17.06.2020    Kai Makus
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Corona-Hilfen

Konjunkturpaket: „Starker Impuls“ für Deutschlands Zukunft

Mit bis zu 120 Milliarden Euro will die Bundesregierung der von der Corona-getroffenen deutschen Wirtschaft unter die Arme greifen. Jan Kallmorgen von der Initiative macher-hilfe.de sieht damit eine gute Basis für die Zukunft gelegt, aber auch einigen Nachholbedarf vor allem für kleinere Unternehmen.

Als einen „insgesamt starken Impuls vor allem für Zukunftstechnologien in Deutschland“ bewertet Jan Friedrich Kallmorgen von der Initiative macher-hilfe.de das von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket, das helfen soll, die Folgen der Corona-Krise zu überwinden. Das Paket könne sich als „einer der positiven Effekte der Corona-Pandemie“ entpuppen, sagte der Gründer und CEO der politischen Unternehmensberatung Berlin Global Advisors gegenüber dem DUB UNTERNEHMER-Magazin.

Kallmorgen hebt die Förderung für die Weiterentwicklung der Wasserstofftechnologie hervor. Zudem seien die 2,5 Milliarden Euro allein für den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos „nicht wenig“. Mittel- bis langfristig ebenso wichtig seien die jeweils zwei Milliarden Euro, mit denen der Staat die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) und Quantencomputing fördern will. Diese Mittel hätte man durchaus „auch schon früher bereitstellen können“, findet er. Es sei aber gut, dass sie nun endlich fließen sollen.

Bundesregierung auf richtigem Kurs

Dagegen sei die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 beziehungsweise 7 auf 5 Prozent für ein halbes Jahr eher „mutlos“: Die Kosten der Unternehmen für die technische Umstellung seien hoch, die Effekte abseits hochpreisiger Güter eher zu vernachlässigen. „Ich denke, Kunden in der Gastronomie werden es den Wirten nachsehen, wenn sie das nicht eins zu eins weiterreichen“ – schließlich bewege sich die potenzielle Ersparnis meist im Trinkgeldbereich.

Die Bundesregierung habe aber mit ihren umfangreichen Maßnahmen gegen die Corona-Krise den richtigen Kurs eingeschlagen – Stichworte: Kurzarbeitergeld, Direkthilfen für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) oder vereinfachte Darlehen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Das belegten auch kritische Stimmen in Brüssel, sagt Kallmorgen. Dort werde der Bundesregierung teilweise unterstellt, die Pandemie auszunutzen, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands noch weiter über die vieler EU-Partner hinauszutreiben.

Verlängerung von Direkthilfen angemahnt

Kallmorgen selbst bewertet die Hilfsmaßnahmen als „insgesamt gelungen“, auch wenn zum Beispiel verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten Soloselbstständigen und auch KMUs mit weniger als zehn Beschäftigten „kaum weiterhelfen“ würden. Für diese eigneten sich vor allem die Direkthilfen aus dem Programm „Schutzschild für Deutschland“ mit seiner Erfahrung nach oft unbürokratischer Auszahlung: „Ein paar Tage nach dem Antrag war das Geld auf dem Konto.“

Skeptisch ist er allerdings, was den Zeitraum für die Direkthilfen angeht. Denn bis zur Entwicklung eines Impfstoffes gelte gerade für die Gastronomie: „Die Verluste bleiben, die Kosten aber auch.“ Daher seien bei Umsatzeinbrüchen von 60 Prozent Hilfsgelder für drei Monate zu kurz gedacht. Kallmorgen hofft auf eine Verlängerung bis Jahresende.

Während er es hauptberuflich eher mit großen Unternehmen zu tun hat, richtet sich die von Kallmorgen mit angestoßene Initiative macher-hilfe.de schwerpunktmäßig an KMUs und Soloselbstständige. Für diese soll macher-hilfe.de als Anlaufstelle dienen, die per Online-Fragebogen schnell zeigt, welche Hilfsgelder infrage kommen und zu den richtigen Dokumenten und Verfahren führt. Da sich viele kleine Betriebe eine Beratung durch einen spezialisierten Anbieter nicht leisten könnten, ist das Angebot kostenlos und die Gründer arbeiten pro bono an dem Projekt. Die Grundfinanzierung ist der Unterstützung durch den Versicherer Generali zu verdanken.

„Eher Austausch als Konkurrenz“

Die Plattform wurde seit dem Start am 16. April bereits von mehr als 10.600 Nutzern aufgerufen, vor allem von interessierten Kulturschaffenden und Gastronomen. Das Team habe insbesondere auf eine einfache und direkte Ansprache der Leser geachtet, um diese abzuholen und nicht abzuschrecken. Der Mitinitiator sieht die Plattform als „Navigationsprogramm für schnelle Hilfe“, ergänzend gebe es Webinare.

„Unser Angebot wird von einer Mannschaft aktuell gepflegt, die das Wichtigste auch als E-Mail-Newsletter verschickt – das hat sonst eigentlich keiner“, sagt Kallmorgen. Er sieht macher-hilfe.de aber nicht in einer klassischen Wettbewerbsposition. So hätten etwa auch die Industrie- und Handelskammern (IHKs) gute Angebote für Unternehmer auf der Suche nach Rat in der Krise. Unter den unterschiedlichen Anbietern herrsche letztlich „eher Austausch als Konkurrenz“.

Hier finden Unternehmen weitere Hilfe:

Zur Person

Jan Friedrich Kallmorgen

Die von Kallmorgen gegründeten Beratungsfirma Berlin Global Advisors bietet Unternehmen (geo-)politische Analysen und Unterstützung bei Regierungsbeziehungen weltweit. Er berät aktuell eine Reihe von Mandanten zur Erlangung von Staatshilfen in der Corona-Krise

17.06.2020    Kai Makus
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