31.12.2020    Jasmin Freese
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Neue Studie

Rassismus: Diskriminierung am Arbeitsplatz

Rassismuserfahrungen gehört bei vielen Menschen zum Alltag – ob im Privatleben oder am Arbeitsplatz. Eine neue Studie zeigt: Beschäftigte wünschen sich vom Arbeitgeber eine stärkere Positionierung.

Jedem fünften Bundesbürger ist bereits eine Situation mit rassistischer Diskriminierung widerfahren – wobei sie selbst aber meist nicht das Opfer waren. Eine gemeinsame Panel-Studie zum Thema Rassismus in Wirtschaft & Arbeit vom Verband Gesicht Zeigen!, der Beratung EY und der Meinungsforschung Civey erbrachte, dass 17 Prozent aller Mitarbeiter eine rassistische Diskriminierung ihrer Kollegen beobachtet haben und drei Prozent dies selbst schon erlebten.

Doch was tun, wenn Rassismus am Arbeitsplatz beobachtet wird? 28 Prozent der Arbeitnehmer trauen sich nicht direkt zu ihrem Chef zu gehen, wenn sie Zeuge einer solchen Situation werden. Zwölf Prozent sind sich bei diesem Thema unsicher. Das Resultat: Diskriminierung am Arbeitsplatz wird häufig nicht thematisiert.

Grund dafür sind nicht existierende, aber notwendige Strukturen, sagt Sophia Oppermann, Geschäftsführerin von Gesicht Zeigen!. So äußerten 27 Prozent der Arbeitnehmer, sie hätten an ihrem Arbeitsplatz keine Person, die sie bei einem rassistischen Sachverhalt ansprechen könnten.Hinzu kommt die Angst vor möglichen Unannehmlichkeiten im Büro – diese befürchten 17 Prozent der Befragten. 37 Prozent der Gesamtbevölkerung offenbaren jedoch auch, dass es für sie nicht wichtig sei, sich bewusst gegen Rassismus einzusetzen.

Unternehmen in der Pflicht gegen Rassismus

Hubert Bart, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland, sagt: „Das Management steht vorrangig in der Position, Strukturen in Hinblick auf Rassismus zu schaffen. Rassistische Vorkommnisse müssen mehr Beachtung finden, damit eine bessere Atmosphäre herrscht, in der kulturelle Vielfalt genug Raum bekommt.“  Dennoch: der Gemütszustand der Beschäftigten in Deutschland ist bei diesem Thema widersprüchlich. Gerade einmal 44 Prozent meinen, dass die Haltung der Unternehmen gegenüber Rassismus stärker thematisiert werden sollte.

„Ein Unternehmen, das sich aktiv gegen Rassismus einsetzt, hat die Chance, ein modernes, offenes und inklusives Betriebsklima zu erreichen.“

Die Studie erbrachte, dass ein Großteil der Bevölkerung Deutschlands prinzipiell auf eine verstärkte Position gegenüber Rassismus in ihren Unternehmen hofft. 52 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, deutsche Unternehmen würden nicht stark genug handeln, wenn es um den Respekt und die Vielfalt in der Gesellschaft geht.„Die Mitwirkung gegen den täglichen Rassismus wird noch nicht als selbstverständlich gesehen,“ sagt Janina Mütze. „Die Unternehmen, die ihre Einstellung gegenüber Rassismus klar und deutlich rüberbringen, erlangen Anerkennung“, so die Gründerin der Meinungsforschung Civey.

Image des Wirtschaftsstandorts 

Zudem zeigt die Studie, dass 57 Prozent der Arbeitnehmer der Meinung sind, Nazismus könnte sich schlecht auf den Wirtschaftsstandort auswirken. So auch Rebecca Weis, ebenfalls Geschäftsführerin von Gesicht Zeigen!: „Wie wir festgestellt haben, lösen rassistische Angriffe oft Meldungen in den Medien aus – teils auch im Ausland. Es ist nicht zu übersehen, dass durch solche Ereignisse Fachkräfte und Investoren innerhalb und außerhalb Deutschlands entmutigt werden. Es könnte eine Bedrohung für das Wirtschaftswachstum in den betroffenen Regionen entstehen.“ Dr. Rana Deep Islam, Projektleiter der Studie bei EY, ruft dazu auf, dass die Chefs strenger gegen Rassismus in ihren Unternehmen vorgehen sollten. Außerdem unterstreicht er: „Jedes Unternehmen profitiert davon, wenn es eine starke Haltung gegen Rassismus zeigt und offen für eine vielfältige Arbeitskultur ist.“

31.12.2020    Jasmin Freese
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