08.04.2020    Charlotte Reuscher

DUB Gratis-Video-Calls #DUBhilft

Zuschüsse, Kredite, Soforthilfen – Geldspritzen für Selbstständige

Seit März ist für den Großteil der Unternehmer nichts mehr so, wie es einmal war. Betriebsschließungen, Auftragseinbrüche, Kontaktsperren machen ein normales Arbeiten unmöglich – oder sie stellen die wirtschaftliche Existenz gleich komplett in Frage. Bund und Länder haben zwar mittlerweile einiges an Hilfen auf den Weg gebracht – doch wie so oft, liegt auch bei Zuschüssen, Krediten & Co. der Teufel im Detail. Für mehr Klarheit sorgten im heutigen DUB-Video-Call zwei Top-Experten aus der Praxis:

  • Martin Bartölke, Leiter Beratung bei der NBank (Niedersächsische Investitions- und Förderbank)
  • Steffen Wüsthof, Bereichsleiter Firmenkunden bei der Hamburger Volksbank

Die wichtigsten Fragen und Antworten aus dem Call:

Welche finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

Die wohl derzeit von Unternehmern am häufigsten gestellte Frage beantwortet Martin Bartölke: „Zunächst einmal gibt es die von der Bundesregierung initiierten Zuschüsse – Unternehmen mit maximal fünf Mitarbeitern erhalten einmalig 9.000 Euro für drei Monate, Unternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitern 15.000 Euro. Die Bundesländer bieten darüber hinaus weitere Finanzspritzen an.

Wichtig ist, dass all diese Zuschüsse nur für Sach- und Finanzkosten verwendet werden dürfen. Wenn es um den Lebensunterhalt von Solo-Selbstständigen geht, gibt es einen vereinfachten Zugang zur Grundsicherung, für Personalkosten das Instrument der Kurzarbeit. Neben den Zuschüssen gibt es Kredite der KfW, mit denen die Liquidität gesichert werden soll. Sie sind für einen bestimmten Zeitraum zins- und tilgungsfrei.“

Steffen Wüsthof ergänzt: „Generell sollten sich Unternehmer aber eine Gesamtstrategie überlegen. Die Zuschüsse helfen zwar erstmal über die größte Not hinweg, aber mit Krediten werden eben immer auch Schulden aufgebaut. Klug ist es, genau zu prüfen, wo jetzt Kosten gesenkt werden können, eventuell Kurzarbeit beantragen und mit den Vermietern sprechen.“

Wo bekomme ich die Hilfen?

Die Zuschüsse von Bund und Ländern können online beantragt werden – eine laufend aktualisierte Übersicht der zuständigen Stellen findet sich hier Die KfW-Förderkredite können dagegen nur über eine Bank oder Sparkasse beantragt werden.

Call-Teilnehmer und Vermögensberater Sascha Gernhuber ergänzte dazu nach dem Call: „Der Antrag muss nicht zwingend über die eigene Hausbank laufen, es kann auch eine andere Bank sein – auch Digitalbanken wie zum Beispiel „Compeon“ können bei der KfW Kredite beantragen. Wenn keine ausreichenden Sicherheiten vorliegen, muss eventuell die die Bürgschaftsbank des jeweiligen Bundeslandes mit ins Boot genommen werden. Was aber stets gilt: Das Geschäftsmodell muss auch zukünftig wirtschaftlich tragfähig sein.“

Was kann ich tun, wenn meine Bank mir keinen Kredit geben will? 

Das wollte ein Kleinunternehmer aus Ingolstadt wissen, der seit 2013 sein Unternehmen erfolgreich führt. Einen Zuschuss vom Land Bayern hat er bereits bekommen, die Beantragung eines KfW-Kredits lehnte seine Hausbank aber mit der Begründung „zu aufwändig“ ab.

Steffen Wüsthof wies darauf hin, dass der Kredit nicht zwingend bei der Hausbank beantragt werden muss, gibt aber auch zu bedenken: „Die aktuellen Kriterien für die KfW-Kredite sind, dass das Unternehmen zum Stichtag 31.12.2019 keine Krisensymptome aufgewiesen haben darf und das für die Zeit nach der Krise ein belastbares Geschäftsmodell vorliegt. Das bedeutet konkret, dass eine Ertragsplanung und Liquiditätsvorschau vorliegen muss – die aber nicht mal eben schnell anzufertigen ist.

Dazu kommt: Bei einem über fünf Jahre laufenden Kredit mit einem tilgungsfreien Jahr kommen für die folgenden Jahre recht hohe Rückzahlungen zusammen, die immer auch im Verhältnis zum Umsatz stehen müssen.“ Eine Lösung sehen sowohl Wüsthof als auch Bartölke in dem gerade neu konzipierten KfW-Schnellkredit, der in Kürze unter vereinfachten Bedingungen beantragt werden kann. Bartölke rät zudem, einmal mit der zuständigen Wirtschaftsförderung zu sprechen.

Decken die Zuschüsse auch mein Gehalt als Geschäftsführer ab?

…fragte die Chefin einer Messebau-Agentur aus dem Raum Köln. Ihr Unternehmen gehörte zu den ersten von der Krise schwer betroffenen – innerhalb von einer Woche ging es bereits Ende Februar von 100 auf null. Und die Flaute geht weiter, Aufträge sind den Sommer über nicht in Sicht. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, 9.000 Euro Soforthilfe hat sie bereits bekommen – aber darf sie davon auch ihr eigenes, reduziertes Gehalt zahlen?

Martin Bartölke: „Wenn der Zuschuss vom Bund stammt, ist das leider nicht möglich. Diese Hilfen sind nur für Sach- und Finanzkosten verwendbar. Die Regelungen der einzelnen Länder können dagegen abweichen – hier lohnt es sich, bei der zuständigen Kammer noch einmal nachzufragen.“

Kann ich auch Hilfen beantragen, wenn ich einen Investor habe?

Der Geschäftsführer eines kleinen Softwareunternehmens stellte seine Frage damit stellvertretend für alle, die unter die in den Bedingungen für die Beantragung von Zuschüssen genannte Bezeichnung „verbundene Unternehmen“ fallen. Martin Bartölke hat darauf eine klare Antwort: „Wenn Sie eine eigene Steuernummer und Gewerbeanmeldung haben, dann ist es Ihr Unternehmen, und Sie können die Hilfen beantragen. Ein Investor spielt dabei keine Rolle“.

Soll ich alle Hilfen auf einmal beantragen?

Viel hilft viel – in der Krise gilt das durchaus. Wenn es um Zuschüsse geht, sehen das beide Experten so. Kredite dagegen sollte man sich gut und passend aussuchen, rät Steffen Wüsthof.

Wo kann ich mich beraten lassen?

Banken und Sparkassen sind nicht von den aktuellen Betriebsschließungen betroffen und bieten – natürlich unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes – weiterhin Beratung an. „Daneben haben wir eine Hotline eingerichtet und ein Videokonferenzsystem eingeführt, über das wir unsere Kunden jetzt auch an Samstagen beraten können“, sagt Wüsthof.

„Wir führen zudem auch eine ganze Reihe von Seminaren durch und beteiligen uns an Konferenzen wie dieser, um möglichst breit über alle Fördermöglichkeiten zu informieren“ fügt Bartölke hinzu.

 

Die Serie geht weiter – melden Sie sich jetzt an! Die Teilnahme ist natürlich kostenfrei.

HOME-OFFICE – Dienstag, 14. April: „Motivation im Homeoffice, Datenschutz, Technologie“ – mit den Top-Experten Dr. Eva Gattnar, Inner-Leadership Coach, Matthias Nehls, Gesellschaft für Cybersecurity, sowie Andreas Sutter, Dishphere Interactive.

NEW BUSINESS – Mittwoch, 15. April: „Trotz schwieriger Zeiten neue Kunden gewinnen“. Top-Experte B2B-Geschäft Daniel Rexhausen, Dimarcon; weitere Anfragen laufen.

LIQUIDITÄT – Donnerstag, 16. April: „Steuerstundung, KfW-Kredite und Sofort-Zuschüsse für den Liquiditätserhalt“ – Top-Expertin Brigitte Zypries, Bundeswirtschaftsministerin a.D. und Herausgeberin des DUB UNTERNEHMER-Magazins; weitere Anfragen laufen.

GELDANLAGE – Freitag, 17. April: „Aktien, Anleihen, Rohstoffe – wohin mit den Finanz-Reserven?“ Top-Experten: Anfragen laufen.

08.04.2020    Charlotte Reuscher
Zur Startseite