10.08.2020    Hilka H. Jeworrek

Personalwesen

Azubi per Posting

Laut einer aktuellen Untersuchung von KfW Research erlangen die sozialen Netzwerke zunehmend Bedeutung bei der Personalsuche. Im Mittelstand setzen demnach bereits vier von zehn Unternehmen auf Social Recruiting. Insbesondere Berufsanfänger in spe fühlen sich durch Maßnahmen auf Social Media angesprochen.

Aufgrund der Kontaktbeschränkungen, welche die Corona-Krise mit sich gebracht hat, sind viele Berufsmessen ausgefallen. Diese nutzen Unternehmen jedoch, um insbesondere mit Berufsanfängern und Young Professionals in Kontakt zu kommen. Zudem konnten die Berater der Bundesagentur für Arbeit nicht wie sonst üblich die Schulen besuchen und eine berufliche Erstberatung und Kontaktvermittlung zu ausbildenden Unternehmen herstellen. Dabei gibt es aktuell viele freie Stellen auf dem Arbeitsmarkt.

Xing, Linkedin und Facebook am beliebtesten

So stehen nach Angaben der Agentur für Arbeit 482.000 gemeldeten Lehrstellen 417.000 Bewerber gegenüber. Auch wenn rechnerisch für jeden Jugendlichen ein Ausbildungsplatz vorhanden ist, sei es in diesem Jahr deutlich anspruchsvoller Unternehmen und Bewerber zusammenzubringen, wie Detlev Scheele, Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, feststellte.

Arbeitgeber setzen laut KfW Research auch nicht nur coronabedingt vermehrt auf die Angebote der sozialen Netzwerke, um die Zielgruppe der Digital Natives anzusprechen. Am beliebtesten seien Xing, Linkedin sowie Facebook. Diese bieten den Unternehmen vielfältige Möglichkeiten, sich mit einer eigenen Seite als Arbeitgeber zu präsentieren oder auch mit vielversprechenden Kandidaten direkt in Kontakt zu treten. Schon 40 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland betreiben Karriereseiten in  Netzwerken. Weitere 22 Prozent planen solche Maßnahmen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland allerdings noch hinter Großbritannien mit 52 Prozent oder Polen mit 50 Prozent zurück.

 Zielgruppen im Auge behalten

Sehr breit ist die Techniker Krankenkasse in den sozialen Netzwerken aufgestellt. Das Unternehmen setzt neben eigenen Karriereseiten auf Xing, Linkedin sowie Twitter und Facebook auch auf Youtube und bereits seit 2016 auf Snapchat. Diese Entscheidung wird umso nachvollziehbarer, wenn sowohl Zielgruppe als auch Altersdurchschnitt in den sozialen Netzwerken betrachtet werden.

Die Techniker Krankenkasse bietet bei der Nachwuchssuche überwiegend  Ausbildungsstellen an. Die Schulabgänger sind  durchschnittlich 17 Jahre alt. In dieser Altersgruppe erzielt Facebook jedoch kaum noch Zuwächse, wie eine Statista-Auswertung zeigt. Diese liegen  verstärkt ab dem Alter von 55 Jahren. Die Karrierenetzwerke Xing und Linkedin sind ebenfalls für die Jugendlichen nicht relevant. Youtube und Snapchat gehören nach der Online-Studie von ARD und ZDF neben Instagram zu den beliebtesten Plattformen in der Altersgruppe der 14 bis 19-Jährigen.

Dies merke man in der Personalabteilung der Techniker Krankenkasse auch sehr direkt. In den vergangenen vier Jahren habe sich die Kommunikation der jugendlichen Interessenten mit dem Karriereteam stark von Facebook hin zu Snapchat verlagert, wie Julia Böttcher vom Human Resources Marketing der Krankenkasse erläutert.

Ein weiterer Vorteil, den Snapchat biete, sei, dass hier Inhalte wesentlich authentischer und direkter gezeigt werden könnten, als dies bei dem sehr auf Perfektion ausgerichteten Instagram der Fall sei. Dies käme auch bei den Jugendlichen gut an. Viele Anfragen bezögen sich konkret auf die Ausbildungsplätze und mögliche Standorte. Damit käme man schon vor einem persönlichen Termin sehr leicht ins Gespräch.

10.08.2020    Hilka H. Jeworrek
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