15.09.2020    Miriam Rönnau

DUB DIGITAL WEEK

Online-Marketing neu denken

Live-Events vollständig digitalisieren? Mal eben schnell einen Podcast produzieren? Werbung schalten nach dem Motto „Viel hilft viel“? Das sind genau die falschen Wege, betonen Experten bei der DUB DIGITAL WEEK. Sie geben Tipps und verraten Kniffe, wie Marketing besser geht.

Diese Speaker haben auf der DUB DIGITAL WEEK zum Thema Vertrieb gesprochen:

  • Philipp Westermeyer, Gründer, OMR
  • Kai Herzberger, Group Director DACH & EMEA, Facebook
  • Matthias Mehner, CMO, MessengerPeople
  • Mareike Juds, Head of Marketing & Communikations, CleverReach
  • Jörg Simon, Senior Vice President Marketing & Sales STRATO

„Wir haben entschieden, dass wir unsere Aktivitäten im Offline-Bereich digitalisieren“, sagt Philipp Westermeyer. Der Gründer von Online Marketing Rockstars (OMR) – Organisator von Branchenevents – geht gerne ganz eigene Wege. Während viele Veranstalter im B2B-Bereich frühere Live-Events jetzt 1-zu-1 als Digitalkonferenz anbieten, teilt Westermeyer sie in einzelne kurze Sessions auf. Für Informationen über B2B-Angebote schlägt er etwa die Entwicklung einer Bewertungsplattform vor, die ganzjährig aktualisiert wird. Die Keynote findet kurzerhand als Podcast statt, und jede Masterclass wird einzeln digitalisiert.

Eigentlich ganz einfach. Vor allem für Westermeyer, der seit rund sechs Jahren einen erfolgreichen Podcast betreibt. Wie aber fangen Unternehmer ohne Erfahrung damit an? „Zunächst gilt es, geduldig zu sein und nicht zu glauben, es entstehe ein explosionsartiges Wachstum der Nutzerzahl“, sagt Westermeyer. Anders als bei anderen Medien ist es sehr viel schwieriger, einen Podcast zu pushen. Und deshalb umso wichtiger, über ein ganzes Kommunikationspaket  nachzudenken. Neben dem Podcast sollten etwa ein separater Newsletter oder ein Instragram-Account aufgebaut werden, um neue Hörer zu gewinnen. „Clever ist auch, Werbung in anderen Podcasts zu schalten. Das ist zwar nicht günstig, aber häufig sehr authentisch. Und man erreicht die Menschen, die sich ohnehin für Podcasts interessieren.“

Nicht in der Masse untergehen: Wer Online-Marketing erfolgreich betreibt, macht die Dinge meist anders als andere

People first!

Dinge anders machen als andere – so lautet auch das Credo von Kai Herzberger. „Wir wollen Produkte erstellen, die nicht nach Werbung aussehen, sondern nach einer Entdeckung“, sagt der Group Director DACH & EMEA bei Facebook. Er bezeichnet das als „Discovery Commerce“ und beschreibt damit einen Trend, der an Stärke gewinnt: Nicht Menschen finden Produkte, sondern  Produkte finden Menschen.

Wie das funktioniert? User gehen auf eine Plattform, sehen dort ein Produkt, für das sie zuvor keinen Bedarf hatten – und tätigen einen Impulskauf. Die Zahlen sprechen für sich: „83 Prozent der Menschen entdecken auf Instagram neue Produkte, die sie vorher nicht auf dem Schirm hatten“, sagt Herzberger. Demnach gilt: Produkte entwickeln, die herausstechen, den Nutzer intuitiv überzeugen und kreativ an die Zielgruppe angepasst sind. Und dann gilt: In der Kommunikation mit den Menschen bleiben, etwa durch Telefongespräche, Messenger, LinkedIn oder über andere Wege. Eine gute Customer-Journey endet eben nicht mit dem Kauf.

Ohne Kommunikation geht nichts

Eine Möglichkeit, um mit Kunden in Kontakt zu bleiben: die Software-as-a-Service-Plattform MessengerPeople. „96 Prozent der Deutschen haben WhatsApp installiert. Daher macht es für Unternehmen Sinn, dass auch sie das Netzwerk nutzen“, sagt CMO Matthias Mehnert. Voraussetzung: Es muss skalierbar und DSGVO-konform sein. Ideal dafür ist zum Beispiel „WhatsApp Business API“. Damit die Kommunikation gut organisiert ist, automatisiert MessengerPeople standardisierte Antworten auf Fragen und gibt nur Anliegen weiter, die individuell beantwortet werden müssen.

Fünf Experten-Tipps

  1. Anstatt das komplette Live-Event vor Ort einfach 1-zu-1 zu digitalisieren, besser die Sessions digital einzeln aufbereiten
  2. Auf „Discovery Commerce“ setzen: Nicht Menschen finden Produkte, sondern Produkte finden Menschen
  3. Entlang der Customer-Journey darf die Interaktion mit Kunden nicht fehlen – etwa über soziale Netzwerke
  4. E-Mail-Marketing funktioniert besser, wenn sich Unternehmen die Bedürfnisse der Kunden bewusst machen und diese berücksichtigen
  5. Wer jetzt mit der Digitalisierung startet, sollte mit kleinen Schritten vorangehen und sich kontinuierlich verbessern statt nach der perfekten Lösung zu suchen

„Gerade jetzt besteht ein Bedarf an Kommunikation“, sagt Mareike Juds. Sie ist Head of Marketing und Communications bei CleverReach. Das Unternehmen bietet eine Software für E-Mail-Marketing an, um Kampagnen zu erstellen und spezifische Zielgruppen zu erreichen. Ihr Tipp: Unternehmer müssen sich fragen, welche Art von Kommunikation sie brauchen. „Es gibt relevante und irrelevante Informationen. Gerade jetzt sollte der Content so ausgerichtet sein, dass dieser auch wirklich für die Zielgruppe interessant ist. Speziell der Kanal E-Mail Marketing kann durch den Einsatz von Personalisierung bei der Aussteuerung von Content unterstützen und Streuverluste vermeiden,“ sagt Juds.

Kontinuierlich weiterentwickeln

Was aber ist, wenn Unternehmen noch nicht so weit sind? Wenn sie im Zuge der Coronakrise überhaupt erst mit der Digitalisierung starten? „Wir beobachten ganz klar, dass Corona die Digitalisierung im Mittelstand beschleunigt hat“, sagt Jörg Simon, Senior Vice President Marketing und Sales bei STRATO, einem Anbieter von Website-Baukästen und Webshops sowie Hosting-Dienstleister. Aktuell wirbt das Unternehmen mit einem Spot im Fernsehen, in dem Scooter-Frontmann H. P. Baxxter „I feel STRATO“ singt. „Wir sind oft im Fernsehen mit Menschen, die laut sind und aggressiv wirken – so bleibt man in Erinnerung“, sagt Simon.

Die Resonanz auf die Kampagne ist groß: „Wir hatten noch nie so viel Interaktion“, so Simon. Womöglich bietet STRATO aber auch die richtigen Produkte zur richtigen Zeit. Denn das Unternehmen unterstützt vor allem kleine Unternehmen bei der Digitalisierung – angefangen bei der Auswahl der optimalen E-Mail-Adresse und Domain bis hin zur Website. „Im Marketing und bei der Digitalisierung gilt: keine Angst haben, einfach starten und sich kontinuierlich weiterentwickeln“, sagt Simon.

15.09.2020    Miriam Rönnau
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