17.09.2020    Kai Makus

FinTechs

Revolution in der Finanzwelt

Der Sektor Finanzdienstleistung befindet sich mitten im Umbruch – angetrieben von neuen Playern, die etablierte Anbieter mit modernster Technologie herausfordern. Jetzt ermöglicht etwa das Start-up New Shore Invest es Anlegern, Frachtschiffe scheibchenweise zu erwerben.

Wie gründet man erfolgreich ein FinTech? Die richtige Idee muss dahinterstecken – die Technologie kann dann zweitrangig sein. „Wir machen ein illiquides Asset wie ein Schiff liquide handelbar wie eine Aktie“, fasst Dr. Richard Heuser das Geschäftsmodell von New Shore Invest zusammen. Dazu nutzt das von ihm mitgegründete Hamburger Start-up die Blockchain. „Das ist aber nicht der Dealbreaker“, betont er im DUB Digital Business Talk. So sieht es auch Matthias Lais vom Start-up-Investor der Commerzbank, Main Incubator: Es komme eben auf das Schiff an, nicht auf die Blockchain: „Technologie ist nett, aber wichtiger sind relevante Lösungen für unsere Kunden.“ Zusammen geben die beiden spannende Einblicke in die High-Tech-Finanzwelt und die Zukunft der Banken.

Am DUB Digital Business Talk nahmen teil:

Moderation: Arne Gottschalck, Finanzredakteur DUB UNTERNEHMER-Magazin

Wo ist der Unterschied zwischen einer spannenden und einer möglicherweise gewinnträchtigen Geschäftsidee?

Lais schmunzelt bei der Frage. „Das Verhältnis ist wohl so 5 zu 95 Prozent“, meint er – und schildert dann das Vorgehen des Early Investors: „Wir schauen uns das Team an, das ist in einer frühen Phase essenziell. Und stellen uns die Frage: Trauen wir dem das zu?“ Zudem müsse das Produkt „ein echtes Problem lösen können“, wofür Kunden dann auch bezahlen. Das neue Angebot sollte darüber hinaus außerhalb einer Nische liegen und mehr Potenzial bieten als ein begrenzter Markt.

Wie gut kommen Start-ups in Deutschland an Geld?

Wegen Corona übten sich viele Investoren in Zurückhaltung, berichtet Lais. Inzwischen funktionieren aber auch Runden über 10 oder 20 Millionen Euro wieder – „nur nicht mit deutschen Investoren“. Dafür ist man hierzulande wohl nicht risikofreudig genug. Heuser hat 2019 die Seed-Finanzierung eingefahren. Er sieht für Finanzierungsmöglichkeiten in Deutschland und Europa bis zur Series A – also einstellige Millionenbeträge – genügend Wagniskapital. Auch die Politik könne etwas beisteuern. Er verweist auf günstige Kredite durch die staatseigene Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für Start-ups in der Corona-Krise: „Das ist ein Anreiz, den ich von der Grundidee her pragmatisch, sinnvoll und schnell umgesetzt fand.“

Wie hält man den Gründergeist lebendig?

Für Lais ist das eine klare Sache von Strukturen, die in wachsenden Unternehmen umgebaut werden müssen: „Selbstorganisierend, mit möglichst viel Verantwortung bei den Mitarbeitern und Teams – das ist der Schlüssel, um die Innovationskraft aufrecht zu erhalten.“ Also quasi Unternehmen im Unternehmen. Heuser hält es nach seinen Erfahrungen für unerlässlich, dass sich die Führungsriege persönlich gut versteht, wenn es mehrere Gründer sind. Dann könne man gegenseitig als Sparringspartner auftreten und Ideen immer wieder hinterfragen. In größeren Organisationen drohe die Übermacht des Tagesgeschäfts. „Dann muss man den Leuten mehr Freiheit lassen.“

Wie sehen Banken in 20 Jahren aus?

„Bestimmte Geschäftsmodelle, mit denen die Banken heute noch Geld verdienen, werden in naher Zukunft nicht mehr existent sein“, sagt Gründer Heuser mit Überzeugung. Er denkt etwa an das Verwahrgeschäft – „Papiere im Keller lagern“, nennt er das. Als Gewinner sieht er Institute, die sich bereits mit neuartigen Geschäftsmodellen oder Partnerschaften auseinandersetzen – denn die Digitalisierung beschleunigt den Wandel. Darin stimmt ihm Lais zu: Die Bankenlandschaft wird in 20 Jahren „ganz anders aussehen“. Auch er erwartet mehr Kooperationen zwischen etablierten Häusern, die Kundenvertrauen mit einbringen, und FinTechs – aber auch zwischen diesen und beispielsweise Onlinehändlern.

Was sind die wichtigsten Hausaufgaben bei der Digitalisierung?

Jeder Unternehmenslenker müsse sich vor allem eine Frage stellen, meint Heuser: „Ist mein Geschäftsmodell zukunftsträchtig?“ Wer diese Frage mit „Ja“ beantwortet, sollte dringend beginnen, „Prozesse zu digitalisieren und so die Kosteneffizienz zu steigern“. Lais unterstreicht das und ergänzt: „Das geht nur, wenn ich das Thema kulturell und organisatorisch begleite.“ In stark hierarchisch geprägten Unternehmen kann das schwieriger sein. Sein Rat: „Die Mitarbeiter mitnehmen, damit sie dabei helfen, den Wandel voranzutreiben.“

DUB Business Talks

17.09.2020    Kai Makus
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