Geld nachhaltig anlegen
04.04.2021    Andreas Busch
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Nachhaltige Geldanlage

Warum Nachhaltigkeit kein Selbstzweck ist

Nachhaltigkeit ist nicht erst seit Fridays for Future ein Trend in der Finanzbranche. Dabei geht der Begriff weit über Maßnahmen zum Klimaschutz hinaus. Was das für Finanzdienstleiter und Anlageprodukte heute und morgen bedeutet und wie die gerade eingeführten Offenlegungspflichten das Thema treiben, verraten Experten im DUB Digital Business Talk.  

In Kürze:

  • Nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten werden nicht zu Mehrkosten für Anleger führen.
  • Der Aspekt Nachhaltigkeit sorgt an den Aktienmärkten für gute Performance.
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Seit dem 10. März gelten „nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten“ im Finanzsektor. „Das bringt uns mehr Transparenz, die wiederum Nachhaltigkeits-Hülsen verhindert. Ein richtiger Schritt in die richtige Richtung“, kommentiert  Thorsten Saemann, Leiter Produktspezialisten Fonds bei der DekaBank.

Am DUB Digital Business Talk nahmen teil:

Moderator: Thomas Eilrich, Chefredakteur, DUB UNTERNEHMER

Thomas Meyer, Deutschland-Chef des belgischen Finanzhauses Degroof Petercam Asset Management, sieht in den Offenlegungspflichten „einen interessanten Einblick in das Gedankengut und die Vorgehensweise der Kapitalsammelstellen, der zeigt, wie sie in der Anlage mit diesem Thema umgehen.“ Mehrkosten für die Anleger, etwa durch steigende Gebühren, erwarten die Fonds-Experten wegen des nun höheren Aufwands für Anbieter allerdings nicht.

Stabilisierung des Finanzwesens

Meyer sieht neben den naheliegenden stützenswerten Gründen für mehr Nachhaltigkeit auch sehr praktische Vorteile. Der Ansatz kann dazu beitragen, das Finanzwesen stabiler zu gestalten: „Wir haben bei der Analyse von Unternehmen Risiken entdeckt, die man nicht quantifizieren kann.“ Als Beispiel nennt er beispielsweise den Bereich Governance, also das Nachhaltigkeitskriterium „Gute Unternehmensführung“.

„Sind etwa Personen gleichzeitig im Vorstand und Aufsichtsrat eines Unternehmens, führt das zu Interessenskonflikten“, sagt Meyer in dem DUB-Videocast-Format. „Es geht hier nicht nur um etwas, das ‚gerade en vogue‘ ist.“ Als Degroof Petercam vor rund 20 Jahren damit begann, Nachhaltigkeitsaspekte in die Investitionsentscheidungen mit einzubeziehen, sei noch nicht klar gewesen, wie sich das Thema entwickeln würde.

Tobias Schlösser, Geschäftsführer beim Sparkassen Finanzportal, greift den Gedanken auf: „Viele denken beim Begriff Nachhaltigkeit an Umweltschutz. Doch er umfasst viel mehr. Die Vereinten Nationen haben insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele formuliert.“

Saemann von der DekaBank weist darüber hinaus auf den wichtigen Umstand hin, dass in allen Aktienmärkten unter dem Aspekt Nachhaltigkeit eine gute Performance zu erzielen sei. „Man muss mit dem Mythos aufräumen, Unternehmen, die viel Geld für Nachhaltigkeit ausgeben, könnten nicht profitabel sein.“

Greenwashing wird schnell hinterfragt

„Wir stellen einen Wandel fest,“ sagt Jan Sadowsky, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Firma Klimapartnerschaft, die Unternehmen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsausrichtung analysiert und berät. „Früher setzten die Unternehmen einfach nur um, was ihnen das Gesetz vorschrieb – sie taten also, was sie tun mussten. Heute gleichen sie die Unternehmensziele mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen ab“, so Sadowsky, der früher als Finanz- und Vermögensberater gearbeitet hat. Allerdings warnt er davor, dass Thema nur oberflächlich, eher als Marketingmaßnahme zu pushen: „Greenwashing wird heute ganz schnell hinterfragt.“

Shitstorm vermeiden

Dazu erinnert Schlösser an eine Maßnahme von easyJet. Als sich die Fluglinie aufgrund von Zahlungen an Klimaprojekte je Flug quasi als CO2-neutral präsentieren wollte, „gab es einen Shitstorm“, so Schlösser.

Meyer gibt auf Schlössers Hinweis zu bedenken, dass es eben auch Geschäftsmodelle gebe, die „nicht von heute auf morgen in die wunderschöne neue Welt zu transformieren“ seien. Daher müsse man das Management solcher Unternehmen dahingehend begleiten, dass sie „zukünftig in Bezug auf Nachhaltigkeit besser dastehen als heute“.

Womöglich führt auch Corona zu einem weiteren Umdenken. Saemann: „Durch die Pandemie rückte die Wirkungsweise von Maßnahmen in den Vordergrund. Es gibt nun teils andere Sichtweisen auf die Themen Gesundheit und Digitalisierung.“ Gesundheit zählt zu den Nachhaltigkeitszielen; die Digitalisierung gilt als wichtiges Werkzeug im Bemühen um mehr Nachhaltigkeit in vielen Bereichen.

04.04.2021    Andreas Busch
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