08.04.2020    Miriam Rönnau

Digitale Kommunikation verbessern

Mit Precire Impact E-Mail-Pingpong vermeiden

Digitale Kommunikation läuft selten reibungslos. Thomas Belker von Precire erklärt, wie sich Missverständnisse und E-Mail-Pingpong vermeiden lassen.

Mehrere Tage dauerte es, bis das Konzept stand. Alles wurde durchdacht – und dann? Der Kunde ist unzufrieden. Das schmerzt. Seine E-Mail strotzt nur so vor Anschuldigungen: „zu kurz gedacht“, „nicht kreativ genug“, „eine absolut falsche Herangehensweise“. In solchen Momenten fällt es schwer, sachlich zu bleiben – würde man doch gern die E-Mail ausdrucken und zerknüllen. Doch solche Situationen lassen sich vermeiden: Das Tool Precire Impact analysiert vor dem Absenden einer E-Mail, wie diese auf den Empfänger wirkt. Precire-CEO Thomas Belker erklärt, wie es funktioniert.

Zur Person

Thomas Belker

ist seit Mai 2019 CEO von Precire Technologies. Zuvor war er fünf Jahre als Personalvorstand der HDI-Gruppe tätig.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Welche Technik steckt hinter Precire Impact?

Thomas Belker: Die Technik basiert auf der weltweit größten Studie, die Psychologie und Künstliche Intelligenz miteinander verbindet. Unsere Technologie erkennt psychologische Merkmale in Sprache und Text. Bislang haben 25.000 Menschen mit 38 Millionen Bewertungen Texte und Sprache hinsichtlich ihrer kommunikativen Wirkung beurteilt. Dem Anwender von Precire Impact wird in Abstufungen die Wirkung der E-Mail angezeigt. Er sieht, welche Wörter und Formulierungen überarbeitet werden könnten, um die E-Mail auf ein freundlicheres Level zu heben. Gleichzeitig wird der unfreundlichste Satz ausgewiesen. Der Anwender reflektiert so seinen Text und kann diesen vor dem Versand noch einmal optimieren.

Wie kann Precire Impact in Zeiten von Corona helfen?

Belker: Mit der Corona-Krise und dem dadurch bedingten Homeoffice in vielen Betrieben steigt die digitale Kommunikation in Form von E-Mails deutlich an. Mit der richtigen Wirkung in E-Mails kann ich als Führungskraft meinem Team durch eine positive und freundliche Haltung Wertschätzung entgegenbringen und motivieren. Auch E-Mails an Kunden, die in Krisen­zeiten etwa unter Druck stehen, werden durch den Freundlichkeitsensor positiver und wertschätzender.

Welchen Kommunikationsbereich haben Sie eigentlich im Fokus?

Belker: Precire Impact eignet sich für alle Unternehmensbereiche, deren Erfolgsgrundlage eine wirkungsvolle Kommunikation und Verständigung ist. Das umfasst die tägliche E-Mail-Korrespondenz von Kollegen genauso wie Marketingaktionen, Kundenanschreiben oder die Korrespondenz mit Geschäfts­partnern und Dienstleistern. Mit klar und freundlich formulierten E-Mails lässt sich auch E-Mail-Pingpong vermeiden und die Effizienz steigern

Können Sie Anwendungen konkreter beschreiben?

Belker: Etwa im Beschwerdemanagement: die Verständigung gelingt schneller, wenn die Korrespondenz auf ein freundliches Level gehoben wird, so dass sich der Kunde auch im Beschwerdefall verstanden fühlt. Oder schauen wir auf international tätige Unternehmen: wie viele Mitarbeiter korrespondieren auf Englisch, wie oft kommt es zu Missverständnissen? Auch hier bietet es sich an, den Text vor Versand auf Freundlichkeit und Klarheit überprüfen zu lassen.

Kann diese Sprachanalyse etwa auch im Recruiting eingesetzt werden?

Belker: Anwender von Precire Impact reflektieren und analysieren ihre ausgehenden E-Mails – nach der Prüfung durch den Freundlichkeitssensor – selbst und bearbeiten diese. Unternehmen nutzen vermehrt Active Sourcing, bei dem sie auf potenzielle Mitarbeiter zugehen. Wir helfen dabei, den passenden Ton in der Kandidatenansprache zu treffen. Aber die Anwendung von uns, die primär im Recruiting genutzt wird, ist eine andere als die E-Mail-Analyse.

Inwiefern?

Belker: Im Recruiting-Prozess können wir bei Zustimmung des Kandidaten über eine mündliche Sprachprobe seine kommunikative Wirkung abbilden. Damit analysieren wir beobachtbares Verhalten des Kandida­ten und messen, wie eine Person in unterschiedlichen Situationen tendenziell interagiert. Der Recruiter erhält für seine Personalentscheidung so eine zusätzliche objektive Einschätzung zu einem Kandidaten, die auf der angeführten Studie beruht. Das Ergebnis ersetzt selbstverständlich kein persönliches Gespräch. Es dient als ein Baustein im Gesamtprozess.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Precire?

Belker: Wir wollen die Kommunikation und Inter­aktion der Menschen in jeder Situation verbessern. Dafür fokussieren wir uns auf die Weiterentwicklung unserer Technologie, um eine möglichst präzise Analyse zu bieten. Zugleich integrieren wir die Sprachanalyse immer mehr in Tools, die eine massenhafte Anwendung im täglichen Gebrauch ermöglichen – zum Beispiel Word und Outlook. Die Verbesserung der per­sönlichen Sprachwirkung hat positiven Einfluss auf Kooperation und Kollaboration. Das führt nach unserer Überzeugung  zu einer freundlicheren Gesellschaft.

08.04.2020    Miriam Rönnau
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