10.06.2020    Madeline Sieland

Dax-CEO Carsten Knobel im Gespräch

Henkel: Krisenmanagement mit Erfolg

Carsten Knobel leitet einen Konzern, dessen Angebot zuletzt überaus begehrt war. Denn Henkel produziert unter anderem auch Hygieneprodukte. Der CEO des Dax-Konzerns schildert, wie er die Corona-Krise erlebt.

„Die aktuelle Situation ist sicherlich die größte Herausforderung, mit der wir in unserem Berufsleben konfrontiert werden“, sagt Carsten Knobel, Vorstandsvorsitzender von Henkel. Der Konsumgüterkonzern stellt unter anderem Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kosmetik für den internationalen Markt her. Viele der Produkte wurden in der Corona-Krise stark nachgefragt. Stillstand in der Produktion wäre für die Düsseldorfer deshalb ein großes Problem gewesen. Der Konzernchef verrät, wie er nach dem Ausbruch der Pandemie bei Henkel die Fertigung am Laufen hält.

Zur Person

Carsten Knobel

ist seit 1995 für Henkel tätig und wurde im Januar dieses Jahres Vorstandsvorsitzender des Düsseldorfer Dax-Konzerns

Welche Maßnahmen mussten Sie umsetzen, um Ihre Mitarbeiter während der Krise zu schützen und zugleich weiterhin produzieren zu können?

Carsten Knobel: Wir haben für unsere Mitarbeiter in der Herstellung zusätzliche Schutz- und Hygienemaßnahmen eingeführt – etwa strikte Abstandsregeln, Möglichkeiten zur regelmäßigen Desinfektion, Wechselschichten zur Trennung von Teams, Begrenzung der Anwesenheit an den Standorten sowie viele Informationskampagnen. Auf der Nachfrageseite zeigte sich, dass Wasch- und Reinigungsmittel sehr gesucht sind. Auch Seifen und andere Handwaschmittel wurden auf Vorrat gekauft. Wir werden unser Angebot an Handdesinfektionsmitteln für den häuslichen Gebrauch und Seifen ausbauen, weil Sauberkeit und Hygiene weltweit immer stärker im Fokus stehen.

Was war für Sie die größte Herausforderung im Zuge der Coronakrise?

Knobel: Der Schutz der Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter steht bei uns an oberster Stelle. Gleichzeitig tun wir alles, um auch weiterhin für Kunden und Geschäftspartner da zu sein und sie zu beliefern. Daher bin ich froh, dass wir frühzeitig und entschlossen handelten. Wir haben aktuell mehr als 90 Prozent unserer Produktionsanlagen in Betrieb. Bislang gibt es keine Kurzarbeit. Aufgrund unserer stabilen Finanzen und des breiten Portfolios können wir bisher gut mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise umgehen. Im ersten Quartal lag der Umsatz nur leicht unter dem desselben Zeitraums 2019. Aber es ist schwer, über den weiteren Verlauf des Jahres realistische Prognosen zu treffen. Wir stellen uns auf ein schwieriges zweites Quartal ein.

Es heißt oft: Erst in der Krise zeigt sich, welche Dinge wirklich funktionieren – und welche nicht. Gibt es Mängel oder Probleme, die bei Henkel im Zuge der Pandemie offensichtlich wurden und die Sie nun beseitigen konnten?

Knobel: Ich bin sehr stolz, dass wir in dieser Krise viel besser mit den neuen Herausforderungen umgehen konnten, als man hätte erwarten können – sei es der schnelle Wechsel auf die Arbeit im Homeoffice für eine große Zahl von Mitarbeitern oder die Bereitschaft, sich auf die veränderten Arbeitsbedingungen an den Standorten anzupassen. Der große Einsatz unserer Kollegen, ihre Kreativität und ihr Unternehmergeist haben mich tief beeindruckt. Das ist Ausdruck unserer starken Unternehmenskultur und unserer Werte.

Die Coronakrise werde auch positive Nachwirkungen haben, heißt es, und etwa die Digitalisierung beschleunigen. Welche Chancen sehen Sie in der aktuellen Phase der Entwicklung?

Knobel: Ich glaube definitiv, dass die gegenwärtige Situation dem Thema Digitalisierung einen zusätzlichen Schub geben wird. Die weitere Digitalisierung unserer Geschäfte und Prozesse in allen Bereichen ist auch ein zentraler Baustein unserer Strategie. Die Umstellung auf das Arbeiten im Homeoffice – quasi von einem Tag auf den nächsten – hat reibungslos funktioniert. Der Umgang mit digitalen Tools, die das gemeinsame Arbeiten in virtuellen Teams ermöglichen, hat sich damit breit durchgesetzt. Ich bin sicher, dass unsere tägliche Zusammenarbeit künftig anders aussehen wird. Wir werden seltener reisen, obwohl der persönliche Kontakt natürlich nicht vollständig zu ersetzen ist. Ich denke, dass sich für die Wirtschaft insgesamt durch die Krise neue Impulse ergeben.

Auch die New-Work-Bewegung scheint einen Schub bekommen zu haben. Wie hat die tägliche Zusammenarbeit bei Henkel verändert? Welche Erfahrungen haben Sie mit Remote Work und Remote Leadership gemacht?

Knobel: Ganz offen gestanden: Hätten Sie mir vor einem Vierteljahr gesagt, dass das für mich über Wochen, ja Monate fast zur Normalität wird und das es sogar gut funktioniert, hätte ich das nicht wirklich geglaubt. Aber es hat bei uns überraschend gut geklappt. Das liegt wohl daran, dass das Thema Flexibilität der Arbeit bei uns schon seit Langem weit oben auf der Agenda steht. Das ist eine unserer Stärken. Denn bei uns bestehen die Teams oft aus Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern. Und das funktioniert dank Digitalisierung und Remote Leadership oder Führen auf Distanz. Das ist für ein global tätiges Unternehmen unabdingbar.

Auch Henkel hat sich der „Green Recovery Alliance“ angeschlossen. Deren Ziel: Die Maßnahmen zum Restart der Wirtschaft nach der Corona-Krise am European Green Deal ausrichten. Weshalb halten Sie es für wichtig, das Thema Nachhaltigkeit aktuell nicht aus den Augen zu verlieren?

Knobel: Als führendes Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit verfolgen wir die langfristige Vision, bis 2040 klimapositiv zu werden und einen aktiven und engagierten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Das ist auch ein wesentliches Element unserer langfristigen, strategischen Agenda, mit der wir unser ganzheitliches Wachstum vorantreiben wollen. In der Corona-Krise zeigt sich gerade sehr deutlich, was Staat, Gesellschaft und Wirtschaft in einer gemeinsamen Anstrengung gegen eine globale Bedrohung bewegen können. Zur Bewältigung der Folgen der Corona-Krise können Investitionen in den Klimaschutz eine zentrale Rolle spielen. Wir sollten dies zur Modernisierung unserer Wirtschaft nutzen.

Beenden Sie bitte folgenden Satz: Auf den wirtschaftlichen Neustart nach der Krise bereiten wir uns vor, indem wir...

Knobel: …erstens alles tun, dass unsere Mitarbeiter sicher durch die Krise kommen, zweitens gerade in der Krise die engen Beziehungen mit unseren Kunden und Geschäftspartnern stärken und drittens die Umsetzung unserer langfristigen Wachstumsagenda aktiv weiter vorantreiben.

10.06.2020    Madeline Sieland
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