22.07.2020    Florian Unterfrauner
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The New Normal

Kretschmer: Deutschland muss erster Markt für Flugtaxis werden

Sachsens Ministerpräsident hat im DUB Digital Business Talk weniger Regulierungen für die Wirtschaft, stärkere Förderung der Auto- und Technologieindustrie, enge Zusammenarbeit in Europa und ein klares Bekenntnis zu Digitalisierung in der Bildung gefordert. Nur so könne sich die Bundesrepublik als Innovations- und Technologiestandort durchsetzen.

Als Beispiel nannte er Flugtaxis. Zurzeit gibt es mit Unternehmen wie Airbus oder Lilium einige vielversprechende Anbieter, die an einer solchen Lösung arbeiten. „Wir sollten alles tun, damit Flugtaxis hierzulande getestet und auch zugelassen werden können“, sagte Kretschmer (CDU). Er sehe zwar ein großes Innovationspotential in Deutschland, strenge Regelungen wie das Arbeitszeitgesetz oder Datenschutz machten eine Umsetzung aber schwierig. Deutsche Unternehmen verlegten ihr Geschäft deshalb lieber in die USA. Mit mehr Freiheiten für Unternehmen will Kretschmer dafür sorgen, dass Innovationen wie zum Beispiel ein Flugtaxi in Deutschland nicht an gesetzlichen Vorschriften scheitern.

Schlüsselindustrien fördern

Kretschmer kritisierte zudem das im Juni beschlossene Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Die Abwrackprämie etwa sei zu Gunsten der Mehrwertsteuersenkung zu gering ausgefallen. Für den 45-Jährigen sind Automobil- und Technologieindustrie Schlüsselbranchen, die Innovation in Deutschland vorantreiben müssen. Beide Sektoren spielten für das Bundesland eine wichtige Rolle. Sachsen hat deshalb ein 400 Millionen Euro schweres Programm aufgelegt, das betroffene Unternehmen in der Region bei Insolvenz-Problemen unterstützt.

Weniger Regulierung, mehr Unternehmergeist

Kretschmer sagte, die gröbsten Folgen der Corona-Pandemie seien erst im Frühjahr 2021 überstanden. Bis dahin müsse der Staat Unternehmer nicht nur mit Geld unterstützen, sondern auch mit Freiheiten – also weniger Regulierungen.

In diesem Zusammenhang kritisierte der Politiker die Diskussion über eine 35-Stunden-Woche. Für ihn sei es ein Trugschluss, dass man mit weniger Arbeit den gleichen Wohlstand erwirtschaften könne. Weniger Arbeitsstunden würden Unternehmen in ihren Möglichkeiten nur einschränken. Sie bräuchten aber mehr Freiheiten, um Leistung zu erbringen und flexibel auf neue Situationen reagieren zu können, so Kretschmer.

Tablets für alle Schüler, fordert Kretschmer

Digitaler Fortschritt in Deutschland stehe in direktem Zusammenhang mit Investitionen in digitale Infrastruktur. Deshalb müsse die Bundesregierung ihr Digitalpaket konsequent umsetzen. Kretschmer wurde im DUB Business Talk konkret: Jeder Schüler müsse mit einem Tablet ausgestattet, die Verbindung zwischen Wirtschaft und Forschung gestärkt und weitere Lehrstühle für Digitalisierung eingerichtet werden.

DUB Business Talks

Keine Beweise für Huawei Spionage

Im Handelskrieg zwischen den USA und China sähe Kretschmer Deutschland und die EU lieber in einer unabhängigen Position. Er nannte als Beispiel den Streit um das 5G-Netz und Telekommunikationsanbieter Huawei, dem Spionage vorgeworfen werde. Er finde es „unglaublich, was Amerika macht, um eigene Interessen durchzusetzen“, sagte er. Er sehe aktuell keine Beweise, dass diese Anschuldigungen zutreffen. Europa müsse geeint bleiben, um die eigene digitale Entwicklung nach vorne zu treiben, ohne sich von äußeren Faktoren hemmen zu lassen.

Wirtschaftliche Förderung in Sachsen Tradition

Dass Unternehmer ein wirtschaftsfreundliches Umfeld brauchen, um Deutschland nach vorne zu bringen, befand auch Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen. Seit den 1990er-Jahren genieße die Wirtschaft im vier Millionen Einwohner großen Bundesland einen hohen Stellenwert. Dank gezielter Wirtschaftsförderungen habe Sachsen wichtige Unternehmen aus der Automobilbranche oder der Mikrochipproduktion für sich gewinnen können. Dabei profitiere Sachsen von der Industrietradition, die über die Landesgrenzen hinausreiche, einer guten Infrastruktur, zahlreichen Forschungseinrichtungen und einer aufgeschlossenen Haltung in der Bevölkerung. „Es gibt eine gute Beziehung zwischen lokaler Politik und Unternehmen und auch in der Bevölkerung gibt es ein starkes Bekenntnis zum Industriestandort“, sagte Horn.

22.07.2020    Florian Unterfrauner
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