Geld in der Geldbörse
25.01.2021    Arne Gottschalck
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Vermögensaufbau

Auch mal über Geld sprechen

Geld vermehren – das ist die Aufgabe von Nikolaus Braun, Vermögensverwalter und Buchautor. Die größten Fehler, die man bei der Anlage machen kann? Zu wenig über den eigenen finanziellen Lebensentwurf nachdenken, Geld als Tabuthema betrachten und sich zu sehr von Emotionen leiten lassen. Im Interview erklärt Braun, wie sich diese Fehler vermeiden lassen.

Zur Person

Porträt Nikolaus Braun

Nikolaus Braun

ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Neunundvierzig Honorarberatung sowie Senior Partner und Vermögensverwalter bei der Deutschen Wertpapiertreuhand

Warum denken wir Deutschen so oft über unseren Lieblingsfußballverein oder das neue Auto nach, nicht aber über Geld?

Nikolaus Braun: Der Gedanke an unseren Lieblingsverein, ein neues Auto oder auch die nächste Urlaubsreise ist mit positiven Emotionen verbunden. Es eröffnet Gesprächsmöglichkeiten mit Freunden und Bekannten – also sozialen Kontakt. Und es gibt uns das Gefühl kompetent zu sein. Geldthemen verursachen im Regelfall Stress: Gebe ich zu viel aus? Reicht es mir im Alter? War die letzte Kapitalanlage eine Schnapsidee? Die meisten Menschen fühlen sich im Umgang mit Geld inkompetent – meist leider völlig zu Recht. Daher finden vernünftige Gespräche über Geld faktisch nicht statt.

Das Buch „Über Geld nachdenken“ von Nikolaus Braun erscheint am 10. Februar im Campus Verlag. Sie können es online über Hugendubel, Thalia und Amazon oder aber vor Ort bei der Buchhandlung Ihres Vertrauens bestellen.

Wenn Sie ein persönlich signiertes Exemplar haben möchten, dann können Sie das Buch auch über den Autor direkt beziehen. Schicken Sie dazu einfach eine formlose E-Mail an nachdenken@neunundvierzig.com

Über Geld spricht man bekanntlich nicht...

Braun: Genau. Dazu ist das Thema Geld durch allerlei – meist in der Kindheit unkritisch aufgenommene – Mythen, eine gewisse Neidkultur und moralisierende Glaubenssätze vernebelt. So heißt es ja beispielsweise „Geld verdirbt den Charakter.“ Das sind natürlich katastrophale Voraussetzungen, um über eine Sache nachzudenken, die für uns alle eine so immense Bedeutung hat.

Wie viel Zeit braucht es, um über Geld nachzudenken?

Braun: Entscheidend ist nicht der Zeitaufwand, sondern die Qualität unseres Nachdenkens. Wichtiger als gute Antworten sind gute Fragen. Ich kenne Menschen, die stellen sich jede Woche stundenlang die falschen Fragen: Soll ich jetzt einsteigen oder nächsten Monat? Oder aber: Welche Aktie wird die neue Amazon?

Wüsste man die Antworten auf solche Fragen, hätte das natürlich eine riesige Auswirkung auf unsere finanzielle Zukunft. Die schlechte Nachricht: Wir wissen gar nichts. Märkte sind nicht prognostizierbar; Ergebnisse, die sich auf Prognosen stützen sind zufällig und unbeherrschbar.

Bessere Fragen sind: Warum ist Geld wichtig für mich? Für wen trage ich finanzielle Verantwortung? Wie möchte ich leben – jetzt, in zehn, in 25 Jahren? Wenn Sie einmal eine saubere Struktur für Ihre Finanzen gefunden haben, die zu Ihren Werten und Ihrem Lebensentwurf passt, dann müssen Sie nur aufpassen, dass Sie nicht wieder vom Weg abkommen. Dann haben Sie auch genügend Zeit über die Dinge nachzudenken, die Ihnen wirklich Freude bereiten.

Was sind die klassischen blinden Flecken, die Ihnen in der finanziellen Lebensplanung von Privatanlegern begegnen?

Braun: Sehr häufig sehen wir Lücken in der Notfallplanung – zu wenig Cash für Notfälle, zu wenig Absicherung für Berufsunfähigkeit oder das Fehlen eines Testaments. Der Klassiker schlechthin ist die fehlende Vorsorgevollmacht. Es ist erstaunlich, wie viele sonst gut informierte Menschen keine Regelung für den Fall getroffen haben, dass sie – etwa durch einen Unfall – dauerhaft geschäftsunfähig werden. Die Folge: Im Falle eines Falles entscheidet dann ein vom Amtsgericht bestellter Betreuer über juristische, medizinische und finanzielle Belange. Das ist selten eine gute Lösung. Und das alles ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass sich so eine Vorsorgevollmacht ohne großen Aufwand implementieren lässt.

Eigentlich müsste es doch für jeden die passenden Finanzprodukte geben...

Braun: Ja.

Oder „erschlägt“ die Vielfalt den einen oder anderen?

Braun: Auch dazu ein klares Ja. 99,5 Prozent aller Produkte sind entweder toxisch oder überflüssig. 0,49 Prozent sind vertretbar und vielleicht 0,01 Prozent sind wirklich nötig. Gute Produkte sind maximal diversifiziert, transparent und kostengünstig.

Wie sieht dann das einfachst mögliche Depot aus?

Braun: Für den risikobehafteten Teil des Portfolios sollte man auf ein ETF auf einen breit diversifizierten globalen Aktien-Index, etwa den MSCI All Country World Index, setzen. Und für den risikoarmen Teil ist ein ETF auf Anleihen guter Bonität mit relativ kurzer Laufzeit eine Option. Je nach Lebenssituation und Risikotoleranz gewichten Sie diese Bausteine dann unterschiedlich stark. Gehen Sie davon aus, dass sich Ihr risikobehafteter Baustein in Krisen vorübergehend halbieren kann – das müssen Sie dann aushalten.

So ein Depot ist nicht perfekt. Es ist vielleicht noch nicht einmal richtig gut. Aber es ist einfach, transparent, langfristig durchhaltbar und besser als 95 Prozent aller Depots, die ich sonst sehe – egal ob von Banken, Vermögensverwaltern oder Selbstentscheidern.

Wie oft sollte man rebalancen? Genügt etwa einmal im Jahr?

Braun: Ja, das genügt. Und sollte sich das Depot nach einem Jahr nicht sehr weit von seiner ursprünglichen Struktur entfernt haben, dann lassen Sie das Rebalancing einfach aus.

Wie bekommt man die oft empfohlene Gelassenheit bei der Geldanlage? Immerhin sind Kurse ja transparent und jederzeit verfügbar. So sieht man auf einen Blick den täglichen „Vermögenspegel“...

Braun: Die ständige Preistransparenz und die ständige Handelbarkeit sind ein immenser Vorteil von Kapitalmarktprodukten, aber auch ein Fluch. Das ist ein riesiges Einfallstor für kurzfristigen Aktionismus und emotionale Fehlentscheidungen. Viele Anleger versuchen, die eigene Emotionalität bei Kapitalmarktentscheidungen zu leugnen. Das ist sicher kontraproduktiv. Besser ist, seine Emotionen anzuerkennen, zu beobachten und sie dann kritisch zu reflektieren.

Fluchtreflexe sind tief in unserer DNA verankert; die lassen sich nicht einfach wegdrücken. Sich auf langfristige Investment- und Lebensziele zu fokussieren, statt sich den täglichen Finanznachrichten auszusetzen ist sehr hilfreich. Was in einigen Wochen, Monaten, sogar Jahren mit meiner Anlage passiert, ist ja weitgehend irrelevant. Wichtig ist, dass ich langfristig meinen finanziellen Lebensentwurf durchhalten kann. Dass der Kapitalmarkt immer wieder heftig korrigieren wird, ist kein Risiko – im Gegenteil: Dass solche Rückschläge früher oder später passieren, ist eine Gewissheit. Und das ist auch kein Unglück. Es fühlt sich nur vorübergehend so an.

Was ist für Sie in Sachen Geldanlage die wichtigste Regel?

Braun: Finden Sie eine Strategie, der Sie dauerhaft treu bleiben können: einfach, transparent, beherrschbar und vor allem in Einklang mit Ihren finanziellen Lebenszielen.

Disclaimer: Die Aussagen in diesem Beitrag spiegeln die persönlichen Ansichten des Autors wider, sind rein didaktischer Natur und sind nicht als Finanzberatung oder Anlageempfehlungen im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes zu verstehen. Eine Haftung für Schäden, die aus der Befolgung der gegebenen Hinweise resultieren, wird nicht übernommen.

25.01.2021    Arne Gottschalck
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