11.11.2020
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Gastbeitrag von Alexander von Boehm-Bezing

Investieren: Welche Chancen bietet Private Debt?

In der Niedrigzinsära ist es schwer, jenseits der Börsen rentierliche Anlagen vorzunehmen. Wem größere Summen zur Verfügung stehen und wer seine Rücklagen mittelfristig ganz sicher nicht benötigt, kann einen Blick auf Private Debt werfen. Diesen Weg sollten aber nur Investoren nutzen, die über Ressourcen verfügen, die eine penible Prüfung möglich machen.

Banken ziehen sich aus immer mehr Kreditengagements zurück. Infolgedessen nutzen immer mehr Unternehmen alternative Finanzierungen außerhalb des Bankensektors, vor allem um Übernahme- und Wachstumsstrategien zu realisieren. Dadurch entsteht ein wachsender alternativer Kreditmarkt, der kapitalsuchende Unternehmen und privatwirtschaftliche Investoren direkt zusammenbringt.

Unter Private Debt versteht man in erster Linie alle Formen einer bankalternativen Kreditvergabe, die nicht an einer Börse gehandelt werden. Das Grundprinzip lautet: Private Kreditgeber übernehmen das Risiko der Unternehmens- oder Projektfinanzierung. Im Gegenzug lockt eine attraktive Rendite, die weit über der von gehandelten Anleiheinvestments liegt. Für Private Debt sind je nach Strategie Nettorenditen von 3 bis 15 Prozent pro Jahr erzielbar, zum Teil auch darüber hinaus. Voraussetzung für ein Investment ist eine gründliche Selektion und Kontrolle aller Opportunitäten. Die hohen Renditeaussichten versüßen den Mehraufwand.

Auch für Familienunternehmer interessant

Lange Zeit war Private Debt überwiegend institutionellen Investoren vorbehalten. In den letzten Jahren hat sich der Markt in der Breite und Tiefe professionalisiert. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinspolitik gewinnen Investments abseits der traditionellen Kapitalmärkte besonders für vermögende Privatanleger an Bedeutung. Für immer mehr Anleger wird Private Debt zu einer interessanten Option in der Vermögensallokation.

Private Debt kommt vorrangig für langfristig orientierte Investoren in Betracht, die auf eine kurzfristige Liquidierbarkeit verzichten können. Dies erfordert neben entsprechenden Fachkenntnissen eine gewisse Risikotragfähigkeit. Im Gegenzug optimieren Anleger ihre Vermögensstrukturierung und gewinnen eine weitgehend eigenständige Anlage mit laufendem Cash-flow. Private Debt zeigt ein eigenes Risikoprofil mit nur geringer Korrelation zu börsennotierten Aktien und Anleihen.

Gerade für Familienunternehmer sind Investitionen in Private Debt eine attraktive Option. Geldgeber und Kreditnehmer verfügen über eine große Gemeinsamkeit: Sie denken unternehmerisch und richten Investitionsentscheidungen langfristig aus. Mitunter erkennt der Firmeninhaber Parallelen zur eigenen unternehmerischen Praxis, die in die Investitionsentscheidung einfließen können.

Detailprüfung statt Schnellschüsse

So verlockend die Renditechancen auch sind, so elementar ist eine detaillierte Prüfung aller Risiken. Der Zugang zu Private Debt erfolgt über Direktinvestitionen oder private Kreditfonds, die ihre zuvor von Investoren eingesammelten Fondsmittel als Kredite an Unternehmen bereitstellen. Laut Erhebungen des Marktforschers Preqin hat sich das Volumen der europäischen Private-Debt-Engagements seit 2014 auf zirka 180 Milliarden Euro verdoppelt. Da die klassische Unternehmensfinanzierung über Banken weiter an Bedeutung verliert, wird der Private-Debt-Markt weiter an Volumen gewinnen.

Finanzwirtschaftlich sind insbesondere die Bereiche Direct Lending und Distressed Debt von Bedeutung. Direct Lending sind erstbesicherte Darlehen oder Unitranchen, eine Kombination aus vorrangigen und nachrangigen Fremdkapitalkomponenten. Sie kennzeichnet ein höheres Risiko als eine klassische Bankfinanzierung. Bei Distressed Debt handelt es sich um leistungsgestörte schuldrechtliche Ansprüche, wie zum Beispiel besicherte Darlehen, Anleihen oder Schuldscheine, bei denen eine vollständige Rückzahlung aktuell gefährdet ist.

Bei Direct Lending liegt der Fokus auf der Vermeidung von Kapitalverlusten bei gleichzeitig möglichst sicheren und planbaren Renditen. Währenddessen ist Distressed Debt eher spekulativ und auf Renditemaximierung ausgerichtet.

Eine Anlage in Private Debt geht mit vielfältigen Risiken einher. Die tatsächliche Risikobeurteilung aber ist sehr unterschiedlich und hängt maßgeblich von der individuellen Anlagestrategie ab. Es ist zu prüfen, ob das Einzelengagement sinnvoll ist und ob es zur Gesamtstrategie passt.

Beispiel Mezzaninefinanzierung eines Immobilienprojekts

Ein renommierter Projektentwickler plant die Erstellung einer Wohnimmobilie in Berlin-Mitte. Eine Baugenehmigung liegt vor und ein Generalunternehmen steht bereit. Der Verkauf des schlüsselfertigen Vermietungsobjektes an ein Versorgungswerk ist schon in trockenen Tüchern.

Der Projektentwickler besitzt eine Finanzierungszusage von 80 Prozent im Rahmen eines Bankkredits. Eine Teilfinanzierung in Höhe von 10 Prozent soll mit Private Debt durch einen privaten Kreditgeber erfolgen. Vorteil für den Projektentwickler: Die Mezzanine-Tranche ersetzt in der Regel einen Großteil des vom finanzierenden (Kredit-)Institutes geforderten Eigenkapitals. Vor einem Invest sind neben der aktuellen Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt, alle Verträge und die Projektkalkulation eingehend zu prüfen. Dazu zählen auch die Marge des Projektentwicklers und alle anfallenden Gebühren. Daneben bestehen noch Risiken wie Kostenüberschreitungen, verspätete Fertigstellung oder mögliche Bonitätsprobleme. Alles in allem aber sind die Risiken marktüblich und im Rahmen der Verhandlungen auf die Parteien entsprechend der Tragfähigkeit zu verteilen.

Wer den Weg über einen privaten Kreditfonds wählt, sollte die Erfahrungen des Fondsmanagers genau unter die Lupe nehmen. Maßgeblich ist vor allem der Track Record mit Projekten, die auf der exakt gleichen Strategie beruhen. Fondsmanager müssen dauerhaft in der Lage sein, attraktive Debt-Engagements zu gewinnen und nach eingehender Prüfung in einem Fonds zusammenzuführen. Sie achten auf eine ausgewogene Diversifikation des Portfolios, um übergroße Konzentrationsrisken zu vermeiden. Renommierte Fondsmanager können diese Kompetenz idealerweise über mehrere Konjunkturzyklen hinweg unter Beweis stellen.

Chancen durch Corona

Im Zuge der Coronakrise geraten vor allem kapitalschwache Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage. In solchen Situationen sind Banken auch aufgrund von regulatorischen Anforderungen häufig nicht in der Lage oder willens, das Engagement fortzuführen oder auch zu erhöhen. Banken trennen sich meist mit erheblichen Abschlägen von diesen Krediten. Infolgedessen eröffnen sich insbesondere im Distressed Bereich attraktive Anlagechancen, die zum einen dem notleidenden Unternehmen, als auch dem Investor zugutekommen. Klar ist, dass eine solche Anlagestrategie mit erheblichen Risiken einhergeht. Sie lassen sich aber mit einer speziellen Expertise einschätzen und professionell managen.

Investoren sollten bei Anlagen in Private Debt keinesfalls die Besicherung außer Acht lassen. Im Zuge dessen ist zu klären, ob der Titel im Worst Case zu liquidieren ist und wie werthaltig er voraussichtlich ist. Erhöhte Vorsicht ist bei nachrangigen Tranchen gefragt. Im Insolvenzfall haben immer die Forderungen des Senior Lender Vorrang, so dass andere Gläubiger oft leer ausgehen.

Um lohnende Kreditengagements besteht ein großer Wettbewerb. Erfolgsentscheidend ist der schnelle Zugang zu attraktiven Anlagen und eine systematische Prüfung. Hierbei ist insbesondere bei der Erstanlage die Unterstützung durch erfahrene Asset Manager und Family Offices unerlässlich. Nur mit professionellem Know-how lässt sich die Spreu vom Weizen trennen (siehe Infokasten).

Gezielt zum Top-Investment

  1. Passende Partner: Lohnende Investments in Private Debt sind rar gesät. Nur renommierte und gut vernetzte Asset Manager und Family Offices haben Zugang zu attraktiven Projekten. Der passende Partner organisiert und steuert den gesamten Prüfungs- und Umsetzungsprozess.
  2. Profunde Expertise: Erfolgreiche Investments in Private Debt erfordern tiefgreifende Kenntnisse von Markt und Usancen. Fonds-Manager sollten profunde Fachexpertise im Finanzierungsumfeld nachweisen können. Ein wesentlicher Faktor ist die bisherige Performance bei vergleichbaren Projekten.
  3. Detaillierte Prüfung: Jedes Investment erfordert eine tiefgehende Analyse im Rahmen eines erprobten Prüfungsprozesses. Dabei sind alle denkbaren Risikofaktoren systematisch zu identifizieren und zu analysieren. Anschließend wird ermittelt, ob die Risikobeurteilung zur individuellen Anlagestrategie passt.

Quelle: Tresono Family Office

Zur Person

Alexander von Boehm-Bezing

ist Mitglied der Geschäftsleitung von Tresono Family Office und verantwortlich für den Bereich Beteiligungen und Stiftungen. Er analysiert Investmentangebote über alle Vermögensklassen und begleitet die langfristige Vermögenssicherung von Mandanten

11.11.2020
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