Die Zahl 10 im Stil von Pflanzen
25.03.2021    Miriam Rönnau
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Fit für die Zukunft

Nachhaltigkeit in Unternehmen: 10 Tipps für Führungskräfte

Durch die Coronapandemie hat sich die Prioritätensetzung in Unternehmen verändert. Doch inzwischen müssen Betriebe zumindest in einigen Branchen nicht mehr ums pure Überleben kämpfen, sondern können sich auch wieder langfristigen Maßnahmen widmen. Dabei steht ein Aspekt besonders im Fokus: der Trend zu mehr Nachhaltigkeit.

Definition: Nachhaltigkeit in Unternehmen

Nachhaltigkeit hat viele Dimensionen. Doch im Kern ist damit, so Brigitte Zypries, langfristiges Denken gemeint. „Schon unser seit über 50 Jahren existierendes Grundgesetz ist nachhaltig angelegt, wenn wir an die darin verankerten Werte wie etwa Chancengleichheit, Menschenwürde oder das Recht auf Freiheit denken“, sagt die Bundeswirtschaftsministerin a.D. sowie Herausgeberin von DUB UNTERNEHMER.

Und lange gelte die Coronakrise ohnehin nicht als Ausrede für Unternehmen, die sich dem nachhaltigen Wandel bisher nicht stellen wollen. Man sollte die aktuelle Phase lieber nutzen, betont Zukunftsforscher Matthias Horx: „Im Grunde ist das nur die Übungskrise für die Auseinandersetzung mit der Erderwärmung.“

Klar ist jedoch: Ob aus eigenem ökonomischen Antrieb oder aber vom veränderten Bewusstsein der Konsumenten oder Auflagen vonseiten der Politik getrieben – das Bewusstsein deutscher Unternehmen in puncto Green Economy ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Im Allgemeinen meint Green Economy das wirtschaftliche Bestreben, Ökologie und Ökonomie miteinander zu verbinden.

Auf politischer Ebene ist meist die Rede vom Green Deal. Dahinter verbirgt sich ein von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen entwickeltes Konzept, um Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Der Green Deal sieht etwa die Dekarbonisierung des Energiesektors, eine Erhöhung der Energieeffizienz von Gebäuden oder auch branchenübergreifende Investitionen in umweltfreundliche Technologien vor.

Kurz gesagt gehören laut Umsetzungsplattform Green Economy (BMBF) folgende Handlungsfelder zur Green Economy:

  • Produktion und Ressourcen
  • Nachhaltige Mobilitätssysteme
  • Nachhaltige Städte
  • Nachhaltige Energieversorgung
  • Nachhaltigkeit und Finanzdienstleistungen
  • Nachhaltiger Konsum

Je nach Branche sind diese Handlungsfelder in den Betrieben natürlich unterschiedlich gewichtet. Insgesamt lässt sich aber sagen: Grünes Wirtschaften birgt enormes Potenzial für wirtschaftliche Akteure– und lässt sich schon mit kleinen Tipps im Betrieb umsetzen (siehe Tipps unten). Denn sowohl bei Kunden als auch bei Fachkräften können Unternehmen damit punkten – etwa in Bezug auf ihr Employer Branding oder in der Chancensteigerung im War for Talents.

Was bedeutet Nachhaltigkeit im Betrieb?

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit im Unternehmen ist von Firmengröße, Branche und Standort abhängig. Grüne Geschäftsmodelle sind dabei vor allem Wachstumsmodelle, welche die Umwelt berücksichtigen. Nach einer Statista-Prognose werden die Umsätze im Bereich Umwelt- und Klimaschutz von 2017 bis 2025 um über 35 Prozent steigen. Weitere exemplarisch skizzierte Wachstumsgaranten sind etwa nachhaltige Geldanlagen und Green Start-ups.

Anders als kleine und mittlere Unternehmen sind Großunternehmen zur Berichterstattung bezüglich ihrer Corporate Social Responsibility (CSR) verpflichtet. „CSR ist als unternehmerische Sozial- und Gesellschaftsverantwortung in vielen Unternehmen stark verankert“, sagt Christopher Koska, CDR-Experte und Partner des Beratungsunternehmens dimension2. Doch: Die Auslegung ist dabei sehr unterschiedlich. Laut Statista-Dossier „Green Economy“ zeigen repräsentative Umfragen: Über 40 Prozent der Unternehmen sehen ökologische Nachhaltigkeit zwar als Teil der Unternehmensphilosophie an, doch nur knapp 25 Prozent gehen mit ihren Maßnahmen über gesetzliche Standards hinaus.

Eine Erweiterung von CSR ist die Corporate Digital Responsibility (CDR), bei der die unternehmerische Gesellschaftsverantwortung um Digitalisierungsaspekte ergänzt wird. Dazu gehört etwa der verantwortungsvolle Umgang mit Daten, insbe­sondere mit kundenspezifischen Informationen.

Schon jetzt wird deutlich: Nachhaltigkeit in Unternehmen ist mehr als nur die Berücksichtigung von Umwelt ökologischen Themen – und geht weit über das papierlose Büro und die Vermeidung von Müll hinaus. Vielmehr vereint eine Nachhaltigkeitsstrategie drei Komponenten: ökologisch, ökonomisch, sozial. Nachhaltige Entwicklung meint dabei ganz grundlegend Strukturen, die auf unbegrenzte Zeit tragfähig sind, über genügend Ressourcen verfügen und das Unternehmen zukunftsfähig machen. Und wer will nicht möglichst lange am Markt bestehen bleiben?

Welche Unternehmen sind gute Vorbilder in Sachen Nachhaltigkeit?

Mit der zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeit und Umwelt in Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft spiegelt sich der Aspekt auch in vielen Geschäftsmodellen wider. Besonders Start-ups legen gerne den Fokus auf Nachhaltigkeit. Einige Beispiele:

  • Recup: Die Gründer haben eine Mehrweg-Alternative zum Coffee-to-go-Becher entwickelt.
  • Share: Das Team gibt beim Kauf eines jeden Produkts ein vergleichbares an Menschen in Not.
  • Planetly: Mit dem Tool können Unternehmen ihren CO2-Fußabdruck analysieren und regulieren.
  • CleanupArmy: Das Start-up nutzt die Skalierbarkeit digitaler Technologien, um weltweit Müllverschmutzungen zu beseitigen.
  • ME Energy: Die Berliner entwickeln Schnellladesäulen, die überall – ohne Anschluss an das Stromnetz oder Anforderungen an Infrastruktur – aufgestellt werden können.
  • Tomorrow: Das FinTech vereint intelligentes Banking per App mit nachhaltigen Investments.

Die Liste nachhaltiger Start-ups ist noch weit länger, Beispiele gibt es viele. Wer sein Unternehmen etwa noch ökologischer ausrichten beziehungsweise optimieren will, kann dies beispielsweise über Click A Tree machen. Das Tool bietet über 40 wertvolle Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen.

Neben Start-ups nehmen sich inzwischen auch viele Großunternehmen diesem Thema an. Die Initiative „Entrepreneurs for Future” macht das Engagement einiger Unternehmerinnen und Unternehmer transparent. Doch Vorsicht: Das Thema Nachhaltigkeit provoziert; oft folgt auf erste Maßnahmen der Vorwurf des Greenwashing.

2020 hat das Amazon-Chef Jeff Bezos am eigenen Leib gespürt. Er hat angekündigt zehn Milliarden US-Dollar für den Klimaschutz zu spenden. Kurz darauf ertönten Stimmen, dass Amazon seine Mitarbeiter nicht fair bezahle, die Lieferketten alles andere als umweltfreundlich seien und dass der Online-Händler weiterhin Öl- und Gasunternehmen unterstütze. Somit sei sein „Bezos Earth Fund“ eher reines Marketing und nur ein geringer Beitrag zum Klima- beziehungsweise Umweltschutz.

Wie lässt sich Nachhaltigkeit im Unternehmen umsetzen und gestalten?

Was haben Digitalisierung und Nachhaltigkeit gemeinsam? Beides beginnt im Kopf. Wer sein Unternehmen nachhaltiger gestalten will, muss bei der Unternehmenskultur starten. Es gilt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abzuholen und ihnen deutlich zu machen, warum das Thema für das Unternehmen wichtig ist. Während für einige Angestellte eine positive CO2-Bilanz schon selbstverständlich ist, verbinden andere damit noch eher eine „Öko-Kultur“ abseits jeglichen wirtschaftlichen Mehrwerts.

Und wie gelingt es, beide Seiten abzuholen? Durch eine konkrete Zielsetzung, die im gesamten Unternehmen und in den einzelnen Büros kommuniziert wird. Hilfreich ist auch, eine Task-Force zu gründen, in der sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbringen können. Das gibt ihnen das Gefühl, Teil des Change-Prozesses zu sein. Und das wiederum hilft ihnen, die jeweiligen Maßnahmen auch am Arbeitsplatz zu leben.

Den ökologischen Fußabdruck zu berechnen ist das eine. Diesen aber auch zu verstehen – das ist etwas Anderes. Deshalb kann es helfen, die einzelnen Komponenten durchzugehen und sie sowohl für den privaten als auch den wirtschaftlichen Bereich zu definieren. Es gilt zu hinterfragen:

  • Wie lässt sich der Weg zur Arbeit noch ökologischer gestalten? Sollten hier neue Maßnahmen wie Fahrradleasing als Benefit angeboten werden?
  • Wie steht es um den aktuellen Energieverbrauch? Ist Ökostrom wirklich teurer?
  • Lässt sich das Abfallmanagement nachhaltiger organisieren?
  • Wie sind die Logistikprozesse gestaltet? Wo ist Optimierungsbedarf?

Die Frage, ob ein Geschäftstermin wirklich persönlich stattfinden muss oder ob hier nicht ein Zoom-Meeting reicht, liegt natürlich ebenfalls nahe. Viele Experten gehen davon aus, dass auch nach Corona aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung der Trend zur digitalen Kommunikation Bestand haben wird. Schon jetzt finden viele Events und Konferenzen digital statt.

Zehn Tipps für ein nachhaltiges Unternehmen

Doch welche konkreten Maßnahmen sollten Unternehmen Schritt für Schritt angehen, um nachhaltiger zu werden? „Wir reden nicht mehr über ein Ob, sondern über das Wie einer klimaneutralen Wirtschaft“, erklärt Lara Obst. Die Gründerin von THE CLIMATE CHOICE gibt zehn Tipps, wie Klimaneutralität gelingt.

  1. Auf Transparenz und einen Dialog mit den Stakeholdern setzen
  2. Die Unternehmensvision und -strategie definieren
  3. Klimaziele und Nachhaltigkeitsindikatoren festlegen
  4. Die aktuellen CO2-Emissionen messen
  5. CO2-Reduktionspotenzial analysieren
  6. Eine Reduktions-Roadmap erstellen
  7. Die Verbesserungsstrategie in konkrete Handlungen umsetzen – etwa erneuerbare Energie nutzen, Flug- und Autoreisen reduzieren, Carsharing und E-Mobilität nutzen, in der Kantine vegetarische Gerichte anbieten und Küchenabfälle vermeiden, Online-Events präferieren, grüne IT beschaffen, Einkauf und Produktionsprozesse CO2-arm gestalten
  8. Lieferanten einbeziehen und so die Verantwortung entlang der Lieferkette teilen
  9. Internationale Reporting- und Impact-Standards übernehmen, um den eigenen Einfluss vergleichbar zu machen
  10. Auf anhaltende Transformation setzen
25.03.2021    Miriam Rönnau
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