21.08.2020    Miriam Rönnau

Risikostreuung

Profi-Portfolio für Privatanleger

Mit wenig Geld einen Mix kreieren wie die Family Offices vermögender Familien? Das funktioniert, erklären Paul Huelsmann und Henning Wagner von Finexity.

Gold, Immobilien, Oldtimer – das Portfolio der Ultra High Net Worth Individuals ist vielfältig (siehe Grafik). Logisch, schließlich handelt es sich dabei um eine Klientel mit einem frei verfügbaren Vermögen von über 30 Mil­lionen Euro. Die professionellen Investoren setzen nicht auf einzelne Anlagen, sondern stellen sich insbesondere bei ihren Sachwerteanlagen divers auf – und sichern sich so ihren Vermögenserhalt. Die Investmentgesellschaft Finexity AG ermöglicht Privatanlegern eine identische Vermögensallokation – bereits ab 500 Euro über ihre Publikums- und ab 50.000 Euro über ihre Club-Deal-Investmentplattform. Wie das gelingt und welche Rolle dabei die Blockchain-Technologie spielt, erklären CEO Paul Huelsmann und CTO Henning Wagner.

Zur Person

Paul Huelsmann

ist CEO von Finexity und geprüfter Finanz­anlagenberater. Er war Co-Leiter eines globalen Inkubators, betreute acht Start-ups auf zwei Kontinenten und ist Regional Chair der Fibree Stiftung

Zur Person

Henning Wagner

ist CTO von Finexity und war über Jahre bei einer führenden IT-Beratung in Führungspositionen tätig, gründete vor Finexity bereits ein Start-up und war Leiter eines inter­national ausgerichteten Inkubators

Was ist das Besondere am Geschäftsmodell der Finexity AG?

Paul Huelsmann: Wir verschaffen Anlegern Zugang zu illiquiden alternativen Investments, wie Kunst und Immobilien. Mit der Blockchain-Technologie digitalisieren wir die Vermögenswerte, reduzieren die Einstiegsbarrieren auf ein Minimum und ermöglichen Anlegern, ihre Beteiligungen über unseren Sekundärmarkt zu handeln. Seit vergangenem Jahr offerieren wir Anlegern in Token verbriefte Immobilien zu Beteiligungen ab 500 Euro.

Wie ist das Geschäft angelaufen?

Huelsmann: Seit dem offiziellen Vertriebsstart im Dezember 2019 konnten wir über sechs Millionen Euro verwaltetes Vermögen im Immobilienbereich aufbauen. In unserem Club-Deal-Bereich mit Anlagen ab 50.000 Euro haben wir ebenfalls ein siebenstelliges Volumen finanziert.

Um die Kosten niedrig zu halten, arbeiten Sie mit der Blockchain-Technologie. Wie geht das?

Henning Wagner: Durch die Blockchain werden Intermediäre eliminiert und somit über 80 Prozent der Kosten einer herkömmlichen Wertpapieremission eingespart. Ähnlich wie ein Kontobuch werden Werte einem digitalen Schließfach, der sogenannten Wallet, gutgeschrieben und verwaltet. Vermögenswerte werden dabei in sogenannte Token übertragen. Jeder Token repräsentiert wirtschaftlich einen kleinen Teil an einem genau bezeichneten Vermögenswert. In den Token können spezifische Rechte und Pflichten wie Stimmrechte einprogrammiert werden. All diese technischen Prozesse geschehen automatisiert und erfordern kein Know-how oder aktives Eingreifen durch den Eigentümer der Token. Das Potenzial der Blockchain haben auch andere Finanzdienstleister erkannt, die unsere White-Label-Software einsetzen.

Neben dem Business mit Anlagen ab 500 Euro betreiben Sie eine Club-Deal-Plattform für Beteiligungen ab 50.000 Euro. Worum geht es dabei?

Huelsmann: Unsere Kunden haben ein starkes Bedürfnis nach Off-Market-Deals, also nicht öffentlichen Angeboten. Als wesentlichen Erfolgsfaktor haben wir durch unser starkes Partnernetzwerk Zugang zu attraktiven alternativen Investments weltweit. Im Club-Deal-Bereich vereinen wir die Nachfrage nach individuellen Lösungen mit unserem Angebot – auch für institutionelle Investoren. Um die Qualität der maßgeschneiderten Anlagemöglichkeiten als auch die individuelle Betreuung zu gewährleisten, sind die Club-Deals ausschließlich für einen geprüften Kundenkreis verfügbar. In den nächsten Wochen werden wir bis zu vier neue Immobilienprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 50 Millionen Euro im Hamburger Umland auf unserer Club-Deal-Plattform anbieten.

Welche Bedingungen muss ein Anleger erfüllen, um sich an Club-Deals beteiligen zu können?

Huelsmann: Die Freischaltung der Club-Deals steht grundsätzlich jedem unserer Kunden gleichermaßen offen. Die öffentlichen Angebote haben eine Mindeststückelung von 100.000 Euro. Um einen individuellen Kundenservice darzustellen, müssen interessierte Anleger eine Bonitäts- und Angemessenheitsprüfung abschließen. Dazu werden ein Nettovermögen von mindestens 500.000 Euro, risikolose Vermögenswerte von mindestens 100.000 Euro sowie ausreichend Erfahrungen und Kenntnisse im Sachwertbereich benötigt.

Auch etwa Kunstwerke, Oldtimer oder Diamanten sollen Gegenstände der Plattformen ab 500 Euro und ab 100.000 Euro sein. Diese Anlageklassen verlangen Spezial-Expertise. Verfügt FINEXITY über diese?

Wagner: Unsere Expertise liegt im Immobilienbereich, in der Produktstrukturierung und in der technologischen Entwicklung. Aus diesem Grund arbeiten wir eng mit Spezialisten in den anderen Anlageklassen zusammen – bereits dieses Jahr konnten wie unter anderem eine Partnerschaft mit einem weltweit führenden Kunsthändler abschließen. Andererseits können wir Finanzdienstleistungsinstituten und Asset Managern dabei helfen eigene Assets für deren Kunden zu tokenisieren, um ebenfalls von den Kosteneinsparungen zu profitieren. Im Multi-Asset-Bereich tokenisierter Produkte sind wir europäischer Pionier und suchen fortlaufend nach neuen strategischen Kooperationspotenzialen in unserem Netzwerk.

Wie können Kunden sicher sein, dass sie bei den Kapitalanlagen zu fairen Preisen einsteigen? Und welche Renditen haben sie zu erwarten?

Huelsmann: In Zusammenarbeit mit ehemaligen Fondsmanagern und Partnerbanken haben wir einen detaillierten und restriktiven Due-Diligence-Prozess für Immobilienprojekte erarbeitet. Diesen bestehen nur knapp drei Prozent der analysierten Objekte – und unser Team analysiert bis zu 100 Projekte pro Woche. Die beste Technologie bringt nämlich nichts, wenn das zugrundeliegende Asset nicht mindestens ebenso hochwertig ist. Darüber hinaus lassen wir externe Sachverständige objektive Gutachten anfertigen, um maximale Transparenz zu gewährleisten. In der Praxis führte dies bisher dazu, dass unsere Einstandspreise uneingeschränkt marktkonform oder darunter waren und dass wir – zum Beispiel in unserer ersten finanzierten Immobilie laut aktuellem Gutachten – eine Tokenpreissteigerung von 14 Prozent in den ersten sechs Monaten vorweisen können. Über einen kurzfristigen Verkauf eines finanzierten Objektes an einen institutionellen Investor und einer entsprechenden Nettorendite für unsere Anleger von über sieben Prozent nach nur drei Monaten haben wir uns ebenfalls bereits jetzt einen Track-Record aufgebaut.

21.08.2020    Miriam Rönnau
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