19.05.2020    Miriam Rönnau

Hygienemaßnahmen

amanzii erweitert Produktportfolio für B2B-Kunden

Vor der Coronakrise belieferte amanzii vor allem Einrichtungen im Gesundheitswesen mit Produkten wie Mundschutz, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel – also den aktuell wohl am stärksten nachgefragten Gütern. Nun erweitert der Hersteller seine Zielgruppe auch auf Kunden im nichtmedizinischen Bereich. Im Interview erklärt amanzii-Geschäftsführer Oliver Kuklok, was es beim Kauf von Schutzprodukten zu beachten gilt, wie der Markt für diese Waren zurzeit aussieht und weshalb eine breitere Zielgruppe nicht zu Engpässen in Kliniken führen wird.

 

Zur Person

Oliver Kuklok

ist Geschäftsführer von amanzii. An der Technischen Universität Darmstadt absolvierte er ein Ingenieurstudium mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik/ Informationstechnik sowie Wirtschaftsingenieurwesen an der Fernuniversität Hagen. Zusätzlich hat Kuklok einige Erfahrung im Bereich E-Health gesammelt und setzt heute einen klaren Schwerpunkt in Hinblick auf die digitalen Umwälzungen im Gesundheitswesen

In Zeiten von Corona stehen Hygienemaßnahmen hoch im Kurs. Die Angebotspalette wird von Woche zu Woche größer. Doch woher wissen Unternehmer, welche Produkte wirklich gut sind?

Oliver Kuklok: Zunächst hängt die Produktauswahl von der Situation des Unternehmens ab. Reichen medizinische Einmalmasken, da diese nur kurz getragen werden müssen – etwa beim Lieferservice? Oder sind die Mitarbeiter dauerhaft im Kundenkontakt? Auch Kriterien wie der Tragekomfort und die Brauchbarkeit bei Gesprächen spielen eine Rolle und müssen individuell bewertet werden. Allgemein gilt: Der Zertifikatsdschungel ist für „normale“ Unternehmen nicht ganz so komplex wie im medizinischen Bereich. Ein Beispiel: Bei europäischen Schutzmasken muss man auf die Norm ISO EN149:2001 sowie den Anhang A1:2009 für die persönliche Schutzausstattung achten. Derzeit gibt es für in China zertifizierte Atemschutzmasken der Normierung KN95 einen Schnelltest nach dem „Prüfgrundsatz für Corona-Virus Pandemie Atemschutzmasken.“ Wird er bestanden, werden die sogenannten FFP2-Masken den europäisch zertifizierten gleichgestellt.

Auch selbst genähte Masken liegen im Trend. Aber sie haben einen Nachteil: Das Atmen fällt mitunter schwer. Welche Vorteile bieten chirurgische Masken?

Kuklok: Neben dem subjektiven Eindruck des erschwerten Atmens sind vor allem die Schutzwirkungen in der Fachwelt umstritten, da der Atem ungefiltert durch den Stoff dringt. Da ist die chirurgische Maske in Form der „Civil Mask“ eine gute Alternative. Durch die Verpackungen, die denen von Haushaltshandschuhen ähneln, kann die Maske situationsbedingt eingesetzt werden. Chirurgische Masken nach der ISO EN 14683:2019 sollten allerdings dem medizinischen Personal und anderen systemrelevanten Versorgungseinheiten vorbehalten bleiben.

Langsam fangen die Unternehmen wieder an, ihre Belegschaft zurück ins Büro zu holen. Was gilt es dabei zu beachten?

Kuklok: Zunächst sind die Unternehmen angehalten, die Regeln des SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards zu befolgen. Sicher ist es sinnvoll für Arbeitnehmer, Schutzausrüstung vorzuhalten, aber auch für Besucher sollte man gerüstet sein und Masken zur Verfügung stellen. Wichtig sind zudem berührungslose Seifen- und Desinfektionsmittelspender sowie Einweg-Handtücher. Beim Desinfektionsmittel sollte man nicht das günstigste Produkt nehmen, da dieses häufig die Haut reizt und so die Akzeptanz in der Belegschaft sinken kann. Ich rate jedem Unternehmen, in Büros und Werkshallen durch einfache Maßnahmen wie sogenannte Spuckwände oder das Umstellen von Schreibtischen die größten Risiken zu reduzieren. Auch sind Online-Schulungen für Mitarbeiter hilfreich, damit diese sich rasch in den neuen Alltag einfinden.

Viele Krankenhäuser und Ärzte beklagen Engpässe bei Hygieneprodukten. Vor der Krise belieferte amanzii vor allem medizinisches Personal und Kliniken. Doch im Zuge der Krise haben Sie Ihr Angebot auch auf B2B-Kunden ausgeweitet. Wie passt das zusammen?

Kuklok: Die Versorgung des medizinischen Personals und der Kliniken steht nach wie vor im Vordergrund. Geeignete Schutzausstattungen für diese Zielgruppe werden weiterhin zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus eignet sich jedoch nicht jedes Produkt für den klinischen Bereich beziehungsweise werden Produkte bewusst für den zivilen Bereich hergestellt. Hier gibt es ebenfalls immense Qualitätsunterschiede. Daher bedeutet die Erweiterung der Zielgruppe auch eine Erweiterung des Produktportfolios und keineswegs eine Schwächung des Gesundheitssystems.

Welches Learning nehmen Sie persönlich bereits jetzt aus der Krise mit?

Kuklok: Dass man sich nicht von der Cowboy-Mentalität einiger Händler sowie von Zertifikaten mit vielen chinesischen Schriftzeichen ablenken und irritieren lassen sollte. So wie wir nur mit vertrauensvollen Herstellern und Partnern weltweit zusammenarbeiten, so ist es für jeden wichtig, einen Lieferanten seines Vertrauens auszuwählen. Viele unserer Kunden sehen das genauso und intensivieren in der Krise die Partnerschaft.

19.05.2020    Miriam Rönnau
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