18.06.2020    Miriam Rönnau
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Studie

Wirtschaft und Gesundheit im Einklang

Entweder-oder? Wer glaubt, dass die Interessen des Gesundheitsschutzes und die der Wirtschaft grundsätzlich in Konflikt stehen, irrt. Zumindest, wenn es nach den Forschungsergebnissen einer Studie von Epidemiologen und Ökonomen geht.

Die einen kritisieren Lockerungen, wollen viel Abstand wahren. Die anderen fordern größtmögliche Freiheit, plädieren für – wenn überhaupt – geringe wirtschaftliche Beeinträchtigungen. Es wirkt so, als könnten die Bundesbürger bei Corona nur in Extremen denken. Beide Positionen sind wenig hilfreich, kaum umsetzbar – und vor allem: weder für Wirtschaft noch Gesundheit eine Ideallösung.

Auch in der Pandemie gibt es ihn: den goldenen Mittelweg. Wie der aussieht, zeigt eine gemeinsame Studie des ifo Instituts und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung.

Ein politischer Balanceakt

In der Studie gehen die Forscher davon aus, dass die Politik das Ziel verfolgt, die Epidemie einzudämmen und die Zahl der Neuinfektionen auf rund 300 Fälle pro Tag zu reduzieren. „Mit der aktuellen Kapazität der rund 400 Gesundheitsämter in Deutschland kann davon ausgegangen werden, dass mit 300 Fällen täglich ein ausreichender Anteil der Neuinfizierten und deren Kontaktpersonen identifiziert und unter Quarantäne gestellt werden kann“, heißt es in der Studie.

Anders gesagt: In der Corona-Pandemie ist 300 die magische Zahl. Diese symbolisiert die Vorzüge beider Seiten: Steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen nicht über 300, können Beschränkungen gelockert werden und Betriebe ihre Arbeit wieder hochfahren – ohne die Gesundheitsversorgung der Bundesbürger zu gefährden.

Zu schnelle Lockerungen hingegen führen nicht nur zu einer höheren gesundheitlichen Beeinträchtigung, gar mehr Todesfällen, sondern auch zu einer wirtschaftlichen Benachteiligung: Die Produktion müsste dann für einen wesentlich längeren Zeitraum auf einem niedrigen Niveau gehalten werden, sodass die wirtschaftlichen Kosten für 2020 und 2021 insgesamt höher ausfallen würden.

Es scheint, als würde die Politik genau diesem Szenario folgen wollen. Bereits am 20. April 2020 hatten Bund und Länder in einer Konferenz die stufenweise Lockerung der Shutdown-Maßnahmen beschlossen. Die Reisewarnung ist seit dem 15. Juni für 31 europäische Länder aufgehoben. Wie sich diese Lockerungen auf die Neuinfektionen auswirken werden, bleibt spannend. Ebenso, ob die zahlreichen Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Tod des US-Amerikaners George Floyd und der „Black Lives Matter“-Bewegung ein Gesundheitsrisiko darstellen – wie von vielen befürchtet.

18.06.2020    Miriam Rönnau
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