11.11.2020    Kim Philipp Jess
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Venture Philantrophy

Gutes tun – aber gezielt

Geld überweisen und fertig? So funktionieren Spenden von Unternehmen längst nicht mehr. Stattdessen geht es um Einfluss – im Guten. Und zwar mit einer Methode, die im Silicon Valley längst gang und gäbe ist.

Es schleicht sich an, könnte man sagen. Denn im Rücken von nachhaltigen Investments gewinnt auch das Phänomen Venture Philantropy an Bedeutung.

Nachhaltiges Investieren war ein Trend, ist aber längst zum Standard geworden. Dabei geht es darum, bestimmte Kriterien bei der Geldanlage zu berücksichtigen. Umweltaspekte beispielsweise, aber auch soziale Fragen – etwa, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter behandeln.

Die Abkürzung für die Kriteriengruppe lautet ESG, was für Environment, Social und Governance steht. Also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Man könnte auch sagen: Es geht nicht nur darum, Geld zu geben, sondern auch darum, damit etwas zu bewirken. Oder schlicht: positiv Einfluss zu nehmen.

Genau das ist auch die Stoßrichtung von Venture Philantropy. Dabei werden, vereinfacht gesagt, nur wenige Projekte gefördert, aber dafür intensiv. Und das nicht nur mit Geld, sondern auch mit Beratung und unter Einbindung eines hilfreichen Netzwerks. Eben genau so, wie Venture-Kapitalgeber vorgehen.

Wohltätigkeit findet heutzutage damit nicht mehr nur auf Charity-Events und in traditionellen Stiftungen statt. Moderne Formen wie Venture Philanthropy haben ihren Ursprung vor allem im Silicon Valley. Kernidee: Die Mittel sollen auch effizient eingesetzt werden.

Hedgefonds-Legende als prägende Figur

Beispiele: Die Robin Hood Foundation sammelte Geld unter anderem von Investorenlegende George Soros oder Schauspielerin Gwyneth Paltrow ein, um etwa Zuschüsse für benachteiligte New Yorker zu finanzieren. Und weil einer der Gründer Hedgefonds-Legende Paul Tudor Jones war, wird mit klassischen Finanzparametern nachgefasst – also kritisch hinterfragt: Wie effizient ist die gewährte Hilfe?

Die Organisation Founders Pledge unterstützt Unternehmer dabei, ihre Gewinne effektiv zu stiften. Das Spenden via Founders Pledge entspricht in etwa einer diversifizierten Geldanlage. Während beispielsweise Tierschutzorganisationen für exotische Wildtiere größere Spendenmengen erzielen können, sind andere weniger populär und unterfinanziert. Founders Pledge sorgt dann für Ausgewogenheit.

Die Liste der Mitlieder ist lang. Darauf findet sich das Who-is-who einer neuen Unternehmergeneration, darunter auch deutsche Gründer wie beispielsweise Christian Vollmann von nebenan.de, Jens Urbaniak von drsmile.de und Daniel Nathrath von Ada Health – ada.com.

In Deutschland ist dieser Spenden-Ansatz noch nicht sehr bekannt. Aber das war beim nachhaltigen Investieren anfänglich genauso.

11.11.2020    Kim Philipp Jess
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