22.03.2020    Jessica Storch

Internet-Infrastruktur

Kann das deutsche Netz die Umstellung auf Homeoffice in vielen Betrieben standhalten?

Die Coronavirus-Krise sorgt für viele Maßnahmen in den Betrieben. So wurden jetzt deutlich mehr Beschäftigte ins Homeoffice delegiert. Welche Auswirkungen hat das auf die Infrastruktur?

In der Schweiz gab es bereits die ersten Probleme. Der Anbieter Swisscom hatte einen ersten Zusammenbruch kurz nachdem der Notstand in der Schweiz verhängt wurde. Eine Begründung war, dass das Telekommunikations-Verhalten der Nutzer nicht wie sonst vorherseh- und planbar war. Swisscom Chef Urs Schaeppi appelliert an alle, die Infrastruktur rücksichtsvoller zu nutzen. Als letzte Möglichkeit könnte es zu einer Drosselung der Streaming-Dienste kommen, so die „Neue Zürcher Zeitung“.

Anbieter stellen ihre Online-Angebote um

Viele Menschen sitzen in Deutschland im Homeoffice. Weil am 14. März entschieden wurde, dass die Schulen und Kitas bis mindestens zum 19. April geschlossen bleiben, heißt das für viele Eltern nun: Sie müssen neben jetzt auch ihre Kinder betreuen. Viele Anbieter haben ihre Angebote auf Online umgestellt. So kann man statt ins Fitnessstudio zu gehen, nun öfter online an Kursen teilnehmen. Anbieter wie Gymondo stellen ihr Angebot für einen Monat kostenlos zur Verfügung.

Schulen senden den Schülern Aufgaben über Schulportale und E-Mail. Netflix und Online-Games werden stärker genutzt. Es kommt zu einem erhöhten Datenverbrauch. Dieser erstreckt sich über den gesamten Tag. Die Telekommunikationsanbieter sind sich sicher, dass in Deutschland keine Probleme entstehen. „Viele Bürger würden in den nächsten Tagen und Wochen auf höhere Datenraten und schnellere Verbindungen angewiesen sein“, so Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdienstens e.V.-Chef Jürgen Grützner. Das gelte für Festnetz und Mobilfunk.“

Die Deutsche Telekom  ist vorbereitet und hat mittlerweile den Notfall- und Pandemieplan aktiviert. Nach Gesprächen zwischen EU-Kommissar Thierry Breton und Netflix-Chef Reed Hastings wird der Streamingdienst vorübergehend die Bildqualität senken. Youtube hat die Übertragungsrate bereits gedrosselt. Breton ist optimistisch, dass so „das reibungslose Funktionieren des Internets während der Covid-19-Krise sichergestellt ist“.

Nicht nur in Deutschland werden die Streaming-Dienste gedrosselt

Auch in Österreich liegt bereits die Erlaubnis der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH vor, die Streaming-Dienste zu drosseln. Die Netzneutralität, die 2016 eingeführt wurde, verbietet eigentlich die Bevorzugung bestimmter Datenpakete. Alle Dienste müssen gleichberechtigt behandelt werden. In diesem Notfall würde dann die Steuerung des Datenverkehrs innerhalb einer Dienstklasse (zum Beispiel alle Streaming-Anbieter) zugelassen.

Ein Anstieg des Datenverbrauchs ist zwar auch am Internetknoten DE-CIX in Frankfurt messbar, aber es bestehe keinen Grund zur Sorge, so CTO Thomas King. „Wir planen zwar kontinuierlich mit Traffic-Anstiegen, aber ein Anstieg von 800 Gigabit pro Sekunde ist schon außergewöhnlich hoch. Der letzte Höhepunkt war am 11. Februar, wir haben innerhalb eines Monats also etwa 10 Prozent Anstieg gesehen. Normalerweise verzeichnen wir im Verlauf eines ganzen Jahres einen Anstieg von 20 bis 30 Prozent.“ Zu Engpässen kommt es eher bei langsamen und veralteten Internetleitungen und der gleichzeitigen Nutzung mehrerer Dienste in einem Privathaushalt.

22.03.2020    Jessica Storch
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