25.03.2020    Miriam Rönnau

Krisenmanagement

So erlebt ein Mobilitätsanbieter den Fast-Stillstand

Das Coronavirus hält die Welt in Atem – für Mobilitätsanbieter wie FREE NOW eine schwierige Zeit. Wie das Unternehmen reagiert, erklärt Alexander Mönch, General Manager für Deutschland und Österreich.

Zur Person

Alexander Mönch

ist seit November 2016 General Manager für Deutschland und Österreich bei FREE NOW

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Was bedeutet der mobile Fast-Stillstand für FREE NOW?

Alexander Mönch: Durch die aktuelle Entwicklungen sehen wir einen klaren Rückgang der Nachfrage in allen unseren Märkten.

Welche Sicherheitsmaßnahmen trifft FREE NOW während der Pandemie für Fahrer und Mitfahrer?

Mönch: Wir haben sowohl unseren Fahrern als auch den Fahrgästen klare Empfehlungen und Vorgaben zu Hygienestandards kommuniziert. Das fängt bei simplen Tipps an, wie zum Beispiel, dass Fahrgäste hinten einsteigen sollten. Wir empfehlen allen Kunden sehr deutlich, möglichst per App zu bezahlen und Körperkontakt zu vermeiden. Zum Schutz unserer Fahrgäste und Fahrer haben wir auch unseren Service Match in Hamburg und allen anderen Städten seit letztem Freitag zunächst ausgesetzt.

Gibt es bereits einen Plan, wie FREE NOW in den nächsten Tagen und Wochen mit der Situation umgehen wird?

Mönch: Wir sind mit den Behörden in Kontakt und evaluieren gerade, wie FREE NOW das Gesundheitssystem unterstützen kann. In Spanien haben wir beispielsweise Taxis für Krankenhäuser abgestellt, die gesondert Medikamente oder medizinisches Personal transportieren. Ähnliches streben wir auch in Deutschland an. Für alle internen Abläufe gilt: Alle unsere Mitarbeiter befinden sich seit vergangener Woche im Home-Office. Schon im Februar haben wir Geschäftsreisen stark eingeschränkt und Meetings mit mehr als fünf Teilnehmern digital abgehalten. Auch unsere Fahrer-Service-Center sind wegen der Corona-Krise geschlossen. Wir haben aber in allen Standort-Büros mobile Lösungen geschaffen, damit die Fahrer in der jetzigen Phase weiterhin einen Ansprechpartner für aktuelle Serviceanfragen per Telefon oder E-Mail erreichen können.

In der Rolle als Start-up: Fühlen Sie sich von der Politik aktuell ausreichend unterstützt?

Mönch: FREE NOW ist mittlerweile in großen Teilen Europas aktiv. Natürlich schauen wir uns aber derzeit alle Programme und Hilfsmaßnahmen sehr genau an. Sämtliche Angebote, die für unsere konkrete Unternehmenssituation anwendbar und für uns hilfreich sind, werden wir auch in Anspruch nehmen.

Solidarität über Social-Media durch Spendenaktion und gegenseitiges Mutmachen, Nachbarschaftshilfe zum Beispiel durch Einkäufe für ältere Generationen. Wie nehmen Sie persönlich die aktuelle Situation wahr?

Mönch: Sie stellt uns vor eine große Herausforderung, die wir als Gesellschaft nur gemeinsam bewältigen können. Jetzt ist die Zeit, in der wir lernen können, unsere Ellenbogen einzufahren und für andere da zu sein. Ironischerweise, indem wir räumlich auf Abstand gehen. Besonders bei denjenigen, die sich nicht selbst helfen können oder die besonders gefährdet sind: Alte, Kranke, Menschen, die bereits gesundheitlich angeschlagen sind. Es besteht die Chance und Hoffnung, dass unsere Gesellschaft bewusster und sozialer aus der Krise kommt. Wir werden das Wiedersehen mit unseren Familien, Freunden und Kollegen dann ganz anders wahrnehmen. Bei FREE NOW arbeiten wir an der bestmöglichen Lösung für das Unternehmen, für alle Mitarbeiter sowie Fahrer und deren Fahrgäste. Da nun gesellschaftliches Engagement und der Schutz der Gesundheit gefragt sind, bieten wir unter anderem Städten, Behörden und Krankenhäusern einen sicheren Transport von Ärzten, Pflegepersonal und Material an. Nicht zuletzt leistet jede zusätzliche Tour auch einen Beitrag zur beruflichen Existenz der bei uns angeschlossenen Fahrer.
25.03.2020    Miriam Rönnau
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