Illustration von Männern die um eine Frau herumstehen, welche von einem Strahler beleuchtet wird
24.03.2021    Jenny Gruner
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Kolumne von Jenny Gruner, Director Digital Marketing bei Hapag-Lloyd

Female Empowerment: Die Tech-Branche braucht mehr Frauen

Unternehmen leiden weniger unter dem Fachkräftemangel, agieren kundenzentrierter und damit erfolgreicher, wenn sie sich divers aufstellen. Allein deshalb ist es nötig, über Female Empowerment zu sprechen. Die Tech-Branche etwa leidet auch deshalb unter einem Know-how-Mangel, weil sie zu wenige gut ausgebildete Frauen anspricht.

Ganz grundsätzlich entscheiden sich zu wenige Frauen für einen entsprechenden Karriereweg. Von einer besseren, früheren und gerechteren Frauenförderung würde sowohl die Wirtschaft als auch die Gesellschaft profitieren – und das massiv.

Die Datenlage: Eine Studie der EU-Kommission zeigt, dass es bei der Teilhabe von Frauen an der Digitalisierung in Deutschland noch gewaltig hapert. Lediglich rund 17 Prozent der Fachleute für Informationstechnik sind Frauen. Laut einer Studie von eco – dem Verband für Internetwirtschaft – gibt es pro ausgeschriebener Position für Programmierer und IT-Experten etwa 20 Prozent Bewerberinnen. Die Gründungsteams von innovativen Start-ups mit vorwiegend digitalen Geschäftsmodellen in Deutschland bestehen zu etwa 15,7 Prozent aus Frauen.

Potenzial der Frauen nutzen

Die Tech-Branche sucht auch deshalb händeringend nach Fachkräften, weil sie es bislang versäumt hat, die Potenziale der Frauen zu nutzen. Zudem bringt der unausgewogene Status quo die gesamte Gesellschaft bei der Gestaltung der digitalen Zukunft um den wichtigen Input der Frauen.

Kolumne von Jenny Gruner

Gerade der letzte Punkt ist auch im Hinblick einer immer wichtiger werdenden Rolle interessant, die Anwendungen einnehmen werden, die auf künstlicher Intelligenz (KI) beruhen. Ein Beispiel: Amazon hatte eine Software entwickelt, die mithilfe von Algorithmen ein Ranking der eingehenden Bewerbungen erstellte. Kaum im Einsatz, stellte sich heraus, dass die KI Frauen systematisch benachteiligte. Der Grund: Die Entwickler hatten das System mit den Daten der bisherigen Personalentscheidungen trainiert. Da Amazon überwiegend Männer eingestellt hatte, übernahm das Programm einfach dieses diskriminierende Auswahlkriterium. Es erschien der KI wohl nur logisch.

Klischees halten sich hartnäckig

Wir brauchen einen Ansatz, der es ermöglicht, dass Technologie und ihre Entwicklung von Anfang an divers sind und die Vielfältigkeit, Perspektiven und Bedürfnisse von allen widerspiegeln. Schließlich entscheidet die Technologie über die Zukunft, in der wir leben wollen.  Doch so weit scheinen wir leider noch nicht zu sein. Noch immer besteht ein klassisches Rollenverständnis in Bezug auf die Geschlechter. Spezielle Klischees halten sich teilweise hartnäckig. So scheint in einigen (Lehrer- und Eltern-) Köpfen das Vorurteil hartnäckig zu kursieren, Technik sei nichts für Mädchen oder es sei vermeintlich normal, dass Mädchen Mathe weniger gut können.

Tech-Wissen genderneutral vermitteln

Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen, dass heranwachsende Frauen mit Zahlen und Algebra deshalb schlechter zurechtkommen, weil sie ihre Fähigkeiten unterschätzen. Dabei ist es wichtig, technisches und naturwissenschaftliches Wissen genderneutral zu vermitteln. Eine gleichberechtigte Förderung von Wissen aus Mint-Fächern wäre dringend geboten, so könnte die Politik Informatik früher auf die Lehrpläne setzen. Daneben können auch Initiativen wie der Digitale Bildung für Alle e. V. von Verena Pausder oder die Hackerschool von Julia Freudenberg einen wichtigen Beitrag liefern.

Wir alle sollten Mädchen ermuntern, sich mehr in technischen Feldern auszuprobieren. Nur so können sie schon im jungen Alter ihre Talente und ihre Begeisterung für die digitale Welt entdecken.

Ebenfalls wichtig sind Vorbilder, an denen Mädchen sich orientieren können. Meine Mutter war Bauingenieurin und hat in Vollzeit gearbeitet. So bin ich mit einem tollen Vorbild aufgewachsen. Praktisch sind aber auch Mentoring-Programme wie das Ada-Lovelace-Projekt der Universität Mainz, das sich bereits an Schülerinnen, aber auch an Studentinnen und Akademikerinnen richtet. Es gibt zudem einige Frauennetzwerke in der IT-Branche wie beispielsweise Digital Media Women. Das Netzwerk bietet Veranstaltungen, um den weiblichen Austausch und die Sichtbarkeit von Frauen in der Branche zu erhöhen und so Wissen zu teilen.

Illustration von Jenny Gruner

Jenny Gruner ist Director Digital Marketing bei Hapag-Lloyd und baut in dieser Funktion ein digitales skalierbares Vermarktungs-Modell in 144 Ländern auf. Ein tiefes Kundenverständnis ist für sie dabei elementar, um neben globalen Anforderungen auch auf die lokalen Bedürfnisse eingehen zu können. Die Enkelin eines Kapitäns ist überzeugt, dass eine solch tiefgreifende Transformation nur mit allen zusammen an Bord gelingt – und es dafür einen Kulturwandel innerhalb des Unternehmens bedarf

Drei Schritte sollten Unternehmen gehen

Doch Firmen machen es sich leicht, wenn sie die Frauenförderung allein externen Anbietern überlassen. Was können sie also ganz konkret machen?

Als Erstes sollten männliche Vorgesetzte und Kollegen die Talente ihrer Mitarbeiterinnen ganz konkret unterstützen, sie fördern und sie zudem ermutigen, Führungspositionen anzustreben und zu ergreifen.

Zweitens muss es Unternehmen gelingen, ein Klima zu schaffen, in dem Frauen sich nicht mehr rechtfertigen müssen, warum sie einen technischen Beruf gewählt haben. Ich kann allen jungen Frauen nur immer wieder zurufen: Seid mutig, seid hartnäckig und bleibt neugierig!

Wer im Wettstreit um die besten Talente bestehen und damit die Zielgruppe der Frauen stärker in den Fokus rücken will, sollte auch die New-Work-Faktoren bedenken, die für sie wichtig sind. Ein solcher Faktor kann beispielsweise die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sein. New-Work-Faktoren sind Argumente, die in der Rekrutierung für die Erstansprache genutzt werden können.

Gemischte Teams sind kreativer

Nur ein diverser Ansatz, bei dem Politik und Wirtschaft auch im Hinblick auf spezielle Förderprogramme zusammenarbeiten und so Stereotype und Vorurteile in der Branche sowie in der Gesellschaft abbauen, bringt die digitale Industrie langfristig weiter. Denn es zeigt sich anhand vieler Beispiele aus etlichen Branchen, dass Unternehmen mit einer höheren Geschlechter-Diversität innovativer sind. Gemischte Teams sind kreativer und besser in der Lage, die Bedürfnisse unterschiedlicher Kundengruppen zu verstehen. Derzeit kristallisiert sich heraus, wie eine neue, digitale Wirtschaft aussehen kann. Frauen sollten hier nicht nur mitgedacht werden. Sie sollten die Digitalisierung ganz aktiv mitgestalten. Davon profitieren alle: die Frauen, die Unternehmen und die gesamte Gesellschaft.

 

Kolumnen, Kommentare und Gastbeiträge auf DUB-magazin.de geben ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.

24.03.2021    Jenny Gruner
Zur Startseite