23.10.2020    Manuel Kunst
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Plagiate

Vor Produktpiraterie gut geschützt?

Gefälschte Waren wirken sich nicht nur negativ auf den Umsatz von Markenherstellern aus, sondern bringen auch einen immensen Imageschaden mit sich. Dabei können überschaubare Maßnahmen Abhilfe schaffen.

15 Milliarden Euro: Das ist die Summe der Steuereinnahmen, die alleine dem deutschen Fiskus jährlich aufgrund von Produktfälschungen verloren gehen. Das zeigt der Statusbericht 2020 des EU-Amtes für geistiges Eigentum.  Besonders betroffen sind danach Markenprodukte aus den Bereichen Kosmetik und Körperpflege, Weine und Spirituosen, pharmazeutische Erzeugnisse sowie Spielwaren.

Im DUB Digital Business Talk diskutieren Experten aus Sicht eines Unternehmens, der Justiz und der aktiven Fälschungsbekämpfung das Thema Produktpiraterie. Vollkommen schützen könne man sich vor Produktfälschung nicht. Bedingungslos kapitulieren vor der schier unendlichen Anzahl an Fälschungen, sollten die Hersteller jedoch nicht.

Am DUB Digital Business Talk nahmen teil:

Moderation: Arne Gottschalck, leitender Finanzredakteur DUB UNTERNEHMER-Magazin

Negative Facette des Unternehmensalltags

Doch wie wirkt sich Produktfälschung auf sie aus? „Das Thema Plagiate ist so alt wie die Menschheit selbst“, sagt Katrin Bode, Pressesprecherin von Koziol, einem Familienunternehmen aus dem hessischen Erbach, das sich auf die Herstellung von Wohn- und Küchenaccessoires aus Kunststoff spezialisiert hat. Produktpiraterie gehöre schon fast zum Unternehmensalltag. Fast jeden Monat müsse sich der Konzern mit Produktfälschungen auseinandersetzen. Der finanzielle Schaden sei sehr hoch.

„Wenn wir auf Plagiate stoßen, schreiben wir die Händler direkt an, weil es meist auch in ihrem Sinne ist, wenn keine Plagiate über ihre Plattform angeboten werden“, sagt Bode. „Wir können jedoch nur die rechtliche Grundlage schaffen, um unsere Produkte zu sichern. Das garantiert aber keinen Schutz.“ Durch das Internet sei das Aufkommen von Marktpiraterie erheblich gestiegen. Abseits des finanziellen Verlusts komme auch noch ein großer Imageschaden hinzu, weil Käufer von Plagiaten die schlechte Qualität der Ware mit dem Originalhersteller in Verbindung bringen.

Nicht auf Verfolgung verzichten

Auch der Mittelstand ist nicht vor Produktpiraterie geschützt. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben Angebote im Programm, die weltweit einzigartig sind, einen hohen Wiedererkennungswert haben und deshalb weltweit gefälscht werden, erklärt Richard Dissmann. Er ist Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf die Verfolgung von Produktpiraterie. Seit knapp 20 Jahren hilft er sowohl großen Marken als auch Mittelständlern beim Kampf gegen Kriminelle. Er widerspricht Bode: Der Kampf sei nicht aussichtslos, man müsse die Mittel der Verfolgung nur richtig anwenden.

Laut Dissmann gibt es auch Strategien abseits von teuren Blockchaintechnologien, die schon mit kleinem Budget realisierbar sind. „Fälscher sind meistens nur knapp hinter den Sicherheitsstandards hinterher. Deshalb wird es niemals eine vollkommene Absicherung geben. Das sollte Unternehmer jedoch nicht entmutigen. Schließlich mache es bereits einen großen Unterschied, ob man sich im Gegensatz zur Konkurrenz mehr mit dieser Thematik beschäftigt.“ Man könne es beispielsweise durch eine konstante Überwachung des Marktes, die Implementierung neuster Sicherheitsmerkmale und nicht zuletzt durch einen Anwalt den Produkt- und Markenpiraten so schwer wie möglich machen. Dann kopieren diese lieber ein anderes Produkt.

Transparenz schaffen

„Es braucht einen langen Atem,“ sagt Nicole Hofmann, CEO und Co-Gründerin von Sentryc. Das Unternehmen bietet eine durch künstliche Intelligenz gestützte Plattform, welche Produktfälschungen im Internet aufspürt und die Informationen an den Auftraggeber weiterleitet. Hofmann: „Viele Unternehmer sind sich unsicher, ob sie die Vorleistung für den Schutz ihrer Marke leisten sollen.“ Klar sei, dass nicht jede Spur verfolgt werden könne. Es müsse somit von Fall zu Fall abgeschätzt werden, ob sich der Aufwand für das Unternehmen am Ende auszahlt.

Wichtig sei aber, ein detailliertes Bild des Problems zu bekommen. Ohne technische Hilfsmittel sei das kaum möglich. Hofmann will Betroffenen Mut machen. „Plagiate sollten Unternehmer nicht nur rein negativ betrachten. Markenpiraterie ist immer auch ein Zeichen dafür, dass ihr Produkt ein qualitativ hochwertiges Alleinstellungsmerkmal hat.“ Durch die Globalisierung sei künftig zudem eine größere Übereinstimmung internationaler Markenrechte zu erwarten. Die juristischen Schritte könnten dann international schneller eingeleitet werden.

23.10.2020    Manuel Kunst
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