07.10.2020    Karina Engelking

Weiterbildung statt Kurzarbeit & Co.

Corona-Maßnahmen sind keine Dauerlösung

Bisher scheinen Deutschlands Unternehmen die Krise vergleichsweise gut zu meistern. Doch ewig könne man sich nicht auf Maßnahmen wie Kurzarbeit verlassen, betont Sven Hennige vom Personaldienstleister Robert Half. Stattdessen sollte man sich jetzt Gedanken machen, welches Know-how das dauerhafte Überleben des Betriebs sichert.

Die globale Pandemie hinterlässt bisher nur vergleichsweise kleine Spuren am deutschen Arbeitsmarkt. Im September 2020 waren 6,2 Prozent der Deutschen arbeitslos – ein Plus von „nur“ 1,3 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Eine Erhebung des Personaldienstleisters Robert Half zeigt: 68 Prozent der Arbeitnehmer sind im gleichen Maße tätig wie vor der Pandemie; 63 Prozent machen sich keine Sorgen um ihre Anstellung.

Bei 21 Prozent der Angestellten wurde allerdings die Arbeitszeit reduziert. Und auch am Rückgang des Bruttoinlandprodukts um 10,2 Prozent im zweiten Quartal 2020 ist abzulesen, dass die unsichere Lage sich durchaus auf die Wirtschaft niederschlägt.

Klar scheint: „Der wirtschaftlich schwierige Teil der Krise kommt erst noch“, mahnte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits im Juli im DUB Digital Business Talk. „Wir haben über die Kurzarbeits- und Insolvenzregelungen sowie die Liquiditätshilfen zwar Brücken gebaut – und einigen wird das bei der Rückkehr in einen wie auch immer gearteten Normalbetrieb helfen. Für andere werden diese Brücken – so muss man es leider formulieren – wirtschaftlich ins Nichts führen.“

Langzeitfolgen nicht absehbar

Die mittel- und langfristigen Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt seien kaum abschätzbar, betont Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & France bei Robert Half. Maßnahmen wie Kurzarbeit und die Anpassung der Sozialleistungen hätten den ersten Schock auf Seiten der Arbeitgeber und -nehmer zwar gelindert, aber eine Dauerlösung seien sie nicht.

„Wichtig ist jetzt zu identifizieren, welche Fähigkeiten in Zukunft am dringendsten benötigt werden und die Bereiche in Unternehmen zu stärken, die nach der Pandemie für Wachstum sorgen können“, sagt Hennige. Er plädiert für einen engen Austausch zwischen Politik und Wirtschaft, „damit Weiterbildungen angeboten und Anreize gesetzt werden, um neue Jobs zu schaffen“.

Erst einmal geht er aber davon aus, dass die Arbeitslosenzahlen weiter steigen werden. Nur der IT-Branche sagt er aufgrund der coronabedingt beschleunigten Digitalisierung ein Plus an Arbeitsplätzen voraus. Für das Gros der Branchen gelte aber laut Hennige bis auf Weiteres: Flexibilität und Agilität bleiben wichtige Eigenschaften auf Seiten der Arbeitgeber und -nehmer. „Unternehmen müssen für sich austarieren, mit welchem Personal-Mix aus temporären und festangestellten Mitarbeitern sie am besten aufgestellt sind.“

07.10.2020    Karina Engelking
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