Das Bild offenbart ein religiöses Kreuz, das aus blauen, weißen und lilafarbenen Blumen bestückt ist.
25.03.2021    Mark Simon Wolf
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Trauer zulassen

Wie Chefs mit dem Thema Tod umgehen sollten

Trauert ein Teammitglied um einen Angehörigen oder verstirbt ein Mitarbeiter, ringen viele Führungskräfte um die richtigen Worten und Taten. Doch wie gelingt ein pietätvoller Umgang mit dem Tod überhaupt? Im Interview gibt Emmora-Gründerin Victoria Dietrich Ratschläge, was es zu beachten gilt.

Privat ist der Umgang mit dem Tod eines Menschen bereits eine Herausforderung. Im beruflichen Umfeld gilt der Tod oftmals als Tabuthema. Völlig zu unrecht, wie Victoria Dietrich findet. Für die Geschäftsführerin und Co-Gründerin der Online-Plattform Emmora, die Serviceleistungen rund um Beerdigungen anbietet, gehört der richtige Umgang mit dem Tod eines Teammitglieds und mit Trauer zu einer guten Unternehmensführung dazu. Doch wie gelingt die Kommunikation zwischen Führungskraft und trauernden Beschäftigten?

Zur Person

Auf dem Bild ist die Geschäftsführerin von Emmora, Victoria Dietrich zu sehen. Eine blonde, lächelnde Frau.

Victoria Dietrich

bietet seit 2019 zusammen mit ihrer Co-Gründerin Evgeniya Polo über die Online-Plattform Emmora individuelle Bestattungen an. Das Start-up übernimmt die gesamte Organisation und bündelt zudem Informationen zu den Themen Tod, Bestattung und Trauer

Was ist für ein Unternehmen im Falle des Todes eines Teammitglieds ein absolutes No-Go?

Victoria Dietrich: Das A und O ist die richtige Kommunikation. Im besten Fall gibt es in jedem Unternehmen eine Art Trauerfall-Guideline, die Führungskräfte anleitet, wie der Verlust im Unternehmen kommuniziert wird, wie die Kolleginnen und Kollegen informiert werden und wer die Beileidsbekundungen an die Familie übernimmt. Die Unternehmensführung sollte klar als Stütze dienen und die Beschäftigten in ihrer Trauer nicht sich selbst überlassen. Es ist ein absolutes No-Go, zum Tod eines Teammitgliedes zu schweigen oder Business as usual anzuordnen. Von meist unangebrachten, wenn auch gut gemeinten Floskeln wie „Das wird schon wieder!“ raten wir ebenfalls ab.

Wie gelingt es Unternehmen, die Balance zwischen Rückkehr zum Tagesgeschäft und emphatischer Auseinandersetzung mit dem Tod zu finden?

Dietrich: Man sollte Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Raum für ihre Trauer geben, zum Beispiel mit einer Gedenkfeier im Büro oder einem Kondolenzbuch. Bei Beschäftigten, die besonders intensiv unter einem Trauerfall leiden, können Unternehmen Verantwortung zeigen und Möglichkeiten für eine Trauerbegleitung oder eine Therapie anbieten und diese eventuell auch finanzieren. Das zeigt nicht nur die Fürsorge der Firma, sondern verhindert auch langfristige Arbeitsausfälle.

Und ganz wichtig: Die oder der Verstorbene war ein Teil des Teams. Das heißt: Die Aufgaben und Kompetenzen dürfen nicht einfach wortlos auf die anderen Beschäftigten aufgeteilt werden. Auch hier raten wir zu einer gemeinsamen Auseinandersetzung im Team. Der kontinuierliche, regelmäßige Austausch mit den Betroffenen im Team ist zwingend notwendig, um Stress und Unsicherheiten zu vermeiden.

Welche Tipps haben Sie für den Umgang mit trauernden Angestellten, wenn eine nahe Angehörige oder ein naher Angehöriger verstorben ist?

Dietrich: Der oder dem Angestellten sollte direkt aufrichtiges Beileid bekundet werden – nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus ehrlichem Mitgefühl. Dabei empfehlen wir, das ganze Team mit einzubeziehen, etwa mit einer gemeinsam unterschriebenen Karte mitsamt Blumenstrauß. Aber bitte keine vorformulierte Karte vom Kiosk nebenan holen, die schnell mal unterschrieben wird. Ein ehrlicher Text ist extrem viel wert.

Was hat sich in Zeiten von Corona, Kontaktbeschränkungen und Homeoffice beim Thema Trauer verändert?

Dietrich: Besonders jetzt sind Trauernde sehr isoliert. Als Arbeitgeber könnte man enge Kolleginnen und Kollegen der oder des Betroffenen einbinden, um Essen vorbeizubringen oder um spazieren zu gehen. Wenn die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrt, ist auch hier wichtig sie beziehungsweise ihn zu inkludieren. Wenn sie oder er über den Verlust sprechen möchte, sollte man dieses Bedürfnis auch zulassen.

Manche Beschäftigten haben auf Dauer Probleme, sich wieder in den Arbeitsalltag einzufinden. Natürlich ist man als Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, aber unserer Meinung nach sollte es zum Gesundheitsmanagement gehören, in solchen Fällen Unterstützung anzubieten – zum Beispiel mit einer professionellen Trauerbegleitung beziehungsweise Vermittlung einer religiösen Beratung.

Emmora plant und organisiert für Menschen die Beerdigung, damit der Abschied würdevoll und im Sinne der oder des Verstorbenen verläuft. Was sind die konkreten Vorteile für Ihre Kundschaft?

Dietrich: Bei Emmora bekommen Kundinnen und Kunden das Rundum-sorglos-Paket. Das beinhaltet perfekt zusammengestellte Bestattungen, die direkt über unsere Website gebucht werden können. Ein junges, empathisches Team berät individuell und kostenlos und versucht jeden persönlichen Wunsch zu ermöglichen. Wir arbeiten dafür mit einem breit aufgestellten Netzwerk an Bestattern, Musikern und Trauerrednern. Das hat den Vorteil, dass wir bei den Wünschen unserer Kundschaft nicht nur flexibel sind, sondern ihnen auch ihrem Budget entsprechend das beste Angebot machen können. Zudem finden sich auf unserem Portal diverse Content-Formate, die sich offen mit den Themen Tod und Trauer auseinandersetzen. Unser Podcast „ende gut.“, das Emmora-Magazin und unsere Social-Media-Kanäle sind inzwischen ein wichtiger Teil der Marke geworden.

25.03.2021    Mark Simon Wolf
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