21.10.2020    Kai Makus
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Personalentwicklung

Mit digitaler Weiterbildung die Krise meistern

Im Ringen um Fachkräfte kann es lohnender sein, Mitarbeiter fortzubilden, anstatt neues Personal anzuwerben. Gerade kleinen und mittelgroßen Unternehmen bietet die Krise eine Chance, sich damit für die Herausforderungen der Digitalisierung zu wappnen.

Am DUB Digital Business Talk nahmen teil:

Moderation: Arne Gottschalck, Redakteur DUB UNTERNEHMER-Magazin

Berufliche Fortbildung ist eine Change-Thematik für Unternehmen, nicht nur eine Frage der Personalentwicklung: Davon ist Philipp Leipold, Gründer und Geschäftsführer des Fortbildungsanbieters AW Academy Germany überzeugt. Die Corona-Krise zeigt, dass viele Unternehmen ihre Talente trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten halten wollen – „sie müssen sie aber Aufschlauen“, um die transformativen Herausforderungen zu meistern, sagt Leipold im DUB Digital Business Talk. Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & France beim Personaldienstleister Robert Half, pflichtet ihm bei: Durch Covid-19 steht das Thema Fortbildung „ganz oben auf der Agenda. Aber der Mittelstand ist hinten dran in dieser Entwicklung“, warnt er.

Dabei stehen die Chancen dafür, Mitarbeiter neu zu befähigen (Reskilling) oder ihnen das Abbiegen auf einen neuen Karrierepfad zu ermöglichen (Upskilling) gut. Denn die Arbeitnehmer sind keineswegs bildungsfaul, hat Aaron Overmeyer, CEO der Industriefortbildungsplattform IND.ACADEMY, festgestellt: „Es gibt einen großen Hunger nach Weiterbildung, mangelt aber an der Zugänglichkeit.“ Zur Verfügung stehen müssen die richtigen Bildungsinhalte zur richtigen Zeit am richtigen Ort und im richtigen Format. Dazu dürfen klassische Präsenzseminare nicht einfach eins zu eins online gestellt, sondern müssen neu konzipiert werden. Dann kann der wichtige Austausch unter den Teilnehmern auch über Zoom gelingen.

Ganz persönliche Learning Journey

Dalia Das hat für das von ihr gegründete Unternehmen neuefische, das in dreimonatigen Kursen Quereinsteiger zu Webentwicklern und Data Scientists ausbildet, vor allem stark an der Vermittlung der Inhalte gearbeitet. „Die didaktische Revolution geht der digitalen Bildungsrevolution voran“, glaubt sie. Leipold sieht ebenfalls die technischen Voraussetzungen vorhanden, um aus der Fortbildung eine „ganz persönliche Learning Journey“ zu machen.

Auf eine solche Bildungsreise können Unternehmen ihre Mitarbeiter schicken und so das Fehlen von 124.000 IT-Fachkräften zumindest teils kompensieren, das der Branchenverband Bitkom konstatiert. Doch wie finden Mittelständler den richtigen Weg? Für Leipold beginnt es mit einer Bestandsaufnahme: „Ich muss die Kompetenzen erfassen und schauen, welche Potenziale ich im Unternehmen habe und wie ich sie durch Fortbildung für meine Geschäftsstrategie nutzen kann.“ Eine Frage des Glaubens an die eigenen Leute. Wichtig: „Die Mitarbeiter von Anfang an in den Prozess mit einbeziehen“, mahnt Hennige. „Das kann eine Binnendynamik in Gang setzen.“

Leadership und Motivation entscheiden

Es kostet mittelfristig mehr, Personal zu verlieren, statt es fortzubilden, sagt der Personaldienstleister. Die Investition in eine Maßnahme lohnt sich aus Sicht von Gründerin Das meist – denn die Mitarbeiter kommen „motivierter und produktiver zurück“, weiß sie. Wer mit Spaß lernt, verlässt eben auch gerne seine Komfortzone. Sie empfiehlt Mittelständlern, finanzielle Förderung durch den Staat in Anspruch zu nehmen, die zum Beispiel nach dem Qualifizierungschancengesetz besteht.

Darüber hinaus muss der Staat laut Das vor allem kommunikativ „Weiterbildung salonfähig machen“: „Wir reden immer nur über die Schule, wo die nächste Generation digitalisiert werden soll.“ Dabei stehen die Generationen davor mitten im Arbeitsleben. Deswegen hat Fortbildung auch wenig mit dem Alter zu tun, so Plattformmitgründer Overmeyer: „Es geht vielmehr um Leadership und Motivation.“

DUB Business Talks

21.10.2020    Kai Makus
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