31.01.2020    Ulrike Maris

Digitalisierung und Ethik

To-do-Liste: Vier Baustellen für Versicherer

2019 war ein bärenstarkes Jahr für die Assekuranz – vor allem dank des Comebacks der Lebensversicherungen. Für 2020 rechnet der Branchenverband GDV mit  geringerem Wachstum. Und einige Herausforderungen müssen die Abieter jetzt dringend in Angriff nehmen.

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) herrscht Feierlaune: Die Beitragseinnahmen stiegen 2019 um 6,7 Prozent auf 216 Milliarden Euro. Alle drei Versicherungssparten – Leben, Schaden und Kraftfahrt – leisteten dazu ihren Beitrag, sagt Wolfgang Weiler, Präsident des GDV.

Besonders Lebensversicherungen trugen zum Umsatzplus bei, den Löwenanteil des Neugeschäfts (60,3 Prozent) machten Policen mit flexiblen Garantien aus. Doch auch die Schaden- und Unfallversicherer blicken auf ein erfolgreiches Jahr  zurück. Handlungsbedarf für die Versicherer sieht Weiler vor allem in den Themenbereichen Nullzins, Klimawandel, Altersvorsorge und Digitalisierung.

Handlungsbedarf für die Branchenmitglieder

Foto von Giovanni Liverani

„Digital Day“ bei der Generali: Deutschland-CEO Giovanni Liverani sieht Smartphones als Brücke für das Angebot neue Produkte

Um auch 2020  erfolgreich wirtschaften zu können, muss sich die Versicherungsbranche großen Themen widmen: Da ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die Versicherungsunternehmen, einer der größten Abnehmer von Staatsanleihen, fordern EZB-Präsidentin Christine Lagarde  auf, die Niedrigzinspolitik zu überdenken. In der Altersversorgung soll nach Ansicht des GDV stärker auf private Vorsorge gesetzt werden. Beim Klimawandel, dem dritten großen Thema, unterstützt die Versicherungswirtschaft  den „Green Deal“ der EU-Kommission: „Wir sehen uns hier als Partner für den Umbau der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit“, sagt GDV-Präsident Weiler.

Als viertes Top-Thema, das die Zukunft der Versicherungswirtschaft bestimmt, nennt Weiler die digitale Transformation. „Wir Versicherer müssen uns in den anstehenden Auseinandersetzungen um den Einsatz von Algorithmen, von Künstlicher Intelligenz und Robotik aktiv beteiligen“, so Weiler. Es sei dabei Aufgabe der Versicherer, die ethischen Grenzen des Innovationsprozesses stets mit zu berücksichtigen:  „Wir müssen die wachsenden Anforderungen an Datensicherheit, Datenschutz und Compliance, die mit der starken Digitalisierung verbunden sind, als Chance begreifen.“

Generali Deutschland CEO Giovanni Liverani sieht in der Digitalisierung der Branche große Chancen. Auf dem „Digital Day“ der Generali erläuterte er kürzlich, wie der Versicherer seine Strategie auf den Zeitgeist ausrichtet: „Smartphones machen Neues möglich“, so Liverani. „Die Generali setzt auf Prävention statt nur auf Schadensregulierung. Wir wollen Menschen und ihre Familien sowie ihren Besitz beschützen.“ Dabei nutze die Generali die Tatsache, dass immer mehr Menschen ihr Handy stets bei sich tragen, um als „Life-time Partner“ der Kunden stets nah am Verbraucher zu sein. Zu den digitalen Lösungen des Versicherers zählt etwa Generali Vitality. Die Smart-Insurance-Lösung motiviert Kunden mithilfe einer App zu einem gesünderen Lebensstil – ein hierzulande bislang einzigartiges Konzept.

31.01.2020    Ulrike Maris
Zur Startseite