Eine Illustration von Mensch die Busreisen antreten
12.01.2021    Manuel Kunst
Anzeige

Initiative „Hilfe zur Selbsthilfe“

Busunternehmen in Not

Lockdowns, abgesagte Events, Reiseverbote: Anbieter von Busreisen haben es seit dem Frühjahr 2020 nicht leicht. Julien Figur ist CEO von Hanse Mondial, einer Full-Service-Agentur für Buslogistik. Ziel des Unternehmens ist es nicht nur die Busbranche zu digitalisieren, sondern auch mehr Menschen dazu zu bewegen mit dem Bus zu fahren, um einen geringeren CO2-Ausstoß zu erreichen. Im Rahmen der Initiative „Hilfe zur Selbsthilfe“ von DUB UNTERNEHMER berichtet Figur, wie es seiner Branche geht, wie er das vergangene Jahr erlebt hat und welche Ziele er sich für 2021 gesetzt hat.

2019 wurden laut Statistischem Bundesamt knapp 11,4 Milliarden Menschen in Deutschland mit Bus und Bahn befördert. Durch monatelange Einschränkungen des öffentlichen Lebens sowie Bedenken seitens der Bürger was die Hygiene angeht, ist der öffentliche Personennah- und -fernverkehr jedoch besonders von der Coronakrise betroffen. So berichtet das Statistische Bundesamt weiter, dass im zweiten Quartal 2020 drei Viertel weniger Personen im Fernverkehr mit Bussen und Bahnen unterwegs waren als im Vorjahreszeitraum; der Linienverkehr mit Fernbussen kam mit einem Minus von 96 Prozent nahezu zum Erliegen.

Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Fernverkehrsbranche hat, zeigt eine Studie des Mobilitäts-Start-ups Hanse Mondial. Das Unternehmen ist eine Full-Service-Agentur für Buslogistik. Dank eines Netzwerks mit knapp 1.000 Partnern ist über die Plattform von Hanse Mondial immer der passende Bus für den beruflichen oder privaten Anlass für bis zu 50.000 Personen buchbar.

Meinung aus der Branche

Selbst von der Krise betroffen, startete das Unternehmen eine Branchenumfrage, um den Austausch zwischen Busunternehmen zu stärken und die Folgen der Krise besser einschätzen zu können. 

Initiative „Hilfe zur Selbsthilfe“

Ob Neugründungen oder bestehende Firmen – bedingt durch die Pandemie fürchten viele Unternehmerinnen und Unternehmer um ihre Existenz. Die Initiative „Hilfe zur Selbsthilfe“ von DUB UNTERNEHMER bietet Unterstützung – mit einer Extra-Service-Ausgabe des Newsletters „DUB Weekly“ (200.000 Empfänger) zur Gratis-Promotion von Unternehmen in Not sowie mit einem großen Solidaritäts-Zoom-Call, der am 14. Januar als Service mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) veranstaltet wird.

Schreiben auch Sie uns Ihre Geschichte unter dem Stichwort „DUB hilft!“ an debuhr@JDB.de

Die Ergebnisse sprechen für sich: 33 Prozent der befragten Unternehmen mussten infolge der Pandemie bereits Mitarbeiter entlassen. Als Grund für die negative Entwicklung wurden die Reiseeinschränkungen (98 Prozent), abgesagte Events (79 Prozent) und Unsicherheit über künftige Geschäfte (77 Prozent) genannt.

Julien Figur, CEO von Hanse Mondial, meldete sich auf einen Aufruf der Initiative „Hilfe zur Selbsthilfe“ von DUB UNTERNEHMER. Sein Plan für 2020 sah vor, in einem neuen Büro mit fast doppelter Mitarbeiterzahl richtig anzugreifen. Corona machte diesen Plan durch Lockdowns und Reiseverbote zunichte. Im Interview spricht Figur über seinen Weg durch die Krise und die akuten Probleme der Mobilitätsbranche.

Zur Person

Ein Portrait von Julien Figur

Julien Figur

ist CEO des Mobilitäts-Start-ups Hanse Mondial. Der Betriebswirt ist bereits seit zwölf Jahren im Mobilitätssektor tätig

Wie ist Ihr Unternehmen bisher durch die Krise gekommen?

Julien Figur: Wir sind bis jetzt mit einem blauen Auge davongekommen. Selbstverständlich konnten wir unsere Ziele in 2020 nicht erreichen. Allerdings motiviert uns dies umso mehr, unsere Ziele in diesem Jahr umzusetzen. In den vergangenen Monaten haben wir viel Zeit in den Ausbau unseres Teams sowie die damit verbundenen Prozesse und Strukturen investiert. Wir versuchen stets das Beste aus der derzeitigen Situation zu machen und sind fest davon überzeugt, dass dieses Jahr positiver für uns alle ausfallen wird.

Was waren im Zuge der Krise bisher die größten Herausforderungen, mit denen Sie zu kämpfen hatten?

Figur: Definitiv die fehlende Perspektive; ein Ziel, auf das wir hinarbeiten können. Die Ungewissheit, die immer noch herrscht, ist für niemanden einfach. Zudem kamen viele Stornierungen von großen und kleineren Projekten hinzu. Dennoch haben wir jederzeit versucht, unseren Fahrgästen die Angst vor einer Busreise zu nehmen. Busreisen sind durch die hohen Hygienestandards auch in der aktuellen Zeit sicher.

Wie haben Sie sich an diese Herausforderungen angepasst? Wo sind Sie in Ihrem Unternehmen heute vielleicht anders aufgestellt als noch vor einem Jahr?

Figur: Seit der Gründung sind wir bereits sehr digital aufgestellt. Deshalb war es keine große Herausforderung uns in dieser Hinsicht an die aktuelle Situation anzupassen. Trotzdem haben wir zusätzlich viel Zeit in unser Netzwerk investiert, wovon wir langfristig profitieren werden. Wichtig war es dabei, an einem Strang zu ziehen. Deshalb freut es mich sehr, das unser gesamtes Team bei dieser Entwicklung mitgemacht hat.

Viele Unternehmen nutzen die Krise, um Arbeitsweisen und Kundeninteraktion neu zu denken. Welche Projekte wurde bei Ihnen angestoßen?

Figur: Im digitalen Bereich haben wir uns weiterentwickelt. Unsere Mobility-Management-Software konnten wir deutlich früher veröffentlichen als geplant. Damit bieten wir unseren Kunden eine digitale und transparente Mobilitätslösung, mit der Unternehmen und Eventagenturen die Auslastung, Pünktlichkeit und Effizienz der Shuttles einsehen sowie optimieren können.

Zusätzlich haben wir uns in den letzten Monaten mit unserem Nachhaltigkeitsbeitrag beschäftigt. Durch unsere Dienstleistung tragen wir bereits viel zu einer nachhaltigen Zukunft bei. Jetzt konnten wir aber in unserem Büro weitere Prozesse nachhaltiger machen.

Gibt es mit Blick auf die Auswirkungen der Coronapandemie konkrete Maßnahmen, die Sie sich von der Politik wünschen?

Figur: Eine wesentliche Forderung – nicht nur von uns, sondern von der der gesamten Busbranche – ist definitiv mehr Perspektive. Die Ungewissheit erschwert uns allen die Planungssicherheit, die wir dringend benötigen. Zudem ist es wichtig, auch junge Unternehmen finanziell zu unterstützen, die stets daran arbeiten, die Wirtschaft wieder hochzufahren und dadurch eine wichtige Säule bilden.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Figur: Die Gesundheit ist das höchste Gut; das haben wir durch die Krise wohl alle gelernt. Neben der Gesundheit wünschen wir uns aber natürlich eine baldige Rückkehr zur Normalität. Wir können zwar mit der aktuellen Situation leben, dennoch muss sich schnellstmöglich etwas ändern.

Eines unserer großen Ziele ist es, dass wir eine Million Fahrgäste sicher und glücklich an ihr Ziel bringen. Wir arbeiten stetig daran, dass unsere Fahrgäste das Vertrauen in Busreisen zurückerlangen, um damit einen nachhaltigen Beitrag zu einer umweltfreundlicheren Zukunft zu leisten. Daran werden wir von Hanse Mondial und ich persönlich täglich arbeiten.

12.01.2021    Manuel Kunst
Zur Startseite