und Stoßlüften „werden uns noch viele Monate begleiten“, betont der Mediziner in der Sendung. Werner hält es zwar für möglich, im Januar mit der Impfung zu starten. Der Experte betont aber, dass zuerst gefährdete Gruppen an der Reihe sind – die Immunisierung werde „schrittweise umgesetzt, ohne Ungeduld“.

Die neuesten RKI-Daten sprechen für Werner eine „eindeutige Sprache“, warum die Schutzmaßnahmen eingehalten werden müssen: Mit bundesweit 590 an oder mit Covid-19 Verstorbenen binnen 24 Stunden ist ein neuer Höchststand erreicht – die Zahl der Neuinfektionen liegt mit 20.815 um 3545 über der vom Mittwoch der Vorwoche. Auch in der Essener Klinik hat die Zahl der Corona-Patienten auf aktuell 131 zugenommen. Davon werden 37 auf der Intensivstation behandelt. Seit gestern sind dort vier weitere Tote im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Virus zu beklagen.

08.12.2020

Essener Klinikchef: Silvester-Lockerungen „nicht nachvollziehbar“

Forderung: Auch Schwerkranke rasch impfen, viele Hausärzte arbeiten nahe der Belastungsgrenze, Uniklinik spürt „leichte Druckzunahme“ bei Kapazitäten. Mehr
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„Absurd“: Lockdown-Lockerungen zu Silvester hält der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, für „nicht nachvollziehbar“. Bei „19 – die Chefvisite“ betont der Mediziner, dass Partys zum Jahreswechsel „immer Begleitschäden“ haben, die das Gesundheitssystem noch stärker belasten. Auch der Chefredakteur der Berliner Zentralredaktion der Funke-Mediengruppe, Jörg Quoos, sieht in der aktuellen Debatte um die Anti-Corona-Maßnahmen „große Chancen, dass Silvester ausfällt – vor allem die Böllerei“. Dagegen ist für Quoos die Wahrscheinlichkeit von Lockerung über Weihnachten hoch. Denn: „Dieses christliche Fest hat für die konservativ regierten Bundesländer eine ganz andere Bedeutung.“

Klinikchef Werner fordert, bei der Reihenfolge der Risikogruppen für die anstehende Impfung Schwerkranke höher zu priorisieren. Diese würden neben Einwohnern von Seniorenheimen und medizinischem Personal „zu wenig benannt“, so der Mediziner in der Sendung. Er betont, dass für insgesamt 8,5 Millionen Gefährdete bei drei Millionen vorhandenen Impfdosen vorerst nur 1,5 Millionen immunisiert werden können, weil eine Doppelbehandlung mit dem Serum nötig ist. Werner erwartet, dass für eine „Festlegung, wer dieses Kriterium Schwerkranke erfüllt“, ein Attest erforderlich ist – wohl vom Hausarzt. Das Problem: „Ein Teil von diesen arbeitet schon heute an der Belastbarkeitsgrenze.“ Er appelliert an Betroffene, die Hausärzte „nicht schon jetzt mit Telefonanfragen zu einer noch vollkommen unklaren Situation“ zu überschütten.

Bei der Auslastung spürt das Essener Klinikum „eine leichte Druckzunahme durch Anfragen für Verlegungen“, so Werner. Aktuell werden in seinem Haus 128 Patienten wegen Covid-19 behandelt, davon liegen 39 auf der Intensivstation. Seit gestern ist ein weiterer Patient im Zusammenhang mit der Krankheit verstorben. Bundesweit nennt das RKI eine Zahl von 423 Toten binnen 24 Stunden, die Neuinfektionen liegen mit 14.054 um 450 über dem Wert des Dienstags der Vorwoche. Bei der Gesamtzahl der Todesopfer „bewegen wir uns auf die 20.000er-Grenze zu“, mahnt der Klinikchef.

07.12.2020

Ingo Appelt warnt vor Corona-Depression

Comedy-Legende: Kultur ist „Frustrationstherapie“ in Corona-Zeiten, Theaterschließungen überdenken, „zentrale Funktion“ für Hausärzte bei Impfungen. Mehr
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Comedy-Legende Ingo Appelt hält Kultur für eine „Frustrationstherapie“ in Pandemiezeiten. „Corona macht depressiv“, sagt Appelt bei „19 – die Chefvisite“: „Dagegen helfen wir in der Kultur.“ Er warnt, dass viele Menschen „gar nicht mehr rausgehen“: „Wir müssen aufpassen, dass die Leute das Ausgehen nicht verlernen.“ Die Politik ruft er auf, die Schließung des Kulturbetriebs zu überdenken. „In den Theatern ist es sicherer als in Schule oder Bahn“, so Appelt unter Verweis auf ausgefeilte Hygienekonzepte in Kultureinrichtungen. Der Comedian fordert finanzielle Unterstützungen für die Branche: „Es gibt völlig verzweifelte Kollegen, die gar nichts mehr haben. Denen muss geholfen werden“ – nicht nur Künstlern, sondern auch Veranstaltungstechnikern. Er selbst geht „kreativ mit der Situation um“ und tritt zum Beispiel bei Online-Weihnachtsfeiern oder in Autokinos auf. Für die Zukunft setzt Appelt auf mehr Schnelltests und Corona-Impfungen.

Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, sieht bei der anstehenden Massenimpfung eine „zentrale Funktion“ für die Hausärzte. „Das wird nicht alles in Impfzentren stattfinden“, so der Impfexperte in der Sendung, sondern es werde auch in Praxen geimpft. Zudem würden sich Menschen mit Sorgen und Fragen rund um die Impfung an den Hausarzt ihres Vertrauens wenden. Dieser wisse darüber hinaus meistens genauer als die Betroffenen selbst, ob sie einer Risikogruppe angehörten.

„Keine Entwarnung“ kann Werner bei den Zahlen der in Zusammenhang mit Covid-19 Verstorbenen geben. Zwar meldet das RKI zum Wochenauftakt mit bundesweit 147 Toten deutlich weniger Opfer als an den Tagen vorher. Aber: „Das hängt mit dem Meldesystem zusammen“, betont der Klinikchef und verweist darauf, dass am Wochenende nicht alle Ämter Daten übermitteln. Zudem registriert das RKI mit 12.332 Neuinfektionen 1163 mehr als am Montag der Vorwoche. Die Uniklinik Essen behandelt aktuell 122 Patienten wegen einer Corona-Infektion, 40 davon auf der Intensivstation. Über das Wochenende sind dort zwei weitere Menschen am oder mit dem Sars-CoV-2-Virus gestorben.

04.12.2020

Essener Klinikchef will Merkel als „Impf-Fluencerin“

Lackmustest: Deutschland soll Impfland werden, Ermutigung für Senioren zur Impfung / Einsparungen in Milliardenhöhe im Gesundheitswesen möglich. Mehr
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Bundeskanzlerin Angela Merkel muss „Impf-Fluencerin“ werden und so „Deutschland zum Impfland“ machen. Das fordert der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, bei „19 – die Chefvisite“. Die CDU-Politikerin oder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sollten sich selbst öffentlichkeitswirksam immunisieren lassen und so das Vorbild von drei US-Ex-Präsidenten aufgreifen. Das würde vor allem Ältere zur Impfung ermutigen, die besonderen Schutz benötigen, so Werner. „Das Impfprojekt könnte zum Lackmustest der Politik werden“, warnt der Mediziner in der Sendung. Derzeit sieht er Deutschland zwischen „kaum zu überbietenden Erwartungen“ und „Menschen, die heute schon mehr Angst vor dem Impfstoff haben als vor der Erkrankung“.

Die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit dem Coronavirus bleibt vor allem unter Senioren hoch: Das RKI registrierte binnen 24 Stunden 432 weitere Verstorbene, insgesamt sind in Deutschland nun mehr als 18.000 Tote zu beklagen. Mit 23.449 Neuinfektionen wurden zudem 643 mehr Fälle gemeldet als am Freitag der Vorwoche. Im Uniklinikum Essen werden aktuell 113 Patienten wegen Covid-19 behandelt, 38 davon auf der Intensivstation. Seit gestern sind dort weitere drei Patient an oder mit dem Sars-CoV-2-Virus gestorben.

Die konsequente Digitalisierung des Gesundheitswesens könnte die Kosten um 10 bis 15 Prozent senken: Der Gesundheitsökonom Professor Dr. David Matusiewicz nannte in der Sendung eine Summe von 4,9 Milliarden Euro, die allein „bei der Umstellung auf papierlose Kommunikation“ eingespart werden könnte. Zwar hat sich nach Matusiewicz‘ Beobachtung seit 2016 so viel getan, dass die Digitalisierung für ihn fast schon einer „Revolution des Gesundheitssystems“ gleichkommt und „Deutschland international als Vorbild dasteht“. Aber der Weg ist noch weit: Dem Experten zufolge wird derzeit in der Medizinkommunikation zu 70 Prozent Fax eingesetzt – „das wird auch noch in zehn Jahren genutzt“.

03.12.2020

Essener Klinikchef: Höchststand bei Corona-Toten

36 Prozent aller Toten starben im November mit Covid-19, „Blick in die Glaskugel“ nach Verlängerung des Teil-Lockdowns, Familientherapie per Videokonferenz. Mehr
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„Im November standen im Essener Klinikum 36 Prozent aller Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus“: Diese hohe Todesrate nennt Krankenhauschef Professor Jochen Werner bei „19 – die Chefvisite“. Gestern war „seit dem 16. November erstmals ein Tag, an dem nicht mindestens ein Patient daran verstorben ist“, so Werner. Daher begrüßt er die von der Politik beschlossene Verlängerung des Teil-Lockdowns, vorerst bis zum 10. Januar 2021. Ob das ausreicht, um die Zahl der Neuinfektionen in ausreichendem Maß zu senken, wagt der Mediziner nicht vorherzusagen: „Das ist wie ein Blick in die Glaskugel.“

Auch wenn mit 110 Patienten aktuell „ein bisschen weniger“ an Covid-19 Erkrankte in der Essener Klinik behandelt werden, will Werner nicht von Entspannung sprechen: Die Zahl der Intensivpatienten bleibt mit 40 gleich – und „sie sind länger in der Klinik“. Entwarnung signalisieren auch die Zahlen des RKI nicht, bundesweit wurden 22.046 neue Fälle binnen 24 Stunden registriert. Das sind zwar 222 weniger als am Donnerstag der Vorwoche. Doch verstarben seit gestern 479 Menschen an oder mit der Infektionskrankheit: „Wir nähern uns der 500er-Grenze“, warnt Werner.

Von einem digitalen Erfolg in Krisenzeiten berichtet Regina Rumey, die Leiterin der Beratungsstelle phoenikks. Sie hilft Familien mit Therapien, wenn ein Mitglied an Krebs erkrankt ist und hat ihre Organisation „von jetzt auf gleich auf Videoberatung umgestellt“. Das erfordert zwar einen Lernprozess, aber: „Ich hätte nie gedacht, dass das so ein wirksames Medium ist“, so Rumey in der Sendung. Fahrtwege entfallen, Termine können gemacht werden, wenn die Kinder im Bett sind: Rumey ist von den Vorteilen überzeugt. „Wir werden das auch ohne Corona fortsetzen“, sagt sie, beispielsweise bei der Beratung von Klienten im Hospiz.

02.12.2020

Essener Klinikchef: Gesundheit braucht Digitalisierung

Digitale Nachrüstung „untrennbar verbunden“ mit Gesundheit von morgen, Zahl der Corona-Toten erreicht Höchststand, Impfstoff: Hoffnung für Risikogruppen. Mehr
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„Digitalisierung ist untrennbar mit der Volksgesundheit verbunden“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, fordert bei „19 – die Chefvisite“ größere Anstrengungen bei der Digitalisierung Deutschlands. Im Gesundheitswesen sieht er ein „Verharren in alten Strukturen“. So werden etwa die täglichen RKI-Zahlen nicht „in Echtzeit“ gesammelt, sondern über die Landesgesundheitsämter an die Zentralbehörde gemeldet. Den Deutschen fehle ein digitales Bewusstsein, sagt Werner.

Die vom RKI gemeldete Zahl von bundesweit 17.270 Neuinfektionen will der Klinikchef „nicht überbewerten“, aber der Rückgang um 1363 im Vergleich zum Mittwoch der Vorwoche weist auf „eine gewisse Stabilität“ hin. Diese ist jedoch mit einer hohen Todesrate verbunden, so der Mediziner: Mit insgesamt 487 mit oder am Coronavirus Verstorbenen binnen 24 Stunden registrierte das RKI einen neuen Höchstwert. Auch das Essener Klinikum beklagt seit gestern zwei weitere Tote im Zusammenhang mit der Infektionskrankheit. Aktuell werden dort 117 Patienten wegen Covid-19 behandelt, 40 davon auf der Intensivstation.

Ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung der Pandemie ist für die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Corona-Warn-App. Diese muss aus ihrer Sicht ausgebaut werden, ohne den Datenschutz aufzuweichen: „Da geht jetzt schon mehr“, sagt die FDP-Politikerin in der Sendung. Große Hoffnungen verbindet sie mit dem Impfen und glaubt, dass sich viele Bürger immunisieren lassen – insbesondere Risikogruppen. Leutheusser-Schnarrenberger erwartet, dass etwa das Angebot mobiler Impfteams für Senioreneinrichtungen sehr gut angenommen wird: „Die Bewohner sind froh, wenn sie leichter Besuch bekommen können, weil sie geimpft sind.“

01.12.2020

„Das Virus kennt kein Weihnachten“

Essener Klinikchef kritisiert Lockerungen über die Feiertage, Menschen unterschätzen Infektionsgefahr in größeren Gruppen, Patientenverfügungen können Familien helfen. Mehr
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„Das Virus kennt kein Weihnachten“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen Werner, sorgt sich bei „19 – die Chefvisite“ wegen zu vieler Feste über die Feiertage. „Echte Schwierigkeiten“ hat Werner mit Lockerungen zu Silvester: „Das ist eine Party“, stellt er klar. Was Partys auslösen können, hat die Fastnachtszeit im Frühjahr gezeigt. Der Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Lars Haider, sieht in der Sendung die Weihnachtsferien als „Riesenchance“, die Infektionszahlen zu senken, wenn Kontakte vermieden werden und Urlaubreisen ausfallen. Bedenklich findet Haider, dass ab dem 23. Dezember wieder bis zu zehn Personen zusammen sein können, was vielfach genutzt werden dürfte: „Die Leute treffen sich zu zehnt – schlicht, weil es erlaubt ist“, so Haider. „Das ist wie auf der Autobahn, wo ich 250 km/h fahren darf. Aber ist es auch klug?“

Klinikchef Werner mahnt ein weiteres Thema an, das „über den Sommer in Vergessenheit geraten“ ist: „Wir müssen wieder mehr an die Älteren denken“, sagt er mit Blick auf die steigende Zahl von Todesfällen. Er hält eine Patientenverfügung für „sehr sinnvoll“, damit sich Familien nicht mit komplizierten Fragen beschäftigen müssen, „während ein Mensch im Sterben liegt“. Nachdenklich stimmt den Mediziner die „hohe Anzahl“ von 388 gestern bundesweit in Zusammenhang mit Covid-19 Verstorbenen, die das RKI meldet. Demnach wurden zwar mit 13.604 Neuinfektionen 50 weniger registriert als am Dienstag der Vorwoche. Dennoch ist die Stimmung im Essener Klinikum „zunehmend gedrückt“, so der Vorstandschef: Binnen 24 Stunden sind dort vier weitere Corona-Patienten verstorben, von aktuell 112 wegen der Krankheit Behandelten liegen 39 auf der Intensivstation.

„Erst wenn die Pandemie vorbei ist, wird man sagen können, welche Strategie die richtige war“, sagt Chefredakteur Haider auf eine Frage aus dem Chat der Sendung nach dem Sonderweg Schwedens in der Corona-Krise. Er setzt auf eine ausgewogene Berichterstattung, die alle Seiten zu Wort kommen lässt. Aber: „Man muss sich mit den Fakten auskennen“, betont Haider mit Bezug auf Kritiker „der Medien“. Diese werfen aus seiner Sicht oft klassische wie soziale Medien in einen Topf und „unterscheiden nicht zwischen FAZ und Facebook“.

30.11.2020

Essener Klinikchef fordert „klare Entscheidungen“

Digitalisierung trotz Pandemie vorantreiben, für Impf-Erfolg „gute Kommunikation und Erklärungen“ unerlässlich, Infektionszahlen „müssen weiter runter“, bevor Gastronomie wieder starten kann. Mehr
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„Nicht nur bei Covid-19 verharren“: Als seine wichtigste unternehmerische Entscheidung in der Pandemie sieht es der Chef der Essener Uniklinik an, den Wandel seines Krankenhauses hin zu einem Smart Hospital weiter vorangetrieben zu haben. Bei „19 – die Chefvisite“ berichtet Professor Jochen Werner darüber hinaus über die „zweite Stufe“ des Wandels: Nachhaltigkeit in Kliniken. Beides ist für ihn „extrem wichtig, denn es wird eine Zeit nach Corona geben“, so der Mediziner. Aktuell wird ihm zum Beispiel „die mangelnde Digitalisierung durch das Virus fürchterlich vor Augen geführt“.

Um die Pandemie zu stoppen, braucht es konsequentes Handeln: „Absolut klare Entscheidungen, klare Ziele, klare Vorgaben– anders kommen wir nicht zur Ruhe“, betont der Vorstandsvorsitzende. Bei der anstehenden Impflogistik sollten daher Fehler wie bei der Debatte um die Wirksamkeit von Masken vermieden werden. Werner warnt vor Falschmeldungen in sozialen Medien, wo „irgendwelche Schockereignisse nach Impfungen“ verbreitet werden. „Das wird kommen und Unsicherheit schaffen.“ Dabei ist es das Ziel, „den Faktor Angst gering zu halten“ und nicht zu hohe Erwartungen zu wecken. Für eine erfolgreiche Durchimpfung in sind für Werner daher neben einer funktionellen Logistik „gute Kommunikation und Erklärungen“ notwendig, wie er sie mit „19 – die DUB Chefvisite“ leistet. So kann von montags bis freitags um 10 Uhr jeder Unternehmer Infos direkt vom Experten erhalten.

Klagen über die Schließung der Gastronomie kann der Essener Klinikchef verstehen. Denn: „Die Hygienekonzepte stimmten in weiten Teilen.“ Das Problem: „Es gibt immer wieder schwarze Schafe.“ Werner verweist zudem darauf, dass 75 Prozent der Infektionswege in Deutschland unbekannt sind – „Menschenansammlungen gehören dazu“, betont er mit Bezug auf internationale Daten. Genau diese gibt es zum Teil in Kneipe oder Restaurant. Wirte vertröstet er daher, auch wenn diese „teilweise schier Unmögliches auf die Beine gestellt haben“: „Wir müssen mit den Infektionszahlen weiter runterkommen, damit man wieder etwas beruhigter ist in der Gastronomie.“

30.11.2020

Weihnachten: Essener Klinikchef mahnt Vorsicht an

Zunahme bei älteren Verstorbenen, allein in Essen am Wochenende 13 Toten im Zusammenhang mit Corona, Krise trifft Eishockey unter allen Sportarten am schlimmsten. Mehr
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Der Chef der Essener Uniklinik beklagt eine „Zunahme der im hohen Alter Verstorbenen“: Wie Professor Jochen Werner bei „19 – die  Chefvisite“ berichtet, sind über das Wochenende allein in seinem Krankenhaus 13 Patienten in Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Die Zahl der insgesamt Behandelten hat sich zwar mit zurzeit 116 etwas entspannt, doch liegen immer noch 40 Erkrankte auf der Intensivstation. „Man sieht genau, was man aus dem Frühjahr kannte“, beschreibt Werner die aktuelle Entwicklung.

Damals war schnell thematisiert worden, „dass man den Kontakt mit den Großeltern einschränken muss“, so der Mediziner. „Jetzt stehen viele von uns vor dem Dilemma, wie wir in der emotionalsten Phase des Jahres, also zum Weihnachtsfest, damit umgehen.“ Vorsicht ist geboten, betont Werner mit Blick auf die vom RKI bundesweit registrierten 11.169 Neuinfektionen – 305 mehr als am Montag der Vorwoche. Kontakteinschränkungen an Weihnachten können aus seiner Sicht „kaum behördlich vorgegeben werden“: „Man muss es abwägen, man muss in der Familie darüber sprechen.“ Für Lockerungen zu Silvester sieht er indes „keine Notwendigkeit“.

Die Corona-Krise trifft unter allen Sportarten am schlimmsten das Eishockey, das „am stärksten von den Zuschauereinnahmen abhängt“, wie Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, in der Sendung sagt. Nicht nur dem Eishockey sichert sie finanzielle Unterstützung zu: „Am Geld von staatlicher Seite wird es nicht scheitern“, so die SPD-Politikerin mit Blick auf die Lage der Vereine. Als ein Gebot der Fairness bezeichnete sie es aber, dass keine Vereine gerettet werden sollten, „die ohnehin nicht überlebt hätten“.

27.11.2020

Impfpläne: Klinikchef optimistisch

Risikogruppen und Krankenhauspersonal sollen zuerst geschützt werden, unter den Beschäftigten der Essener Uniklinik ist die Impfbereitschaft hoch, Falschmeldungen in sozialen Netzwerken können „Menschen verunsichern“. Mehr
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„Gezielt starten“: Zuversichtlich zeigt sich der Chef der Essener Uniklinik angesichts erster Berichte über Impfpläne gegen die Corona-Pandemie in NRW. Wenn neben Risikogruppen gleich zu Beginn auch das Krankenhauspersonal geschützt wird, „würden wir damit unser Gesundheitswesen maßgeblich stabilisieren“, sagt Professor Jochen Werner bei „19 – die Chefvisite“. „Und genau darum geht es“ zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Zugleich warnt Werner vor Falschmeldungen rund um die Impfung in sozialen Netzwerken, die „Menschen verunsichern“ können. Um Vertrauen zu schaffen, „müssen wir die Hausärzte mit an Bord holen“. Zudem mahnt der Mediziner Geduld an: „Bei Corona geht nichts schnell – außer der Verbreitung des Virus.“

Die Bereitschaft des Personals zur Impfung ist hoch: 80 bis 90 Prozent der Mitarbeiter wollen teilnehmen, wie die Hygienechefin der Uniklinik, Dr. Birgit Ross, in der Sendung schätzt – „deutlich höher“ als bei bisherigen Grippeimpfungen. Ihre Arbeit habe sich vom reinen Patientenschutz hin zu den Mitarbeitern gewandelt, unter denen es einen „unglaublichen Fragebedarf“ gebe, berichtet Ross. Entlastend ist das nicht: Covid-19 kommt für sie „on top“ – „es wäre luxuriös, wenn man sich nur um Corona kümmern müsste“. Gegen das Virus geeignet ist laut Ross auch UV-Licht. Aber um gegen Sars-CoV-2 zu wirken, muss es auf saubere Oberflächen treffen, putzen bleibt also Pflicht. Und: UVC-Licht schädigt die Augen. Ross rät zu Schutzbrillen – „sonst ist das Virus tot und Sie können nicht mehr gucken“.

Der Klinikchef beklagt „neue Höchststände“ bei den Corona-Toten in Deutschland: Laut RKI verstarben allein gestern 426 Menschen – „damit ist in Deutschland die Grenze von 15.000 Opfern überschritten“, so Werner. Zugleich fiel die „Schallmauer“ von mehr als einer Million Infizierten. Neu steckten sich laut RKI bundesweit 23.648 Betroffene mit dem Virus an, 842 weniger als am Freitag letzter Woche. Im Essener Klinikum werden aktuell 128 Covid-19-Patienten behandelt, davon 48 auf der Intensivstation. Zwei weitere Menschen sind dort seit gestern im Zusammenhang mit der Infektionskrankheit gestorben.

26.11.2020

Kritik an Inzidenzmarke von 50

Essener Klinikchef: „Weder medizinisch noch ökonomisch begründet“, Forschung sollte mehr international verfügbare Daten auswerten, Deutschland-Achter-Ruderer nennt Corona-App „super-anonym“. Mehr
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Der Chef der Uniklinik Essen kritisiert die Marke von 50 beim Inzidenzwert als „weder medizinisch noch ökonomisch begründet“: „Der Wert sollte überdacht werden“, fordert Professor Jochen Werner bei „19 – die Chefvisite“. Die Begründung, dass bei weniger als 50 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tage die Gesundheitsämter die Infektionswege noch nachvollziehen könnten, lässt der Mediziner nicht gelten. Denn „Ehrlichkeit in der Kontaktkette“ besteht ohnehin nicht, weil manche Menschen andere vor der Quarantäne bewahren wollen und sie daher nicht angeben.

„Zahlenwerte wie 49 oder 201 geben zudem eine Genauigkeit vor, die es in dem Mess-System nicht gibt“, so Werner mit Blick auf eine überarbeitete Teststrategie weiter. Dadurch „ändert sich die Basis der Berechnung“. Statt eines „strafbehördlichen Ansatzes“, fordert er mehr wissenschaftlichen Austausch weltweit, um vorliegende Daten im Kampf gegen Covid-19 auszuwerten: „Nutzen wir wirklich ausreichend die höchste menschliche und computertechnische Intelligenz?“ Wissenschaftler müssen sich dafür trotz der Corona-Einschränkungen wieder stärker global vernetzen.

Mehr als 60 Landkreise überschreiten zurzeit den Inzidenzwert von 200 und sollen nach den gestrigen Beschlüssen der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten noch schärfere Maßnahmen ergreifen. Klinikchef Werner zieht einen Autobahn-Vergleich: „Sie stehen quasi auf dem Standstreifen und warten auf den Abschleppdienst.“ Entspannung ist nicht in Sicht: Die vom RKI gemeldete Zahl von 22.668 Neuinfektionen liegt nur um 341 unter dem Wert des Donnerstags der Vorwoche. Das Essener Klinikum behandelt aktuell 133 Patienten wegen Covid-19, 45 davon auf der Intensivstation. Seit gestern ist dort ein weiterer Mensch in Zusammenhang mit der Infektionskrankheit verstorben.

„Sport sollte erlaubt werden“, fordert Ruderer Johannes Weißenfeld in der Sendung. Der Welt- und Europameister mit dem Deutschland-Achter bezeichnet den Sport für „enorm wichtig für den Körper und für die Psyche“. Aber: „Die Vorgaben der Regierung müssen dabei eingehalten werden“, betont Weißenfeld. Statt eines Fitnessstudios empfiehlt er daher Laufen oder Radfahren. Kein Verständnis hat er für Kritiker der Corona-App, die er für „super anonym“ hält, wenn man sie mit der Überwachung des Profisports durch die Nationale Doping-Agentur Nada vergleicht: „Die wissen täglich, wo ich bin.“

25.11.2020

Essener Klinikchef warnt vor Bürger-Frust

„Neue Stufe“ bei Corona-Opfern, täglich fast so viele Tote wie durch Krebs, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank setzt auf Verlierer-Aktien. Mehr
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„Wir sind bei den anstehenden großen Aufgaben auf die Unterstützung der Menschen angewiesen“, so der Chef der Uniklinik Essen, Professor Dr. Jochen Werner. Er sieht die Gefahr, dass die Politik zu ehrgeizige Ziele setzt. Bei „19 – die Chefvisite“ warnt Werner vor Demotivation und fordert mehr Lob für die Bürger, die seit Wochen die Vorgaben einhalten: „Sonst führt diese Appellations-Maschinerie zum Ausstieg aus dem Regelwerk und ist mit der In-Aussicht-Stellung einer Belohnung, in Form von ein paar Festtagen, nicht zu kompensieren.“ Er spricht sich daher gegen die von Bundeskanzlerin Angela Merkel gesteckte Marke einer Sieben-Tages-Inzidenz von 50 je 100.000 Einwohnern aus: „Wenn man die bisherige Ausbreitung der Pandemie interpretiert, dann halte ich ein Erreichen dieses Ziels in bevölkerungsreichen Bundesländern über die Wintermonate für nahezu ausgeschlossen.“

Besorgt zeigt sich der Mediziner über den vom RKI gemeldeten Höchststand von 410 Corona-Toten binnen 24 Stunden – „eine neue Stufe“. Damit nähert sich die Zahl der Verstorbenen jener der Krebstoten in Deutschland von im Schnitt 650 am Tag. „Das ist nicht wegzureden.“ Zwar sind bundesweit mit 18.633 Neuinfektionen 1072 weniger Fälle registriert worden als am Mittwoch der Vorwoche. Doch behandelt das Essener Uniklinikum weiter 135 Covid-Patienten, darunter 47 auf der Intensivstation. Seit gestern ist dort zudem ein weiterer Todesfall im Zusammenhang mit Corona zu beklagen.

Covid-19 belastet auch die Wirtschaft. Aber Impfstoffe und vielleicht bald Medikamente sollten laut des Chef-Anlagestrategen der Deutschen Bank Privat- und Firmenkundensparte, Dr. Ulrich Stephan, zu einer Erholung der Weltwirtschaft beitragen. Das dürfte 2021 auch die Börsenkurse beflügeln – dann sind aus seiner Sicht wahrscheinlich „Aktien gefragt, die durch Corona stark betroffen waren“. Eine nachlassende Dynamik könnten dagegen Technologiewerte erleben, die bisher zu den Gewinnern des Digitalisierungsschubs durch Corona zählen. Wegen der andauernden Nullzinsphase empfiehlt Stephan Sparern einen langfristigen Vermögensaufbau mit Aktien: „Sehr diszipliniert auf monatlicher Basis investieren und auch mit kleineren Beträgen immer wieder kaufen.“

24.11.2020

„Corona hat Schalke den Rest gegeben“

Experte befürchtet Aus für einige Profiklubs wegen der Pandemie, Essener Klinikchef warnt vor „Sippenhaft“ für Krankenhauspersonal, 91 Covid-Patienten auf der Intensivstation. Mehr
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„Es wird Vereine zerstören, wenn diese Pandemie weitergeht“: Vor den Folgen von Covid-19 für den Profifußball warnt der Chefredakteur von Sport1, Pit Gottschalk, bei „19 – die Chefvisite“. Erste Auswirkungen der Anti-Corona-Maßnahmen seien schon jetzt in der Bundesliga zu sehen: „Corona hat Schalke den Rest gegeben“, so Gottschalk. Andererseits sieht er reiche Vereine, die teils über „Luxusprobleme“ klagen. Der Profisport „kann sich von der wirtschaftlichen Entwicklung nicht abkoppeln“, stellt Gottschalk mit Blick auf den ökonomischen Überlebenskampf vieler Mittelständler klar.

Allerdings sind die Herausforderungen im Profi-Sport für Gottschalk „belanglos“ verglichen mit den Schwierigkeiten in den Krankenhäusern: „In Kliniken ist es mindestens um den Faktor fünf schwieriger.“ An die Belastungen seiner Beschäftigten erinnerte auch Professor Dr. Jochen Werner, der Vorstandsvorsitzende der Essener Uniklinik. Diese wenden „einen Großteil ihrer Lebensenergie“ für die Patienten auf. Wenn trotz aller Sorgfalt etwas schief geht, „wird man ganz schnell in Sippenhaft genommen“, sagt Werner vor dem Hintergrund eines aktuellen Falls in seinem Haus: Ein Arzt wird beschuldigt, dort zwei an Covid-19 Erkrankte getötet zu haben. Zum Fall selbst wollte sich der Ärztliche Direktor unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Zwar hat das RKI heute mit bundesweit 15.554 neuen Fällen 865 weniger gemeldet als am Dienstag der Vorwoche. Dennoch kann der Mediziner „keinen Abstieg der Zahlen“ erkennen. Im Uniklinikum Essen sind zurzeit 136 Covid-19-Patienten in Behandlung, 91 davon auf der Intensivstation. Seit gestern sind dort zudem zwei weitere Menschen in Zusammenhang mit der Infektionskrankheit verstorben.

23.11.2020

Hotelchef fordert Soforthilfen

Noch keine Anträge auf Unterstützung im November-Lockdown möglich, Impfstoffe sorgen aber für „Licht am Ende des Tunnels“, in Gefahr sind vor allem Hotels mit Schwerpunkten Messen und Kongresse. Mehr
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„Wir brauchen jetzt sofort Hilfe“: Der Chef der Kette B&B Hotels für Zentral- und Nordeuropa, Max C. Luscher, appelliert bei „19- die Chefvisite“ an die Politik, möglichst rasch finanzielle Mittel für die Branche zur Verfügung zu stellen. Zugleich sind aber auch Konzepte gefragt, betont Luscher, dessen Unternehmen durch die Anti-Corona-Maßnahmen in Deutschland über 60 Prozent weniger Umsatz macht als 2019. Er hält es zwar für „menschlich nachvollziehbar“, aber die Politik hätte die Sommermonate „besser nutzen können“, und beklagt, dass Maßnahmen teilweise wie „aus der Hüfte geschossen“ wirkten. Die in Aussicht gestellten Hilfen für die Branche wegen des November-Lockdowns „können wir noch nicht mal beantragen“, so Luscher.

Dennoch sieht der Hotelchef „Licht am Ende des Tunnels“: Die Entwicklung von Impfstoffen und deren Einsatz möglicherweise noch in diesem Jahr machen ihm Hoffnung, dass sich das Geschäft zum Ende des ersten Quartals hin wieder normalisieren kann. Doch Luscher warnt: „Der Weg durch den Tunnel könnte noch härter werden als das letzte halbe Jahr.“ Langfristig in Existenznöten sieht er vor allem Hotels mit drei oder vier Sternen mit Fokus auf Messen und Kongresse. Denn diese dürften auch in Zukunft verstärkt digital abgehalten werden.

20.11.2020

TV-Koch Nelson Müller: Gastro-Hilfen zu bürokratisch

„Noch kein Geld angekommen“, „Toughe Zeiten“ für Gastronomen, Chef der Essener Uniklinik sorgt sich wegen „Doppelbelastung“ für Pflegekräfte und Ärzte Mehr
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„Bei mir ist noch kein Geld angekommen“: Sternekoch Nelson Müller beklagt bei „19 – die Chefvisite“ die Bürokratie bei Staatshilfen für die Gastronomie. Die Regelungen seien „mit der heißen Nadel gestrickt“ und sehr kompliziert: „Da braucht man einen Steuerberater“, kritisiert Müller, der ein Restaurant in Essen betreibt. Auch seine Versicherung Helvetia hat wegen der Betriebsunterbrechung durch den Lockdown nichts gezahlt. Müller hat deswegen einen 360.000-Euro-Prozess verloren.

Dabei sind die Finanzhilfen für ihn vielfach der „Knackpunkt“: Unternehmer brauchen ein Polster, „um die Zeiten zu überbrücken“. Er hat als Alternative sein Lieferangebot ausgebaut und gewinnt inzwischen auch Firmenkunden für Kochboxen und Online-Kochkurse. Dennoch seien es „toughe Zeiten für Gastronomen“ wie für seine Mitarbeiter.

Die Belastung des Krankenhauspersonals bereitet auch dem Chef der Essener Uniklinik Sorgen: „Die Mitarbeiter infizieren sich oder müssen in Quarantäne“, berichtet Professor Dr. Jochen Werner. Pflegekräfte und Ärzte stünden unter einer „Doppelbelastung“: Sie „erleben, wie schwer krank manche Patienten sind“ und können zudem überlasteten Kollegen kaum noch aushelfen. „Das wiegt schwer.“ Sein Haus setzt daher auf psychosoziale und seelsorgerische Angebote. Aber: „Da ist eine Hemmschwelle – daran müssen wir arbeiten“, so Werner.

Auf Lockerungen der Corona-Beschränkungen kann der Klinikchef kaum Hoffnungen machen: Vom angestrebten Inzidenzwert von 50 „sind wir meilenweit entfernt“, stellt Werner klar. Mit 23.648 Neuinfektionen meldet das RKI heute zudem einen „tatsächlichen Höchststand“. Das sind 106 mehr als am Freitag der Vorwoche – und: „Insgesamt wird weniger getestet“, betont der Mediziner. „Da passiert etwas.“ In der Essener Klinik sind aktuell 136 Covid-19-Patienten in Behandlung, 37 liegen auf Intensivstation. Seit gestern sind dort drei weitere Menschen in Zusammenhang mit der Krankheit verstorben.

19.11.2020

Patientenschützerin will härteren Lockdown

Kritische Lage im Dezember möglich, „Druck wird höher“, Essener Klinikchef mahnt mehr Wertschätzung und bessere Fehlerkultur an. Mehr
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„Die Intensivstationen laufen voll, das Personal wird nicht mehr können“: Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit warnt vor einer kritischen Situation für die deutschen Krankenhäuser im Dezember. Bei „19 – die Chefvisite“ fordert Dr. Ruth Hecker daher eine Verschärfung der Lockdown-Maßnahmen: „Rational wird das nicht so weitergehen können.“ Ansonsten besteht die Gefahr, entscheiden zu müssen, welchen Kranken geholfen wird und welchen nicht – die sogenannte Triage. Die Lage ist bereits angespannt, auch wenn noch Betten frei sind: „Das Personal muss einen Dauerlauf machen.“

Das beobachtet auch der Chef der Essener Uniklinik: „Der Druck wird höher“, so Professor Dr. Jochen Werner. „Es zeichnet sich ein zunehmendes Problem ab“, sagt der Mediziner mit Blick auf die 137 Covid-19-Erkrankten, die zurzeit in seinem Haus behandelt werden – davon 38 auf der Intensivstation. „Nachdenklich“ machen ihn auch die aktuellen Zahlen vom RKI. Demnach sind bundesweit 22.609 Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 registriert worden, über 700 mehr als am Donnerstag der Vorwoche. Das Plateau hält, die Zahlen sinken aber nicht, so das Fazit von Professor Werner.

Längerfristig will der Klinikchef die Gesamtstruktur der Krankenhäuser angehen: „Wir brauchen eine Kultur der Wertschätzung innerhalb und zwischen den Berufsgruppen“ sowie den unterschiedlichen medizinischen Disziplinen, so Werner. Wichtig ist ihm auch mehr Offenheit bei Fehlern und Kritik. „Speak up – den Mund aufmachen, wenn etwas nicht läuft“, nennt er das. Lösungen für dieses „Dauerthema in den Krankenhäusern“ sollen Ängste reduzieren und das Miteinander stärken.

18.11.2020

Wolfgang Kubicki: Pandemie bis 2022

Bundestagsvize: Personal für Durchimpfung fehlt, „angespannte Lage“ in Essener Uniklinik, Krankenhauschef will genesene Senioren zurück in Pflegeheime entlassen. Mehr
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Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki erwartet, dass die Corona-Krise bis 2022 andauern wird. „Wir reden über anderthalb Jahre“, bis die Herdenimmunität erreicht ist, sagt der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende bei „19 – die Chefvisite“. Denn auch bei Genehmigung eines Impfstoffes fehlt für eine raschere Durchimpfung der Bevölkerung das Personal. Für die Wirtschaft fordert Kubicki eine „Strategie, die Planbarkeit ermöglich“: „Mental sind viele Menschen am Ende – ihnen fehlt die Planbarkeit“, so der FDP-Politiker. In den Unternehmen belastet dies die Mitarbeiter und verhindert Investitionen. „Das macht die Menschen mürbe.“ Für Kubicki haben sich Bundes- und Landesregierungen im Sommer nicht ausreichend auf die zweite Corona-Welle vorbereitet: „Wir haben gewartet, statt uns ans Werk zu machen.“ Daher sollten jetzt „alle Möglichkeiten genutzt“ werden.

„Wie kriegen wir ältere Patienten raus aus den Krankenhäusern?“: Der Chef der Essener Uniklinik beklagt, dass wegen Covid-19 behandelte Senioren trotz Genesung nicht schnell genug in ihre Pflegeeinrichtung zurückkehren können und so Kapazitäten belegt bleiben. „Die Pflegeheime haben Sorgen, sich eine Infektion ins Haus zu holen“, sagt Professor Dr. Jochen Werner. Das liegt auch an übergenauen Corona-Schnelltests: Laut dem Mediziner kann es vier bis fünf Wochen dauern, bis diese Virenfreiheit signalisieren – dabei sind von Beschwerden genesene Patienten „mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr ansteckend“.

Werner berichtet zudem von einer „angespannten Lage im Klinikum in den letzten zwei Tagen“. Zwar meldet das RKI mit 17.561 Neuinfektionen 926 weniger als am Mittwoch der Vorwoche. Doch werden in Essen weiterhin 128 Patienten wegen Covid-19 behandelt, 37 davon liegen auf der Intensivstation. Seit gestern ist ein weiterer Patient in Zusammenhang mit der Krankheit verstorben.

17.11.2020

Vereinsamung droht

Essener Klinikchef: „Verlust an Lebensmut“ in Pflegeheimen, „trauriger Rekord“ bei Covid-Sterbefällen in Uniklinik, Politik gelingt „kein großer Wurf“. Mehr
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„Es droht ein schleichender Verlust an Lebensmut“: Der Chef der Essener Uniklinik warnt vor der Vereinsamung älterer Menschen in Pflegeeinrichtungen durch die aktuellen Kontaktbeschränkungen. „Wie kommen diese Senioren durch die nächsten Monate?“, fragt Professor Dr. Jochen Werner bei „19 – die Chefvisite“. Er verweist darauf, dass viele kein Smartphone haben, um sich digital auf dem Laufenden zu halten oder mit Angehörigen in Kontakt zu bleiben.

Das Infektionsgeschehen hat nach Einschätzung des Klinikchefs derzeit eine „Plateauphase“ erreicht. Das RKI meldete heute mit 14.491 Neuinfektionen gut 900 weniger als am Dienstag der Vorwoche. Dennoch mahnt er, die Rückwirkungen auf das Gesundheitswesen nicht zu unterschätzen: Es dauert einige Tage, bis Infizierte mit schwerem Verlauf in Krankenhäuser eingeliefert werden müssen, so Werner. In Essen sind aktuell 128 Patienten wegen Covid-19 in Behandlung, 36 liegen auf der Intensivstation. Zudem gab es gestern einen für das Klinikum „traurigen Rekord“ von fünf Sterbefällen an einem Tag im Zusammenhang mit der Krankheit.

„Der große Wurf blieb aus“, fasst der heutige Talk-Gast Dirk Bamberger die Ergebnisse des Treffens der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen. Der hessische Landtagsabgeordnete begrüßt aber den Entschluss, die Entwicklung der Pandemie zu beobachten und staatliche Gegenmaßnahmen ebenso wie Hilfen längerfristig abzustimmen. Allerdings: „Wer weitreichendere Einschränkungen fordert, muss auch sagen, wie er sie kontrollieren und sanktionieren will“, so Bamberger. Beeindruckt zeigt er sich vom Idealismus vieler Unternehmer und nennt als Beispiel einen Schausteller. Der sagte ihm: „Wir wollen keine staatlichen Subventionen, wir wollen einfach weiterarbeiten.“ Bamberger bedauert, dass das zurzeit nicht möglich ist. „Die Welt verliert ein Stück weit Freude“, so der Parlamentarier mit Blick auf geschlossene Fahrgeschäfte.

16.11.2020

Lockdown: „Balance halten“

Essener Klinikchef erwartet keine Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen, kaufmännischer Direktor: deutsche Krankenhäuser vor hohen Verlusten und Insolvenzen, im Frühjahr Versorgungsengpässe bei medizinischem Material denkbar. Mehr
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Einen strengen Lockdown wie in Österreich „gibt der Trend zurzeit nicht her“: Bei „19 – die Chefvisite“ sagt der Chef der Essener Uniklinik, Professor Dr. Jochen Werner, dass in Deutschland keine so drastischen Maßnahmen wie in der Alpenrepublik nötig sind. Er mahnt aber mit Blick auf die Kapazitäten in den Kliniken: „Wir müssen eine gewisse Balance halten, sonst bekommen es auch die Nicht-Covid-Patienten in den Krankenhäusern zu spüren.“

Besserung ist noch nicht in Sicht: Das RKI meldet am Montag mit 10.824 zwar rund 2500 weniger Neuinfektionen als vor einer Woche. Doch befinden sich allein im Essener Uniklinikum weiter 129 Patienten wegen Covid-19 in Behandlung, 36 davon auf der Intensivstation. Über das Wochenende sind drei Patienten in Zusammenhang mit der Krankheit verstorben.

Die Versorgungslage mit medizinischen Gütern ist angespannt. Laut Thorsten Kaatze, kaufmännische Direktor und stellvertretender Vorstandschef der Uniklinik, könnten im Frühjahr Engpässe drohen, zum Beispiel bei Einmalhandschuhen. „Davon werden bei uns eine Million Paar im Monat verbraucht, wir benötigen also monatlich zwei Millionen Stück.“ Noch ist die Beschaffung zu bewältigen, doch zum Jahresende laufen Lieferverträge aus. Daher ist erweiterte Lagerhaltung nötig. Das kostet – Kaatze rechnet mit „40 Millionen Euro zusätzlichen Verlust durch Covid“. Für die Essener Klinik besteht keine Insolvenzgefahr. Aber: „Kleine Krankenhäuser könnten weitere Schwierigkeiten bekommen“, warnt er. Laut Kaatze dürften 40 Prozent der deutschen Kliniken 2020 Verluste einfahren.

13.11.2020

Böllerverbot zu Silvester

Traditionelles Weihnachtsfest mit Familienbesuch wird ausfallen, Essener Klinichef zu Corona-Entwicklung: „Dynamik ist da“, Digitalisierung bewegt Daten statt Patienten und macht Wartezimmer überflüssig. Mehr
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Ein traditionelles Weihnachtsfest mit Familienbesuchen wird es nach Einschätzung des Chefs der Uniklinik Essen in diesem Jahr nicht geben. „Wir werden Weihnachten Anspannung in den Intensivstationen erleben“, warnt Professor Dr. Jochen Werner bei „19 – die Chefvisite“ angesichts des aktuellen Corona-Infektionsgeschehens. Viele haben zudem „Silvester noch nicht im Blick“: Werner fordert ein Verbot größerer Feiern und eine Debatte ähnlich der in den Niederlanden. Dort wird das Abbrennen von Feuerwerkskörpern voraussichtlich untersagt, damit keine Verletzten zusätzlich Krankenhausbetten belegen.

Besorgt zeigt sich Werner über die Zahl der im Zusammenhang mit Corona Verstorbenen: In den ersten drei Monaten der Krise waren allein in seiner Klinik 36 Tote zu beklagen – in den letzten sechs Wochen sind es schon 32. „Die Dynamik ist da“, stellt der Mediziner klar. Das ist auch an den neuesten RKI-Daten abzulesen: Bundesweit wurden 23.542 Neuinfektionen registriert, ungefähr so viele wie am Samstag letzter Woche. Im Essener Klinikum befinden sich aktuell 122 Patienten wegen Covid-19 in Behandlung, 33 davon auf der Intensivstation, ein weiterer ist verstorben.

Die Digitalisierung kann dazu beitragen, die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen – davon ist Talk-Gast Admir Kulin, der Chef der Smart-Health-Plattform m.Doc, überzeugt. Über digitale Kanäle können Patienten und Ärzte schon heute kommunizieren, durch Videoverbindungen wird das Wartezimmer zusehends überflüssig: „2023 werden wir darüber reden, wer überhaupt noch in die Praxis muss“, so Kulin mit Blick auf zum Beispiel Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Er beklagte den „Riesenstau an Investitionen“ im deutschen Gesundheitswesen. Als Vorbild nannte er Schweden: Dort gibt es eine digitale Identität. „Die bewegen Daten, keine Patienten.“

12.11.2020

Verständnis für Besuchsverbot

Uniklinik Essen erfasst Besucher zeitaufwendig auf Papier, Ärztlicher Direktor: „kein Grund zur Entwarnung“, Zukunftsforscher Professor Dr. Thomas Druyen fordert eine Vermögensabgabe zur Bekämpfung der Krisenfolgen. Mehr
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„Mir ist vollkommen klar, dass wir den Angehörigen viel abverlangen“: Der Chef der Uniklinik Essen bittet Verwandte und Freunde, die Patienten seines Hauses zurzeit nicht besuchen dürfen, um Verständnis. Bei „19 – die Chefvisite“ stellt Professor Dr. Jochen Werner klar: „Nicht alle Besuche sind verboten, aber fast.“ Ausnahmen gibt es nur wenige, etwa für die Kinder- oder die Palliativstation. Nicht nur die Patienten, auch das Personal soll so vor Infektionen geschützt werden, betont der Mediziner. Und: Besuche müssen dokumentiert werden – das heißt: „Papiere ausfüllen“ und kostet Zeit. „Wir sind bei der Digitalisierung nicht weit genug.“

In der Essener Uniklinik werden zurzeit 123 Covid-19-Fälle behandelt. 32 Betroffene liegen auf der Intensivstation, 2 weitere sind im Zusammenhang mit der Krankheit verstorben. Das RKI meldet mit bundesweit 21.866 Neuinfektionen wieder einen höheren Wert als in den letzten Tagen. Für Klinikchef Werner zeigen die Daten, dass es „keinen Grund zur Entwarnung“ in der Pandemie gibt. Ihn beruhigt, dass der Zuwachs der Fallzahlen im Vergleich zu den Vorwochen deutlich nachgelassen hat.

Die Herausforderungen durch die Corona-Krise schildert der Zukunftsforscher Professor Dr. Thomas Druyen, Soziologe an der Universität Witten-Herdecke. Der Talk-Gast erwartet unter anderem, dass computergesteuerte Assistenzsysteme den Menschen künftig noch mehr Arbeit abnehmen. Dadurch werden zum Beispiel Bankfilialen wegfallen, Mitarbeiter müssen sich neu orientieren. Zur Finanzierung der Corona-Folgen hält Druyen eine Vermögenssteuer für „unumgänglich“, um soziale Härten abzufedern. Sein Argument: „Wenn Leute mit Geld Geld verdienen, müssen sie anderen helfen.“

11.11.2020

Sorge wegen Hype um Impfung

Essener Klinikchef warnt vor zu großen Erwartungen, das Infektionsgeschehen scheint im „Lockdown light“ abzuflachen, Wirtschaftsministerin a. D. Brigitte Zypries sieht bei Homeoffice vor allem Vorgesetzte in der Pflicht. Mehr
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Der Chef der Uniklinik Essen warnt vor zu großen Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Corona-Krise durch einen Impfstoff. Ihn sorge „dieser immense Hype um die Impfung“, sagt Prof. Dr. Jochen Werner bei „19 – die Chefvisite“. „Natürlich ist die Impfung von allerhöchster Wichtigkeit, und es ist großartig, dass wir so weit sind, wie wir sind. Aber jetzt bitte einen Gang zurückschalten!“, fordert der Mediziner.

Ansonsten droht laut Werner große Enttäuschung in der Bevölkerung: „Wir machen wieder die Fehler, die wir schon hatten“, mahnt er mit Blick auf das Hin und Her über die Wirksamkeit von Alltagsmasken in der Vergangenheit oder das teilweise chaotische Vorgehen bei Corona-Tests. „Ich schlage vor, ehrlich zu sagen, dass es alles eine riesige Herausforderung wird, die ihre Zeit braucht“, so der Ärztliche Direktor. Dann bleibt auch Spielraum für die Gewinnung des nötigen Personals sowie dessen Schulung.

Positiv nimmt Werner die aktuellen Zahlen des RKI auf – die heute gemeldeten bundesweit 18.487 Neuinfektion könnten zeigen, dass das exponentielle Wachstum gebrochen und die Kurve abzuflachen scheint. „Die Maßnahmen haben wahrscheinlich gegriffen“, sagt er über den aktuellen „Lockdown light“. Trotzdem werden in der Uniklinik Essen zurzeit 129 Patienten wegen Covid-19 behandelt, 31 davon liegen auf der Intensivstation. Werner bedauert zudem den Tod eines weiteren Erkrankten.

Befeuert haben die neuerlichen Anti-Corona-Maßnahmen indes den Trend zum Homeoffice. Damit die Unternehmen dabei leistungsfähig blieben, „sind vor allem die Vorgesetzten gefragt“, sagt Studiogast Brigitte Zypries, Bundeswirtschaftsministerin a. D. Sie sollten Mitarbeitern, die von zu Hause aus arbeiten, helfen, ihren Tag zu strukturieren – und zum Beispiel durch einen gemeinsamen morgendlichen Start in den Arbeitstag „mit einer Tasse Kaffee vor dem Bildschirm“ Führungsstärke demonstrieren. Ebenfalls denkbar seien digitale After-Work-Partys. Sie könnten Gelegenheiten bieten, sich auch über Privates auszutauschen. Zypries‘ Fazit: „Die Vorgesetzen sind in der Pflicht.“

10.11.2020

Impf-Euphorie verfrüht

Herausforderungen bei Logistik erschweren Immunisierung der Bevölkerung, Grenzen für Intensivkapazitäten im Uniklinikum Essen, CDU-Politiker Wolfgang Bosbach kritisiert Neufassung des Infektionsschutzgesetzes. Mehr
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Trotz Optimismus hinsichtlich eines Corona-Impfstoffs dämpft der Chef der Essener Uniklinik Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Pandemie: „Von der Logistik der Durchimpfung haben viele keine Vorstellung“, sagt Prof. Dr. Jochen Werner bei „19 – die Chefvisite“ und erinnert an die Herausforderungen bei Lagerung, Transport und Verteilung eines Impfstoffes nach dessen Zulassung. Hinzu kommt die Frage, welche Bevölkerungsgruppen zuerst immunisiert werden sollen.

Obwohl das Essener Klinikum noch über eine Reserve an Intensivbetten verfügt, macht sich dessen Chef Werner Gedanken: „Wir fokussieren auf Covid-19-Patienten, aber der Großteil hat eine andere Erkrankung.“ Auch für diese muss Platz sein. Eine Analyse seines zuständigen Epidemiologen ergibt: „Im Dezember stoßen wir voraussichtlich an unsere Kapazitätsgrenzen“, so Werner. Im Haus befinden sich derzeit 121 Patienten wegen Corona-Infektionen auf Station, 31 von ihnen werden intensiv behandelt, zwei Erkrankte sind über Nacht im Zusammenhang mit Covid-19 verstorben.

Die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus in Deutschland hat der Klinikchef fest im Blick: Zwar meldet das RKI heute mit 15.332 Neuinfektionen bundesweit nur einen Wert auf dem Niveau vom Dienstag der Vorwoche. Doch gab es am Samstag offenbar Probleme bei der Datenübermittlung. Auch Studiogast Wolfgang Bosbach, CDU-Politiker und langjähriger Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag, sieht das Land trotz „Lockdown light“ noch nicht über den Berg: „Es wäre ein Wunder, wenn wir am 30. November eine völlig andere Lage hätten.“ Dann sollen die aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens enden.

Die Maskenpflicht dürfte jedoch bleiben. Bosbach nimmt es gelassen. Sein Credo: „Ich lasse mich nicht verrückt machen, halte mich aber an die Regeln.“ Bei diesen vermisst er allerdings eine gute Begründung „für jede einzelne Maßnahme“. Ein Fragezeichen setzt er etwa hinter das geltende Beherbergungsverbot oder den verkaufsoffenen Sonntag letzte Woche in Köln. Skeptisch zeigt er sich zudem hinsichtlich der aktuellen Neufassung des Infektionsschutzgesetzes: „Gerichte und Anwälte werden viel Arbeit bekommen“, sagt der Jurist angesichts der Masse unklarer Regelungen vorher.

Branchen, die der Lockdown in Gefahr bringt wie die Fluggesellschaften, benötigen laut Bosbach staatliche Hilfe: „Wir brauchen einen großen nationalen Carrier, sowohl für den Personen- als auch für den Gütertransport“, stellt er klar. Die Stützung der angeschlagenen Lufthansa hält er daher für gerechtfertigt. Denn für eine europäische Airline-Lösung 27 Länder unter einen Hut zu bringen, ist für ihn unwahrscheinlich. Seine Prognose für die deutsche Wirtschaft: „Wir werden autarker werden müssen.“ Nicht nur bei Schutzkleidung oder Medikamenten sollte die Abhängigkeit von globalen Lieferketten sinken – auch wenn dann Einiges etwas teurer werden könnte.

09.11.2020

„Impfbereitschaft ist da“

Biotech-Unternehmen vor Durchbruch, Impfstoff-Experte Friedrich von Bohlen: „Virus wird nicht verschwinden“, Corona-Impfstoff könnte im Kampf gegen Krebs helfen. Mehr
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Der Chef der Essener Uniklinik geht etwas entspannter in die zweite Woche des „Lockdown light“. Sein Eindruck: „So unglaublich schnell geht es nicht mehr nach oben“, sagt Prof. Dr. Jochen Werner in der zweiten Folge von „19 – die Chefvisite“ mit Blick auf die offiziellen Zahlen des RKI. Heute wurden 13.363 Neuinfektionen gemeldet nach 12.097 am Montag der Vorwoche. Im Klinikum Essen sind am Wochenende zwei Menschen in Zusammenhang mit Covid-19 verstorben. Werner freut sich daher, dass in der Klinik mehr Mitarbeiter an der laufenden Grippeimpfung teilnehmen und erinnert an schlechte Erfahrungen aus der Grippewelle 2017/18. Seit Fazit auch mit Blick auf eine erwartete Corona-Impfung: „Die Bereitschaft ist da.“

Impfexperte und Studiogast Friedrich von Bohlen dämpft Hoffnungen. „Wir wissen nicht, was am Ende schützt“, sagt das Aufsichtsratsmitglied bei Curevac – einem der deutschen Vorreiter bei der Impfstoffentwicklung – und verweist auf ungeklärte Fragen über das Virus selbst sowie über das Impfverfahren, zum Beispiel die Logistik oder die Kühlung des Impfstoffes während des Transports. Zudem schützt auch eine Grippeimpfung nur etwa jeden zweiten Patienten. „Dahin zielen auch die Strategien gegen Corona.“ Es geht darum, den Verlauf der Krankheit zu mildern – durch eine Impfung „wird das Virus nicht verschwinden“, betont er.

Von Bohlen verweist aber auch darauf, dass die Suche nach einem Corona-Impfstoff auf Basis sogenannter Messenger-RNA auch Vorteile im Kampf gegen andere Krankheiten bietet. Er ist überzeugt, dass sich mit dieser Methode Impfstoffe gegen alle Virusinfekte entwickeln lassen – und möglicherweise auch „Co-Medikamentationen gegen Krebs“. Der Vorteil: Das Verfahren „verlagert die Produktion des Proteins in den Körper“. Das mindert unter anderem die Herstellungskosten.

Die Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung in den letzten neun Monaten nennt von Bohlen „sensationell“. Die zuständigen Genehmigungsbehörden in der EU und den USA haben Eilverfahren zugesagt. Er selbst ist bereits mit einem Curevac-Kandidaten behandelt worden und wartet auf Ergebnisse. Die Fortschritte in China und Russland kann von Bohlen wegen fehlender Daten nur schwer beurteilen. Letztlich ist aber nicht entscheidend, wem zuerst der Durchbruch gelingt: „Es ist schön, der erste zu sein“, so der Experte. Es gehe aber um bis zu acht Milliarden Impfdosen im Jahr. Daher kommt es für ihn letztlich darauf an, welches Produkt am wirksamsten, am verträglichsten und am günstigsten ist: „Darüber reden wir in einem Jahr.“

06.11.2020

„Keine banale Grippe“

Deutsches Kliniksystem gerät in Gefahr, Intensivmediziner Prof. Dr. Thorsten Brenner warnt eindringlich vor Verharmlosung, auch jüngere Menschen sind betroffen. Mehr
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„Wir könnten an unsere Grenzen kommen“: Prof. Jochen Werner warnt vor einer Überlastung der deutschen Krankenhäuser. „Wann entgleitet uns das System?“, fragt der Chef der Uniklinik Essen in der ersten Folge des neuen Digital-Talks „19 – die Chefvisite“ am Tag mit den bisher meisten gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Deutschland. Laut RKI sind es 21.506 Fälle. Aktuell sind 110 Covid-19-Patienten in der Essener Uniklinik in Behandlung.

Jens de Buhr, Verleger des DUB UNTERNEHMER-Magazins, sieht die Wirtschaft wegen der Pandemie vor großen Herausforderungen: „Manche Branchen könnten ganz verschwinden“, wie der Messebau. Aber: „Wir haben auch einen Riesensatz in die Zukunft gemacht“, sagt der Moderator des Corona-Talks mit Blick auf die Digitalisierung.

Studiogast Prof. Dr. Thorsten Brenner berichtet von der Arbeit auf der von ihm geleiteten Essener Intensivstation: „Die Kollegen sind schwer belastet, das ist keine normale Intensivbehandlung.“ Zusätzliche Schutzkleidung ist wegen des Infektionsrisikos notwendig. Zugleich warnt der Mediziner, die Gefahr durch Covid-19 kleinzureden. „Das ist keine banale Grippe.“ Die Folgen treffen nicht nur Ältere: „Ich habe junge Menschen verloren, ich konnte ihnen nicht helfen.“ Daher ist er wütend und zornig, wenn die Pandemie verharmlost oder gar geleugnet wird: „Die Unterschätzung schockiert mich“, so Brenner.

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