02.12.2020    Arne Gottschalck

Vermögensaufbau

Anlagestrategie: Bausteine gegen Risiken

In Krisenzeiten verändern sich die Märkte rasant. Für Unternehmen bringt das zahlreiche Risiken mit sich. Um dennoch handlungsfähig zu bleiben, braucht es ein zuverlässiges finanzielles Risikomanagement. Wie genau Risiken gesteuert werden können, erklären Franz von Metzler und Dr. Rainer Matthes von Metzler Asset Management. Von Metzler ist Geschäftsführer Institutionelle Kunden, Matthes Chief Investment Officer und Leiter Portfoliomanagement.

Zur Person

Franz von Metzler

ist Geschäftsführer im Segment Institutionelle Kunden bei Metzler Asset Management

Zur Person

Dr. Rainer Matthes

ist Chief Investment Officer und Leiter Portfoliomanagement bei Metzler Asset Management

Welche finanziellen Risiken der Kapitalanlage gibt es, und warum ist eine professionelle ­Risikosteuerung im Moment besonders relevant?

Franz von Metzler: Die Coronapandemie macht die Schattenseite der Globalisierung deutlich: die Abhängigkeiten. Die gesamte Weltwirtschaft geriet durch Covid-19 in eine Schieflage. Solche Ereignisse führen unweigerlich zu Umwälzungen an den Kapitalmärkten. Es kommt zu Veränderungen von Aktienkursen, Zinssätzen und Wechselkursen. Daraus ergeben sich im Hinblick auf die Kapitalanlage von Unternehmen strategische Risiken wie Markt-, Zins- oder Währungsrisiken. Diese können das Erreichen von Anlagezielen, die Absicherung von Liquidität und im schlimmsten Fall die Stabilität eines Unternehmens gefährden. 

Rainer Matthes: Auch abseits von Krisen bewegen sich professionelle Anleger im Spannungsfeld zwischen dem Erreichen von Zielrenditen und dem Vermeiden von Risiken. Viele institutionelle Investoren verfügen heute über hohe Vermögenswerte, die renditeorientiert anzulegen sind. Jedoch befinden wir uns seit vielen Jahren in einem Niedrigzinsumfeld. Deshalb können Anlageziele häufig nur dann erreicht werden, wenn in riskantere Anlagen investiert wird. Das kann beträchtliche Verlustrisiken nach sich ziehen.

von Metzler: Im aktuellen Marktumfeld sind die Möglichkeiten, auskömmliche Renditen zu erwirtschaften, sehr begrenzt. Maßnahmen zur Stabilisierung von Rentabilität, Liquidität und Kapital sowie zur Steuerung des Risikos sind unabdingbar. Es ist also ein Muss für Investoren, ein effizientes Risikomanagement zu etablieren, das Verluste begrenzt und gleichzeitig die Möglichkeit bietet, an steigenden Kursen zu partizipieren. Mit einer robusten und wissenschaftlich fundierten Strategie kann das gelingen.

Welche möglichen Maßnahmen bieten sich denn an?

Matthes: Ein gutes Risikomanagement beginnt bei der Anlagestrategie. Bei der Auswahl der passenden Wertpapiere sollten Nachhaltigkeitskriterien eine wichtige Rolle spielen. Sie dienen als Risikofilter bei der Anlageentscheidung, da sie beispielsweise drohende Reputationsschäden oder mögliche strafrechtliche Konsequenzen von unternehmerischem Fehlverhalten im Vorfeld transparent machen.

Und das hilft?

Matthes: Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien kann ein Stabilisator in Stressphasen sein. In der Coronapandemie hat sich das bislang bewahr­heitet. Besonders Portfolios mit hohen Nachhaltigkeitsanteilen haben sich aktuell relativ gut behauptet. Nachhaltig geführte Unternehmen weisen häufig Stärken in ihrer Bilanz, der Free-Cashflow-Entwicklung und der Dividendenpolitik auf. Diese Qualitätsfaktoren führten dazu, dass die Kurse dieser Unternehmen weniger stark einbrachen – auch aufgrund der strukturell besseren Wachstumsperspektiven und geringeren Zyklizität. Nachhaltige Unternehmen haben somit ihre Widerstands­fähigkeit in schwächeren Märkten eindeutig unter Beweis gestellt.

Worauf achten Sie noch?

von Metzler: Entscheidend ist, alle Risiken zu berücksichtigen und im Zeitablauf zu überwachen. Ertrag und Risiko müssen schon beim Konzipieren einer Strategie in ein optimiertes Verhältnis gesetzt werden. Risikomanagement ist also nichts, was sich nachlagern lässt – Rettungsboote sollten schließlich nicht erst im Sturm gebaut werden. Wir bei Metzler Asset Management entwickeln bereits seit 20 Jahren Strategien, mit denen wir Risiken messen und quantifizieren können.

Gilt das denn ausschließlich für Finanz­risiken?

Matthes: Wir berücksichtigen für die Portfoliostrategie unserer Kunden seit Jahren nichtfinanzielle Aspekte gleichwertig mit finanziellen Kriterien. Eine umfangreiche Datenbasis, die Umwelt- und soziale Faktoren sowie Aspekte von guter Unternehmensführung einschließt, hilft uns, Chancen und Risiken von Unternehmen einzuschätzen. Mit QbrickS bieten wir zudem ein Konzept, das die Interdependenzen zwischen Rendite, Risiko und Nachhaltigkeit in einem Kundenportfolio ab­bildet. Es beinhaltet spezifische Beratung, maßgeschneiderte Implementierung und umfassende Reportings. Damit senken wir Risiken im Portfolio, steigern die Wert­entwicklung und reduzieren Transaktionskosten. So lassen sich die unterschiedlichen Anforderungen unserer Kunden erfüllen.

von Metzler: Wichtig ist bei der Kapitalanlage außerdem eine internationale Diversifikation über viele Anlageklassen. Wer sein Portfolio – zum Beispiel mittels sogenannter Multi-Asset-Strategien – auf Investments wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe verteilt, verbessert das Rendite-Risiko-Profil. Eine taktische und strategische Optimierung der Gewichtung der Anlageklassen verringert das Verlustrisiko und mildert gleichzeitig die Intensität von Schwankungen.

Wie funktioniert das?

Matthes: Bei einem solchen breit gestreuten Portfolio können wir einen Großteil des Risikos über ein sogenanntes Risiko-Overlay mithilfe von Futures, also über börsengehandelte Termingeschäfte, absichern. So kann die Anwendung von Wertsicherungsstrategien den Investor vor Wertverlusten unterhalb einer bestimmten Wertuntergrenze schützen. Solche Strategien ermöglichen es dann, mehr rentierliche Anlagen im Portfolio zu halten – bei striktem Risikomanagement. Das können wir mithilfe von sehr weit entwickelter Technik bei Metzler Asset Management umsetzen.

von Metzler: Die aktuelle Situation kann auch als Chance verstanden werden, sich die Bedeutung der Risikosteuerung für Unternehmen bewusst zu machen und sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen. Denn durch den Einsatz der richtigen Methoden können Risikomanagementkon­zepte in Krisenzeiten einen ganz entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung der Unternehmensorganisation leisten.

02.12.2020    Arne Gottschalck
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