25.03.2020    Wencke Menck

Resilienz-Fähigkeiten

Optimismus kultivieren

Die für viele völlig neue Situation im Homeoffice und die gesundheitliche Bedrohung durch die Corona-Pandemie wirkt sich psychisch auf Unternehmer und Mitarbeiter aus. Doch es gibt wissenschaftlich erforschte und bewährte mentale Strategien, die beim Navigieren durch schwierige Zeiten helfen können – und die zu erlernen sind.

Eine wichtige Eigenschaft ist die persönliche Resilienz-Fähigkeit. Resilienz ist das psychische Immunsystem. Wer sie hat, kann positive Stimmung, Hoffnung und Optimismus kultivieren. Resilienz-Expertin Prof. Jutta Heller sagt, es komme genau auf diese Qualität an: „Dass man es einfach schafft, sich wieder gut auf die eigenen Beine zu stellen, dass man nicht umfällt, auf keinen Fall liegen bleibt, sondern eben für die eigene innere Kraft sorgt.“

Sieben Faktoren, welche die Resilienz bestimmen und Ratschläge, wie sie zu unterstützen ist.

1. Akzeptanz

Zuallererst ist es wichtig, anzunehmen was ist. Der individuelle Einfluss ist teils begrenzt, etwa einen Streit zu schlichten, den Tod eines geliebten Menschen zu verkraften oder jetzt eben die Krise zu beenden. Viele können derzeit nicht nachvollziehen, was gerade passiert.

Tipp: Wer sich selbst innerlich stärken will, tut gut daran, die Situation zu akzeptieren, wie sie ist. Dazu gehört es auch, Gefühle anzunehmen, wie sie sind.

2. Positive Selbstwahrnehmung

Nicht resiliente Menschen neigen dazu, sich selbst schlecht zu machen, sich eher negativ wahrzunehmen und zu kritisieren. So zum Beispiel in der aktuellen Situation vorzuwerfen, nicht so gut organisiert zu sein wie andere.

Tipp: Die Selbstverurteilung stoppen und prüfen, warum die Art zu handeln, etwas Gutes hat. Chaos im Homeoffice kann zum Beispiel auch ungeahnte Kreativität hervorbringen.

3. Optimismus

Er wird nicht jedem in die Wiege gelegt. Aber auch Optimismus ist zu kultivieren. Der Mensch kann nicht wählen, welche Gedanken ihm kommen, wie zum Beispiel „Politiker sind unfähig, die werden das nie in den Griff kriegen“. Aber er kann wählen, was er aus einem Gedanken macht und ihn umformulieren: „Es sind so viele Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft mit an Bord, und zwar aus der ganzen Welt, die werden gemeinsam eine Lösung finden.“

Tipp: Mit Übung, zum Beispiel durch Achtsamkeit und Meditation, kann man aus negativen Gedanken positive machen. Vielleicht schon einmal etwas Schönes für die Zukunft planen, eine Reise zum Beispiel.

4. Positive Emotionen

Evolutionär betrachtet ist es normal, dass Menschen zunächst das Negative sehen, es war einst einfach wichtiger, den Säbelzahntiger zu beachten als die Blumenwiese. Und Corona steht dem Säbelzahntiger nicht in viel nach. Doch Geist und Seele brauchen positive Emotionen. Was ist das Gute an der Situation? Wie schön entwickelt sich gerade die Natur? Positive Gedanken werden zu positiven Emotionen, dann zu positiven Handlungen.

Tipp: Den Blick auf die schönen Dinge des Lebens lenken, den leckeren Kaffee, den Video-Chat mit den Kollegen und abends im Bett rückblickend intensiv nach dem Positiven des Tages suchen und es auch benennen. Psychologen empfehlen, dies aufzuschreiben, dann sind die Gedanken nachzulesen.

5. Kontrollüberzeugung

Das Wort meint, sich bewusst zu werden, dass der Mensch doch in den allermeisten Fällen die Kontrolle hat und aktiv etwas zu seiner Situation beitragen kann. Aktuelle Beispiele sind etwa zu Hause zu bleiben, auf Händehygiene zu achten, Abstand zu halten, sachlich informiert zu sein.

Tipp: Kontrolle hat zum Beispiel auch jeder über seinen Medienkonsum: Manchen tut es in diesen Zeiten sicher gut, den Medienkonsum einzuschränken oder gezielt zu steuern.

6. Selbstwirksamkeitserwartung

Ein sperriger Begriff aus der Psychologie, und in der Bedeutung ähnlich der Kontrollüberzeugung. Es geht hierbei zusätzlich darum, sich selbst zu vertrauen, eine schwierige Situation aus eigener Kraft überwinden zu können.

Tipp: In die Vergangenheit schauen, was alles schon positiv bewältigt wurde. Das hilft dabei, es in der aktuellen Situation ebenfalls zu schaffen.

7. Soziales Netzwerk

Socialising ist nicht jedermanns Sache.  Aber es ist erwiesen, dass ein gutes soziales Netzwerk die Resilienz, also die psychische Widerstandskraft, fördert. Viele telefonieren und chatten jetzt viel mehr als früher mit Familie, Freunden oder Kollegen. Doch kommt auch hier der Faktor „Kontrollüberzeugung“ zum Tragen: Wenn es zu viel wird, heißt es ausklinken.

Tipp: Bei schwerwiegenderen Problemen sollte Hilfe etwa von Beratungsstellen, Ärzten oder Heilpraktikern in Anspruch genommen werden, auch wenn sich innerlich alles dagegen sträubt.

 

Der Begriff Resilienz wurde erst Mitte des 20. Jahrhunderts mit den Erkenntnissen des Psychologen Jack Block und etwas später der Forscherin Emmy Werner populär. Doch neu sind die Erkenntnisse nicht – guten Rat fürs Durchstehen von Krisen gibt’s wahrscheinlich seit Menschengedenken. Vor fast 1.000 Jahren riet der Tibetische Meditationsmeister Milarepa (1052-1135): „Wenn man alles, was einem begegnet, als Möglichkeit zu innerem Wachstum ansieht, gewinnt man innere Stärke.“

25.03.2020    Wencke Menck
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