22.09.2020    Hilka H. Jeworrek
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Digitale Transformation

KI: Mittelstand darf sich nicht abhängen lassen

Bereits vor der Corona-Pandemie nutzte jedes zehnte Unternehmen Künstliche Intelligenz, so eine Studie des Beratungshauses Tata Consultancy Services (TCS) und des Marktforschungsintsitutes Bitkom Research, für die 1.000 Entscheider deutscher Unternehmen befragt wurden. Dabei hatten die großen Unternehmen die Nase im Regelfall vorn. Beim Mittelstand ist noch Luft nach oben.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) erfährt in weiten Bereichen der Wirtschaft eine zunehmend wichtigere Bedeutung und ist kein bloßer Trend mehr. In beispielsweise industriellen Fertigungslinien der Automobilindustrie ist KI fast schon ein alter Hut. Die Vorteil liegt auf der Hand: durch die Leistungsfähigkeit von KI-Lösungen im Bereich der Robotik laufen Fertigungsschritte automatisiert und weniger störanfällig ab als mit einem rein manuellen Eingabesystem. Auch Spracherkennungs- und Übersetzungssoftware ist aus vielen Konzernbüros nicht mehr wegzudenken.

Auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollten über die Implementierung von Anwendungen nachdenken. Die Technologie wird mittelfristig ein entscheidender Baustein für die Wettbewerbsfähigkeit sein. Dies wird auch vor dem Hintergrund immer wichtiger, dass Länder wie die USA und China bereits weiter im Bereich der KI-Nutzung auf Produkt- und Prozessseite fortgeschritten sind. Die KMU stehen vor der Herausforderung, sich nicht abhängen zu lassen. „Die derzeitige Situation bereitet dem deutschen Mittelstand Sorge,“ sagt Dr. Nabil Alsabah, Bereichsleiter Künstliche Intelligenz bei Bitkom e.V., „viele Unternehmen sind sich unsicher, an welchen Stellen sie KI-Lösungen einsetzen können.“ Hier gelte es, die eigenen Abläufe unter die Lupe zu nehmen und zu evaluieren, an welchen Stellen Technologie diese optimieren und für die Mitarbeiter Erleichterungen bieten kann. Hier kann man sich an bereits erfolgreichen Wettbewerbern orientieren und von Best Practice-Beispielen lernen.

Bestehende Lösungen an Bedarfe anpassen

Erst nach Beendigung dieser Bestandsaufnahme ist es an der Zeit, sich mit einer möglichen Strategie zu beschäftigen. An dieser Stelle kommt dann gern der Kostenfaktor ins Spiel. Nach wie vor geistert die Mär durch die Managementetagen, dass nur eine anwendungsgenau entwickelte Lösung mit einem eigenen Rechenzentrum alle Erfordernisse abdecken kann. Für viele Betriebe ist dies heutzutage aber nicht mehr nötig . Gerade für die Bereiche der Datenanalyse und Dateneinspeisung ist es lohnenswert, einen Blick auf bereits bestehende Anwendungen zu werfen. Diese sind hinsichtlich der Wünsche des Kunden skalierbar und die Anbieter unterstützen beim Projektstart.

So können auch anfängliche Mängel im Know-How aufgefangen werden. Dr. Kay Müller-Jones, Leiter Consulting von TCS, rät, frühzeitig auf Weiterbildung der Mitarbeiter zu setzen und Kontakt zu Branchenverbänden wie dem Bitkom oder Hochschulen zu suchen. Dort gibt es Fachleute, die unter anderem darin erfahren sind, Wege aufzuzeigen, wie mittels einer Anwendung gesammelte Daten für das Unternehmen nutzbar gemacht werden können. Ebenfalls können die Experten der Unternehmensleitung  dabei helfen, mit Ängsten der Belegschaft vor Veränderungen und Arbeitsplatzverlust umzugehen und zu vermitteln.

22.09.2020    Hilka H. Jeworrek
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