28.09.2020

Gastbeitrag von Christian Oldendorff, Amplifier

Der Weg zur emissionsfreien Schifffahrt

Bis 2030 ist es möglich, Waren und Güter emissionsfrei zu transportieren. Als Reeder und Investor will ich meinen Beitrag dafür leisten, dieses Ziel zu erreichen. Einfach weil es sich nicht nur ethisch, sondern auch wirtschaftlich lohnt, sich nachhaltig aufzustellen.

Der Klimawandel ist die monumentale Herausforderung unserer Generation – und das moderne Transportwesen ist einer der größten Klimakiller. Zwei Beispiele machen dies deutlich: Wie im „Economist“ beschrieben, emittieren die 15 größten Schiffe dieser Welt durch die Verbrennung von Schweröl als Treibstoff mehr schädliche Stick- und Schwefeloxide als alle Autos dieser Welt gemeinsam. Und laut der Europäischen Umweltagentur betrug 2017 der Anteil des Transportsektors am gesamten Treibhausgasausstoß der EU-Staaten 28 Prozent. Wir können nicht weiter zuschauen und Däumchen drehen: Es ist nun unsere Pflicht, die Schifffahrt und das gesamte Transportwesen nachhaltiger aufzustellen.

Doch wir stehen nicht nur aus ethischen Gründen in der Pflicht. Wir handeln und handelten auch wirtschaftlich verantwortungslos. Ineffizienzen plagen das Transportwesen, es gehen Unmengen Ressourcen unnötig verloren: Jährlich verschwenden wir knapp 20 Milliarden US-Dollar an Treibstoff, weil Schiffe vor dem Zielhafen auf einen Liegeplatz warten. Ergo: Nachhaltigkeit ist nicht nur ethisches Wunschdenken, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Als Reeder und Investor beobachte ich seit zehn Jahren die Datensilos in der Transportbranche, ihre festen Strukturen und die Unwirtschaftlichkeit. Unter anderem deshalb gründete ich Amplifier Ventures: um Start-ups und technologische Lösungen entlang der gesamten Lieferkette zu unterstützen. Darunter auch jene, die einen direkten Einfluss auf Nachhaltigkeit und Effizienz in der Schifffahrt haben.

Software und alternative Antriebe – die Zukunft der Transportbranche

Natürlich sind dafür alternative Antriebsmodelle unerlässlich. Gerade zur See müssen wir zeitnah auf elektrische Schiffe und Fähren für kurze Distanzen sowie auf Hybridsysteme auf der Mittelstrecke umschwenken. Für große Frachtschiffe und lange Distanzen müssen wir Wasserstoff- und Ammonium-basierte Antriebe pilotieren.

Allerdings wäre es falsch, nur auf alternative Antriebe zu setzen. Die Adaptionszyklen in der Logistik sind lang. Die teuren Transportmittel und -anlagen sind teils mehrere Jahrzehnte im Einsatz, bevor sie ersetzt werden. Und sie lösen nicht das immer wiederkehrende Problem im Transportwesen: die Ineffizienzen.

Mit modernen Softwarelösungen rund um Künstliche Intelligenz, Robotik und Sensorik können wir bereits den Bestand, die Transportmittel im Einsatz, effizienter gestalten – und bereits jetzt die Umweltbelastung durch das Transportwesen reduzieren. Start-ups wie Nautilus Labs berechnen etwa mittels KI, basierend auf den technischen Spezifikationen des Schiffes und den Umweltbedingungen, in Echtzeit die idealen Routen für unsere Ozeanriesen und die jeweils passende Geschwindigkeit. Die KI optimiert so die Überfahrt und reduziert den Kraftstoffverbrauch, und zwar um bis zu fünf Prozent. Dringend benötigte Stellschrauben, um den Ausstoß an Treibhausgasen und den Kraftstoffverbrauch von 150 Milliarden US-Dollar jährlich zu reduzieren.

Unser Transportwesen ist aus der vernetzten und globalisierten Welt nicht wegzudenken. Dementsprechend müssen wir an allen verfügbaren Stellschrauben drehen, um Ineffizienzen und den ökologischen Impact zu minimieren. Bis 2030 ist es möglich, Waren und Güter emissionsfrei zu transportieren. Das ist unser Ziel.

Zur Person

Christian Oldendorff

Der Eigentümer der Reederei Nord arbeitet an der Modernisierung des Transportwesens. Er gründete den Wagniskapitalgeber Amplifier, um Software-Start-ups zu unterstützen, die an grünen und produktivitätssteigernden Technologien für die Logistik arbeiten

28.09.2020
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