27.03.2020    Jana Janßen
Anzeige

Social Distancing

Corona: Solidarität im Netz

Die Sozialen Medien stehen, egal ob beruflich oder privat genutzt, häufig in der Kritik. Sie würden einsam machen, ein Ort der Selbstdarstellung sein und zur Verbreitung von Fake News beitragen. Doch wie sich momentan zeigt, können sie in der Zeit des Social Distancings vor allem auch eins sein: Ein Ort, der Trost spendet und an dem Solidarität bekundet wird. Das kommt auch Arbeitgebern zu Gute.

Wenn körperliche Nähe nicht mehr möglich ist, wird der Nutzen von digitalen Kommunikationsformen deutlicher denn je. Über WhatsApp, Facebook, Twitter und Co. bleiben Menschen in Kontakt, tauschen sich aus, spenden Trost und organisieren Nachbarschaftshilfe. Eine Welle der Solidarität schwappt durch die sozialen Medien der Ansteckungswelle durch das Coronavirus entgegen. Ein wichtiges Gut in dieser Zeit, denn durch das Abstandhalten und das Arbeiten im Home-Office kann schnell ein Gefühl der Einsamkeit entstehen, das im schlimmsten Fall auch psychische Erkrankungen begünstigt und somit zu Arbeitsausfällen führt. Das Gemeinschaftsgefühl im Netz schafft einen kleinen Ausgleich.

„Wir bleiben für euch da“

So vermittelten zahlreiche Pfleger, Ärzte oder Polizisten in den letzten Tagen in den sozialen Medien, dass sie vollen Einsatz für die Bevölkerung zeigen. Aber sie nutzen die Plattformen auch, um selbst Solidarität einzufordern. Sie verbreiteten Fotos, auf denen sie Schilder mit der Aufschrift „Wir bleiben für euch da – bleibt ihr bitte für uns zuhause“ hochhielten. Diese wurden tausendfach geteilt und in den Kommentaren sprachen viele Nutzer ihren Dank aus. Menschen, die in der Pflege aber auch im Lebensmitteleinzelhandel arbeiten, erfahren momentan so viel Wertschätzung wie selten zuvor. Denn es wird deutlich: Diese Berufe sind systemrelevant.

Hashtag-Kampagnen für Solidarität

Aber auch das Bundesministerium für Gesundheit und viele Unternehmen rufen mithilfe von Hashtag-Kampagnen wie #WirBleibenZuhause oder #allefüralle im Netz dazu auf, füreinander einzustehen. Die Kampagnen zeigen, warum es wichtig ist, Abstand zu halten oder soziale Kontakte zu reduzieren. Zahlreiche Influencer nutzen ihre Reichweite und zeigen unter diesen Hashtags, wie sie ihre Zeit zuhause verbringen und fordern ihre Follower auf, es ihnen gleichzutun. Wer sich in diesen Tagen einsam fühlt, weil er alleine lebt, erhält online Zuspruch von Tausenden, denen es ähnlich geht.

In Facebook-Gruppen und auf Twitter organisieren sich Menschen unter anderem unter diesen Hashtags, um Einkäufe für ältere und kranke Nachbarn zu erledigen. Aber auch Mittelständler, Start-ups und Selbstständige finden auf Facebook lokale Netzwerkseiten für Unterstützung. In Stuttgart hat sich beispielsweise die Support-Seite „StayHomeStuttgart“ gegründet, die neben einem Nachbarschaftshilfe-Netzwerk und einem Angebot für „Kultur@Home“ auch eine Plattform für Eigeninitiativen von (Klein-)Unternehmern bietet. So kann zum Beispiel ein Lieferservice für Waren und Essen angeboten werden oder können Hilfsaufrufe gepostet werden.

 

27.03.2020    Jana Janßen
Zur Startseite